Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1903)
- Date
- 1903-04-17
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Mai die Vereidigung der neugewählten Vorsteher und Beisitzer von Seiten des Landesrabbiners Dr. Mannheimer stattfinden wird. >Vlx. Elberfeld, 10. April. Das 25 jährige Amtsjubiläum des Herrn Max Simon als Präses der hiesigen Synagogengemeinde wurde erst am verflossenen Samstag (weil Herr Rabbiner Dr. Auerbach am Samstag vorher plötzlich erkrankt war) in würdiger und den Jubilar außerordentlich ehrender Weise gefeiert. Beim Festgottesdienst in der festlich geschmückten Synagoge feierte der jgeistliche Führer der Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Auerbach in von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten die Verdienste des Jubilars, der es verstanden habe, durch seine erfolg- und segensreiche Wirksamkeit, durch sein liebevolles und friedfertiges Wesen sich die Anerkennung, die Liebe und Wertschätzung aller Eemeindemitglieder zu erwerben. Nach Beendigung des Gottesdienstes fand sich in der Wohnung des Jubilars eine Deputation des Vorstandes und der Repräsentanten ein, welche ihm die Glückwünsche der Gemeindevertretung und ein herrliches Angebinde derselben überbrachte. Daselbst waren auch sämtliche Mitglieder des Synagogenchores unter Führung des Dirigenten, Herrn Julio Bernthal, erschienen und erfreuten Herrn Max Simon, der während seiner ganzen Amtsführung Gönner und Förderer des Synagogenchores gewesen, durch einige wohlgelungene Gesangsvorträge. Abends vereinigten sich zu Ehren des Jubilars die Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentanten zu einem Festbankett im Hotel Central, zu welchem auch die früheren Kollegen des Jubilars und die Beamten der Gemeinde geladen und erschienen waren und bei welchem der Alterspräsident des Kollegiums. Herr Louis Lebach, den Kaisertoast ausbrachte. Weitere ernste und humoristische Toaste auf den Jubilar, dessen Gemahlin, den Rabbiner, den Vorstand, die Repräsentanz, den Alterspräsident, die ältesten Mitglieder des Kollegiums, das Festkomitee und den Tischpräsidenten, sowie sinnige Tischlieder und herrliche Gesangsvorträge würzten das Mahl, und bis in die frühe Morgenstunde blieben die Teilnehmer in gehobenster Festesstimmung um den Gefeierten vereinigt. Darmstadt, 5. April. In der hiesigen Gemeinde haben wieder einmal Vorstandswahlen statigesunden. Da die Mandate der im vorigen Jahr neugewählten sechs Vorstandsmitglieder unrein. beziehungsweise vier Jahre liefen, so mußten schon jetzt für fünf dieser Herren Neuwahlen vorgenommen werden. Trotz der gehässigen Art des Vorgehens der jetzt herrschenden Partei, trotz der von ihr ausgegebenen Wahlparole rührte sich die Gegenpartei nicht, sondern überließ kampflos den neuen Männern, die bis aus Einen Nullen und willenlose Werkzeuge des Vorsitzenden sind, das Feld, so daß diese bei einer Wahlbeteiligung von nur etwa 60 Gemeindemitgliedern einstimmig wiedergewählt wurden. — Wie sehr sich der Parteigeist innerhalb der hiesigen Gemeinde geltend macht, zeigte sich so recht, als am vorigen Dienstag eine öffentliche Versammlung stattfand, in der die Herren Dr. Paul Nathan aus Berlin und Rabbiner Dr. Nosenack aus Bremen die Ziele des Hilfsvereins der deutschen Juden klarlegten und zur Gründung einer Ortsgruppe anfsorderten. In der Versammlung, die vom früheren Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Ludwig Trier geleitet wurde, waren vom jetzigen Vorstand nur zwei (von neun) Mitgliedern anwesend, und auch ihre Anhänger hatten sich demonstrativ ferngehalten. Sämtliche anwesende Herren traten dem Hilfsverein bei, und außerdem gab der seitherige Landtagsabgeorduete Langenbach, dessen Wahl übrigens am selben Tage von der Kammer aus formellen Gründen kassiert worden war, die Anregung zur Begründung einer Damenortsgrnppe. Oesterrrich-Ungarri. Wien, 14. April. Die während des Monats April im Oesterreichischen Museum stattfindende Ausstellung, welche unter dem Protektorate des Unterrichtsministers Dr. v. Härtel steht, wurde am letzten Sonntag durch den Minister feierlich eröffnet. Unter den Ausstellungsobjekten nimmt die VI. Sektion: Israelitische Religion, einen würdigen Platz ein, und werden wir aus die sehenswerten Objekte dieser Sektion zurückkommen. In glänzender Weise ist daselbst das Museum sür jüdische Altertümer vertreten, welches graphische Darstellungen nach der heiligen Schrift und aus dem religiösen Leben der Juden, Porträts, wertvolle Handschriften, Gegenstände für den rituellen Gebrauch und Kupfer. Zinn, Bronze und Silber ausgestellt hat. Der Unterrichtsminister und viele hervorragende Schulmänner besichtigten mit großem Interesse die ausgestellten Gegenstände. Besondere Anerkennung fanden die Nachbildungen der Originalillustrationen in der Hagadah von Sarajevo, angefertigt von: Architekten Max Fleischer in Wien, ferner acht Aquarelle, Darstellungen des hohen Liedes, vom Professor Leopold Schauer, welche dieser Künstler über Ansuchen des Mnseumskuratoriums für Ausstcllniigezwecke überlassen hatte, und ein nach den Plänen des Banrats Stiaßny im ägyptischen Stile angefertigter Floraschmnck ans Silber, welchen die Kultusgemeinde Wiener-Neustadt aus ihrer Neuen Synagoge nach Wien geschickt hatte. Die Ausstellung erfreut sich lebhaften Besuches aus den gebildeten Teilen der Bevölkerung Wiens. — Am 4. dieses Monats ist nach Ablauf seines dreijährigen Mandates der bisherige Bürgermeister Dr. Lueger mit ungefähr sünf Sechstel der abgegebenen Stimmen vorn Gemeinderate neuerdings zu diesem Amte berufen worden. Derselbe erklärte selbstverständlich diese Wahl auzniiehmen und unterließ es auch nicht, „die großen Verdienste", die sich nach seiner Ansicht die christlich-soziale Partei um Wien erworben habe, gebührend herausznstreichen. Die eigentliche Programmrede wird wohl erst nach Einlangen der kaiserlichen Bestätigung gehalten werden, nur das eine wollte der Bürgermeister sofort feststellen, daß er ein Agitator sei und ein solcher bleiben werde! Von Nah und Fern. — Der Vorstand des königlichen statistischen Amtes in Stuttgart, Direktor H. Zeller, hat eine neue Statistik der Neligionsbekenner aus der ganzen Erde ausgearbeitet. Nach seinen Schätzungen beträgt die Summe aller Erdbewohner rund 1 544 510 000. Von diesen sind 534 940 000 Christen, 10-460 000 Israeliten, 175 290 000 Mohammedaner und 823 420 000 gehören anderen Religionsbekenntnissen an, 300 Millionen sind Confntse-Anhänger, 214 Millionen Vrahmanen, 121 Millionen Buddhisten. Ans je 1000 Menschen kommen nach Zellers Statistik 346 Christen, 7 Israeliten. 114 Mohammedaner und 523 Angehörige anderer Religionen. — In Preußen sind im letzten Jahre in den 213 höheren Mädchenschulen 55 558 Schülerinnen gewesen. Darunter 42196 protestantische, 6489 jüdische und 4719 katholische. — Professor Delitzsch wird nun doch am 17. d. Al. einen Vortrag sür die deutsche Orientgesellschaft halten, aber nicht den dritten Teil voll Babel und Bibel, sondern einer Bericht über die letzten Ausgrabungen. — Dr. David Hartmann in Hagen i. W. ist an die Realschule der israelitischen Gemeinde (Philantropin) zn Frankfurt a. M. berufen worden. — Der Oberlandesgerichtsrat a. D. Geh. Justizrat Dr. Littenin Hamm hat den Noten Adlerorden III. Klasse mit der Schleife erhalten- - Der König von Württemberg hat dem Mitglied der Israelitischen Oberkirchenbehörde Kommerzienrat Benzinger in Stuttgart das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens verliehen. — In Wien ist der Major Leopold Pick vom Infanterieregiment Nr. 60 der dortigen Garnison im Alter von 42 Jahren gestorben. Derselbe war in den Kreisen seiner Kameraden beliebt und angesehen; er blieb bis znm Tode ein glaubenstrener Jude. — Wie es heißt, soll das Pariser Hans Rothschild wieder die Absicht haben, eine neue russische Anleihe zu übernehmen. Wird man dabei der Juden gedenken? — Baron Nathaniel v. Rothschild ist bereits wieder hergestellt und hat Neapel schon verlassen. — In Warschau ist der Millionär Schaje Prive s gestorben. Er war trotz seines großen Reichtums eifriger Parteigänger des Chassidismus und unter den Juden Warschaus eine der populärsten Persönlichkeiten. — Der berühmte englische Advokat Arthur Cohen ist znm Mitglied der neuen englischen Akademie, deren Sekretär Israel Gollancz ist, gewählt worden. — In Algier ist der Advokat am Appellhof Georges Narboni gestorben, der in den Kämpfen gegen die dortigen Antisemiten stets in erster Reihe gestanden hat. — Der Major Charles Lauch Heime r in Baltimore, stellvertretender Adjutant und Inspektor des Marillekorps der Vereinigten Staaten ist zum.Oberstleutnant befördert worden. — In Alexandrien ist die verwitwete Baronin Menasce, eine wegen ihres Wohltärigkeitssinnes hochverehrte Dame, im 73. Lebensjahre gestorben.