Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1903)
- Date
- 1903-04-17
- Page
- Seite 188 (sequence 10)
- Language
- German
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18S niedergerifsenen oder beschädigten Synagogen wieder aufbauen oder ausbefsern lasse, denn alle im Lande befindlichen Synagogen seien gegen das kanonische Recht errichtet worden. DaS gegen ihn gefällte Urteil sei von Personen ausgegangen, welche er als seine Richter nicht anerkenne, daher null und nichtig, sodaß es einer Appellation gegen dasselbe gar nicht bedürfe. In seiner Rechtssache, in der er noch dazu verurteilt worden sei, ohne vorher vernommen zu werden, kenne er nur eine Appellation, nämlich die an den katholischen Glauben. WaS nun die niedergerissenen Synagogen betreffe, so könne er beweisen, daß dies auf Befehl des Erzbischofs D. Pedro Barroso geschehen sei; zwei derselben, die eine am „Drechslerhofe" gelegen?) habe er noch bei dessen Lebzeiten niederreißen lasten. Schließlich erklärte er, daß er von alldem, was er getan habe, nichts bereue. Wie der Erzdiakon sich gegen das Oberhaupt der Kirche aufgelehnt hatte, so bot er jetzt auch dem Könige offen Trotz. Der Judenfeind wurde Ketzer, Rebell! Die während der Minderjährigkeit des König eingesetzte Regentschaft ließ ihn gewähren, er durfte ungescheut alles wagen. Seine Stütze war das verblendete Volk, daß er in seinen Predigten immer mehr aufwiegelte und das nur den Moment erwartete, um die Juden erschlagen und nach Herzenslust plündern zu können. Die in beständiger Angst lebenden Juden in Sevilla fürchteten täglich den Ausbruch der Volksleidenschaft. Als die angesehensten Juden Castiliens wegen der Pacht der königlichen Steuern sich im Januar 1391 in Madrid versammelt hatten, gelangten an sie Briefe aus Sevilla und Cordova, in welchen ihre Glaubensgenossen ihnen meldeten, daß der Haß der Bevölkerung ihren Höhepunkt erreicht hätte. Da brach im März in Sevilla der erste Ansturm gegen die Judenstadt aus. D. Juan Alfonfo de Guzman, Graf de Niebla, der Gouverneur Andalusiens und sein Verwandter D. Alvar Perez de Guzman, der „^Iguasil mnzlor" Sevillas, schritten mit bewaffneter Macht zum Schutze der Juden ein. Sie waren sroh, mit dem Leben davon zu kommen. In kurzer Zeit gelang es jedoch den Behörden mit Hilfe des Adels, die Ruhe wieder herzustellen. Die Regentschaft sandte überallhin Befehle, jede Revolte gegen die Juden im Keime zu unterdrücken. Was nützte aber alles das? Der Erzdiakon hörte nicht auf, in seinen Gift und Galle gegen die Juden speienden Predigten das Volk anfzuwiegeln: Tod den Juden oder Taufe! Das war die von ihm ausgegebene Parole. Mit diesem Ausrufe stürzte sich die sanatisierte mord- und raubsüchtige Menge auf die Juden. Mehrer« Tausende von ihnen wurden niedergemetzelt, die übrigen zur Annahme des Christentums gezwungen. Von Sevilla wälzte sich die Empörung über ganz Castilien und Aragonien bis nach Palma auf Mallorca. Innerhalb vier Monaten waren die meisten jüdischen Gemeinden vernichtet, viele Tausende der nichts Arges ahnenden Juden getötet, hunderttausend zur Taufe gezwungen. Der Erzdiakon Ecija, der wie selbst die spanischen Chronisten willig zugeben, durch seine Hetzpredigten so viel Unheil nicht allein über die Juden, sondern über ganz Spanien gebracht hat, ging ungestraft aus. Wohl ließ der König, als er großjährig geworden war, ihn im Jahre 1395 in Sevilla h . . . .Is uns szmsgog» en «l eorrsi cls los tromporos. tioinpsro heißt ebensowohl „Drechsler' wie „Betrüger'. verhaften; er, der Beichtvater der Königin-Mutter, erlangte bald die Freiheit wieder. Er testierte seine großen Besitzungen dem von ihm gegrünbeten Hospitale der S. Maria in Sevilla und genoß als frommer Priester die Verehrung des Volkes. vil.L.L'rox Versunkene Welten. Historische Erzählung aus Judäas Kvnigszeit. Von Carola Buch he im. lll. 1ÄN jähem Erschrecken waren beide Frauen zusammengezuckt, und während es Alexandra rasch gelang, ihre soeben fast —^ verzerrten Mienen zu einem gleichgültigen Lächeln zu verwandeln, kämpfte die junge Königin in sichtlicher Erregung, die verräterische Röte zu verbergen, mit der eine heiße Blutwelle jäh ihr Gesicht überzogen hatte. Aber da war der König bereits auf sie zugetreten, und nachdem er die Begrüßung Alexandras durch ein leises Neigen des Kopfes erwidert, suchten seine Blicke mit spähendem Ausdruck in den verwirrten Mienen seiner Gattin zu lesen. „Sieh da, Alexandra, was führt Dich zu solch ungewohnter Stunde in die Gemächer meiner Gemalin?" „Verzeih meine Anwesenheit, o König," gab mit leisem Spott in Ton und Ausdruck Alexandra zur Antwort, „ich hörte, meine Tochter, die Königin, sei unpaß, und da wollte ich mich selbst von ihrem Wohlsein überzeugen!" „Unpaß!" rief erschreckt der König aus, indem er auf die noch immer mit tiefster Erregung kämpfende Marianne zutrat, „was fehlt meiner süßen Rose?" „O vergib, Herodes, es ist nicht viel," fiel ihm Alexandra, die Verlegenheit ihrer Tochter bemerkend, ins Wort, „allein Du weißt, ein Mutterherz ist bald geängstigt." „Lobe den Herrn, daß es bei der Königin nicht Not hat, ängstlich besorgt zu sein, denn siehe, sie blüht wie eine Rose im Lenz!" lachte der König, und mit bewunderndem Ausdruck ruhte sein Auge an der Gestalt und dem in jäher Röte erglühenden Antlitz der jungen Königin. Alexandra hatte sich erhoben, und indem sie auf ihre Tochter zutrat, drückte sie ihre Lippen mit mütterlicher Zärtlichkeit auf die Stirn der jungen Frau, dann aber neigte sie sich an das rosige Ohr der Königin und rasch, atemlos kam es aus ihrem gepreßten Herzen: „Schweig um unseres Glückes willen, denn sonst sind wir und Aristobul verloren!" Langsam senkte die Königin ihr Haupt, und mit ihren Lippen die Hand der Mutter berührend, gab sie ihr stumm ein Zeichen des Einverständnisses. Aber da war der König bereits hinzugetreten, die Abschiedsszene der beiden Frauen schien ihm bereits zu lange zu währen und auf seiner Stirn zeigten sich drohende Zornessalten. Die Königin gewahrte erschreckt die Anzeichen des Sturmes und eine leise Träne netzte die Hand der alten Frau. Allein auch Alexandra gegewahrte nun, daß es dem Könige nicht mehr beliebte, sie hier