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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-05-01 · Heft 18 (1.5.1903) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
Seite 213 (sequence 11)
Language
German
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213 Ressorts jetzt auf sehr befriedigende Weise wahrgenommen. Das ist natürlich auch Herrn Wynkoops Ansicht, iliedergelegt in einem viel kritisierten Schreibebrief an die Zentralkvmmission. Andere sind anderer Meinung; wie dem aber auch sei, das Reglement schreibt nun einmal vor, daß der Oberrabbiner innerhalb seines Bezirks wohnen muß, weist ihn an, einige Male jährlich die Religionsschule seines Wohnsitzes gl inspizieren u. s. w. Herr Wynkoop, der die Ernennung von Zeiten Amersfoorts unter den bekannten Umständen') angenommen hat, verletzte also damit die Satzung der höchsten Verwaltungsbehörde in Kultussachen, während von einem geistlichen an erster Stelle Beobachtung der rechtmäßig zu lande gekommenen Gesetze und Verordnungen erwartet werden vllte. So argumentieren die Gegner, denen wir aber, trotz unserer sonstigen Sympathie für den Genannten, in diesem Falle leider nicht zu widersprechen vermögen. Ob man es nun wirklich zum Aeußersten wird kommen assen? Die Einziehung des Staatszuschusses für die Religionschule und den Oberrabbiner des Bezirks wäre noch das kleinere lebet gegenüber dem viel schmerzlicheren, der Ausstoßung ckmersfoorts aus der kirchlichen Gemeinschaft. Da jedoch das, oas man Konfliktsstimmung nennt, glücklicherweise fehlt, so ertrauen wir noch immer, daß ein gangbarer Ausweg aus >er Wirrnis gefunden werde. Leise an Konflikt, allerdings einen ganz anderer Art, er- »nert auch das Scheiden des Haagschen Oberrabbiners, des öerrtt Dr. Leeuwenstein, der bekanntlich einer Berufung nach Kopenhagen Folge gegeben hat. Zwischen diesem und dem lirchenrat der jüdischen Gemeinde in s'Gravenhage hatten über gewisse rituelle Fragen eine zeitlang Meinungsverschiedenheiten 'estanden; beide Parteien hatten sich für ihre Ausfassung lebmft inS Zeug gelegt. Jetzt aber war die Streitaxt längst begraben, und die Kunde davon, daß Dr. Leeuwenstein Stadt md Land zu verlassen sich entschlossen habe, wirkte weit über ie Grenzen des von ihm geleiteten Sprengels, man darf wohl agen, mit der Wucht einer Peinlichen Ueberraschnng. Es ist >enn auch mehr als eine für solche Gelegenheiten geprägte und i Kurs gebrachte Redensart, wenn von einem fast unersehichen Verlust gesprochen wird. Die Arbeit, welche der Oberabbiner während der vierjährigen Amtsverrichtung im Haag ür die ihm anvertrauten geistlichen und geistigen Interessen gleistet hat, soll eine enorme gewesen sein. Welche Wertchätzung und Verehrung ihm alle, auch ehemalige Gegner daür entgegentrugen, davon legte eine am 31. März im Saal es Kirchenrats abgehaltene feierliche Zusammenkunft untrüg- -ches Zeugnis ab. Und groß war die Anzahl der Anstalten religiösen Charakters sowohl wie der Vereine für Volksbildung und eredelnde Unterhaltung, deren Vertreter sich hier eingefunden atten, um dem scheidenden Förderer und Pfadfinder in allem Hüten ein letztes Wort des Dankes zu sagen. Besonders bemerkenswert und bei der Abschiedsfeier auch erwähnt worden fit, wie trefflich dieser orthodoxe Geistliche sich zu andern Richtungen im Judentum zu stellen wußte, ein Umstand, der hm seinen Wirkungskreis in dem wohl nicht mit Unrecht für liberal" verschrieenen Kopenhagen erleichtern wird. Indes, >ei einem auf der Mittagshöhe des Lebens stehenden Mann 'on Initiative und Charakter wäre es auch nicht zu verwundern, y Gleichzeitige Beibehaltung des Amsterdamer Rabbinats und Domizils. wenn die Schwierigkeiten der Aufgabe in Sicht ihn gerade gereizt hätten, sie zu übernehmen. Herr A. R. Pereira, der Oberrabbiuer der Portugiesischen Schwestergemeinde im Haag, mit welchem Dr. Leeuwenstein ein besonders herzliches Freundschaftsverhältnis verbindet, hat sich bereit erklärt, interimistisch dessen offen gefallenes Amt mit zu verwalten. Aus dem Gottesacker der soeben genannten Gemeinde fand unlängst der bekannte Journalist Herr Moritz E. Beliufante seine letzte Ruhestatt. Erst vor kurzem, als man sein 25 Jahrjubiläum als Mitarbeiter des Amsterdamer Handelsblad, speziell als Verfasser der Parlamentsberichte dieses Blattes feierte, hatte die Regierung seine Verdienste durch Verleihung des Oranje-Nassauordens geehrt. Und nun zum Schluß von den Gräbern, den stummen und doch so beredten Zeugen des Vergänglichen, den Blick gewandt zu einem Symbol verheißungsvollen Lebens! Am 1. Nissan (29. März) feierte die Gemeinde Wageningen das Einweihungssest ihrer neuen Synagoge. Jedoch, wie schön und imposant das Gotteshaus, eine wirkliche Zier des Städtchens, von seinem Hügel den Gläubigen entgegenwinkt, wie herzerhebend auch die vom Oberrabbiner Herrn Wagenaar aus Arnheim unter Assistenz eines Amsterdamer Synagogenchors geleitete Feier sich gestaltete, — das alles ist nicht der Grund, weshalb wir einen Augenblick dabei verweilen. Aber es war ein Christ, wie seinerzeit in dieser Zeitung berichtet, Wageningens Bürgermeister Dr. jur. Hesselink van Suchtelen, der Wortführer für alle jüdischen Interessen, ,-rst in der zweiten Kammer während seiner zehnjährigen Mitgliedschaft, später mit der Feder Israels Verteidiger, der den Synagogenbau am kräftigsten gefördert hat. Ein bedeutender geldlicher Betrag und ein begeisternder Aufruf von seiner Hgnd eröffnete die Beitragsliste. Da regnete es Gaben von allen Seiten, auch die Königin gehörte zu den Donatoren, und wunderbar schnell. Dank natürlich auch dem rastlosen Eifer des aus Gemeindemitgliedern bestehenden Komitees, ist dann das Gotteshaus aus seinen Fundamenten emporgediehen, um noch späteren Tagen zu verkünden, daß Friede und Verträglichkeit zwischen den Bekennern der verschiedenen Konfessionen, selbst in diesem darin sonst nicht mustergiltigen Säkulum, kein ganz leerer Wahn gewesen! Prsf. Aelihsch' zweiter Vortrag über .Sabel und Bibel". Besprochen von Rabbiner Dr. B. Jacob in Zöttingen. II. enötigt, eine Abwehr aus die wichtigsten Punkte zu konzentrieren, macht inan bisweilen dem Gegner Zugeständnisse oder teilt. mit ihm Voraussetzungen, von denen eine spätere Prüfung lehrt.^ daß auch diese nicht „notwendig waren. So haben wir in der Entgegnung auf den ersten Vortrag einen weitgehenden Einfluß Babels auf die Bibel zugegeben oder doch nicht bestritten. Nachdem die Hauptstreitpunkte erledigt sind, behaupten wir auf Grund der tatsächlichen Verhältnisse, daß bisFzum babylonischen Exil die Bibel mit Babel unmittelbar resin gar nichts zu tun hat. Das sprechendste Zeugnis dafür ist folgender Umstand: Während eines Zeitraumes von mehr als tausend

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