Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- Seite 200 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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200 den Führungen seines Volkes offenbart habe und schließt damit, daß er selbst lieber den Gott anbete, den zu erkennen Jesus gelehrt habe. Kann Delitzsch irgend einen jüdischen oder christlichen Ausleger auführen, der diese Rede jemals buchstäblich verstanden habe, der jemals darin etwas anderes gesehen habe, als eine hochpoetische, sinnlich-prächtige Schilderung von dem Strafgericht Gottes über das blutdürstige, über den Fall seines Bruders Israel triumphierende Edom? Weiß Delitzsch nicht, und warum verschweigt er. daß gerade dieser zweite Jesaia von Gottes Einzigkeit und Ueberweltlichkeit,Won seiner Allmacht und Größe, von seiner Schöpferkraft und Weisheit, von seiner Heiligkeit und unerschöpflichen Liebe mit einer Glut und Kraft geredet hat, wie nie ein Mensch vor und nach ihm, daß er die gewaltigste Drommete des israelitischen Monotheismus in seiner reinsten Ausprägung ist, vor der selbst der hämischste Kritiker unserer Religion noch immer verstummen mußte? „Wer maß in seiner hohlen Hand die Wasser und zirkelte die Himmel ab mit der Spanne und maß in der Faust den Staub der Erde und wog in der Wage die Berge und die Hügel in Wagschalen. Wer hat den Geist des Ewigen bemessen und wer war sein Ratgeber, der ihn unterrichtete? mit wem hat er Rat gepflogen, der ihn unterwies? . . . Siehe die Völker sind nur wie ein Tropfen am Eimer, und wie ein Stäubchen auf dem Wege sind sie geachtet . . . alle Nationen sind wie ein Nichts vor ihm, noch weniger als ein wüstes Nichts gelten sie ihm gegenüber. Wem wollt ihr Gott vergleichen und welch ein Gleichnis für ihn auf stellen? . . . Wem wollt ihr mich vergleichen, daß ich ihm ähnelte, spricht der Heilige?" (e 40). „Ich, ich bin der Allmächtige und außer mir gibt es keinen Retter." (e 43). „Ich bin der Allmächtige und keiner mehr und außer mir gibt es keinen Gott, es ist nichts außer mir, ich bin der Allmächtige und keiner sonst. Der das Licht gebildet und die Finsternis geschaffen, der den Frieden gemacht und das Böse geschaffen, ich der Allmächtige bin es, der alles gemacht . . . So spricht der Allmächtige, der die Himmel geschaffen, der der wahre Gott ist, der die Erde gebildet und gemacht und hergerichtet, ich bin der Allmächtige und keiner sonst ... ich bin der Allmächtige und außer mir gibt es keinen Gott, eine gerechte Gottheit und außer mir gibt es keinen Erlöser" (e 45). Doch ich müßte ja das ganze Buch ausschreiben! Und neben dieser Predigt von Gottes Allmacht und Unvergleichlichkeit hat derselbe Prophet die süßesten Töne der Liebe und des Trostes. Sein erstes^Wort ist: „Tröstet, tröstet mein Volk!" Immer wieder nennt er Gott unfern Helfer und Retter, unfern Erlöser und Vater. Gerade an der Stelle, wo Delitzsch abgebrochen hat, fährt er fort: „Die Liebe Gottes will ich küKden, den Ruhm Gottes (also Gottes Ruhm ist seine Liebe!), für alles, was uns Gott erwiesen und die Fülle des Guten, das er uns, das er an dem Hause Israel getan, nach seiner Barmherzigkeit und der Fülle seiner Gnaden. Denn er sprach: sie sind und bleiben mein Volk, Kinder, die nicht trügen und er ward ihnen ein Retter. Bei all ihrem Weh ist ihm weh und er in eigener Person hat sie errettet, mit seiner Liebe und seinein Erbarmen hat er sie erlöst und hält sie und trägt sie alle Tage der Ewigkeit." Was sollen also die Redensarten von dem Gott Jesus im Gegensatz zu dem des Propheten? Ist Jesus' Gott etwa ein anderer? Hat erst Jesus ihn der Welt verkündet, hat Jesus erst gelehrt, zu ihm zu beten und in ihm das Heil der Welt und jeder Menschenseele zu suchen? Die Welt braucht keinen andern Gott, kann keinen andern brauchen und wird nie einen Höheren finden als den Gott Israels. Die vermenschlichende Sprache von Gott darf niemand irre führen. In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß die biblische Sprache, wenn sie am energischsten nach Vergeistigung strebt und den Begriff recht abstrakt darstellen will, gerade dann die konkretesten Ausdrücke wählt und sich der stärksten Anthropomorphismen bedient. Man kann geradezu formulieren: je geistiger der Begriff, um so anthropomorpher der Ausdruck. Daher finden wir die kühnsten Verkörperungen gerade bei Schriftstellern von unbestreitbarer geistiger Gottesauffassung, die an eben diesen Stellen ihre Höhe erreicht. (Z- B. Jes. 6, Am. 9, Hiob 42.) Das ist im Wesen des biblischen Denkens und seiner Art sich auszudrücken begründet. Nicht auf die exakte begriffliche Formulierung geht der Ausdruck aus, sondern auf die Deutlichkeit der Anschauung. Man erkennt durch Intuition und redet anschaulich. Man philosophiert nicht, sondern schaut und stellt dar, was man geschaut, d. h. man dichtet. Es ist wieder sehr bezeichnend, wie man auch in diesem Puukte mit zweierlei Maß mißt, sobald das Neue Testament in Betracht kommt. Während man hier gegen das Alte Testament aus seinen Anthropomorphismen eine Waffe schmiedet und ihnen die Geistigkeit der nentestamentlichen Rede von Gott gegenüberstellt, macht mau an anderer Stelle umgekehrt dem späteren Judentum seine Transcendentalisierung Gottes zum Vorwurf und setzt ihm den „weltüberwindenden Anthropopathismus des Neuen Testaments" entgegen. „Anthropopathismus — sagt sehr richtig Stade — zeugt von der Kraft und Lebhaftigkeit der religiösen Ueberzeugung. Man kann dies nicht besser zeigen als an dem Gegensatz, in welchem hierin das Neue Testament zum späteren gelehrten Judentum steht. In: Neuen Testament ein die Welt überwindender aber durchaus anthropopathisch empfindender Gottesglaube, hier eine matte und aufwühlbare — aber fein säuberlich von Anthropomophismeu und anthropopathischer Auffassung fern ge-, haltene — Gottesvorstellung." Also, wir mögen uns betten wie wir wollen, wir machen es nie recht. Wir geben zu, daß die Bezeichnung der biblischen Prophetie als göttliche Offenbarung nicht buchstäblich aufgefaßt werden dürfe und sich formell von der heidnischen nicht unterscheide. Dies nun aber behaupten wir, daß sie sich materiell unterscheiden wie Tag und Nacht. Die Bibel ist eine Offenbarung des wahren Gottes, denn nur sie ist nach Ausweis ihrer inneren Wahrheit und der Bestätigung durch unsere Vernunft ein klares Zeugnis von ihm, deren Wort sie von Gott und seinen Eigenschaften, von dem Menschen und seinen Pflichten lehrt, ist nicht eine sondern die Religion und Sittlichkeit. Es bleibt sonach dabei, daß, wenn Mose sagt: Gott (der Ewige) habe zu ihm gesprochen, wirklich Gott dies, wenn auch nicht in diesen hebräischen Worten zu ihm gesagt, d. h. solche Erkenntnis in ihm gewirkt, und wenn Hammurabi dasselbe von seinem Shamash sagt, so kann es nicht zweifelhaft sein, welches der wahre Gott ist: der Ewige oder Shamash. Wie Gott in dem Geist eines Menschen Erkenntnis wirkt, ist uns ebenso unbegreiflich wie überhaupt die Entstehung eines Gedankens oder des Lebens, aber ist Gott wirklich und ein persönliches Wesen, das sich dem Menschen kund tut, dann kann dies auch nur in persönlicher Weise geschehen. Dann dürfen wir auch jönlich ei Göttliche ausschlie werfen, > wissen o> Abei Gott strc Einsicht,!)olk de> ittlichen olche Os gehabt k Offenbar nezeichnc Welt ni Nach Irsprün, lestamei Kein Ver re a znteresse So > ich Han! hristliche Nagdala ipoche hl gestalten. So < ine läch nteressie: präche Typen s Tadduzä „Ob Mari ür uns. Was ne von >ei einer Die ihren >er Han, lesthstiscl Wer nich oird ru> ehen? E Verdauu lonnte et nunft ge> gehen —