Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-04-24 · Heft 17 (24.4.1903) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 17 (24.4.1903)
Date
1903-04-24
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228527-3228545--59717-3296250
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

" Dkl; G-INktndkbotk. Lertin. 24. April 1903 'Ueitage zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Bevlitt, 17. April. Die bevorstehenden deutschen Ausgrabungen in Palästina werden in ihrem Abschluß an die Resultate der' Spatenarbeit im babylonischen Bezirk in der wissenschaftlichen Welt eifrig besprochen. Das eine Unternehmen geht von dem Deutschen Palästinaverein (Vorsitzender Herr Professor Kautzsch in Halle) aus. Der Palästinaverein läßt mit Unterstützung der deutschen Orientgesellschaft an der Stätte des alten, in der Ebene Jesreel gelegenen Meggido Grabungen vornehmen. Technischer Leiter ist der Ingenieur Dr. Schumacher in Haifa; er beabsichtigt in diesen Tagen den ersten Spatenstich zu tun. Unabhängig hiervon ist Dr. Thiersch vom archäologischen Institut in Athen auf einer Rekognosziernngsfahrt nach Palästina unterwegs. Seine Aufgabe ist es, einen Ort ausfindig zu machen, auf dessen Aufdeckung von seiten der Orientgesellschast Wert gelegt wird. Mit Dr. Thiersch wird sich als Spezialist auf dem Gebiet alttestamentlicher Lokalfragen der junge Theologe Herr Hölscher aus Leipzig vereinigen. Die Anregung zu dieser Expedition geht nicht, wie von anderer Seite gemeldet wurde, vom Kaiser aus, sondern von einem Vorstandsmitglied der deutschen Orientgesellschaft, das die nötigen Mittel persönlich zur Verfügung gestellt hat und zwar, wie jeder leicht erraten wird, von dem opferfreudigen Herrn James Simon. --- Berlin, 16. April. Am 13. d. M. starb hier im 81. Lebensjahre eine Dame, die für die Aermsten der Armen eine Wohltäterin gewesen ist, Frau Bertha Neu mann geb. Israel. Ihr verdankt die Stadt Berlin, als eine der ersten Kommunen, das Asyl für Obdachlose, das seit seiner Begründung in seinen verschiedenen Anstalten eine Fülle von Segen gestiftet hat. Gemeinsam mit ihrem im, Tode vorausgegangenen Gatten, N. H. Neumann, einem durch seine sozialreformatorischen Schriften und Anregungen in gemeinnützigen Vereinen bekannten Manne, hatte die jetzt Heimgegangene an dem Gedanken, den sie an einem naßkalten Novembertage des Jahres 1868 zuerst gefaßt^hat, festgehalten, bis er zur praktischen Durchführung reif geworden war. In dein Schoße des Friedrich Werderschen Bezirksvereins wurde die neue Idee weiter beraten und ausgestaltet und dank der Förderung durch die städtischen und staatlichen Behörden, namentlich durch den früheren Polizeipräsidenten v. Wurmb und durch Rudolf Virchow, konnte das erste Frauenasyl am 3. Januar 1869 eröffnet werdend Mit eifrigster Fürsorge um das neue Institut bemühte sich zugleich der bekannte Berliner Bankier Thölde; er begründete einen Vereins für das Asyl, mit dessen Mitteln diese Humanitären Anstalten sich weiter auf das glücklichste entfalten konnten. Die Verstorbene war eine Tochter des Begründers des bekannten Geschäftshauses N. Israel. Ehre ihrem Andenken! ---- Könitz, 20. April. Der Landrat des Kreises Könitz versandte am 16. d. M. folgende amtliche Bekanntmachung: „In der Abortgrube der städtischen Schule sind am 16. d. M. gefunden worden: die Knochen eines linken Oberarmes und Unterarmes, ein rechter Ober- und Unterschenkel und ein linker Unterschenkel. Die gefundenen Knochen entsprechen genau denjenigen Leichenteilen des Gymnasiasten Ernst Winter, welche bisher noch gefehlt haben. Es sind nunmehr sämtliche Leichenteile gefunden. Anden Knochenteilen fand sich noch etwas in Verwesung übergegangenes Fleisch vor. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Leichenteile spätestens einige Tage nach der Mordtat in die Abortgrube geworfen sind und dort in Verwesung übergingen. Eine bis auf den Grund reichende Leerung der Abortgrube hat jetzt durch die Anwendung der von der Stadtverwaltungen Könitz neu angeschafften Pumpe stattgefunden. Ob die gefundenen"Stiefel^.Eigentum von Ernst Winter sind, bedarf noch der näheren Feststellung." — Die gefundenen Knochen des ermordeten Ernst Winter sowie auch der gefundene Stiefel wurden von der Königlichen Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. An den Vater Winters, den Bauunternehmer Winter in Prechlau, wurde von der Staatsanwaltschaft der gefundene Stiefel, neben dem bekanntlich auch die Knochen lagen, gesandt mit dem Ersuchen, sich darüber zu äußern, ob der Stiefel seinem Sohne gehört hat. Die Stimmung der Bevölkerungsschichten ist ruhig. Eine Wiederholung der Vorgänge von 1900 wird nicht befürchtet. Die breite, stattliche Front des Schulgebäudes in der Schlochauerstraße, mit dem hochumzännten Hof dahinter, grenzt an die Schulhöfe der städtischen Töchter- und Mädchenschule, wo bereits 1901 der Ueberzieher Winters gefunden wurde. Die Umgebung bilden die enge, dunkle Wällgasse und die Hospitalgasse, niedrig umzäunte Gärten und kleine Gehöfte. Dieser Stadtteil liegt unweit des Mönchsees. — Der Zufall wollte es, daß gerade am selben Tage der Mord an dem Konitzer Gymnasiasten Winter nochmals den Hintergrund einer Verhandlung vor dem Reichsgericht bildete. Als die Untersuchung in jener Mordsache schwebte, war in der „Staatsbürgerzeitung" in Berlin eine Reihe von Artikeln gegen behördliche Organe und Privatpersonen, welche in jener Angelegenheit tätig waren, erschienen. Wegen dieser Artikel hatten sich der Redakteur der „Staatsbürgerzeituug" Dr. Paul Bötticher und der Verleger Wilhelm Bruhn vor dem Landgericht I in Berlin zu verantworten. Nach mehrtägiger Verhandlung wurden die beiden Angeklagten bekanntlich wegen Beleidigung im Sinne der ZK 185, 186 des Strafgesetzbuchs zu 1 Jahr beziehungsweise 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil hatten Dr. Bötticher und Bruhn Revision beim Reichsgericht eingelegt, welche am 17. d. M. den zweiten Strafsenat des höchsten Gerichtshofes beschäftigte. Die Revision wurde verworfen. Die Verurteilten hoffen nun noch die Wiederaufnahme des Strafverfahrens durchsetzen zn können. I.. Saalfeld, Ostpr., im April. Am 26. v. M. verschied Plötzlich unser langjähriger erster Vorsteher, Herr Jakob Gold stein, im 70. Lebensjahre. Er hat 45 Jahre am hiesigen Orte gelebt und segensreich gewirkt, da Gotteslehre, Gottesdienst und wohltätiges Wirken die Richtschnur seines Lebens waren. In diesem Sinne hat er in Gemeinschaft mit seiner gottesfürchtigen Gattin seine drei Kinder erzogen, und er hatte die Freude, sie alle in geachteter Lebensstellung zu sehen. Ihm allein war es zu verdanken, daß in unserer kleinen Gemeinde alle Anstalten für Kultus und Gottesdienst erhalten wurden und mit schwerem Herzen fragen wir uns, wer wird die Lücke ausfüllen, die sein Hinscheiden gelassen. Von seinem wohltätigen Sinne zeigt sein „letzter Wille", den er vor zwei Jahren niedergeschrieben, und in welchem er auch seine Kinder zum Festhalten an Gott und seinen heiligen Geboten ermahnt. Sein älter treuer Freund, Herr- Prediger Sturmann-Osterode, hat auf dem hiesigen Friedhof das Leben des für uns unvergeßlichen Mannes geschildert und den Leidtragenden und der Gemeinde Trost zugesprochen. I'. Posen, 3. April. Auf vielseitigen Wunsch der Kultusbeamten der Provinz Posen wurde vom Schlesischen Kantorenverband für den 1. v. M. eine Generalversammlung in Keilers Hotel einberufen. Anwesend waren etwa 40 Herreu, darunter der Vorsitzende des Schlesischen Kantorenverbandes, Oberkantor Davidsohn aus Gleiwitz O.-S., und Oberkantor Oswald aus Posen. Letzterer begrüßte die erschienenen Kollegen mit herzlichen Worten. Herr Davidsohn dankte im Namen der Kollegen und referierte über die bisherigen Leistungeil des Schlesischen Verbandes und über die im Bunde mit den Kollegen der Provinz Posen noch zu vollbringenden. Er schilderte die Licht- und Schattenseiten des Kultusbeamtenberufes und gab die Mittel all, wodurch die Schaffensfreudigkeit und der Lebensmut jedes Einzelnen gehoben werden könnte, nämlich Sicherstellnug der Zukunft des Alters. Nach dieser Rede, welche von allen mit Enthusiasmus ausgenommen wurde, trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. Punkt 1 lautete: Gründung eines Kultusbeamtenverbandes für Schlesien und Posen. Während der Debatte über diesen Punkt wurde der allgemeine Wunsch geäußert, die Statuten des Schlesischen Verbandes zu verlesen. Nach Erfüllung des Wunsches wurde als Endresultat der Diskussion der Antrag Frank-Birnbaum einstimmig angenommen, dahin lautend: „Es wird ein KultuSbeamtenverband

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.