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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-04-24 · Heft 17 (24.4.1903) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 17 (24.4.1903)
Date
1903-04-24
Page
Seite 204 (sequence 14)
Language
German
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204 „Noch ist es nicht Zeit zu handeln, geliebte Fürstin, und es ist nicht not, daß Du Dir Dein Köpfchen beschwerst mit solchen Dingen. Laß nur Deine Lysippe für Dich handeln, Du aber, mein Liebling, tändle und scherze und sei wieder meine fröhliche, lachende Salome." „Wie gut Du bist, meine Lysippe," sagte die Fürstin, indem sie schmeichelnd ihren Kopf an die gelb verrunzelte Wange der Alten schmiegte, „aber", fuhr sie plötzlich empor, indem sie Lysippen ins fahle Auge sah, „aber wenn Dein Plan mißlingt, wenn es an den Tag kommt, daß ich Dich angestiftet?" „Vertraust Du so wenig Deiner ergebenen Sklavin? Dein Name wird nicht genannt werden, ich allein bin die Schuldige, wenn alles mißlingen sollte." „Du kennst das Geschick, das Deiner harrt, falls entdeckt würde, daß Du Böses gegen die Königin geplant." „Wohl kenn' ich es, allein ich fürcht' es nicht." „Auch den König nicht?" „Den König? Nein, ich fürcht' ihn nicht, denn er wird dann weit weg sein vom Lande. Der König geht zu den Römern." „Ja, Du hast recht, meine kluge Lysippe. Ich lege beruhigt mein Geschick in Deine Hände, ich weiß, Du wirst mich glücklich machen. Nun aber geh, Lysippe, rufe mir meine Sklavinnen herbei, daß sie mich schmücken. Es ist Zeit zur Tafel und Herodes zürnt, wenn man auf sich warten läßt." lFortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. Biblische Lesest ücke. I. Am cs und Hosca von Dr. M. David Bochum 1903. Selbstverlag. Eine Selbstanzeige sollen'.die folgenden Zeilen sein. Ich habe versucht, ein Büchlein zu schreiben, wie ich es mir bei der Lektüre der biblischen Schriften in der Hand der Schüler wünsche. Zunächst eine Skizze über den Lebensgang des Propheten und Charakteristik, sodann wähle ich die Abschnitte aus, die dem Schüler ein klares Bild von der Wirksamkeit aus dem Gedankenkreis des Propheten geben. Jedem Abschnitt geht eine Ueberschrift und eine Skizze seines Inhaltes vorauf. Die Uebersetzung ist wörtlich, jedoch sinngemäß, ich scheue mich auch »licht, einen Vers wegzulassen, der als spätere Interpolation oder aus anderen Gründen den Sinn des Ganzen stört. Realien sind durch ganz kurze Anmerkungen erläutert. Sollte die Art und^Weise meiner Behandlung bei den Fachgenossen Anklang finden, so soll es mir ein Ansporn sein, auch die anderen biblischen Bücher in dieser Weise zu bearbeiten, um später das Ganze als biblisches Lesebuch zusammenzufassen, dem dann die im vorigen Jahre versprochene Auswahl biblischer Lesestücke im Urtext folgt. Dr. David. Sprechfaat. Geehrter Herr Redakteur! verschiedenen Anfragen, welche aus Anlaß des vom Gemeinde- Vorstandes bei Beginn der letzten Repräsentantenversammlung erhobenen Einspruches an mich gerichtet worden sind, nötigen mich zu der^Erklärung, daß ich an dieser Sitzung überhaupt nicht teilgenommen habe, weil ich zu derselben Zeit behuss Wahrnehmung einer wichtigen Rechtssache nach außerhalb berufen worden war. Eine besondere Stellungnahme meinerseits zur Sache erübrigt sich, nachdem bereits meine Parteifreunde mit vollem Recht den Einspruch als eine unzulässige Einmischung in die internen Angelegenheiten der Nepräsentantenversammlnng gekennzeichnet haben und nachdem die Versammlung durch einstimmige Annahme des Protokolls ihn auch materiell als unbegründet anerkannt hat. Ich beschränke mich deshalb nur noch darauf, zu konstatieren: 1. daß ich selbst über die Vorlage im Ausschuß HI referiert und auf Zurückverweisung derselben an den Gemeindevorstand votiert habe da ich es nicht als der Würde der Repräsentantenversammlung entsprechend erachtete, dem^Verlegenheitsbeschlusse des Gemeindevorstandes beizutreten und von einer Neuwahl zweier Mitglieder in den Vorstand der Altersversorgungsanstalt an Stelle der beiden ausgeschiedenen Mitglieder überhaupt Abstand zu nehmen, weil ja die verbleibende Anzahl von 10 Mitgliedern statutengemäß ausreiche; 2. daß der Ausschuß demnächst in Uebereinstimmung mit mir beschlossen hat, die Zurückverweisung der Versammlung zu empfehlen und 3. daß ich selbst wiederum als Referent in der Plenarsitzung fungiert und demgemäß Bericht erstattet habe. Mir ist nichts davon bekannt, daß seitens der Versammlung abweichende Vorschläge gemacht worden sind. Würde nun aber selbst entgegen dem Wortlaute des Protokolls und entgegen der einstimmigen Erklärung der Versammlung der Vorsitzende p. t., der, wie ich bemerke, auch die Ausschußsitzung leitete, nach Schluß der ziemlich langen und heftigen Debatte bei der von ihm veranlaßten Abstimmung den Beschluß des Ausschusses nicht wörtlich wiedergegeben, sondern die Fragestellung auf Ablehnung des Vorschlages des Gemeindevorstandes gerichtet haben, so ist er offensichtlich der Meinung gewesen, daß, wie es in Wirklichkeit auch der Fall ist, ein materieller Unterschied zwischen der Ablehnung des Vorschlages des Gemeindevorstandes und einer Zurück- Verweisung der Vorlage an denselben nicht besteht. Jedenfalls war es meines Erachtens weder geboten, noch auch opportun, gerade diese minimale Differenz zum Gegenstände eines feierlichen Protestes zu machen, der unrichtig war und lediglich geeignet ist, die Gegensätze zn verschärfen, und der meiner festen Ueberzeugung nach unternormalen Verhältnissen sicherlich unterblieben wäre. Berlin, 14. April. Rechtsanwalt Dr. Ignaz Cohn. Geehrter Herr Redakteur! (Hieben den vielen Erklärungen, die für das Zahlenrätsel aus der eben verlesenen Pessachhaggada gegeben worden sind, dürste vielleicht noch folgende Platz greisen. Auffallend ist es, daß der Verfasser bei der Zahl 13 stehen bleibt, und daß diese Zahl nur eine weitere Erklärung der Zahl 1 ist. Deshalb liegt die Vermutung nahe.'^daß der Verfasser mit dem Wort NND' dessen Zahlenwert 13 beträgt, ä 1a spielt, Er beginnt also mit und schließt dasselbe. Brumath i. E., im April. Rabbiner Dr. Levh. Geehrter Herr Redakteur! <Mn Pittsburg erscheint seit kurzem eine Monatsschrift.unter dem Titel „Glorh of Israel". Sie wird im Interesse der Judenmission herausgegeben und enthält neben Ausschnitten aus jüdischen Blättern über Vorgänge innerhalb des Judentums die^üblichen altersschwachen christologischen. Schriftbeweise, welche, wie ich einmal dem Pastor Becker schrieb, der mich in Europa immer mit ähnlichen Zusendungell beehrte, die „von Herrschaften abgelegte Garderobe" sind, die wir Juden, wohl unserer Vergangenheit getreu, erwerben sollen. In dieser Beziehung ist „Glory of Israel" kaum einer Erwähnung wert. Der Zeuge für Christum aus Israel muß auch leben. Von Interesse war mir hingegen eine in den zwei letzten Heften.dieser Zeitschrift enthaltene Biographie des Rabbi Lichtenstein aus Tapia Szele, der jetzt als Missionar in Budapest lebt und für den man eine Jahresrente von 200 Lstrl. (4000 Mark) aufbringen will. Dieser Herr Hai vor etwa 20 Jahren Aufsehen erregt, als er seine Zeugnisse für Jesum veröffentlichte und dabei nicht nur Jude, sondern sogar Rabbiner blieb. Wie das möglich war, ist mir noch immer ein Rätsel. Ein ungarischer Korrespondent Ihres Blattes hat neulich in einem sehr interessanten Aussatze sich erboten, regelmäßige Nebersichten über die Vorgänge im ungarisch-jüdischen Lager zu geben. Wir brauchen solche Nebersichten, denn die einzelnen Nachrichten sind teils unvollständig,^.teils unverständlich, wenigstens für diejenigen, die den Verhältnissen ferne stehen. Es wäre doch schade, wenn wir in späteren Jahrhunderten über die Motive von Rabbi Lichtensteins Uebertritt nicht mehr wissen sollten als über die Hermann des Prämonstratensers. Ergebenst Cincinnati, O. 15. März 1903. G. Deutsch. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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