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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-04-17 · Heft 16 (17.4.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 16 (17.4.1903)
Date
1903-04-17
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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Im Vollbewnßtseiu meiner Verantwortung habe ich am Freitag und dann nochmals am Sonnabend Herrn Joel Mayer befragt und die wiederholte nachdrückliche Versicherung erhalten, daß seine mir gemachten Mitteilungen unbedingt zuverlässig seien. In dieser Annahme mutzte ich durch die Erklärung des Herrn Mayer bestärkt werden, daß er bereits vor mehreren Wochen dem Herrn Sanitätsrat Dr. Wiesenthal von dem Vorkommnitz Kenntnis; gegeben, das; dieser ihm erwidert hat: 21'^ LQ'TQL'Q VX 1">V27I und das; daraufhin Nemednr geschaffen worden sei, ferner daß er (Herr M.) auch dem Herrn Vorsitzenden des Gemeindevorstandes von dem Vorfälle Mitteilung gemacht habe. Zudem hat ja auch Herr- Moritz Manheimer die Tatsache selbst in der vorletzten Sitzung merkwürdigerweise zugegeben. Hätte er sofort widersprochen, so würden auch die nachfolgenden Redner ihre Kommentierung unterlassen haben. Endlich war mir von berufener Seite berichtet worden, das; die Angelegenheit im Kreise des Gemeindevorstandes erörtert worden ist. Somit kann ich der beruhigenden Gewißheit sein, daß ich es an der erforderlichen Vorsicht nicht habe fehlen lassen, sondern optima ücko gehandelt habe. Zu meinem aufrichtigen Bedauert; erkenne ich jetzt, daß ich das Opfer einer Täuschung geworden bin. und daß somit alle von mir an das angebliche Geschehnis geknüpften Schlußfolgerungen hinfällig sind. Wenngleich ich mich von dem Vorwurfe leichtfertigen Vorgehens frei fühle, glaube ich dennoch, die Konsequenzen ziehen und auf mein Amt als Repräsentant verzichten zu müssen. Indem ich Sie bitte, dem Kollegium von dieser meiner Resignation Kenntnis zu geben, verharre ich rc." W Potsdam, 14. April. Kann ein getaufter Jude christlichen Religionsunterricht erteilen? Um diese Frage handelte es sich am letzten Freitag in der Sitzung der hiesigen Stadtverordnetenversammlung. Schon bei früheren Gelegenheiten war von dem antisemitischen Stadtverordneten Kaufmann Ernst Frölich zur Sprache gebracht worden, daß in der Gemeindeschule VI der ehemals jüdische Lehrer Silberstein, der sich nur deshalb habe taufen lassen, weil er sonst keine Anstellung erlangen konnte, christlichen Religionsunterricht erteile. Vom Magistrat war auf diese Angelegenheit nicht weiter eingegangen worden, weshalb diese nunmehr von dem Stadtverordneten Japel bei der Etatsberatung aufs neue angeschnitten wurde. Vom Magistrat wurde geltend gemacht, daß die Beschäftigung des Lehrers von der Schulaufsichtsbehörde kontrolliert werde und daß der Lehrer Silberstein von der Königlichen Regierung nicht als ungeeignet zur Erteilung des Religionsunterrichts erachtet sei. Stadtverordneter Frölich erachtete weite Kreise der christlichen Bevölkerung durch diese Art von Unterrichtserteilung beunruhigt, da Silberstein nicht aus Ueberzeugung Christ geworden sei, sondern nur. um eine Anstellung zu finden. Stadtverordneter Geheimer Rechnungsrat Hinze hielt Frölich entgegen, daß Silberstein seit 20 Jahren getauft sei, warum, das habe er mit seinem Gott abzumachen, als Lehrer habe er sich stets bewährt. Die Stadtverordnetenversammlung sei keine Antisemitenversammlung. Der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung bereitete der Debatte dadurch ein Ende, daß er erklärte, es handele sich um Personenfragen, die nicht öffentlich zu erörtern wären. a. Kotlbus, 5. April. Am gestrigen Sabbat wurde der neu erwählte Rabbiner Dr. Posner in feierlicher Weise seitens des Vorstandes und der Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde in sein Amt eingeführt, nachdem der Vorsitzende Herr Bankier Löwenstein Worte der Begrüßung an ihn gerichtet hatte. Herr Dr. Posner hielt sodann eine sehr inhaltreiche Predigt, in der er in eindrucksvoller Weise die Grundsätze, die ihn in seinen; Amte leiten, entwickelte. Am Abend versammelten sich die Gemeindemitglieder zu Ehren des neuen Rabbiners, den der Vorsitzende der Nepräsententen, Herr W. Neyersbach in längerer Ansprache willkommen hieß. o. Görlitz, 2. April. Die vielfachen Verdienste, die Herr Em a nuel A. Katz sich durch mehrere Jahrzehnte in; Vorstande der hiesigen Synagogengemeinde, zun; größer;; Teil als Vorsitzender des Vorstandes erworben, fanden bei Gelegenheit seines 70. Geburtstages ihre Anerkennung von seiten der Gemeinde an; letzten Sonnabend. In seiner bekannten bescheidenen Weise war Herr Katz jeder Ovation ans dem Wege gegangen, und war daher am 10. d. M. dem eigentlichen Geburtstage, nicht hier anwesend; die Gemeinde aber wollte cs sich nicht nehmen lassen, dem Manne, der so vielfach Dank verdient, auch einmal Dank zu sagen. Schon am Vormittag war beim Gottesdienst das Betpnlt des Herrn Katz seitens des Vorstandes mit einer Blumengnirlande nn,kränzt. Um 12 Uhr versammelten sich die Deputationen des Vorstandes, die Repräsentanten des Wohltätigkeits- und de^ Frauenhilfsvereins, wie auch der hiesigen Viktorialoge, im Hause de- Jubilars. Im Namen des Gemeindevorstandes sprach in Abwesenheit des Beisitzers Herr Leopold Cohn, in ausdrucksvoller Weise hervorhebend, wie durch die musterhafte Leitung die Gemeinde ihre jetziggeachtete Stellung erworben, und welcher; Dank sie nach jeder Rich tung hin ihrem Vorstandsvorsitzenden schulde. Damit dies auch den späteren Geschlechtern in Erinnerung bleibe und zur Nacheiferung nach solchem Vorbilde anrege, hat die Gemeinde das wohlgetroffenc, in Oel gemalte Porträt des Herrn Katz gestiftet, das im Gemeinde- Sitzungszimmer für alle Zeiten seinen Platz finden solle. Herr Justizrat Dr. Hoeniger, Vorsitzender der Repräsentanten, überreichte mit begeisterten, trefflichen Worten eine vom Vorstande und Repräsentanten dem Jubilar zur Verfügung gestellte namhafte Summe, über deren Verwendung als „Emannel Katz'sche Stiftung" Herr Katz bestimmen sollte. Herr Rabbiner Dr. Freund sprach als Seelsorger der Gemeind und als Vorsitzender des Wohltätigkeits- und des Frauen-Hilssvereins. Neben den vielen anderen Verdiensten des Jubilars, die auszuzählen dieser selbst am wenigsten gestatten würde, hob er besonders hervor, wie Herr Katz es als seine heiligste Aufgabe als Vorsteher betrachten auch unter den divergierendsten Ansichten den Frieden in der Gemeind sowohl nach außen, als innerhalb derselben zu erhalten, und überreichte eine von den beiden Vereinen gewidmete Adresse, die von Frau A. Hannes, Vorsteherin des Frauen - Hilfsvereins. aus.drncksvol vorgelesen, den Dank aussprach für all die Förderungen, welche beid. Vereine durch Herrn Katz sowohl persönlich, wie als Vorstehe erfahren. Herr Pfeffernrann, Präsident der Viktoria-Loge, gratuliert in; Namen derselben ausnahmsweise dem außer ihrem Verband stehenden Jubilar, der aber mit den idealen Bestrebungen der Log aufs wärmste sympathisiere und dies auch schon vielfach bekunden habe. Hierauf sprach der Jubilar tief gerührt all denen seinen Dank aus, die ihn; diese herzerquickende Freude bereitet. Er lehnte aue: die Lobeserhebungen ab; er habe nur getan, was in der Ehrenstellung die ihm die Gemeinde anvertrant, seine Pflicht war. was aber auch ihn; selbst die höchste Befriedigung bereitet habe. In langer, di- Zuhörer ergreifenden Rede warf er einen Rückblick auf seine bisherig! Tätigkeit, die ihn; durch die Unterstützung seiner Kollegen und de fungierenden, mit den Bedürfnissen der Gemeinde seit langer Zei vertrauten Seelsorgers erleichtert wurde, und streifte dabei auch di Ziele, deren Erreichung er für die Zukunft im Auge habe. Zwischen den einzelnen Ansprachen wurden drei von dem Kantor der jüdischer Gemeinde, Herrn Gerling, verfaßte und komponierte Lieder von einem von diesem auch dirigierten Doppel-Männer-Quartett höchst wirkungs voll vorgetragen. Die Feier machte gerade in ihrer schlichten Weise der man es nachempfand, wie sie nicht äußerlich angesetzt, sonder: von Herzen kam, einen äußerst würdigen und ergreifenden Eindruck und wird allen Anwesenden unvergeßlich bleiben. Oldenburg, 14. April. Zu Ehren des Vorstehers de jüdischen Gemeinde. L. S. Weinberg, welcher wegen seines hoher Alters von 77 Jahren eine Wiederwahl abgelehut hatte, veranstaltet am 5. d. M. der jüdische Landesgemeinderat nach seiner letzten Sitzuw in dieser Wahlperiode im Saale der Union eine Abschiedsseier, an de sich auch eine große Anzahl Mitglieder der hiesigen Gemeinde nn ihren Damen beteiligten. Nachdem der Vorsitzende des Landes gemeinderates. Landrabbiner Dr. Mannheimer, sowie das ältest. Mitglied. Vorsteher Heinemann Vachta, den Jubilar unter der Klängen der Musik in den Saal geleitet hatten, überreichten die Vo; steher Gustav Schwabe-Varel und I. D. Josephs-Jever im Namen de Landesgemeinderates eine von Kunstmaler Adels jun. angefertigt. Adresse, auf welcher die Arbeiten des Landesgemeinderates allegoriscl in hervorragend schöner Ausführung dargestellt waren. Während de Ueberreichung spielte die Musik eine Arie aus Lohengrin, worauf de Jubilar in bewegten Worten dankte. Hierauf begann das Festmahl an dem Herr Weinberg bis zu Ende teilnahm. Als Nachfolger de- Herrn L. S. Weinberg, der fast drei Jahrzehnte seines Amtes segens reich waltete, tritt Herr Leopold Moser sowohl als Vorsteher de Gemeinde, als auch als Mitglied des Landesgemeinderates an seim Stelle. — Die Vorstandswahlen in den Synagogengemeinden dc Großherzogtums, welche gesetzmäßig alle vier Jahre stattfinden müssen haben eine Wiederwahl des gefaulten jüdischen Landesgemeinderatec ergeben. Die Wahlprotokolle mußten von allen Gemeinden bi-

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