Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1903)
- Date
- 1903-04-10
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 könne (!). Für die Gemeindebibliothek wird die Abänderung von vier Paragraphen der Benutzungsordnung genehmigt. Demnach wird die Bibliothek und der Lesesaal werktäglich von 11 bis 2 Uhr. Montag. Dienstag, Mittwoch abends von 6 bis 9 Uhr. an den Sabbaten in den Monaten Oktober bis Januar von 6 bis 9, Februar und März von 7 bis 9 Uhr offen sein. Die Ausleihefrist für Bücher wird von zwei auf vier Wochen erhöht, die Rücklieferung sämtlicher Bücher auf die Zeit vom 10. bis 20. Juni verlegt. Bei dieser Vo läge regt Herr Bert hold Israel an, die Bibliothek auch am Sabbat und den jüdischen Feiertagen offen zu halten und den Dienst durch einen christlichen Beamten an diesen Tagen ausüben zu lassen. Landgerichtsrat Löwe, ProsessorBlaschke und Professor Geiger weisen diese Anregung als unzulässig zurück. Letzterer fügt mit scharfer Satire unter dem Gelächter der rechten Seite hinzu, daß die Liberalen Niemanden in Versuchung führen wollen, am Sabbat zu schreiben. Eine lange und unerquickliche Debatte erhebt sich wieder bei der Neubildung des Kuratoriums des zweiten Waisenhauses in Pankow. Die Konservativen wollen unter allen Umständen ihren Standpunkt innehalten, daß der Vorstand des Waisenhauses sich aus Personen verschiedener Richtung zusammensetzen soll und daß gerade im Waisenhause Männer konservativer Gesinnung nicht fehlen sollen. Kommissar Stern greift mehrfach in die Debatte ein und legt in energischen Worten dar, daß zu einer Aenderung im'zweiten Waisenhause, das nach streng rituellen Grundsätzen geleitet werde, gar keine Veranlassung vorliege und sich die Konservativen in diesem Institut ein sehr ungeeignetes Tummelfeld gewählt hätten. Syndikus Dr. Minden, der, wie erinnerlich, sein Amt in dieser Kommission niedergelegt hat. bezeichnet die ganze Situation als lächerlich; es hat den Eindruck, als ob die einzelnen Provinzen an die siegreiche Partei verteilt werden sollen. Landgerichtsrat Löwe verwahrt das Kuratorium dagegen, daß es etwa aus Eigensinn dazu gekommen sei, die Zahl der Mitglieder nicht zu vermehren. An der Hand eines dicken Aktenbandes weist er nach, daß der Gemeindevorstand bereits vor 40 Jahren, als die Wahl des jetzigen Repräsentantenvorstehers Herrn Löwenberg zur Frage stand, lediglich nach der Befähigung und nicht nach der religiösen Stellung des Kandidaten seine Entscheidungen getroffen hätte. Im Laufe der Debatte schlug Herr Oppenheim als Deputierte der Repräsentantenversammlung die Herren Professor Baginsky und Isidor Sachs vor, Syndikus Dr. Minden empfiehlt den bisherigen Vertreter Herrn Adolph Mayer. Für Herrn Isidor Sachs beantragt Herr Berlin Akklamation, gegen welche Dr. Minden Einspruch erhebt. Bei der Zettelwahl erhalten unter 16 giltigen Stimmen Herr Isidor Sachs 16 Stimmen, Professor Baginsky 9 Stimmen, HerrAdolph Mayer 7 Stimmen. Gewählt sind hiernach mit absoluter Majorität die beiden erstgenannten Kandidaten. Für die übrigen Mitglieder des Kuratoriums, die Herren Emil Mosse, Justizrat Breslauer, Heinrich Eisner, Max Mecklenburg, Hermann Witkowski und Landgerichtsrat Löwe wird die beantragte Wiederwahl gutgeheißen. — Zur Speisung der Gefangenen am Pessachfeste erhalten die Gemeinden Brandenburg 200 Mark, Kottbus 50 Mark und Insterburg 50 Mark.— Die Ausgaben für das Ehrenbegräbnis und die Tranerfeier für Herrn Justizrat Meyer werden in Höhe von 1772.92 Mark diskussionslos bewilligt. Zur Anstellung einer wissenschaftlichen Hilfskraft, welche im Nebenamte bei der Gemeindebibliothek angestellt werden soll, gewährt die Versammlung 400 Mark jährlich. Zum Abholen von Kinderleichen soll vorläufig auf ein Jahr ein zweiter Beamter mit einem Gehalt von 120 Mark pro Monat eingestellt werden. — In Anbetracht der großen Entwickelung, welche die westlichen Vororte Schöneberg, Wilmersdorf, Friedenau und Steglitz genommen, hat der Ausschuß beschlossen, in Schöneberg und Wilmersdorf je eine Religionsschule zu errichten. Der Gemeindevorstand hat hierzu 5000 Mark bewilligt, jedoch die Eröffnung der Anstalten bereits zu Ostern gefordert. Mir dem Termin hat sich der Ausschuß in Berücksichtigung, daß weder das Lokal noch die Lehrer gewählt sind, nicht einverstanden erklären können und beantragt, die Eröffnung erst zum 1. Oktober zu veranlassen. Die Versammlung beschließt demgemäß. Berlin, 6. April. Der Verein „Freunde der Taubstummen" hielt gestern im Lokale des Brüdervereins seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Geheimrat Dr. Boas, begrüßte die erschienenen Mitglieder und erteilte dem Direktor M. Reich das Wort zur Berichterstattung über die Wirksamkeit des Vereines und seiner Anstalt in Weißensee. Wie bisher, lautet der Bericht, haben wir auch in diesem Jahre das frohe Gefühl, daß der Verein segensreich gewirkt hat: die Fortschritte unserer Zöglinge erfüllen uns mit großer Freude. Die vorige Generalversammlung beschloß die Uebertragung der Ehrenmitgliedschast an den um unsere Sache so hochverdienten Herrn Alfons Jacobson-Leipzig, welcher wegen Ueberhäuiung mit Geschäften zu unserem großen Bedauern sein Vorstandsamt bei uni niedergelegt hatte. Der Verein zählt gegenwärtig 2989 Mitglieder davon 1060 aus Berlin. Die immerwährende Mitgliedschaft wurde in 6 Fällen neu erworben. Für entlassene Zöglinge liefen 590 Mark an Geschenken ein. Gemäß dem letztwilligen Wunsche ihrer seligen Mutter haben die Geschwister Blumenthal uns lOOOMark in Papieren zur Begrün düng einer „Isaak und Marianne Blumenthal-Stiftung für den Fondc für entlassene Zöglinge" übergeben. Einen überaus dankenswerten Fort schritt in der Entwickelung der Anstalt erblicken wir in der Erbauum der Turnhalle, welche im Herbst seierlich eingeweiht wurde. Das Ehepaar Siegmund Jacobi und seine Söhne haben sich durch Er bauuug dieser Halle um unsere Anstalt ein wahres und dauerndem Verdienst erworben. Im abgelaufeuen Vereinsjahre wurden 8 Kindei ausgenommen und 3 entlassen, sodaß gegenwärtig 44 Kinder (17 Mäd chen und 27 Knaben) in der Anstalt unterrichtet werden. Der Unter richt wird in 4 aussteigenden Klassen mit zweijähriger Klassendaue: (in je zwei Abteilungen) von vier Lehrern, einer Lehrerill und einer Erzieherin erteilt, so daß der Bildungskursus ein achtjähriger ist unterrichtet wird nach einem vom König!. Provinzialschulkollegimn genehmigten Lehrplan in genau denselben Lehrgegenständen wie in den besseren Volksschulen. Im engen Zusammenhänge mit der allge meinen Ausbildung steht der Religions- und der hebräische Unterricht Zu einem Freudenfeste für die Zöglinge gestaltete sich wie alljährlu! die Channkafeier mit nachfolgender Bescheerung, die am 28. Dezember abends 5^ Uhr in der Aula, die Bescheerung in der Turnhalle statt fand. Der segensreichen Wirksamkeit des nnnmehr 18 Jahre be stehenden Vereins verdanken 65 entlassene Zöglinge ihre Ausbildung zu tüchtigen, existenzsichereu Menschen. Mit einem warmen Appell an die Mitglieder, auch ferner für die Zwecke des Vereins zu wirken schloß der Berichterstatter seine interessanten Ausführungen. An de. Bericht anknüpfend, teilt Herr Sigmund Jacobi mit, daß ein Hilff verein für entlassene taubstumme Zöglinge in Bildung begriffen ff und bittet um das Wohlwollen der Versammlung für diese neu humane Schöpfung. Herr Heinrich Fränkel verweist auf den gedrucl vorliegenden Kassenbericht und beantragt namens der Revision^ Kommission die Entlastung für den Schatzmeister, die einstimmig er folgt. Einstimmige Annahme fand auch der Etatvoranschlag für da Jahr 1903, der mit Mark 320,50 in Einnahmen und Ausgaben bilanzier! Es folgt alsdann die Ergänzungswahl des Vor andes und die Wal r der Revisoren. Sowohl die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder I. Blumenthal, Adolph Salomon, W. Löwenthal, Loni Ed. Sachs-Berlin, H. Dessauer-Frankfnrt a. M., sowie die Revisoren Oscar Berlin, Heinrich Fränkel, Oscar Rathenau werden per Akklamatiowiedergewählt. Wir wünschen dem wackern Verein auch ferner da beste Gedeihen! — Berlin, 3. April. Die Religionsschule der Synagogen gemeinde Israel versendet soeben ihren 34. Berich Aus demselben ist zu ersehen, daß die Schule im abgelaufenen Schn jahre von 425 Kindern, 276 Knaben und 149 Mädchen, besucht wurd Der Unterricht wird von 10 Lehrern und 2 Lehrerinnen erteilt. D r Jugendgottesdienst wurde, wie seit Jahren, an Sabbaten und Fe' - tagen in der Gemeindesynagoge, am lloseß basetiauab und 4o> > kippul'iin in den zu diesen: Zwecke eingerichteten Lokalitäten und aa den Schultagen jeweils nach Schluß des Unterrichts in den Schmräumen abgehalten. Dem Bericht ist ein Verzeichnis der in vergangenen Jahren durchgenommenen Pensen beigegeben. Direktor d r Neligionsschule ist Herr Rabbiner Dr. M. Hildesheimer. kp. Aus -er Provinz Posen, im April. Der Etat der jüd? schen Gemeinde in Schroda schließt in Einnahme und Ausgabe pro 1903 mit 3107 Mark ab. Zur Deckung der Einkommensteuer werd n 60 Prozent der Staatseinkommensteuer, gegen 35 Prozent im Vorjahr erhoben. — Zu Schulrepräsentanten der jüdischen Schulein Ostrowo sind kürzlich die Kaufleute Emanuel Fränkel. B. Wagner, D. Hanmann und I. Bialecki gewählt worden. — Kaufmann Aronsohn rn Gollub ist zum Beigeordneten daselbst gewählt worden. — Der Etüt der Synagogengemeinde in Jan o Witz beläuft sich pro 1903 cm!