Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- Seite 196 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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hat es durchgesetzt, daß ein weißer Arbeiter eine Niederlassungsurkunde nicht erhält, wenn er nicht im stände ist. eine Barschaft von 100 Pfund Sterling zu produzieren als Sicherheit für den Fall, daß er verarmt und auf öffentliche Kosten erhalten oder nach England zurückbefördert werden muß. Da es nun keine Arbeiter gibt, welche 100 Pfund in der Tasche und Lust haben, mit Chinesen und Kulis in Arbeitskonkurrenz zu treten, so hat der „deutsche" Gouverneur vom Kapland die englischen Arbeiter einfach von der Einwanderung ausgeschlossen." Das genannte Blatt übertreibt bekanntlich gern, folgt aber sonst der lieblichen Gewohnheit der englischen Presse, jeden Juden als einen Deutschen zu bezeichnen. Nun ist Lord Milner zwar kein Jude, dafür ist er aber auch keilt Deutscher. Indes, was schadet es, wenn es nur die Leser jener Blätter glauben! Und daß sie es glauben, kann keinem Zweifel unterliegen; denn sie bilden ja den Kreis derer, die bekanntlich nie alle werden. ^ML"- Orief aus Oesterreich. Anfang April 1903. n der diesjährigen Passahwoche — dein Schrecken aller Hausväter, dem Gegenstände der Pein für alle Hausmütter — ereignet sich etwas in unserer Haupt- und Residenzstadt, was von dem gewissenhaften Chroniqueur mit umsomehr Freude verzeichnet zu werden verdient, je weniger freudvolles aus dem Lande der konfessionellen und nationalen Streitigkeiten er sonst zu berichten hat: es tagt nämlich in Wien, wie immer nach zwei Jahren die Versammlung deutscher Mittelschullehrer; mit dieser Tagung ist, vom 5. bis 26. April, eine Ausstellung neuerer Lehr- und Anschauungsmittel für den Unterricht an Mittelschulen verbunden, und was nun das für uns erhebende und erfreuliche an dieser Tagung und Ausstellung ist: auch die jüdische Religionslehre ist da durch wirkliche k. k. Professoren zum erstenmale vertreten, und 70 Objekte (47 Nummern) für den Unterricht in der mosaischen Religion wurden in die, unter dem Protektorate des Unterrichtsministers stehende Exposition ausgenommen. Vor einigen Jahren taten sich einige mutige Männer, Vertreter unseres Religionslehrerstandes zusammen, bildeten einen Verband und ruhten und rasteten nicht, bis sie unserem Religionsunterrichte und dessen Vertretern Gleichberechtigung mit anderen Gegenständen und deren Lehrern durchgesetzt hatten, sodaß in diesem Jahre nicht weniger als fünf jüdische Religionslehrer zu k. k. Professoren ernannt wurden. Dies alles geschah ohne Beihilfe der Gemeinden, ohne die Rabbinate, deren einige sich eines gewissen Einflusses bei der Regierung rühmen, dies alles geschah nur durch die nie ermüdende Ausdauer jener Lehrer, die es sich nicht verdrießen ließen, beim Ministerium selbst, für ihre gute und gerechte Sache einzutreten, und die nun auf Erfolge hinweiseil können, welche nicht nur ihnen, sondern auch dem Judentums in Oesterreich zur Ehre gereichen. Was war der jüdische Religionslehrer vor 20 Jahren noch, und was ist er heute! Vor 20 Jahren war er der stets zur Seite gestellte Nebenlehrer, dessen Remuneration von Jahr zu Jahr festgesetzt wurde, er war weniger als der Gesangs- und Turnlehrer, heute haben wir jüdische Religionsprofessoren in Wien, Brünn, Prag und Lemberg, die den anderen Beamten der 9. Rangsklasse gleichgestellt sind, für deren Zukunft durch unser Pensionsgesetz vorgesorgt ist. Und dies alles wurde durch die zielbewußte Energie weniger Männer bewirkt. Es wird für uns ein wichtige. Ereignis sei», wenn bei der Eröffnung der Ausstellung de: Minister sich überzeugen wird, wie auch wir modernen Anschauungen auf dem Gebiete des Unterrichtes huldigen, und e-: hat etwas erhebendes, wenn jüdische Religivnsprofessoren da: Haupt unserer Unterrichtsverwaltung darauf aufmerksam machen wie auch wir Plastische Mittel wählen, um begeisternd und belehrend auf den Geist und das Herz unserer Jugend zu wirken Graphische und bildliche Darstellungen, Münzen, Landkartei: Bildwerke, Gegenstände für rituelle Zwecke, Handschriften, Bücher, Medaillen vereinigen sich auf dieser Ausstellung zu einem harmonischen Ganzen, und geben eine Vorstellung, wi sich der moderne Lehrer bemüht, auch im jüdischen Religionsunterrichte gleichen Schritt zu halten mit den Anforderungen und Errungenschaften der Gegenwart. Wahrlich, allen jenen, die sich bemühten, diese Ausstellung reichhaltig zu gestalten gebührt der wärmste Dank derer, denen es darum zu tun is das Judentum in unserem Vaterlande im Hellen Lichte einer neuen Zeit zu zeigen. — Freuen wir uns dieses Werkes, und ermuntern wir die wackeren Männer, die nicht Geld und Ze t und Mühe scheuten, es ausznführen, auf diesem Wege zu ve harren, sie werden sich den Dank aller wahrhaft git gesinnten Glaubensgenossen verdienen. — Hebung des Judentums, besonders in den Augen Andersgläubiger Das sollte ja überhaupt unser Streben sein, ein Streben, des Schweißes der Edlen wert, ein Ziel aufs innigste zu wünsche», In der Hauptstadt Mährens, in der vor 56 Jahren kaum l > jüdische Familien wohnen durften, und die heute eine jüdische Gemeinde von 10 000 Seelen zählt, wurde vor Monatsfri l eine jüdische Versorgungsanstalt für erwerbsunfähige Grei e eröffnet, die wohl begründet und mit reichlichen Geldmittel» ausgestattet, bestimmt ist, alten, armen Leuten ein behagliche? Heim zu bieten. Zu ihrer Eröffnung und Einweihung hatte: die Statthalterei, die Stadtgemeinde, staatliche Behörde::, gemeinnützige Vereine ihre Vertreter entsendet, und es war eine weihevolle Stunde, als von den Repräsentanten der Judenschaft auf jene Lehren hingewiesen wurde, deren Br tätigung diese wohltätige Anstalt ihre Entstehung zu danke i hat. Es mag ja richtig sein, noch vieles bleibt uns zu tu» übrig, um namentlich auf dem Gebiete moderner, soziale Einrichtungen dem stürmischen Pochen einer neuen Zeit Stau» halten zu können. Es gilt heute nicht mehr, durch ein v t schlecht angebrachtes, beschämendes Almosengebeu die Schäde i zu bemänteln, die uns anhaften. Das jüdische Volk bei uns verarmt in erschrecklicher Weise, das Proletariat nimmt imm. r mehr zu, dem kann nur durch tüchtigen Unterricht und dm > Erziehung zur Arbeit abgeholfen werden. Auf den alte i Bahnen geht es nicht weiter, das »ruß jeder Einsichtige e kennen. Sich der neuen Zeit verschließen, wäre ein schwere Verbrechen. Allüberall regt es sich in unseren Tagen, und '- ist notwendig, daß auch wir mit dem alten Schlendrian breche > nnd endlich eiusehen, daß nur durch ein gründliches Aufräumen des Wustes alter, längst vermoderter Vorstellungen und Anschauungen uns geholfen werden kann. Uns steckt der mittelalterliche Geist noch in allen Gliedern. Die Vertreter der Gemeinden müssen sich aufraffen, und dem Lichte neun Ideen in den alten Bau des Judentums Eingang zu verschaffen suchen. Und das muß auf religiösem und sozialem Gebiete geschehen. Man lasse die Zeit nicht unbenützt vorübegehen. In einer Gemeinde darf es sich heute nicht allein nm Schäc Wichtigste Jugend u uns zu er viottesdiei lesteht, nc kann sich Aber Pflicht de: willigen; lntigkeit, vernünftig Gemeinde Beispiel r lauscht siä wendig, ik Itänner, wohl diese e uschüchte .verstehen Judentum l nweggeh nn Wohl vie Vergc V e genwar Aufgaben Prof. Bespr r-id soebei tat. 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