Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1903)
- Date
- 1903-04-03
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 wünscht die Einsetzung einer Sonderkommission, um die Recherchen zu veranlassen, zieht aber auf die nochmaligen Vorstellungen des genannten Gemeindekommissars und die Ausführungen des Herrn A ron Hirsch, welcher es ebenfalls für außerordentlich schwierig erklärt, geeignetes Material für diese Stellen ausfindig zu machen, seinen Antrag zurück und erklärt sich mit der Wiederwahl, welche nunmehr zum Beschluß erhoben wurde, einverstanden. — In die vom Gemeindevorstand genehmigte gemischte Deputation zur Beratung über die Art der Vorberatung von Gemeindebeschlüssen bezüglich der Wahl von Mitgliedern der Verwaltungskonnnissionen wurden zum Schlüsse der heutigen öffentlichen Sitzung die Herren Syndikus Dr. Minden, Dr. Cohn, Louis Sachs und Isidor Sachs abgeordnet. Auf der Tagesordnung der darauf folgenden geheimen Sitzung steht u. a. die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Vorberatung der Frage des Neubaues bezw. Umbaues des Krankenhauses. Berlin, 29. März DemSchatzmeisterder.,DeutscheuOrientgesellschaft" Herrn James Simon, der bekannt ist durch die Förderung, die er allen Humanitären, künstlerischen und wissenschaftlichen Bestrebungen entgegenbringt, der aber alle ihm zugedachten Auszeichnungen bisher abgeschlagen hatte, schickte der Kaiser sein Bild mit Unterschrift und eitlem Handschreiben folgenden Inhalts: „Wenn der Empfänger auch alle sonstigen Ehrungen von der Hand weise, für das beifolgende Bild würde er doch gewiß noch ein Plätzchen in einem seiner Zimmer finden." Herr James Simon ist Vorsitzender desHilssver eins der deutschen Juden. — Berlin, 30. März. Gestern Mittag fand die Einweihung des Israelitischen Lehrerin nenh eims in Groß-Lichterfelde unter reger Beteiligung eines weiten Freundeskreises statt. Der unter gleichem Namen vor vier Jahren begründete Verein macht es sich bekanntlich zur Aufgabe, armen, alten, arbeitsunfähig gewordenen Lehrerinnen ein behagliches, sorgenfreies Heim sür den Lebensabend zu bieten. Die Damen zahlen beim Eintritt 500 Mark und haben dann Wohnung mit voller Pension frei bis an ihr Lebensende. Ein bescheidener Anfang wurde vor vier Jahren in Steglitz in den Räumen eines Mietshauses gemacht, nun fand das Heim in der Karlstraße 112a in Groß-Lichterfelde in dem durch Herrn und Frau Max Whgodzinski gestifteten Hause ein dauerndes Unterkommen. Es bietet Raum sür dreißig Insassen, doch sind vorläufig erst zwölf Damen als Bewohnerinnen ausgenommen, da das Kapitalvermögen der Stiftung augenblicklich noch nicht sür den Unterhalt einer größeren Zahl von Insassen ansreicht. — Die gestrige Feier begann mit einem Chorgesang, an den sich eine Begrüßung der Gäste durch den ersten Vorsitzenden Justizrat Dr. Wiesenthal schloß, der den hochherzigen Stiftern des Hauses und all denen, die an seiner Einrichtung mithalfen, besonders Frau Direktor May, Frau Direktor Moritz und Herrn Fabrikbesitzer Netter, den wärmsten Dank aussprach. Die eigentliche Weiherede hielt Rabbiner Dr. Weiße, der der Freude Ausdruck gab, daß es gelungen sei, den israelitischen Lehrerinnen, denen der Kampf ums Dasein meist besonders hart sei, ein so schönes Heim für einen friedlichen Feierabend zu verschaffen. Bewegte Worte des Dankes im Namen der Insassen sprach Fräulein David, die in dem Dichterwort ausklaugen: „Lebe im ganzen, wenn du lange dahin bist, es bleibt.!" Nach Verlesung eines Glückwunschschreibens des Direktors Dr. Adler schloß mit Sologesang des Fräulein Sera Goldberger die Feier. Ein Rundgang führte die Gäste durch das von den Architekten Höuiger und Sedlmayer sehr licht, freundlich und praktisch erbaute Haus. Im Kellergeschoß liegen die Wirtschaftsräume. Das Hochparterre enthält den Speisesaal, das sehr behaglich eingerichtete Wohnzimmer mit Flügel und eine Anzahl hübscher gemütlicher Einzelzimmer, die sich noch durch zwei Stockwerke sortsetzen. Große luftige Veranden, die sich um das Haus ziehen, und der schöne ausgedehnte Garten sorgen sür das Luftbedürfnis der Hausbewohner. Die ruhige Lage inmitten angrenzender Gärten macht es zudem zu eitlem angenehmen Aufenthalt, und so war es ein guter Gedanke, auch einen Rekonvaleszentenplatz in dem Heim zu stiften. Eine erholungsbedürftige Lehrerin kann dort ständig längeren oder kürzeren Aufenthalt finden. Kp. Ans -er Provinz Posen, im März. Der langjährige Vorsteher der israelitischen Gemeinde zu Schrimm, Kaufmann Moritz Latte, ist gestorben. — In Lissa soll noch in diesem Jahre eine neue Synagoge errichtet werden. — Die Synagogen-Gemeindeverwaltung zu Schroda hat den Bau eines Gemeindehauses und einer rituellen Badeanstalt beschlossen. — Buchdruckereibesitzer Ehrli ch in Rogasen ist plötzlich im Alter von 51 Jahren am Herzschlag gestorben. — Der Verstorbene war langjähriges Magistratsmitglied daselbst und Vorsitzender des Bürgervereins. Auch um die Interessen der dortigen Synagogengenleinde hat Ehrlich sich hervorragende Verdienste erworben. — Zu Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in Ra witsch find neulich die Herren Prokurist Töplitz, Zahnarzt Cohn, Kaufmann Nösel, Kaufmann Georg Cohn, Kaufmann Fuchs, Kaufmann Pa g el und Kaufmann Preuß gewählt worden. — Zu Vorstandsmitgliedern der Synagogengemeinde Grau denz sind die Herren Bankier Belgard und die Kaufleute M. Lewy und S. I. Kirwe gewählt worden. — Kantor Fein in Neidenburg ist als Kultusbeamter nach Braunsberg berufen worden. — Eine Generalversammlung des seit 90 Jahren bestehenden und 150 Mitglieder zählenden israelitischen Krankenpflege- und Leichenbestattungsvereins in Ostrowo hat jüngst beschlossen, den Jahresbeitrag der Mitglieder von 1,80 Mark aus 3 Mark bezw. auf 9 Mark für diejenigen, die von Nachtwachen befreit sein wollen, zu erhöhen. Ferner wurde der bisherige Wahlmodus bei Vorstandswahleu, nach welchem nur ausgeloste Wahlmäuner die Wahl vollzogen, aufgehoben; in Zukunft soll vielmehr jedes Mitglied wahlberechtigt sein. — Zu Vorstandsmitgliedern des israelitischen Frauenvereins in Tirsch Lieget sind in der letzten Generalversammlung Frau Emma Goldstein und Frau Eva Boas gewählt worden. — Breslau, 26.März. Früheren Zöglingen der israelitischen Wai senanstal t zu Breslau wird es von Interesse sein zu erfahren, daß sich ein Verein ehemaliger Zöglinge gebildet hat, der den Zweck verfolgt, das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erhalten und zu befestigen sowie bedürftigen Mitgliedern Unterstützung zu gewähren. Der Fonds sür die Unterstützungskasse ist bereits gegründet, und tritt dieselbe nächstens statutenmäßig in Kraft. Derzeitiger Vorsitzender ist Herr Max Breit-Breslau. Reufchestraße 28, und ist derselbe gern bereit, jede gewünschte Allskunst zu erteilen. — Lieguitz, 26. März. Die diamantene Hochzeit feierten am 20. d. M. der Rentner Samuel Saudberg und seine Frau Amalie Hecht Hierselbst. Zur Feier hatten sich eine Menge Verwandte und Freunde von nah und fern eingefunden, und auch die hiesige jüdische Gemeinde, die Chewra Kadischa, sowie der Frauenverein waren durch Abgesandte vertreten. Um 10^2 Uhr fand die Einsegnung des Jubelpaares durch den Rabbiner Dr. Peritz statt, der dem Paare auch die vom Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille überreichte, die von folgendem Schreiben begleitet war: „Seine Majestät der Kaiser und König haben vernommen, daß Sie mit Ihrer Ehefrau nach 60jähriger Ehe am 19. März d. I. die diamantene Hochzeit feiern werden. Zu diesem frohen Familienfeste lassen Seine Majestät dem Jubelpaare die besten Glückwünsche aussprechen und verleihen Ihnen die beifolgende Ehejubiläumsmedaille mit der Zahl 60 mit dem Wunsche, daß es Ihnen und Ihrer Gattin durch Gottes Gnaden vergönnt sein möge, in treuer Gemeinschaft mit einander Sich noch recht lange eines glücklichen und zufriedenen Lebensabends zu erfreuen. Der Geheime Kabinets-Rat. I. V.: v. Valentins." — Sodann überbrachte der Kaufmann Heinrich Cohn im Namen der jüdischen Gemeinde, Rentner Schnapp im Namen der Chewra Kadischa die herzlichsten Glückwünsche zur Jubelfeier. Zahlreiche schriftliche Glückwünsche waren eingegangeu. Der Jubelbräutigam ist 84, die Jubelbraut 80 Jahre alt. Beide befinden sich in voller Rüstigkeit des Geistes und des Körpers und dürfen hoffen — was wir ihnen auch herzlich wünschen — daß ihnen noch ein langer und glücklicher Lebensabend beschielen sei. Als bemerkenswerte Einzelheiten wollen wir noch erwähnen, daß Herr Elkan Schnapp, der heute als Vertreter der Chewra Kadischa bei dein Jubelpaar erschien, bereits dessen grüne, silberne und goldene Hochzeit mitgemacht hat. 8. Hannover, 29.März. DerVerein ehemaligerReligions- Schülerinnen der Syn ag ogen gerne ind e Hannover (Vorsitzende Frau Landrabbiner Dr. Gronemann) versendet soeben seinen Rechenschaftsbericht sür die Jahre 1899 bis 1902. Der Verein, der vor ca. 13 Jahren ins Leben trat, um die Verbindung unter den Schülerinnen auch nach Ablauf der Schulzeit aufrecht zu erhalten und die während derselben empfangenen Lehren in gemeinsamen Liebeswerken zu betätigen, hat mit seinen geringen Mitteln eine überaus segensreiche Tätigkeit entwickelt. Er hat mehreren armen schulpflichtigen Mädchen, denen es aus Mangel an Mitteln oder aus sonstigen Gründen an einer guten und auf jüdisch-religiöser Basis