Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 206 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228527-3228546--59727-3296261- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
206 Im Sommer 1889 veröffentlichten antisemitische Blätter eine Instruktion der Alliance an die Inden Galiziens, in der diese aufgefordert wurden, die christlichen Eigentümer aus ihrem Besitz zu verdrängen, dem jungen Adel das Schuldenmachen möglichst zu erleichtern, sich der Presse und des mobilen Kapitals nach und nach zu bemächtigen. Dieser Aufruf war natürlich vollständig aus der Luft gegriffen, aber man kann ihn auch heute noch gelegentlich in polnischen Vereinen vorlesen hören. Was die antisemitische Presse über Adolf Cremieux und Moses Montefiore zusammen gelogen, das spottet jeder Beschreibung, und was das schlimmste ist, diese Lügen werden immer wiederholt, obgleich sie als solche authentisch gekennzeichnet worden sind. Aber die Leiter der Alliance lieben sich in ihrem Wirken dadurch nicht beirren. Sie haben ihre Aufgaben getreu zu erfüllen gesucht und erfüllt; wenn dies nicht immer mit dergleichen Kraft und Beharrlichkeit geschah, so lag dies sicher in der Natur der Sache. Um so mehr freuen wir uns, wenn die Alliance, wie wir nach ihrer neuesten Kundgebung anzunehmen berechtigt sind, sich wieder in den Mittelpunkt aller Bestrebungen stellen will, die darauf hinausgehen, denen, welche in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, in allen Ländern der Erde wirksamen Beistand zu leihen. Ein solches Programm muß gerade in unserer Zeit wiedererwachten Selbstbewußtseins überall freudigen Anklang finden, und wir zweifeln deshalb auch nicht einer: Augenblick, daß der folgende Aufruf der altbewährten Institution wieder eine ganze Schar neuer Freunde und Anhänger zusühren wird. Dieser Aufruf hat folgenden Wortlaut: „Für die Allgemeine Israelitische Allianz mahnen wir unsere Glaubensgenossen an die Erfüllung einer Ehrenpflicht! Die Allgemeine Israelitische Allianz ist ein gemeinsamer Verein von Juden aller Länder. Sie hat die Aufgabe überall die Ehre des jüdischen Namens gegen Angriffe zu verteidigen, denen, welche in ihrer Eigenschaft als Inden leiden, wirksamen Beistand zu leisten, dem durch Knechtschaft und Verfolgung hervorgerusenen Elend unserer Glaubensgenossen durch Unterricht und Erziehung abznhelfen. Dieser Aufgabe hat sie in getreuer Arbeit gerecht zu werden gesucht; seitdem unsere Allianz besteht, hat kein allgemeiner Notstand unsere Glaubensgenossen in irgend einem Lande der Welt betroffen, ohne daß sie durch ihre materiellen Mittel wie auch das persönliche Ansehen ihrer Leiter mit E»folg für eine Besserung tätig gewesen wäre. — Sie hat in ihren Schulen viele Tausende von Kindern zu treutn Anhängern ihrer Religion und zn treuen Bürgern ihres Landes erzogen, in Handwerks- und Ackerbauschnlen sie vorbereitet, ihr Brod sich durch ihrer Hände Ai beit zu verdienen. Zur Zeit besuchen 30 000 Schüler die Schulen der Allianz, und ihr erfolgreiches Wirken tritt deutlich in dem Verhalten der beteiligten Gemeinden zu Tage, die zur Erhaltung und zum Ausbau der Schulen au Beiträgen und Schulgeldern schon ebenso viel leisten, wie die Zuschüsse der Allianz ausmachen. Der Tätigkeit der Allianz wurde vielfach die Anerkennung zu teil, daß sich jüdiiche Wohltäter ihrer Vermittelung zur Ausführung ihrer Pläne bedient haben. Die -servislr ^ssoeüiiiou stellt den größten Teil ihrer Einnahmen den Schulen der Allianz zur Verfügung, aus der Idee der Allianz erwuchs das großartige Lrebesrverk des Baron Hirsch, er hat sie beruf n, an der Ausführung seiner phllanthropi'chen Pläne Anteil zn nehmm. Die Allianz gehört nicht einem einzigen Lande au, wie in der Tätigkeit der Allianz tritt ihr universeller Charakter in der Zusammensetzung ihres Zentralkomitees zu Tage, zu dessen Mitgliedern 24 Franzosen, 22 Deutsche, 3 Italiener, 19 Bürger anderer Länder gehören, darunter die Präsidenten der ^n§lo ^slvi'sb ^ssoeiati'on und der Israelitischen Allianz zu Wien. So ist die Allianz, die seit ihrer Begründung 20 Millionen für unsere leidenden Glaubensgenossen hat aufwenden können, und die zur Zeit über ein Jahreseinkommen von nahezu I V2 Millionen Franks verfügt, nicht nur die größte, sondern auch die bedeutsamste jüdische Vereinigung, der beizutreten und Mitglieder zn werben eine Ehrenpflicht für unsere Glaubensgenossen ist. Sie ist die einzige, der Juden aus allen Ländern angeboren, sie gibt dem Gefühl der Gemeinsamkeit lebendigen und tätigen Ausdruck, welches die Inden aller Länder unbeschadet ihrer patriotischen Gesinnungen verbindet.*) Das Central-Komitee der ^llianee isiaällts umvsrsells. F. Alcan. Paris. Oberrabbiner Astruc, Brüssel. Dr. Baerwald, Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Behrendt, Danzig. CH. Berr, Paris. I. M. Bielefeld. Mannheim. Jules Carvallo, Paris. Dr. H. M. Cohn, Berlin. Gärard Polak-Daniels, Rotterdam. Hartwig Derenbourg, Paris. Josef v. Hatvany-Dentsch. Budapest. I. H. Dreyfus, Oberrabbiner, Paris. Dreysus-Brisac, Paris. S. Drehfus-Nenmann, Basel. L. L.Dreysns, Paris. Adolph Elias, Dortmund. Dr. W. Feilchenfeld, Rabbiner d. S. G. zu Posen. I. Fernandez, Konstantinopel. Rabbiner Dr. Frank, Köln. Justizrat Dr. Fnld, Frankfurt a. M. N. Gubbay. Paris. Hermann Gumpertz. Hamburg. David von Gutmann Wien Leopold Gnttmann, Beuthen. Charles L. Hallgarten, Frankfurt a. M. L. de Hartog, Amsterdam. Lucien Hesse, Paris. G. Josephthal. Nürnberg. Zadok Kahn, Oberrabbiner, Paris. Georges Leven, Paris. N. Leven, Paris. Sylvain Lävi, Paris. S. D. Lioni, Amsterdam. Dr. Loew, Oberrabbiner, Szegedin. Ende Lolli, Padua. C. Lyon Paris. I. Machiels, Paris. G. Mayer, Paris. Emil Meyer, Hannover. F. Meyer, Paris. Claude Montefiore. London. Dr. Netter, Paris. Dr. S. Neumann. Berlin. I. Oppert, Paris. Th. Ofchinsky. Breslau. E. Pereire, Paris. F. Philippson, Brüssel. Rabbiner Dr. Porges. Leipzig. Advokat Leone Ravenna, Ferrara. Salomon Reinach. Paris. C. Nodrignes, Paris. I. Rosenfeld, Paris. Dr. Rofenthal, Rabbiner. Breslau. Vittorio de Rossi, Livorno. E. Säe, Paris» C. Simon Salomon. Metz. Dr. Ad. Salvendi, Dürkheim a. d. H. Alexander Moritz Simon, Hannover. D. Simonsen, Kopenhagen. A. S. Solomons, Newyork. Rabbiner Dr. Vogelstein, Königsberg. Rabbiner Dr. C. Werner. München. Wir haben diesem Aufruf nichts hinzuzufügen, als den herzlichen Wunsch, daß er überall verständnisvolle und werktätige Teilnahme finden und in allen Kreisen der Jndenheit jenes sympathische Interesse wecken möge, welches notwendig ist, um die gedeihliche Wirksamkeit dieser großartigen Institution zu sichern und dadurch das Bestehen derselben zu verbürgen. y Das Lokalkomitee Berlin der Alliance i'sraälite universelle bringt obigen Aufruf an die Mitglieder der hiesigeil jüdischen Genu inde mit folgenden Walten zur Versendung: Indem wir den vorstehenden Aufruf unfern jüdischen Mitbürgern anis wärmste ans Herz legen und sie bitten, den Ausdruck ihrer Sympathie und ihrer Zustimmung für die Wirksamkeit der Allianz durch ihren Beitritt als Mitglied zn bekunden, erinnern wir daran, daß gerade Berlin wiederholt der klassische Zeuge für die segensreiche Wirksamkeit der Allianz gewesen ist. Von den großen Hilfsaktionen, welche in der Geschichte der Allianz und des Judentums für alle Zeiten eine denkwürdige Stelle einnehmen werden, haben die Hilsswerke für die russischen Juden im Jahre 1869 und anläßlich der Verfolgungen von 1881/82 und 1890/91 in Berlin, als dem für diese Tätigkeit geeignetsten Platz, ihren Mittelpunkt gefunden. Wir bitten Sie, sich der anliegenden Postkarte zu bedienen, um Ihren Beitritt einem der Unterzeichneten Mitglieder des Lokalkomitees anzuzeigen und bemerken, daß die Mitgliedschaft durch einen jährlichen Beitrag von mindestens 5 Mark erworben wird. Das Lokaikomitee Berlin: L. Adler. Georgenstr. 46 s; Siegfried Brünn. Kurfürstenstr. 126; Dr. Heinrich Meyer Cohn, Unter den Linden 11; Heinrich Fränkel, Breitestr. 28; Heinrich Goldschmidt. Am Karlsbad 10; Rechtsanwalt Hantke, Charlottenstr. 70; Dr. Eugen Lehfeldt, Perlebergerstr. 32; Dr. S. Reumann, Kurfürstenstr. 126 Lours Rosenbaum, Hausvoigteiplatz 12; Rabbiner Dr. Meiste, Oranienbnrgerstr. 33. Herzigkeit öffnet, r Klarheit, Kreise si wr der b haben ge Blatt de Konservo Stöckerffc zeigen, Huden, 3 sitzen", u nifzuruf' Treibeil e Hudengel Memzugi Kandidat kreis, Pri „Bei dem imterittw Linie dei Freisinn, bar zu konservai klipp ur Forderui klar Nil! hrem eb öeu Anti „Die Problem, zahlreiche mehr odei Sozialden pflegen ar scheint ab Seite ein licherweise Ahltvardll daran eri st als gr übrigen a mmmenge schloffen r handelt ir Hand in stehenden Mit ntschiedt Von >er Fre Antisemi Schon ir „Das macht niö Zchulen t »eitigen I