Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- Seite 194 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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194 einer geschlossenen Persönlichkeit vorschwebt, wenn man seinen Namen ausspricht, denn der ihn führte, hat das Werk seines Lebens nicht in der engen Zelle des Denkers verheimlicht, sondern in treuer Liebe und echter Humanität seinem Volke preisgegebe». Er war ein echter Deutscher und ein guter Jude dazu. Er hat weiten Kreisen gezeigt, daß man beides so harmonisch in sich vereinigen könne, daß kein peinlicher Erdenrest übrig bleibt. Seine Erscheinung allein konnte alle Einwendungen entkräften, die gegen seine Glaubensgenossen in den letzten Jahrzehnten erhoben wurden. Wie der Priester seinem Gotte, so diente er dem Genius seiner Nation und wachte, sorgend und schürend, über dem heiligen Herdfeuer seiner angestammten Religion. In dieser Vereinigung liegt vielleicht der größte Teil der Bedeutung des Mannes, denn hier fand die geschlossene Einheit seines Wesens ihren Mittelpunkt. Von hier aus konnte er aber auch eine reiche Wirksamkeit nach vielen Richtungen hin entfalten. Für uns steht natürlich in erster Reihe, was er dem Judentum gewesen ist. Denn die angesehene Stellung, die er sich in fester nnd beharrlicher Arbeit errungen, führte ihn nicht etwa wie so viele andere aus dem Kreise seiner Glaubensgenossen hinweg, sondern sie bestärkte ihn vielmehr in dein freimütigen Bekenntnis seiner unwandelbaren Treue zu dem Glauben seiner Väter. Das Bekenntnis des Psalinisten: „Vor Königen schäme ich mich nicht", war auch das seine. Moritz Lazarus war einer der ersten, der durch sein Vorbild den modernen, in angesehener sozialer Stellung sich befindenden Juden Deutschlands die Lehre gab, daß man ein guter Jude und zugleich ein guter Deutscher sein könne, daß das Ausharren bei der alten Fahne gerade für die Gebildeten eine Ehrenpflicht sein müsse. Viele und Hervorragende haben durch ihn das Bewußtsein ihrer Existenz als Juden empfangen, haben durch ihn erfahren, wie viel Wärme, Liebe und Poesie auch in dem jüdischen Leben, das ihnen fremd war, zu Tage tritt. Sv hat er bildend, erziehend nnd erhebend auf das Judentum eingewirkt, er hat gezeigt, daß die eifrige Beschäftigung mit jüdischen Angelegenheiten eine Ehre sei und eine hohe Pflicht dazu, der sich niemand entziehen dürse. Jahrzehntelang hat er seines Amtes unter uns gewaltet, als ein treuer Mahner, als ein ernster Warner in der Stunde der Not. Und als diese Stunde der Not kam, als der Sturm heranbrauste, da war er der erste, der mit flammendem Eifer sich gegen die Angriffe erhoben, die Israel immer von neuen: erfahren hat. Mutig und unverzagt zog er zum Kampfe aus — aber sein Wort war doch eine Lehre des Friedens, und aus all seinen Schriften klang auch in der Zeit des Kampfes doch immer wieder die Sehnsucht und die Hoffnung auf jenes ideale Gottesreich der menschenverbindenden Humanität nnd des allgemeinen Völkersriedens hervor, die von unseren Propheten geweissagt, von unseren Psalmisten besungen wurde. Immer dem Idealen nachstrebend, das Gute wollend nnd hoffend, im feinen Sinne, aber auch mit voller Entschiedenheit, von dem Häßlichen und Gemeinen sich abwendend, hat er den Glauben an die Menschheit, den Glauben an die Sendung Israels und dessen Zukunft unter allen Verhältnissen, trotz bitterer Erfahrungen und Enttäuschungen aller Art, in einer Welt voll Irrungen und Wirrungen, in einer Zeit voll Haß und Fluch, voll treuer, hingebender Liebe gelehrt und bewahrt. Denn die sichere Grundlage seiner Kraft und seinerschöpferischen Wirksamkeit war, daß er mit tiefer Ehrfurcht auf den Gottesgeist in der Geschichte blickte, der sich in dem Lebensgang Israels so wunderbar offenbart hat. In dieser Ueberzeugung konnte er ausrufen: „Treue ist die Wurzel unserer Religion, wie unsere Religion die Wurzel unserer Trene ist." In dieser Ueberzeugnng aber auch durfte er in geweihter Stunde dem deutschen Volke das Wort ins Herz sprechen „Gleich wie der Philosoph dann am meisten auf sein Volk einzuwirken imstande ist. wenn in ihm mit der Festigkeit des Grundgedankens das Ideal des eigenen Volkes lebt, so wird auch ein Volk wiederum auf die gesamte Menschheit am meisten einwirken, wenn in ihn: die Ideale der Menschheit Leben gewonnen." Diesen unerschütterlichen Glauben an das Ideal hat sich Lazarus in allen Lagen seines Erdenwallens erhalten, nnd nichts vermochte ihn zu erbittern, nichts irre zu machen, nichts zu enttäuschen. Er blieb bis zum letzten Atemzuge ein Prophet des Ideals, ein Verkünder jener Weltanschauung, für die sich, wenn wir sein Leben recht verstehe», einst schon Rabbi Abbahu eingesetzt, und die Japhet am gastlichen Herde Sems das Jubellied der Menschheitszukunft anstimmen läßt. So war der Mann, dem nur eine kleine Schar in der kalten Lenzlnst ferner Berge heute das Totengeleite geben konnte, den aber viele mit inniger Wehmut betrauern, um den die Säulen von Cäsarea und der Marmor von Sephoris weinen, und in dem Israel seine Zierde beklagt, die ans seinen Höhen ist gefallen, auf den es aber auch immerdar, in heiterer Stunde wie in der Zeit der Not, blicken wird, wie auf seinen großen Lehrer nnd ein erhabenes Vorbild. Berlin, 21. April. /<Ä8^ie Parlamente hatten überall Ferien. Die Zeit war gekommen, wo man daran ging, Rückschau zn halten auf das, was die Volksvertretungen aller Länder geleistet und geschaffen haben. Und da fiel uns sofort etwas auf, was zu denken gibt. In drei Parlamente», im deutschen Reichstag im österreichischen Reichsrat, im französischen Senat sind innerhalb der letzten Wochen Anträge und Interpellationen betreffend die Behandlung der Juden in Rumänien eingebrachl worden. Im deutschen Reichstag sprachen die Abgeordneten Bernstein und Schräder über diese brennende Frage, im öfter reichischen Reichsrat hat Professor Skedl eine Interpellation und Dr. Straucher einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, im französischen Senat hat Gras d'Aunay die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Sachlage grlenkt. Aber - weder der deutsche Staatssekretär v. Richthofen, noch der österreichische Minister v. Körber oder der französische Minister Delcassö haben diese Fragen und Interpellationen auch nur mit einem einzigen Worte berührt. Auf alle andern Punkte in den Reden de> genannten Abgeordneten sind sie ausführlich eingegangen, über diesen einen haben sie sich beredt ausgeschwiegen. Sollte das wirklich nur ein Zufall, oder am Ende gar eine stillschweigende Verabredung der am Berliner Vertrag beteiligten Mächte sein Gegen diese Vermutung spricht freilich das Verhalten Englands in dieser Frage. Aber die andern Mächte haben bis jetzt sorgsam vermieden, den: Beispiel Englands zu folgen. 4 Die A Wahlkreise andern be Spiel. Ir bisherigen Kandidate aufgestellt, die Kandi haben die Kandidatei Präsident Ebenso ge indes darr Freude nn Der r >or seiner persönlich! Mission in dem Grafe den letzte« deutschen K r anläßli Abgeordne Diese welchem t Ue vertritt sationellen Minister n Rententitv Grund aw Wechsels ir der heutig Drucke der da der un uewisse Ver der öffentli c. beziehen schneidend nnd es liec Meinung i daß ihre ' licht bloß entsprechen - ebenden s c ntisemitis, nationaler > umänien erwiesen, Mittel imn Der L s cherer Or Adverul" um der l e>ne wirkst pagne vorz der Finan Prozesses bvidenz er