Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1903)
- Date
- 1903-04-17
- Page
- Seite 187 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Der Erzdiakou leugnete nicht, gesagt zu haben, daß dem Papste nicht das Recht zustehe, den Juden die Erlaubnis zur Erbauung von Synagogen zu erteilen, erklärte über, daß er dein Kollegium nicht Rede stehen, sondern nur vor dem Volke sich Verteidiger: würde. Daraufhin wurde ihm vom Erzbischof strengstens untersagt, der Machtvollkommenheit des Papstes in seinen Predigten ferner uch nur mit einem Worte Erwähnung zu tun. Er trotzte über auch den: Befehle des Erzbischofs und trieb es immer arger. Der Papst, behauptete er in seinen Predigten, könne leine Absolution erteilen und dergleichen mehr, was nicht allein sfentliches Aergernis erregte, sondern auch Tumult und Anfuhr verursachte und ganz besonders zur Geringschätzung des Papstes führte. Der sromme Eiferer und Judenfeind trotzte em Könige, war aufrührerisch gegen das Oberhaupt der ürche und der Ketzerei verdächtig! Unter Androhung der Exkommunikation wurde ihm untersagt, bis nach ausgetragener Zache weder zu predigen oder irgend eine geistliche Funktion u vollziehen, noch irgend eine gerichtliche Entscheidung zu reffen. Der Erzdiakon war seines Amtes entsetzt! Die Inden -evillas atmeten frei auf. Ihre Freude war jedoch nicht von anger Dauer. Der Erzbischof von Sevilla starb den 7. Juli 390; drei Monate später schied auch der König D. Juan!, ns dem Leben. Den Thron Castiliens bestieg D. Heinrich!II., m elfjähriges Kind, der Sohn der frommen Leonora, welche ferrand Martinez zu ihrem Beichtvater erkor. Der erzbischöf- 'che Stuhl blieb vor der Hand unbesetzt und — inan bedenke der exkommunizierte Erzdiakon von Ecija wurde von dem Kapitel, das im geheimen mit ihm sympathisierte, zu einem er Generalvikare „secla vaeante" gewählt. Er war jetzt influßreicher und mächtiger als je zuvor; er hatte nichts mehr u fürchten. Nunmehr war auch der Moment gekommen, seine uckischen Pläne gegen die von ihm tiefgehaßten, verlassenen luden zur Ausführung zu bringen. Er, der Exkommunizierte, rteilte unter Androhung der Exkommunikation, am 8. Deember 1390 den Klerikern und Sakristanen der verschiedenen Ortschaften der Diözese den Befehl, drei Stunden nach Empfang esselben die Synagoge des Ortes niederzureißen, die darin efindlichen Bücher und Thorarollen ihm zu schicken, das Baumaterial aber zur Reparatur beziehungsweise zum Barl er Kirchen und die in den Synagogen vorhandenen Lampen ur Ausschmückung der Kirchen und Kapellen zu verwenden. Zollte etwa Widerstand geleistet werden, so wäre Gewalt annwenden und die betreffende Ortschaft mit dem Interdikt zu elegen bis das Temoliernngswerk vollendet wäre. Die Geistlichkeit in Ecija, dem Geburtsorte des Ferrand Rartinez, und in Aleala de Guadeyra vollzog unverzüglich >en ihr erteilten Auftrag: die Synagogen wurden nieder- -erissen. In Aleala wurde auf dem Grunde, wo das jüdische Gotteshaus stand, mit dem Neubau der Kirche S. Miguel ofort begonnen. Nicht viel fehlte, so wären auch die Synagogen in Soria und in Santillana auf des Erzdiakons Befehl nn vom Erdboden verschwunden. Die in Angst schwebenden jüdischen Gemeinden, mit Zevilla all der Spitze, wendeten sich irr ihrer Verzweiflung Ritte Dezember 1390 mit einer Beschwerde an den König, in -er sie darüber Klage führten, daß der von dem verstorbener: Erzbischof von Sevilla exkommunizierte Ferrand Martinez nicht Roß sie und ihre Religion in seinen Predigten unaufhörlich beschimpfe und dadurch die Bevölkerung gegen sie immer mehr aufreize, sondern daß er auch den Befehl erteilt habe, die Synagogen in der Diözese niederzureißen. Sie fügten die Erklärung hinzu, daß, wenn sie nicht genügenden Schutz fanden, sie das Land verlosten und sich anderswo ansiedeln müßten. Auf diese Beschwerde hin erließ, überraschend schnell, schon am 22. Dezember, der König an das erzbischöfliche Kapitel und an die während der erzbischöflichen Vakanz eingesetzten Vikare ein Schreiben, in dem er seine Verwunderung aussprach, daß sie den in: Gerüche der Ketzerei stehenden exkommunizierten Erzdiakon de Ecija gegen Gesetz und Recht znn: Generalvikar gewühlt, daß sie daher für allen durch ihn ungerichteten und den Inden zugefügten oder noch erwachsenden Schädel: anfzukommeu hätten, daß es ihre Sache wäre, alle ans Geheiß des Erzdiakons niedergerisseneil oder beschädigten Synagogen auf ihre Kosten wiederherstelleu, beziehungsweise ausbesseru zu lassen. Der König erteilte ihnen unter Androhung einer Strafe von tausend Gotddoublonen, welche jeder Vikar au die Staatskasse zu zahlen hätte, und anderer exemplarischer Maßregeln den strikten Befehl, de:: Erzdiakon sofort von seiner Stelle zu entfernen, ihm das Predigen schärfstens zu untersagen, ihn überhaupt für die Folge unschädlich zu machen. Dieses vom König eigenhändig unterschriebene und mit den: königlicher: Siegel, sowie der Unterschrift des Erzbischofs von Toledo versehene Schreiben wurde den!0. Januar 1391 den: versammelten Kapitel von dem öffentlichen königlichen Notar znr Kenntnis gebracht und in Abschrift mitgeteilt. Fünf Tage später, den!5. Januar, versammelten sich in der Kirche de S. Maria in Sevilla sämtliche Mitglieder des Kapitels, der Dekan, der Schatzmeister, der Scholar, sämtliche Erzdiakone, Canonici und geistliche Würdenträger, um die Antwort auf das königliche Schreiber: vor den: königlichen Notar zu erteilen:. Ir: seinem Namen und im Namen aller Versammelten erklärte der Dekan D. Pedro Manuel, daß, wie sie sich immer den: Könige gehorsam gezeigt Hütten, sie auch jetzt seinem Befehle gehorchen wurden. Mit alleiniger Ausnahme des Kanonikus Juan Fernandez hätten sie den einstimmigen Beschluß gefaßt, Ferrand Martinez des Generalvikcniats zu entheben, ihn: zu verbieten, in seinen Predigten irgend etwas vorznbringen, was den Inden und ihrer: Synagogen Schaden znsügen könnte, ihm aufzutragen, die aus sein Geheiß zerstörten oder beschädigter: Synagogen innerhalb eines Jahres auf seine Koster: wieder herstellen oder ansbessen: zu lassen - alles unter Strafe der Exkommunikation. Daraufhin erhob sich Ferrand Martinez, um auch seinerseits auf das königliche Schreiben eine Antwort zu geben. Das weltliche Schwert, sagte er, sei ir: der Hand der Könige, um ihre Untertanen zu bestrafen und zu verteidigen; ein arideres Schwert sei der Kirche, das heißt dem Papste, der: Kardinalen, den Prälaten, der ganzer: Klerisei übergeben zur Aufrechterhaltung des katholischen Glaubens. Weltliche und geistliche Macht seien ganz getrennte Gewalten. Die Geistlichen wären der königlichen Gerichtsbarkeit in keiner Weise unterworfen. Das Schreiber: des Königs seines Herrn, den Gott erhalte, dessen Unwissenheit ihr: übrigens mit Mitleid erfülle, sei nichts als eir: Eingriff ir: die geistlichen Rechte, daher auch ohne jede Rechtskraft. Der Dekan und das ganze Kapitel Hütten kein Recht, gegen ihn einzuschreiten oder ihn seines Amtes zu entsetzen, oder von ihm zu fordern, daß er die