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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-04-10 · Heft 15 (10.4.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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i 7. Lul>rgang. Nr- 15. Weikcrge Der Grmetndeüole. zur „Akkgemeinen Zeitung öes Zuöenttzums". Korrespondenzen urrd Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 5. April. In säst dreistündiger, zum Teil sehr erregter itzung tagte die heutige Nepräseiltaute «Versammlung, ^or Eintritt in die Tagesordnung legte zunächst Gemeindesyndikus Rechtsanwalt Lilien LHal im Namen des Vorstandes Protest gegen las Protokoll der vorigen Repräsentantensitzung ein. In demselben i t vom Schriftführer Rechtsanwalt Dr. Cohn vermerkt, daß die Vermrmlung die Rückverweisung der Vorlage betreffend die Neuwahl l?r Verwaltungskommission der Alterversorgungsanstalt an den § >emeindevorstand beschlossen hat. während in Wirklichkeit nur die Versammlung den Antrag des Vorstandes, die Zahl der Mitglieder : er Kommission von 12 auf 10 herabzusetzen, abgelehnt hat. Nach en Ausführungen Lilienthals und Landgerichtsrats Löwe glaubt er Vorstand die Verpflichtung zu haben, darauf zu achten, daß das Protokoll das wiedergibt, was die Repräsentanten beschlossen haben, yndikus Dr. Minden konstatiert, daß nach seiner Erinnerung zum sten Mal falsch protokolliert worden ist, und schlägt vor, sämtliche edner der Diskussion zur schriftlichen Erklärung aufzufordern, m feststellen zu können, was beschlossen worden ist. Die oerren Oppenheim und Berlin vertreten dagegen den Standpunkt, aß die Repräsentanten nicht interessiere, was der Vorstand für richtig alte. Die Angelegenheit findet dadurch ihre Erledigung, daß auf ie übliche Frage des Vorsitzenden kein Mitglied der Repräsentantenersammlung etwas gegen die Fassung des Protokolls einzuwenden I at und letzteres somit als angenommen erklärt wird. — Einen sehr reiten Raum in der Diskussion nimmt alsdann wieder der in der origen Sitzung bereits erörterte Fall der Hospitalitin der neuesten ltersversorgungsanstalt ein, die bekanntlich gezwungen worden sein llte, ihr Zimmer am Sabbat selbst zu Heizen. Herr Manheimer mängelt es, daß Herr Berlin nicht den Vorstand der Altersersorguugsanstalt informiert habe, bevor er so schwere Anklagen gegen l -e Verwaltung gerichtet habe, und bezeichnet, gestützt aus eine schrift- . che Erklärung des Inspektors der Anstalt und auf die Aussagen - ler Ehrendamen des Instituts, den Fall als unwahr. In warmen wrten nimmt er den Inspektor, der lange Jahre sich im Dienste > r Gemeinde bewährt habe, in Schutz. Trotz seiner Anfrage bei errn Berlin wie bei Herrn Löwenberg sei bis zur heutigen itzung noch nicht einmal der Name der Hospitalitin zu seiner enntnis gekommen. Als während dieser Ausführungen Herr Berlin n Namen ruft — es ist ein Frl. Silberstein, die in langem Dienste ' eubewährte Köchin des Herrn Joel Meyer — berichtet Herr Man- 'i rner, daß dieselbe sich außerordentlich wohl in der Anstalt gefühlt, emals eine Beschwerde geäußert habe, ihre Entlassung aber wegen eines ußleidens, das eine tägliche Behandlung erforderte, habe angeordnet erden müssen, wodurch wahrscheinlich ihre Unzufriedenheit entstanden i. Herr Berlin wie auch Herr Löwenberg stützen sich dagegen irauf, daß Herr Manheimer sowohl wie Herr Jacoby in der origen Sitzung den Fall zugegeben und erwidert haben, daß Nemednr ugetreten sei. Herr Berlin erhebt nunmehr das, was er vor acht agen beiläufig angeführt habe, als Beschwerde und ersucht den Gemeindeustand in eine strenge Untersuchung darüber einzutreten, daß man e Hospitalitin nicht nur habe frieren lassen,. sondern auch aufsordert habe, ihr Zimmer selbst aufzuwischen, wozu sie wegen ues Hüftleidens garnicht imstande gewesen sei. Herr Jacoby l ruft sich auf die Untersuchung, welche Sanitätsrat Dr. Wiesent hat '! Verein mit den Ehrendamen angestellt hat, und bestreitet l e Richtigkeit der Angaben. Er bezeichnet es als sehr bee uerlich, daß derartige schwere Anklagen nicht besser substanziert > irden, und sagt eine gründliche Untersuchung des Falles zu, i vald der zuständige Gemeindekommissar Herr Eisner wieder a wesend sei. Der Gemeindevorstand wünsche, daß seine Anstalten u ch streng rituellen Grundsätzen gehalten werden sollen. Nach Ablesung eines Schlußantrages bestreitet Herr Manheimex, daß er in der vorigen Sitzung das Vorkommnis zugegeben habe. Geheimrat Blumenthal ist der Meinung, daß alsdann Herr Manheimer sich nicht präzis ansgedrückt habe. Zum Beweise, wie sich ein Blatt, das den Konservativen „wirklich nicht gerade sehr wohlgesinnt" sei, zu dem in Rede stehenden Falle stelle, verliest er die vorn Schreiber dieses im vorigen Berichte gegebenen Zusätze, die er zwar als übertrieben bezeichnet, da nach seiner Ansicht der Beschwerdeweg bis zum Vorstande nicht ein weiter und schwieriger sei. Er würde, wie er hinzusügt, es außerordentlich tief beklagen, wenn Herr Manheimer, dessen Einfluß aus die Gemeindeinstitutiouen ein so überaus wohltätiger sei. sich nach irgend einer Richtung gekränkt oder kritisiert fühlen würde. Professor Blaschke hält es für pflichtgemäß, vor der öffentlichen Erörterung eines solchen Falles die beteiligten Herren in Kenntnis zu setzen. Er verlangt ebenfalls eine energische Untersuchung, speziell darüber, ob in diesem Falle überhaupt Beschwerde erhoben sei. Sei keine Beschwerde erfolgt, so hätte auch keine Nemednr eintreten können. Alsdann könne Herr Manheimer nur gemeint haben, daß auf erhobene Beschwerden, falls sie berechtigt seien, auch Nemednr eintrete. Es stellt jener fest, daß, nachdem mehrfach über die Altersversorgungsanstalt debattiert sei. die Beschwerde plötzlich an die Oberfläche gekommen sei und unnötige Erregung verursacht habe. In Erwiderung der Ausführungen Berlins bestreitet noch Herr Jacoby, daß Herr Joel Meyer schriftlich oder mündlich bei ihm Klage über den Fall geführt habe. Alsdann wurde der wiederholte Schlußantrag angenommen. Persönlich bemerkt Herr Löwenberg noch, daß weder er noch die übrigen Repräsentanten mit diesem Falle Herrn Manheimer, der nur falsch verstanden sein könne, haben zu nahe treten wollen. Die Versammlung tritt darauf in die Tagesordnung ein. Geschäftlich teilt der Vorsitzende mit. daß an Stelle des beurlaubten Geheimrats Senator Herr Fri e d lä n der einberusen ist, daß nach einem Beschlüsse des Gemeindevorstandes am ersten Pessachtage in der Neuen Synagoge Gottesdienst mit Predigt und Gesang stattfindet, daß ferner mit der Kassenrevision die Herren Kommerzienrat Friedländer, Isidor Sachs und Aron Hirsch betraut worden sind. Eine Neuwahl an Stelle des noch wegen Krankheit beurlaubten Kommerzienrats Friedländer wird nicht vorgenommen. Die Festsetzung des.Dieustalters der an den Gemeinde-Religionsschulen beschäftigten Lehrpersonen war nach Beschluß der Repräsentanten dem Schul- und Talmud-Thora-Vorstand überlassen worden. Die Versammlung erklärt sich nunmehr mit dem Antrag des Gemeinde- Vorstandes einverstanden, die Festsetzung des Dienstalters durch den Schulvorstand nach Anhörung des Gerneindevorstandes erfolgen zn lassen, weil finanzielle Punkte hierbei in Frage kommen. Der Referent, Professor Geiger macht hierbei auf einen Nonsens in der Gehaltsskala aufmerksam und beantragt, unterstützt von Professor Blaschke. dem Gemeindevorstand zur Erwägung zu geben, eine Abänderung herbeizusühren. Syndikus Lilientha! sagt eine Prüfung zu. — Der wachsende Verkehr auf dem Friedhofe Weißensee hat die Vergrößerung der Blumenhalle erforderlich gemacht. Es werden hierzu 8500 Mark bewilligt; die Pacht erhöht sich hierdurch um 630 Mark jährlich. — Zur Vornahme von Pflasterungsarbeiten am Eingänge zum Friedhofe in Weißensee genehmigt die Versammlung die Ausgabe von 10 500 Mark. Ein hierzu eingebrachtes Amendement Mindens das von vier anderen Repräsentanten mit unterzeichnet ist, wünscht die Baukommission mit der Untersuchung betraut zu wissen, ob in dem Warteraum des Friedhofes nicht eine zweite Tür (Nottür) angebracht werden kann. Nach kurzer Diskussion, in der Kommissar Netter Prüfung des Vorschlages durch die Baukommission zusagt, wird das Amendement angenommen. — An den Verein für Arbeitsnachweis wird eine Subvention von 2000 Mark debattelos gewährt. Dem Religionsverein in Friedrichsberg wird die Subvention von 1300 Mark auf nur 1800 Mark erhöht pro 1903/04. obwohl er 2500 Mark Subvention erbeten hatte. Professor Geiger fordert, bei der Bewilligung ausdrücklich zu betonen, daß die Erhöhung gewährt worden sei, damit der vom Verein angestellte Lehrer bezahlt werden

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