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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-04-24 · Heft 17 (24.4.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 17 (24.4.1903)
Date
1903-04-24
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Br folge erzielen könne. Herr Gellner beleuchtete die politische Seite der Aktion, und endlich bemerkte Herr Berget auf eine Anfrage, daß die kulturellen Verhältnisse wohl noch einer großen Aufbesserung bedürften, aber sich mit dem kemsek auch die rechte tauro einfinden, d. h. mit der materiellen auch die geistige Hebung einstellen würde. Was die Hauptsache war: in die ausliegenden Listen zeichneten sich sofort an 0 Mitglieder mit Jahresbeiträgen ein. Bemerkenswert ist, daß auch aon den anwesenden Galiziern, deren es hier eine ganze Kolonie gibt, die kümmerlich, natürlich unter fortgesetzten Plackereien vom Hausierhandel lebt, die besser Situierten sich an den Zeichnungen beteiligten. Der provisorische Ausschuß wurde als Vorstand des Ortsvereins gewählt; Vorsitzender ist Herr Jsaac S. Hirschland. — Köln, 17. April. Der Erzbischof von Köln Dr. Fischer, hat an den Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Jülich, Dr. Hertz, in Beantwortung eines Glückwunschschreibens zu seiner Wahl ein sehr wertvolles Schreiben folgenden Inhalts gerichtet: „Sehr geehrter Herr Doktor!" Die Beglückwünschung des Vorstandes der Shnagogengemeinde non Jülich hat mich herzlich erfreut und ich sage dafür meinen innigen Dank. Gewiß, mein Wahlspruch: omnilnis prodesse, otissse iwnnui gilt auch gegenüber meinen lieben israelitischen Mitbürgern, i nd ich werde solches gegebenen Falles auch durch die Tat bewähren. Indem ich Sie bitte, Verehrtester Herr Doktor, diese meine Dankes- > nßerung zur Kenntnis des Vorstandes der Gemeinde zu bringen, l erbleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Dr. Fischer, erwählter Erzbischof von Köln. — Ems, 5. April. Hier wurde ein Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke ins Leben ger lsen, und der Vorstand wendet sich nunmehr mit nachstehendem bet rzigenswerten Ausruf au die weitere Oeffentlichkeit: „Aus allen Gebeten regt sich die jüdische Wohltätigkeit und Menschenliebe, um den Bedürftigen, den Kranken, den Bedrückten und Verfolgten zu Hilfe zu r len. Es gibt aber ein Feld der Fürsorge, für das von jüdischer eite noch garnichts getan ist, obwohl berufene Männer die Aufmerksamkeit aus diesen Notstand gerade in letzter Zeit mehrfach hiugelenkt hoben. Es gilt die Fürsorge für die Aermsten der Armen, sür die . nbemittelten Nerven- und Geisteskranken. Die wenigen zur Zeit vorhandenen jüdischen Privatanstalten sind nicht imstande, gegen so gelinge Entschädigung, wie sie unbemittelte Familien leisten können, Aufnahme zu gewähren, sodaß man sich bisher in fast allen Füllen genötigt sah, die jüdischen Nerven- und Geisteskranken in den staatl chen Anstalten uuterzubringen. Der Aufenthalt daselbst ist aber für mle derartigen Kranken mit großen Nachteilen verknüpft. Denn nicht i irr die Nerven- und Gemüts-, sondern auch die wirklich Geisteskranken l chen ja sehr oft noch religiöses Gefühl genug, um sich in der ihrer ganzen Denk- und Empfindungsweise fremden Umgebung recht unglücklich zu fühlen und in vielen Fällen auch sich die größten Gewissens- Usse über den Genuß nicht rituell zubereiteter Speisen zu machen. Ost i gar kommt es, wie wir aus zahlreichen Fällen wissen, zu konl ssionellen Reibereien und Hänseleien seitens des Anstaltspersonals nd der christlichen Patienten, sodaß der Zweck des Aufenthalts Mürrisch, ja. statt der erhofften Besserung geradezu eine Verschlechterung es Leidens herbeigesührt werden kann. Nur in spezifisch jüdischen Anstalten kann der jüdische Geisteskranke vor allen derartigen ihm Besonders schädlichen seelischen Erregungen bewahrt bleiben, und nur r solchen ist es ihm möglich, seine gewohnte Lebensweise unverändert ' rtzusühren; denn hier befiudet er sich in einer ihm vertrauten Umg bung, die allen seinen religiösen Bedürfnissen liebevolles Verständnis l tgegenbringt. Nicht minder dringend ist das Bedürfnis, jüdische i wüsche Kinder in jüdischen Anstalten zu erziehen. Da die Errichtung l ner eigenen Anstalt vorerst wegen der enormen Kosten eines solchen Unternehmens noch nicht in Betracht kommen kann, so haben wir die Absicht, die betreffenden Kranken in bereits vorhandenen, gut geleiteten i bischen Anstalten unterzubringen. Es ist gelungen, die bewährte Anstalt zu Sahn zu weitgehendem Entgegenkommen zu bestimmen, i dem sie sich bereit erklärt hat. die von uns empfohlenen Kranken zu b deutend ermäßigten Pflegesätzen aufzunehmen. Sobald es unsere Mittel gestatten werden, wollen wir auch dahin wirken, daß dieser ''lustalt eine besondere Abteilung für idiotische Kinder angegliedert n erde. Die Unterzeichneten sind zu einem Verein znsammengetreten. welcher sich der Aermsten der Armen anzunehmen entschlossen ist. Es bedarf hierzu der Mitwirkung aller edlen Menschenfreunde. Wer im eigenen Glücke, in der Freude an dem Gedeihen seiner Unternehmungen und der Seinigen sich ein mitleidiges Herz bewahrt hat. der trockene mit uns die Tränen, lindere die Not und das Unglück seiner Glaubensbrüder und Schwestern! Jede Spende ist uns willkommen: „Viele Wenig geben ein Viel, Vereinte Kräfte führen zum Ziel." Den Vorstand bilden die Herren Bezirksrabbiner Dr. Weingarten-Eins, Vorsitzender; Dr. med. Carl Landau-Koblenz, stellvertretender Vorsitzender; Benni Jacobi-Sayn, Schriftführer; Gustav Abraham-Koblenz. Kassierer; Dr. med. Laqueur-Ems, Dr. med. Lichtenstein-Neuwied. Rabbiner Dr. Rosenak-Bremen, Dr. med. Samter-Ems und Louis Schloß- Koblenz. Oesterreich - Ungarn. LI Wien, 20. April. Wir haben nun drei Rabbiner auf einmal. In der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 15. d. M. wurden die Herren Dr. David, derzeit Rabbiner in Düsseldorf. Dr. Feuchtwang, derzeit Rabbiner in Nikolsbnrg. Dr. M. Grunwald, derzeit Rabbiner all der neuen Damrnthorshnagoge in Hamburg, als Rabbiner sür die Kultusgemeinde Wien berufen. — Ueber das Religionsbekenntnis der Bevölkerung der im österreichischen Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder enthält die „Statist. Korr." auf Grund der Volkszählung von 1900 Mitteilungen, denen wir entnehmen, daß sich im Jahrzehnt von 1890 bis 1900 die Evangelischen Augsburger Konfession am stärksten, die Juden am schwächsten vermehrt haben. Von der Gesamtbevölkerung, die 26150 708 Personen betrug, waren 1 224 899 <4.68 v. H.) Juden. Die Bevölkernngsznnahme seit 1890 betrug im Stciatsdurchschnitt 9,44 v. H., bei den Juden nur 7,14 v. H. Die Auswanderung der Inden ist sehr stark gewesen. Aus Galizien dürften im letzten Jahrzehnt über 100 000 Israeliten ausgewandert sein. Der Anteil der Juden beträgt hier noch 11,1 v. H. der Gesamtbevölkerung, in der Bukowina, die sür die Juden noch ein Zuzugsgebiet darstellt, 13,2 v. H. — Nach einem vom böhmischen Landesschulrate gefaßten Beschluß steht den den jüdischen Religionsunterricht an den Mittelschulen erteilenden Rabbinern nicht nur eine beträchtliche staatliche Gehaltszulage, sondern auch eine Standeserhöhung (Prosessorentitel) in Aussicht. Als Gegenleistung verlangt der Landesschulrat, daß sür den israelitischen Religionsunterricht in derselben Weise staatliche Prüfungskommissionen bestellt werden, wie bezüglich der übrigen Konfessionen und daß ein einheitlicher Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht all den Mittelschulen ausgearbeitet werde. Diese Forderungen sind nur gerechtfertigt und sie werden auch hoffentlich erfüllt werden. — Dem hier erscheinenden „Jüdischen Volksblatt" ist in Ungarn das Postdebit entzogen worden. Das Blatt hatte durch seine Stellungnahme in der ungarischen Nationalitätenfrage schon seit einiger Zeit die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, da es die ungarischen Juden eindringlich davor warnte, den Magyaren in ihrer chauvinistischen Politik Vorspanndienste zu leisten, damit nicht einmal der allgemeine Groll sich gegen die Juden wende und sie die Kosten sür diese Politik tragen. Diese Warnung scheint der ungarischen Regierung staatsgefährlich erschienen zu sein. - Dem Präsidenten der Pester israelitischen Kultusgemeinde und der Pester Lloyd-Gesellschast Siegmund Kohner in Budapest wurde in Anerkennung seiner auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten erworbenen Verdienste der Titel eines königlichen ungarischen Hofrates taxfrei verliehen. — In Triest ist zum Vize-Bürgermeister der Stadt Dr. Fclice Venezian gewählt worden, der ein treuer Anhänger des jüdischen Glaubens und ein hervorragendes Mitglied der Kultusgenleinde ist. 0. Meran, 20. April. Die Beerdigung des Geheimrats Professor Dr. Moritz Lazarus fand am 16. d. M.. vormittags 11 Uhr. hier statt. Der Verklärte hatte schon bei Lebzeiten bestimmt, in dem waldumkränzten Friedhof zu Meran zur ewigen Ruhe gebettet zu werden. Die Leiche befand sich zu Beginn der Trauerfeier in der außerhalb des israelitischen Friedhofes befindlichen Leichenhalle, vor welcher sich die ansehnliche Trauerversammlung aufstellte. Darunter bemerkte mail die trauernde Witwe Nahida Ruth Lazarus mit den nächsten Familienangehörigen, den Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Lemberg, Vorstandsmitglieder der Wiener jüdischen Gemeinde, die Vertreter der Ortschaft Untermais, in deren Weichbild der Verstorbene gewohnt hatte und jetzt seine Ruhe findet, den Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herrn Stransky. den bekannten Schriftsteller Leo Frankel Herzberg, und zahl reiche Freunde und Verehrer aus allen Ländern. Es war selbst-

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