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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-04-17 · Heft 16 (17.4.1903) · p. Seite 192

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 16 (17.4.1903)
Date
1903-04-17
Page
Seite 192 (sequence 14)
Language
German
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ISS wirst Du Dein Brot und Deinen Speck für Dich selbst gebrauchen —; und nun marsch, fort." Leise, unverständliche Worte murmelnd, schlichen die drei Bauern fort. Naftali wartete bis ihre Schritte verhallt waren, dann ging er wieder in die Stube herein. „Schnell, schnell." sprach er zu den Seinen, „nehmt alles, was Ihr mit Euren Händen fortbringen könnt. Wir haben keine Zeit zu verlieren; hier habe ich einen unausgefüllten Reisepaß, mit dem wir überall hingehen können, wohin wir wollen. In Vikulno will ich mir die dreitausend Rubel vom Bankier holen, die ich mir erspart, es wird für unsere Reisen ausreichen, bis wir an Ort und Stelle find, und das weitere wird sich finden; Awromele und ich haben zwei Paar starke, gesunde Arme, die uns vor Not schützen werden, und — der alte Gott lebt noch!! Und nun kommt; wir wollen nach dem Lande jenseits des Meeres hinziehen, wo echte Freiheit herrscht, wo jeder Mensch beten kann, wo und wie er will; wo die Menschen sich nicht wie die wilden Tiere gegenseitig zerreißen, aus Engherzigkeit, aus Haß und Vorurteil! Kommt, Vater, Mutter, Bruder, kommt; weit wollen wir von hier fortgehen, weit hinaus aus dem Lande der Knechtschaft!" Literarische Mitteilungen. — Die Herstellung der Schriften des 18. Jahrganges des hebräischen Literaturvereins Ne kl §6 Niräamim hat diesesmal eine Verzögerung erlitten, weil für die Beendigung des so wichtigen Ritualwerkes Orebot noch die ehemals Luzattosche Handschrift, welche sich jetzt im Besitz des Lsrvisti Oollexe in London befindet, verglichen werden mußte. Jetzt ist das ganze Werk fertiggestellt, mit verschiedenen Registern und Anhängen versehen, eine ansehnliche Bereicherung der jüdischen Literatur. Außerdem ist auch noch das von Iehuda Barceloni verfaßte Leser Ha'ittim von Oberrabbiner Jakob Schor in Kuty (Galizien) zum ersten Male nach Handschriften ediert und mit einem sachgemäßen Kommentar versehen worden. Als drittes Werk erscheint, unabhängig von den bereits erschienenen, eine neue Lieferung vom Diwan des Iehuda Halewi. Somit dürften die geehrten Mitglieder des Vereins für die Verzögerung reichlich entschädigt werden. Die Versendung der Schriften wird voraussichtlich im nächsten Monat erfolgen. Neue Meldungen zum Beitritt mit dem Jahresbeiträge von Mark 10 werden gern entgegengenommen von dem Vorsitzenden Dr. A. Berliner, Berlin. Krausnikstraße 7. Sprechfaul. Verehrliche Redaktion! <Mn der mir vor kurzem zugegangenen Nr. 7 Ihrer Zeitschrift vom 13. Februar 1903 ist eine Besprechung über die Beschwerde enthalten, welche wir Repräsentanten der Kreissynagogengemeinde zu Tilsit wegen der Zurücksetzung der letzteren bei der städtischen Jubiläumsfeier an die hiesigen städtischen Körperschaften gerichtet haben. Behufs Klarstellung der Sache erlaube ich mir, Ihnen nun mitzuteilen, daß uns eine „Antwort" des Stadtverordnetenvorstehers aus unsere Beschwerde überhaupt nicht zugegangen ist, sondern daß er die letztere nur in der öffentlichen Stadtverordnetenversammlung vorgetragen und^dort seine.Erklärung darauf abgegeben hat. Diese scheint ungefähr in dem Sinne, in welchen! sie in Ihrem geschätzten Blatte wiedergegeben ist, gehalten gewesen zu sein, jedoch ließ ihr Inhalt sich nicht authentisch feststellen, weit er schon am nächsten Tage in den beiden Tilsiter Tageszeitungen mit erheblichen Verschiedenheiten wiedergegeben war. Wir hielten es deshalb für ratsam, von einem weiteren Eingehen auf die Aeußerungen des Herrn Stadtverordnetenvorstehers Abstand zu nehmen. Richtig ist, nach allen Berichten, daß der inzwischen nach Ablauf feiner Amtsperiode aus unserem Gemeinde Vorstande ausgeschiedene Herr Justizrat Cohn in der Stadtverordnetenversammlung vorgebracht hat, daß unser Vorstand es abgelehnt hat, die von der Repräsentantenversammlung beschlossene Beschwerde abzusenden. Dagegen scheint es unbekannt geblieben zu fein, daß an demselben Tage, an welchem die beregte Stadtverordnetenversammlung stattfand, der Oberbürgermeister von Tilsit, Herr Pohl, an mich, als dem Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums ein in der verbindlichsten Form gehaltenes Schreiben gerichtet hat, in dem er erklärte, daß es der Festkommission fern gelegen habe, die jüdischen Mitbürger kränken oder andern gegenüber zurücksetzen zu wollen und in dem er die Hoffnung aussprach, daß dieses sein Schreiben die vorhandene Mißstimmung beseitigen werde. Das Vorgehen der Repräsentantenversammlung scheint auch nicht ohne Wirkung geblieben zu sein, denn, als bald darauf das Festessen zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers stattfinden sollte, befand sich auch unser Rabbiner Herr Dr. Ehrlich mit in dem unter der öffentlichen Einladung Unterzeichneten Festkomitee, während er früher zu demselben niemals zugezogen gewesen war. Auf die Schlußausführung in Ihrem geschätzten Blatte, daß unser Vorstand, wenn er unserem Beschlüsse nicht zustimmen wollte, uns vorher hätte belehren sollen, erlaube ich mir zu bemerken, daß wir einer solchen Belehrung nicht bedurften. Wir hielten es für unsere Pflicht, der unserer Gemeinde widerfahrenen Zurücksetzung gegenüber Stellung zu nehmen und konnten uns auch deshalb dadurch, daß der Vorstand sich unserer Beschwerde nicht anschließen wollte, hierin nicht beirren lassen. Hochachtungsvoll Tilsit, im März. Dr. Gr um ach, Rechtsanwatt. Sehr geehrter Herr Redakteur! gestatten Sie mir die „Ehrenrettung" des Herrn G. Deutsch Herrn Moritz Goldberg gegenüber: Wenn nämlich Herr Goldberg meint, es sei völlig neu, in Bibel, Talmud oder in nachtalmudischen Schriften den Ausdruck 2^22 als Gegensatz zu 2^21^,2 (Verwandten) „oder gar zu 2'N8 Geschwistern" zu finden," so möchte ich ihn auf eine ganze Reihe von Mischuoth im Traktat Jebamoth (vrgl. HI, 6, 7, 9) aufmerksam machen, wo es gerade in letzterem Sinne steht. Wenn Herr Goldberg einmal weiß, daß sein erster Punkt völlig hinfällig ist, so wird er wohl selbst auch die anderen als minderwertig anerkennen. Hochachtend Dambach i. Elf., 16. März. Dr. I. B. Sehr geehrte Redaktion! /Ä^estatten Sie mir aus der weiten Ferne, und, also wahrscheinlich nur als ein zeitlicher Nachzügler, dem Professor Friedrich Delitzsch einen jener Schnitzer nachzuweisen, welcher hinreicht, ihn vor seinen eigenen Fachgenossen zum „Pennal" Herabdrücken zu können. Delitzsch hat in seinem bereits mehrfach erwähnten diesjährigen Vortrag über „Babel und Bibel" gar mancherlei gesagt, was an die biblische Definition des Wortes „Babel", an Begriffs- und Sprachen- Verwirrung, gemahnt. Aber das „uou ptu8 ultra" leistet sich der Herr Professor, wenn er behauptet, „daß sich im Alten Testament nirgends ein Frauenname findet, aus dem hervorginge, daß das Mädchen als ein Geschenk Gottes angesehen werde". Irgend ein gut geschulter theologischer Seminarist kann hier dem Professor auf die Finger klopfen, und ihm einfach Nachweisen, wie die hebräischen Frauennamen Jochebed und Elischeba, zwei der Ureigenwörter der Bibel, ihn widerlegen! Und ein Mann, der seines eigenen unvergeßlichen Vaters hebräische Bibel nicht kennt, wagt es, den assyriologischen Donnerkeil zu schwingen! Dieser Delitzsch-Junior-Fall erinnert mich an den längst verschollenen Meidinger vom 70 jährigen Schotten, welcher von seinem 95 jährigen Vater eine gute Tracht Prügel bekam, weil er beim Durchwaten einer feuchten Furt den 120jährigen Großvater hat ins Wasser fallen lassen. . . Wir, vom amerikanischen Lager, haben einen Hilpert dort, und der sorgt schon dafür, daß Friedrich Delitzsch nicht zu üppig wird. Des Moines, Iowa, 6. März. Dr. S. H. Sonne schein. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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