Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 — für Schlesien und Posen gegründet mit einem Gesamtvorstande von sechs Personen, bestehend aus vier schlesischen und zwei Posener Kollegen; nebenbei aber konstituiert sich eine Sektion Posen mit einem Vorstande von vier Personen, von denen zwei zugleich zum Gesamt Vorstände gehören. Die Sektion Posen beratet ihre Angelegenheiten unter sich und legt sie dann dem Gesamtvorstande vor. Nach kurzer Unterbrechung trat die Versammlung in die Beratung des zweiten Punktes ein: Gründung einer Pensions- und Neliktenkasse. Oberkantor Davidsohn führt den Gedanken dahin aus, eine Kasse zu gründen vorbildlich der Rabbinerkasse. Vor allen Dingen aber, so meint der Redner, sollen sich die Kollegen eng aneinander schließen und für diese Idee bei ihren Gemeinden mit ihrer ganzen Persönlichkeit eintreten; nur durch die Mit- und Beihülfe der Gemeinden kann eine Sanierung der Verhältnisse der Kultusbeamten herbeigeführt werden. Die Versammlung ging freudig auf die Ausführungen des Redners ein und versprach, für die Sache kräftig Propaganda zu machen. Als dritter Punkt der Tagesordnung folgte Beratung und endgültige Festlegung der Statuten des Schlesischen Verbandes, als gemeinsame Sitzung der neuen Vereinigung. Nun wurde die Vorstandswahl finden neubegründeten Verband für die Sektion Posen vorgenommen; aus der Urne gingen hervor: Oswald (Posen), Gold (Sarnter), Frank (Birnbaum), Rawitscher (Strelno). Die genannten Herren nahmen das Amt dankend an. Den Schluß der Sitzung bildete eine vertrauliche Allssprache, bei welcher mehrere Anträge, interne Angelegenheiten betreffend, zur Abstimmung kamen. Der Vorsitzende dankte für die rege Beteiligung, für den Feuereifer der Versammelten, dem gemeinschaftlichen Ziele zuzustreben und es bald zu erreichen. Auch wir wünschen dem jungen Verbände, daß er sich kräftig entwickele!!. Magdeburg, 3. April. Eine erhebende Schulfeier fand am 29. v. M. in der Aula der hiesigen Religionsschule statt, die, um ihres Charakters willen, wohl besondere Beachtung verdient. Nachdem der Leiter der Religionsschule, Rabbiner Dr. Grzymisch, ein von ihm in Gedichtform verfaßtes Gebet gesprochen hatte, gab er eine Uebersicht über die wichtigsten Erlebnisse der Anstalt im zurückgelegten Schuljahre und richtete im Anschluß daran einige beherzigenswerte Mahnungen, welche sich auf den Religionsunterricht bezogen, an die Eltern, hervorhebend, daß das jüdische Familienleben und Haus hervorragend zur Förderung beitragen konnten, daß namentlich die Kinder nicht in zu spätem Alter der Religionsschule zugesührt werden möchten, bannt das Ziel noch erreicht werden kann und die Klassen gleichaltrig gehalten werden müssen. Dr. Spanier, ein Lehrer der Anstalt, hielt sodann einen kurzen fesselnden Vortrag über „Religion und Bildung", der so ganz in den Rahmen der Feier hineinpaßte, damit war der allgemeine Teil des Programms erschöpft, und es erfolgte nun die feierliche Entlassung von 9 Schülern. Dieselbe wurde durch ein Lied unseres Kinderchores eingeleitet, darauf hielt der Schulleiter eine warme Ansprache an die abgehenden Knaben, in welcher er ihnen ihre hauptsächlichsten Pflichten als wahre Juden in der Gegenwart anseinandersetzte. Am Schlüsse seiner Rede überreichte er ihnen eigens für diesen Zweck hergestellte, diplomartig ausgestattete Abgangszeugnisse. Einer von den Schülern dankte nunmehr im Namen seiner Genossen mit ergreifenden Worten dem Leiter sowie den Lehrern für das Gute, das sie bei ihnen gesunden, und erneute das Versprechen der Treue. Zum Schlüsse sang der Kinderchor wiederum ein Lied, welches gleich den früheren, von dem Lehrer Herrn Steinhardt sorgfältig eingeübt worden war. Die von Herrn Rabbiner Dr. Grzymisch veranstaltete Feier übte eine nachhaltige Wirkung auf alle Anwesenden aus, unter denen sich die Schulkommission vollzählig, sowie fast sämtliche Gemeindevertreter, viele Väter und Mütter von den die Anstalt besuchenden Schülern und Schülerinnen und die beiden ersten Klassen der Knaben und Mädchen, befanden. Die Religionsschnle zählt gegenwärtig 204 Knaben und Mädchen, eine für unsere Gemeinde recht ansehnliche Ziffer. In diesem Jahre neu eingerichtet wurde der Jugendgottesdienst für einzelne Sonnabende, sowie für die hohen Feiertage, von Eltern und Kindern freudig begrüßt und gern unterstützt. Hoffentlich wird die jährliche feierliche Entlassung der reifen Schüler nunmehr eine dauernde Gemeindeeiurichtung bleiben. o. Aschersleben, 10. April. Heute muß ich Ihnen leider von einem Akt der Intoleranz aus hiesiger Stadt berichten. Dem Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde wurde gestern vom Magistrat unserer Stadt die Mitteilung, daß in Zukunft das Schächten am hiesigen städtischen Schlachthof verboten sei. Dieser Magistratsbeschluß kam für uns ziemlich unerwartet, wenngleich in letzter Zeit in Stadtverordnetenkreisen gegen das Schächten Stimmung gemacht wurde. Wer die Triebfeder dieses Beschlusses, der auf Antrag der Schlachthos' Deputation erfolgte, ist, konnte ich bisher mit Bestimmtheit nicht ermitteln. Da unsere städtische Verwaltungsbehörde bisher als tolerant galt, scheint es mir zweifellos, daß dieselbe über die Schächtfrage im Sinne unserer Antisemiten belehrt wurde. Hoffentlich beruhigen sich Vorstand und Mitglieder unserer Gemeinde nicht bei diesem Verbot. Im hiesigen Stadtverordnetenkollegium ist in vorstehend erwähnter Sache »licht verhandelt worden. 6. Essen n. Ruhr, 3. April. Eine Ortsgruppe des Hilfsvereins der deutschen Inden bildete sich dieser Tage auch in unserer Gemeinde und wie überall bedurfte es dazu nur der Anregung der maßgebenden Kreise. Herr Siegmnnd Bergel aus Berlin, vom Vorstande des Hauptvereins, hatte es übernommen, diesem im rheinisch-westfälischen Industriegebiet und so auch hier neue Freunde und Gönner zu erwerben. Ein provisorischer Ausschuß hatte Einladungen zu einer Versammlung ergehen lassen und eine zahlreiche Zuhörerschaft war dem Rufe gefolgt. Man kennt ja im allgemeinen die Leiden und Bedrückungen der russischen, rumänischen und galizischen Juden; bilden sie doch eine ständige Rubrik in den jüdischen Zeitungell und einem Teil der Tagespresse. Aber eben die Gewöhnung stumpft das Interesse ab, und man betrachtet jene traurigen Zustände schließlich wie ein unabwendbares Unglück. Es ist das Verdienst des Hilfsvereins, die nachgerade erschlaffte Propaganda der Alliance in wirksamer Weise wieder ausgenommen und in ein vaterländisches Werk verwandelt zu haben. Aus dem schönen und überzeugenden Vortrage des Herrn Bergel konnte auch der bisher Uneingeweihte sowohl die ganze Notlage, als auch die Veranstaltungen zu ihrer Bekämpfung, die älteren wie die neueren, kennen lernen; also die Baron Hirsch-Stiftungen, insbesondere die sogenannte llsrvisft (kolonial ^ssoeirckion, das rumänische Werk der Alliance, das stille Wirken der Großlogen für Deutschland und Oesterreich, endlich das Vorgehen des Hilssvereines vornehmlich in Galizien. Bei diesem Lande verweilte der Redner am längsten; er schilderte die armseligen Erwerbsverhältnisse im ganzen, dann die besonderen der jüdischen, von Adel und Geistlichkeit bedrückten Bevölkerung, und beleuchtete die erschreckende Tatsache, daß fast 600000, d. h. etwa *7 aller galizischen Juden, sogenannte Luftmenschen oder direkt Bettler seien. Unter den Vorkehrungen zur Steuer so vielen Elends erwähnte er die neubegründete Haarnetz- und Knopsindustne, die Holzbearbeitung rc. Nachdem man zuerst für Frauen und Mädchen Heimarbeit geschaffen, gehe man jetzt schon dazu über, auch für Männer neue Erwerbszweige ins Leben zu rufen; dazu aber sei viel Geld, also viel Opferfreudigkeit nötig. Sehr zu statten kommt dem Hilfswerk dabei die Genügsamkeit des galizischen Juden, der bei fabelhaft geringem Verdienste sich einzurichten versteht. Kurz, aber eindrucksvoll berührte Herr Bergel auch die Frage des Mädchenhandels, in der, wie er sagte, das Judentum nichts zn verdecken oder zu verstecken habe. Die Juden seien mit als die Ersten mit schneidenden Waffen gegen dgs schmachvolle Gewerbe vorgegangen, und die Großloge des Ordens Luei 6eriss für Deutschland habe für ihre energische Arbeit die Genugtuung gehabt, daß ihr Vertreter. Herr Sanitätsrat Dr. Maretzki in den Vorstand des internationalen Bundes zur Bekämpfung des Mädchenhandels berufen wurde. Mit einem Appell an das lebendige Zusammengehörigkeitsgefühl, das die Juden seit Jahrhunderten stets bewährt haben, schloß der Redner seinen mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrag; Herr Jsaac S. Hirschland, Vorsitzender des Gemeindevorstands, dankte Herrn Bergel aufs wärmstedrückte seine Sympathie für den Hilfsverein aus und glaubte versichern zu können, daß auch die Essener Gemeinde bei dem Rettungswerke für Galizien nicht zurückstehen werde. Rabbiner Dr. Samne! nannte dasselbe eine Ehren- und Dankesschuld, eine Ehrensache der Menschheit und eine Dankesschuld des Judentums gegenüber der Vorsehung, die den deutschen und westeuropäischen Juden glücklichere Verhältnisse beschieden habe. Herr Hauptlehrer Graf gab der Befürchtung Ausdruck, daß der Hilfsverein der Alliance Abbruch tun könne; Herr Bergel versicherte, daß hier nicht Zersplitterung, sondern Verdoppelung der Kräfte Platz greise, die Alliance aber selbst den Hilfsverein als ihren besten Bundesgellossen erklärt habe, ohne den sie in dem Deutschland benachbarten Galizien, ja auch in Rumänien keine durchgreifenden (ir folge er Mion, u kulturellen aber sich der mater vauptsach 0 Mitgli aon den > die kümni! andel lek Der prov wählt; V bat an de >eantwor wertvolles Die V on Juli migen T iwnnni gi i ad ich w Inder d nßerullg > erbleibe i ---E i! ittelt äsen, u rzigens laeten re Bedürstst r.len. 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