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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-05-01 · Heft 18 (1.5.1903) · p. Seite 216

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
Seite 216 (sequence 14)
Language
German
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216 Und wahrlich, der Grund, der die Einwohner Palästinas heute so massenhaft versammelte, um vor dem Angesichte ihres Herrn das Passahfest zu feiern, war auch ein freudiger für ganz Israel. Galt es ja einem Gottesdienste beizuwohnen, bei dem heute zum erstenmale der Liebling des Volkes seines Amtes als Hoherpriester walten sollte. Ja, der junge Aristobul, der erlauchte Sproß aus dem Stamme der Makkabäer, würde sich heute das erstemal seinem Volke zeigen, wohl nur als Priester, e r, der berechtigt gewesen, den Thron zu besteigen und über Israel zu herrschen, statt jenes tempelschänderischen, heidnischen Gelüsten heimlich fröhnenden, gemeinem Stamme entsprossenen Herodes, für den kein Herz höher schlug in Israel, für den kein Arm sich geregt hätte, wenn Gefahr ihm drohte. Allein von wannen sollte ihm Gefahr drohen? War er ja sicher unter der Obhut seiner Söldner, die ihm zujauchzten und ihm anhingen mit Gut und Blut, die ihn verehrten gleich einem Gotte, und als mordender Schlachtengott führte er ja seine Scharen stets zum Siege und bereicherte durch fremde Provinzen sein Land. Allein, was nützte es dem Volke, wenn Herodes stets neue Schlachten lieferte, ihm galt es ja doch nur, die Größe seines Namens, die Macht seiner Stellung zu erhöhen und darum mußten Ströme jüdischen Blutes vergossen werden, darum mußten jüdische Mütter zerrissenen Herzens ihre Söhne opfern, um sie im fernen Lande von wilden Kriegern abschlachten zu lassen, sie. friedliche Söhne Israels, die daheim bleiben konnten, den Boden zu Pflügen und ihren Gott zu preisen, daß er sie beschütze und ihnen ihrer Hände Arbeit Segen verleihe. Wie ganz anders jedoch gestaltete sich ihre Lage unter der Herrschaft ihres angestammten Königshauses! Wie sanft und milde hätte der edle Jüngling sein Volk regiert und wie gerne wären sie ihm gefolgt, selbst wenn er sie ans Ende der Welt geführt hätte. Ter edle Aristobul! Trotz seiner großen Jugend zierte ihn reiches Wissen und seine sanfte Bescheidenheit machte ihn dem Acrmsten und Niedrigsten znm Freund — nahte er ja jedem mit gleicher Milde und hatte für jedes Leid freundliche, tröstende Teilnahme. Darum liebten sie ihn auch und vereinigten ihr Flehen, auf daß Gott ihn glücklich werden lasse und ihn erhöhe vor Gott und den Menschen. Und was ihn dem Volke noch näher rückte und vollends die Bewunderung aller hervorrief, das war die unvergleichliche Schönheit, die den königlichen Jüngling aus.pichinle und die nicht ihresgleichen hatte! Bloß seine königliche Schwester Mariamne vermochte mit der Schönheit ihres Bruders zu wetteifern, auch sie zierte die schlanke ebenmäßige Gestalt, auch aus ihrem blauen Auge strahlte gleich dem seinen der Himmel nieder und die gleiche goldene Loüensülle, die ans des priesterlichen Jünglings Schultern herniederwallte, wob mit ihrem sonnigen Glanze einen verklärenden Schimmer um das blühende Antlitz der jungen Königin. Und dieser engetschone Jüngling aus dem vornehmsten Geschlechts Israels sollte heute, umgeben von dem Heiligenscheine des Hohenpriesters, geschmückt mit dem von Gold und Edelsteinen strotzenden Priesterkleide das Allerheiligste betreten, dem versammelten Volke das Wort Gottes künden und ihr Fürsprecher sein am Throne des Höchsten. Atemlos, freudiger Erwartung voll, harrten sie des Augenblickes, wo vor dem profanen Auge der Gläubigen die Bundeslade sich erschließe und wo dem versammelten Volke die Thor» emporgehoben wird. Die Priester hatten den Gottesdienst begonnen; rauchend stieg das Blut des Opfers empor und schwängerte mit heiße» Dampf die Luft. Heiß und flehend erhoben sich die Stimmen der opfernde» Priester und leise mengte sich das Murmeln der Frommer hinzu. Doch da war Plötzlich tiefe Stille eingezogen. Als ob ei» Engel des Herrn erschienen wäre und hätte himmlische Bot schaft gebracht. Die schweren, golddurchwirkten Vorhäng teilten sich, das Allerheiligste wurde sichtbar, und geblende von dem himmlischen Glanze der geöffneten Bundeslade, sänke, die Beter zur Erde hin und verbargen im Gewände da sündige Haupt. Dann aber erhoben sie den Blick, und wahrlich, einem Engel des Friedens glich die Gestalt vor der Lade de- Allerheiligsten und cs schien, als hätte der Herr seinem schwer geprüften Volke die Botschaft des Friedens gesandt durct diesen Götterboten und ihm verkündet, daß wieder Freude se^ für Israel, und daß ihr Flehen Gnade und Erhörung gesunde, vor dem Auge des Herrn! Strahlend in der Pracht sieghafter Schönheit war jetzt de Hohepriester dem Volke erschienen. In weichen wallenden Linien umfloß das weiße gvld gestickte Gewand die hohe Gestalt des königlichen Jünglings ans den blauen, reich mit Edelsteinen besäten Mantel sie leuchtend in seiner goldigen Fülle das lange seidige Haar um der alles überstrahlende Glanz der großen, mit der Farbe de- Himmels wetteifernden Augen verdunkelte das Glitzern um Funkeln der goldenen Krone, die umgeben von Saphiren Türkisen und Rubinen in dreifachem Reifen das stolze Haut» des jungen Priesters schmückte. Ein Leuchten und Prangen ging aus von der heilige, Stätte, wo in stiller, erhabener Hoheit Aristobul, der jüngst Hohepriester, seines hohen Amtes waltete. Die versammelten Gläubigen aber konnten ihr Auge nick» losreißen von dem herrlichen Anblick, und ein Gedanke bc wegte die Herzen aller und zu einem Gebete vereinigten sic ihre Stimmen. „Gott unserer Väter, Gott Abrahams, Isaak und Jakobs, der du unsere Vorfahren beschütztest vor de» grimmen Feind, beschütze und beschirme auch diesen holde Jüngling! Sei ihm gnädig, verleihe ihm deinen Schutz um errette ihn aus der Gefahr! Lasse ihm dein Antlitz leuchte und gib ihm deinen Frieden!" (Forts, folgt.) Spvechfnat. Geehrter Herr Redakteur! 68^er verehrlichten Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Jude' tums" möchte ich nicht verfehlen mitzuteilen, daß ich Herl Professor Delitzsch auf folgende Stellen des Neuen Testaments hi. gewiesen habe zur Berichtigung seiner letzten Kundgebung: Evangelium Mathäi Kapitel 10, Vers 6, 8, 11, 14, 15; Kapitel! Vers 22, 23, 13. 19, 21; Kapitel 3, Vers 7. 10, 11, 12; Kapitel i Vers 18.! Apostelgeschichte Kapitel 15. Vers 19. > Epistel Pauli an die Römer Kapitel 1, Vers 18; Kapitel Vers 5. 6. 9, 25; Kapitel 3, Vers 29, 30 und andere. Hamburg, 19. April. Hochachtungsvoll Dr. Immanuel Pl ati Druck und Verlag von Rudolf Dt o s se in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: MaxBauchwitzin Berlin.

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