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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-04-10 · Heft 15 (10.4.1903) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
Seite 177 (sequence 11)
Language
German
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177 eine Hand hebt er. verwundert, unverwandt in Josephs Antlitz schauend, während er die andere in Benjamins Arm gelegt hat, der in heiterem jubelnden Knabenglück die Hand Josephs liebkosend faßt, ein Bild liebenswürdigster Hingabe. Hinter Jakob entwickeln sich die Gruppen der anderen Brüder und der ins Land der Pharaonen eingezogenen Israeliten. Ein Künstler voll tiefer Empfindung wie Nietschel konnte sich niemals einem flachen Rationalismus hingeben. Aber auch Glicenstein wird erfahren, daß auch ihn gerade die Rückkehr zu den naiven und doch erhabenen Gestalten der Bibel von allen mystischeil Grübeleien kurieren kann. Wie war denn die Entwickelung desjenigen Bildhauers, der am meisten Einfluß auf Glicensteins Emporkommen ausgeübt hat? Joseph von Kopf, der den jungen Künstler vor dem Untergang bewahrt, erzählt in seinen „Lebenserinnerungen", daß seine ersten größeren Arbeiten das Relief „Abraham verstößt die Hagar" und das Relief „Urteil des Salomo" waren. Namentlich das erste Relief hatte den Beifall selbst eines Cornelius, über ein Jahr lebte der Künstler, wie er berichtet (S. 96), fast ausschließlich von dem Ertrage, den allein die Photographien dieser biblischen Kompositionen einbrachten. Der König von Württemberg bestellte bei dem noch fast ganz unbekannten Stipendiaten sein Erstlingswerk, das Relief Hagar, für 1800 Mark in Marmor, das heute im Schlosse in Stuttgart angebracht ist. Seite 133 erzählt Kopf: „Nachdem ich in der Bibel das lebensvolle Buch „Ruth" gelesen, entschloß ich mich, eine lebensgroße Statue der ährenlesenden Ruth zu modellieren ... In meinem „Abraham" hatte ich einen glücklichen Anfang für individuelle Kunst gemacht. Das Ansehen der antiken Kunst brachte mich auf Wege, die mir dunkel waren, sie hat mir geschadet, ich hing gleichsam in der Luft . . . ." Sehr hübsch liest sich in dem Buche Kopfs, der auch eine Gruppe „Joseph und Potiphars Weib" schuf, zu einer Zeit, als er schon auf der Höhe war und Kaiser und Könige ihm als Modelle für ihre Büsten saßen, die Beschreibung einer jüdischen Hochzeit, die er im Extrazug mit der Familie Todesco und Königswarter von Wien nach Ischl fahrend, mitmachte. Viele Toaste und hebräische Worte waren ihm unverständlich. Glieenstein kann noch heute gut hebräisch, möge er dessen eingedenk sein. Versunkene Wellen. Historische Erzählung aus Judäas Königszeit. Von Carola Buchheim. II. <7^ n den Gemächern der Königin herrschte reges, geschäftiges Leben. In atemloser Hast eilten die Sklavinnen nnd Dienerinnen auf lautlosen Sohlen durch die Räume. Die Sonne stand schon hell am Tage nnd vergoldete mit strahlendem Glanze den mit blendender Pracht ansgestatteten Raum, der dazu ausersehen war, die Gebieterin zu empfangen. Weiche syrische Gewebe bedeckten den Marmorflies des Bodens, an den Wänden zogen sich purpurne Vorhänge hin, kostbare weiche Felle lagerten auf den goldenen Stühlen und dem elfenbeinernen Ruhelager, Große goldene Kronleuchter hingen von der Decke und in der Mitte des Gemaches stand der reich aus Gold- und Elfenbein geschnitzte, mit den kostbarsten Steinen ausgelegte Ankleidetisch der Herrin. Und wahrlich, alle jene aus der kostbaren Platte aufgestapelten Schönheitsmittel hätten genügt, das verfallenste Gesicht wieder jung, die tiefsten Runzeln wieder glatt zu machen. Da gab es Salben in goldenen Vasen, die dazu dienten, der Haut ihre Frische zu erhalten, wohlriechende Oele, den Glanz der Haare zu erhöhen, kristallene Fläschchen bargen den Inhalt von irgend einem orientalischen wundertätigen. Zanbermittel, von dein ein Tropfen genügte, um dem Auge magischen Glanz zu verleihen, da bargeil kleine geschnitzte Töpfe das Korallenrot der Lippen und in kostbaren Schalen befand sich eine Salbe,'die mit ihrer dunklen Farbe dazu beitrug, die Augenbrauen dunkler, die Wimpern länger zu gestalten. All diese Schönheitsmittel und Wundersalben mußten den Toilettetisch einer vornehmen Dame zieren, selbst dann vorhanden sein, wenn diese Dame in der vollsten Blüte der Jugend und Schönheit Prangte und durchaus keines Hilfsmittels notwendig hatte, um den Reiz ihrer Erscheinung zu erhöhen. Und wahrlich, am wenigsten hätte es die Königin bedurft, sich irgend einer wundertätigen Salbe oder eines anderen verschönernden Mittels zu bedienen; denn prangend in der holdesten Blüte weiblicher Anmut und ansgestattet mit dem verschwenderischsten Reize, stand die Gemahlin des Königs Herodes auch noch in der vollsten Jugendblüte und der Ruf ihrer vollendeten Schönheit und echten Weiblichkeit durchzog weitum die Lande. Die Dienerinnen hatten ihre Vorbereitungen beendet und harrten bereit, die Herrin zu schmücken, die jeden Augenblick dem Bade entsteigen sollte. Jetzt geht eine lebhafte Bewegung durch die lautlos verharrenden Mädchen. Ein Kommen und Gehen in den Korridoren läßt das Nahen der Gebieterin vermuten, halblautes Flüstern wird vernehmbar, in atemloser Erwartung richten sich die Blicke der Sklavinnen nach jener Stelle hin, an der die erhabene Herrscherin eintreten wird. Da teilen sich die Vorhänge, die das Ankleidegemach von dem Vorsaal trennt und gefolgt von mehreren Dienerinnen, mit stolzem Neigen des Kopfes die demütigen Grüße der anwesenden Frauen erwidernd, betritt eine vornehme Dame das Gemach. Allein es ist nicht die Königin, die erscheint, und die geschäftigen Sklavinnen, die beim Herannahen der hohen Frau zu ihrer Pflicht eilen wollten, lassen die erhobenen Hände sinken und verharren neuerdings in stumpfer Erwartung. Einen Augenblick nur verharrte die Eingetretene in lautlosem Schweigen, dann aber wandte sie sich an eine der Frauen ihrer Begleitung. „Hanna, sage jenen dort, daß sie sich entfernen mögen. Die Königin bedarf ihrer für heute nicht!" In sprachloser Bestürzung vernahmen die ihres Dienstes gewärtigen Dienerinnen diese gebietenden Worte, allein keine regte sich, keine verließ den Platz, den sie einzunehmen hatte, wenn die Königin erschien, was nun wohl jede Minute zu erwarten war. „Nun, habt Ihr meinen Befehl nicht vernommen?" Und ans die schüchterne Einwendung einer der Franen setzte sie

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