Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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" n Gemeindebote. Lerlm, l. Mai 1903 'Ueikage zur „Allgemeinen Zeitung öes ZuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 26. April. Soeben wurde der 21. Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" aus-!'geben. Voran geht eine wissenschaftliche Arbeit des Herrn Dozenten?r. E. Baneth über „Maimunis Neumondberechnung (Teil IV>" vor- , ns, welche an anderer Stelle besprochen werden soll. Die Anstalt! urde im Sommer-Semester 1902 von 34, im Winter-Semester 1902/3! cm 40 Hörern (32 deutschen, 8 Ausländern) und von 7 Hospitanten! isucht. Die Rabbinatsprüsung haben 3 Herren bestanden. In das uuratorium ist an Stelle des Justizrats Dr. Heinrich Meyer Cohn rofessor Pagel, in das Lehrerkollegium für den erkrankten Dr. Schreiner Dr. I. Elbogen, früher Dozent am rabbüüeo! ' Florenz, eingetreten. Die Einnahmen der Anstalt betrugen im Berichtsjahre (einschließlich eines Kassenbestandes von 12276,40 Mk.) > 840 Mk., davon Jahresbeiträge 11640Mk., die Ausgaben 17 694,55 Mk. as Vermögen beläuft sich auf 252 251,45 Mk. — Die ordentliche i eneralversammlung der Lehranstalt, welche hierzu an alle Wohltäter r Anstalt hatte Einladungen ergehen lassen, fand heute Mittag im örsaale der Lehranstalt statt. Der Vorsitzende des Kuratoriums, anitätsrat Dr. Neumann, leitete die Verhandlungen mit einem hr warmempfundenen Nachruf auf den jüngst verstorbenen Geheimst Professor Lazarus ein. dessen hervorragende wissenschaftliche Becutüng er schilderte und dessen unvergeßliches Wirken um die Be- > ründung und das Gedeihen der Lehranstalt er mit dankbarer Ankennnng gebührend würdigte. In kurzen Zügen berichtete er über Ue Verwaltung, deren Daten nn Geschäftsbericht bereits gedruckt vorl egen, und teilte mit, daß die Propagandakommission im laufenden cihre bisher 13 neue Mitglieder mit 190 Mark Beiträgen geworben ibe. Die Dechargierung der Rechnung wurde aus grund der vom ontrolleur Herrn Max Weiß gegebenen Uebersicht debattelos er-? ilt und die turnusgemäß ausscheidenden Mitglieder des Kuratoriums: eheimrat Goldberger, Professor Philippson und Max Weiß iedergewählt. An Stelle des verstorbenen Professor Lazarus urde keine Neuwahl vorgenommen. In der Diskussion wurde anregt, die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in den rovinzstädten zu veranlassen, für die Lehranstalt propagandistisch zu - rrken. 22 Berlin, 24. April. Den letzten öffentlichen Vortrag im Herein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt gestern n großen Saal der „Gesellschaft der Freunde". Professor Dr. Siegend Fränkel-Breslau über „Bibel und Koran". Es hatte sich ne außerordentlich zahlreiche Zuhörerschaft dazu eingefunden, um m bedeutenden Gelehrten zu lauschen. Mancher hatte vielleicht auf ne Widerlegung der neuesten Angriffe auf die Bibel gehofft, allein e Resultate, die der Redner gab, waren wirklich das einzige, was ein tiefer und besonnener Forscher wie Professor Fränkel aussprechen l nute; und sie bedeuteten schließlich auch eine glänzende Rehabili- ' rung der jüdischen Kulturmission. Er sagte am Schluß seiner higen und streng sachlichen Darstellung: „Ob es sich bewahrheiten rd, was die neuesten Entdeckungen und Folgerungen zu behaupten winen, daß das Judentum nicht autochthon sei, daß die Bibel auf lere Quellen zurückgehe und aus ihnen seine Lehren, seine Weisheit schöpft habe, das muß abgewartet werden. Aber ob es sich bestätige, ' nicht, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß das alte Testamt der Fels ist. auf den alle neueren Lehren gebaut haben, die l rundweisheit, aus der alle Kultur des Occideuts hervorgegangen." m Koran zeigte der Redner im besonderen, wenn er auch die christliche aubenswelt gelegentlich in den Kreis seiner vergleichenden Verachtungen zog, wie die mohammedanische Lehre all ihre Kräfte und Ufte aus den hebräischen Vorbildern und aus dem Legendenschatze l s Midrasch gesogen habe. Ja, mehr noch, daß die Anschauungen und Glaubensformeln des arabischen Propheten vielfach weit hinter d r ethischen Tiefe und Schönheit der jüdischen Geschichts- und Gesetzbücher zurückgeblieben seien. Zudem habe der Verfasser des Koran sich durchweg von einseitigen Tendenzen und Rücksichten aus den Charakter seines Volkes leiten lassen. Das zeige sich schon an den Unterschieden zwischen den jüdischen und arabischen Ideen vom jüngsten Gericht, von den Qualen der Hölle und den Freuden des Paradieses. Fesselnd war der Nachweis, wie der arabische Prophet aus der heiligen Schrift, die er von den aus der Zerstörung Jerusalems nach Arabien geflüchteten Juden kennen lernte, und aus dem Midrasch die verschiedentlichsten Charaktere und Sagen — Abraham. Joseph, König Salomo und die Königin von Saba und andere mehr — übernommen und seinen Begriffen und Tendenzen gemäß umgemodelt habe. Der höchst interessante und lehrreiche Vortrag fand allgemeinen Beifall. Der Verein hat damit seine Wintersessiou in glänzender Weise abgeschlossen. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Kulm beschloß der Verein feine erste Arbeitssaisou mit einem Vortrag von Dr. R osenberg-Thoru über „Bibel und Babel". Außerdem sprachen dort während des Winters Dr. R ose n tha l-Stargard über „Die drei Rätselbücher der Menschheit", Dr. Guttmann-Kulm über „Die Stellung der Frau im Judentum", Rechtsanwalt Blumenthal- Kulm über „Die rechtlichen Verhältnisse der Juden in Preußen"; in Allenstein sprach D. Beermanu-Insterburg über „Bibel und Babel"; in Schneidemühl Dr. Rosen tha l-Stargard über dasselbe Thema; in Czarnikau Dr. Richter-Filehne über „Die Wissenschaft des Judentums im 19. Jahrhundert"; in Schubin stuck, jur. S. Markus über „Die Sittengesetze der Bibel"; in Magdeburg hielt Dr. Grz ym i sch einen Zyklus von Vorträgen über „Die jüdische Sittenlehre" ab; in Hamburg sprach Dr. I. Plato über „Babel und Bibel"; in Hamm Dr. Lewinsky-Hildesheim über „Eine Religionsdisputation vor zweihundert Jahren"; in Gelsen kircheu Lehrer Goldschm ädt-Dortmund über „Aus der Geschichte der Juden in Westfalen"; Herr Rabbiner Dr. David-Bochum über „Was lernen wir aus den assyrisch-babylonischen Ausgrabungen?" (mit Lichtbildern), Lehrer Katz-Gelseukirchen über „Religiöse Disputationen im Mittelalter; in Steinheim Lehrer Goldschmidt-Dortmund über „Jochanan ben Sakkai"; in Köln Dr. Simchowitz über „Ephraim Kuh", Herr Emil Blumenau über „Die Entstehung des Karäcrtums"; in Neuwied Lehrer Gold schmi dt-Dortmund über „Die Spiele bei den alten Israeliten"; in Oberstein Landrabbiner Dr. Lewit über „Inwiefern hat Gutzkow in seinem „Uriel Akosta" recht, wenn er sagt: „Nur aus Zweifel kommt ein frommer Glaube?"; in Hoppstädten Lehrer Lasker-Oberstein über „Die Bedeutung Gabriel Rießers für unsere Zeit"; in Bosen Dr. Lewit über „Nach welchen Grundsätzen soll der Berus der schulentlassenen Kinder bestimmt werden?"; in Soeteru Dr. Lewit über „Die drei Erlösungsfeste Israels Pessach, Chanukah und Purim und die Pessach-Haggada." 8. Berlin, 27. April. Im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach heute im Saale der Gesellschaft der Freunde vor dichtgesülltem Auditorium Rabbiner Dr. I. Ziegler aus Karlsbad über „Die jüdische Propaganda in der hellenisch-römischen Zeit." Nach einer kurzen Einleitung, in der er die emsige und eisrige Tätigkeit des Centralvereins, dessen Bedeutung im Kulturleben der deutschen Nation fest begründet sei, würdigte, gab er in nach Form und Inhalt glänzenden Ausführungen ein Bild der Vergangenheit, welche jetzt durch die Anfeindungen, die die christlichen Theologen ihr angedeihen lassen, für die Juden Gegenwart geworden ist, ein Bild jener Epoche, da das Judentum unter die Heiden ging, werbend, erobernd, voll Lebenskraft und Energie, um das Heidentum emporzuheben aus seinern moralischen Sumpf, aus seinem Lebensüberdruß zur Sittlichkeit und Gotteserkenntnis. An der Hand zahlreicher Citate aus jüdischen und nichtjüdischen, griechischen und römischen Schriftstellern der damaligen Zeit berichtete er über die beispiellosen Erfolge der jüdischen Propaganda, welche den Juden der Neuzeit, in der die gegenteilige Propaganda so wirksam betrieben werde, geradezu märchenhaft vorkomme, jene kraftstrotzende Bewegung, der auch sicherlich der Sieg beschuhen gewesen wäre, wenn ihr nicht der Zwiespalt