Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 215 (sequence 13)
- Language
- German
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815 Korn in Fülle gab und ihr verloren geglaubter Bruder von hnen unerkannt den höchsten Rang im Reiche einnirnmt. Später wandert Jakob mit seinem ganzen Hause, 70 Seelen stark, nach Aegypten aus und dort wächst die Familie zu einem zahlreichen Volke an, bis sie nach einem Aufenthalt von 430 Jahren aus dem Lande, das für sie ein Haus der Knechtschaft geworden war, durch Gottes starke Hand unter Anführung des großen Propheten Mose heraus geführt wird. Die Erinnerung an diesen Aufenthalt und die Befreiung hallt durch alle Jahrhunderte wieder. Aber auch in den folgenden Zeiten reißt die Verbindung nicht ab. Der König Salomo verschwägert sich sogar mit dem Pharao, nach Aegypten fliehen Jerobeam und der Edomiter Hadad vor Salomo (1. K. 11), und nach der Zerstörung Jerusalems ziehen viele der Znrückgelassenen ebendorthin. In den späteren Jahrhunderten wird die jüdische Kolonie in Aegypten ein so bedeutender Faktor, daß er das palästinensische Judentum zu überwiegen droht und es jedenfalls auf das stärkste beeinflußt. Wenn man daher nach fremden Elementen in der israelitischen Religion sucht, dann müßte man nächst den eingeborenen Kanaanitern zuerst an Aegypten denken. Der Einfluß ist auch in der Tat vorhanden, aber es ist fast ausschließlich ein negativer. Tie israelitische Religion und Gesetzgebung ist großenteils bewußte schroffste Opposition gegen Götzendienst und Sitte Aegyptens und des damit verwandten Kanaan und von einem tiefen Abscheu gegen ihre Greuel beseelt. Don Mose ab ist die Predigt der Propheten eine unaufhörliche Warnung vor ihnen. Demnächst kämen die unmittelbaren Nachbarn Israels in Zetracht: die stammverwandten Edomiter, weiterhin die on Abraham und Israel abgeleiteten arabischen Stämme m Süden und Südwesten, also insgesamt die Hebräer im oeiteren Sinne des Wortes, sodann die Moabiter und lmmoniter, und endlich auch die Aramäer, deren Stammväter Nahor, Terach und Sem sind. Aber trotz der nahen Verwandtschaft mit diesen Völkern md trotz des lebendigen Bewußtseins davon hat Israel doch tets ein sehr bestimmtes Gefühl seiner Unterschiedenheit und Eigentümlichkeit besonders in Hinsicht seiner Religion. Von allen benachbarten und semitischen Völkern kommen mher für die Bibel die Babylonier erst zuletzt in Betracht. Die Verbindung mit ihnen ist die entfernteste und loseste. Aber, wird der kundige Bibelleser schon längst eingewendet laben, die Bibel erzählt doch selbst von einer sehr frühen und h Durch widrige Umstände ist die Korrektur des in der vorigen lummer abgedruckten Aussatzes: Prof. Delitzsch' zweiter Vortrag über Babel und Bibel" nicht «lehr in die Hände des Setzers gelangt, infolgedessen sind nicht nur mehrere Zusätze und Verbesserungen rnterblieben, sondern auch sinnstörende Fehler stehen geblieber;, nter anderem ist zu lesen: Seite 197, Spalte 1, Zeile 1: seinem ersten Vortrag; Zeile 15: trüber tauschen: alle re.; Spalte 2, Zeile 49: über die nun endlich. Seite 198, Spalte 2, Zeile 38: Wann, von wem und nach welchen Grundsätzen; Zeile 54ff.: Samuel. Könige oder gar Esra, lehemia und die Chronik, aber auch schon die Genesis und überaupt die Erzählungen des Pentateuchs. Seite 199, Spalte 1, Zeile 1: Buch der Kriege Gottes . . .. amtchen; Spalte 2, Zeile 17: gewißermaßen recht; Zeile 45: Wie soll icm es nun bezeichnen. Seite 200, Spalte 1, Zeile 25: wie ein Stäubchen auf der Vage; Spalte 2. Zeile 36 (statt aufwühlbare!) unfruchtbare; hile 40: Wir gaben also zu; Zeile 42: (statt formell) in der Ein- Neidung; Zeile 47: Zeugnis von ihm. Was (statt: von ihm, deren Vort!) innigen Beziehung. Ist denn nicht Mesopotamien die ursprüngliche Heimat der Vorfahren Israels, ja aller Semiten, wenn nicht gar der Menschheit? Von Babel zerstreuen sich die Völker über die Erde (Gen. 11), Terach wandert aus Ur Kasdim aus, um nach Kanaan zu ziehen, und als er in Ha ran verbleibt, wandert sein Sohn Abraham auf Gottes Geheiß nach dem Lande, das die Heimat seiner Nachkommen werden soll. Nach Haran sendet wiederum Abraham seinen Knecht, damit er für Jsak um eine Enkelin seines Bruders freie. Dorthin, nach Padan Ar am, der Heimat seiner Mutter, flieht Jakob vor dem Haß seines Bruders Esau und dient zwanzig Jahre dem Laban. Und vor allen Dingen der berühmte Hammnrab i, der biblische Amraphel, der Zeitgenosse Abrahams, der einen Kriegszng zum toten Meere unternimmt und von Abraham besiegt wird! Endlich die Tel-Amarna Briefe, welche eine lebhafte über Palästina gehende Verbindung zwischen Babylonien und Aegypten bezeugen?) (Fortsetzung folgt.) Versunkene Metten. Historische Erzählung aus Judäas Königszeit. Von Carola Buch heim. V. ^"'Wildem Glanze war die Sonne aufgegangen und vergoldete mit ihren: Schimmer die Gipfel der nahen Berge und nmwob mit märchenhaft zauberischer Schöne die Spitzen und vergoldeten Dächer des stolz in die Lüfte ragenden Tempels. Weit waren die Tore des Vorhofes geöffnet, und obwohl schon beinahe der ganze riesenhafte Raum voll von Menscher: war, strömten noch immer ganze Scharen andächtiger Beter zur gottgeweihteu Stätte. In langen Zügen eilten sie dein Gotteshause entgegen. Arme und Niedrige, Kranke und Schwache, Jung und Alt. alle, alle zog ein gleicher Beweggrund heute znm Tempel hin. Wohl war es Passah und heute der erste Tag des Festes. Allein in solch riesiger Anzahl konnte marr die Bewohner des gelobten Landes wohl nicht bei jedem Feste im Gotteshanse erscheinen sehen. Sei es, daß oft einzelne den Weg scheuten aus diesem oder jenem Grunde: die einen, weil die Scham sie abhielt, sich in Werktagskleidern den glücklicheren Glaubensgenossen zu zeigen und sie zu arm waren, sich bessere zu verschaffen, so daß sie es vorzogen, ihre Andacht bei sich im dürftigen Heim zu verrichten, oder auch daß der Einfluß der Heiden, die Herodes stets zahlreich mit nach Palästina heimbrachte, bereits so verderblich auf die Hebräer gewirkt hatte, daß einzelne von ihnen, zu schwach, sich diesem verderblicheil Einflüsse zu entziehen, wankend im Glauben und nachlässig in den Religionsnbnngen wurden, wie dem auch sei, das alles war gewiß: in solch ansehnlicher Menge hatte mall die Töchter und Söhne Judäas seit langem schon nicht in das Haus ihres Gottes ziehen sehen, llnd heute mußte es wohl etwas besonderes sein, daß sie in unabsehbarer Menge erschienen, so daß der schier riesenhafte Tempel für die stets znslrömenden Scharen zu klein schien.