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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-04-03 · Heft 14 (3.4.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 14 (3.4.1903)
Date
1903-04-03
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 beruhenden Erziehung fehlte, zu einer solchen verholfen und ihnen dadurch die Wege zu einer späteren Existenzbegründung geebnet. Besonders aber hat der Verein seine Fürsorge den zu Hause unbeaufsichtigten Schülerinnen, der mit der Bildnngsanstalt für jüdische Lehrer verbundenen Uebungsschule zugewandt. Die Kinder, zur Zeit etwa 30, wurden an drei Nachmittagen der Woche in einem zu diesem Zweck von dem Herrn Seminardirektor zur Verfügung gestellten Schulzimmer mit Milch und Brötchen erfrischt, bei den Schularbeiten beaufsichtigt und nach Erledigung derselben zu fröhlichem Spiel angeleitet. — Der Erfolg dieser Beaufsichtigung ist dann erfreulicherweise auch nicht ausgeblieben. Seit zwei Jahren wurden außerdem während der Sommerferien mit denjenigen Kindern, die nicht nach außerhalb in die Ferienkolonien gesandt waren, täglich Ausflüge gemacht und mit ihnen, nachdem sie Milch und Gebäck erhalten! harten, im Freien gespielt. — Ferner fanden alljährlich am Chanukah j Kinderfeste statt, an welchen, ohne daß der geringste Unterschied zwischen arm und reich auskam, Kinder aus allen Kreisen der Gemeinde teilnahmen. Eine so ersprießliche Tätigkeit hätte der Verein indessen nicht ausschließlich mit Hilfe der geringen Mitgliederbeiträge erzielen können, und so veranstaltete der Vorstand jährlich oder alle zwei Jahre Konzerte zum Besten seiner Bestrebungen, die stets einen ziemlich erheblichen Ueberschuß ergaben. In diesem Jahre fand eine solche Veranstaltung am Sonntag den 15. März statt und hatte sich eines großen Zuspruchs zu erfreuen; es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß bis auf einen humoristischen Vortrag, den Herr Regisseur Stefster, das beliebte Mitglied des Residenztheaters, in liebenswürdigster und selbstlosester Weise übernommen hatte, die gesanglichen, musikalischen choreographischen Aufführungen ausschließlich von Mitgliedern und Freunden des Vereins dargeboten wurden und wohlverdienten reichen Beifall fanden. U. Hamburg, 30. März. Neue Wohltätigkeitsstiftung. Der vor mehreren Jahren verstorbene Präses der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, Herr Markus Nordheim, hat bekanntlich aus seinem reichen Nachlaß viele hiesige und auswärtige Wohltätigkeitsinstitutionen mit bedeutenden Summen bedacht. Der Verewigte hat außerdem die Verfügung getroffen, daß, falls sich nach Realisierung der Erbschaft noch ein eventueller Ueberschuß ergeben sollte, dieser nach dem freien Ermessen der Testamentsvollstrecker zu Wohltätigkeitszwecken verwendet werden soll. Die Exekutoren, die Herren Jakob Nordheim und D. Albert Wolsson haben jetzt die Bestimmung getroffen, daß dieser Ueberschuß im Betrage von weit über 1 Million Mark zur Errichtung eines Seehospizes für schwache unbemittelte Kinder verwendet werden soll. Das Seehospiz wird in Cuxhaven erbaut werden und soll den Namen des Stifters tragen, der sich durch seine Wohltätigkeit ein unvergängliches Denkmal errichtet hat. Die Testamentsvollstrecker haben ferner im Sinne des Verewigten bestimmt, daß in dem neuen Seehospiz Kinder aller Konfessionen unentgeltliche Ausnahme und Verpflegung finden. Die neue Anstalt, die durch die großen Summen, die zur Verfügung stehen, allen Anforderungen der modernen Hygiene genügen wird, entspricht einem schon lauge gefühlten Bedürfnis der Hamburger Bevölkerung, und wird der Beschluß von allen mit Freuden begrüßt. Oesterreich - Angar». Hl Wien, 30. März. In der Reichs Ratssitzung vom26. d. M. brachten die Abgeordneten Dr. Strauch er und Genossen einen Dringlichkeitsantrag ein, dahingehend, daß vom Ministerium des Aeußern Einfluß genommen werde, damit die rumänische und türkische Negierung in betreff der Juden sich der im Berliner Vertrag von 1878 eingegangenen Verpflichtungen erinnere und zur Einhaltung derselben verhalten werde — und wahrlich, eine solche Ermahnung tut not, wenn man den Haufen menschlichen Elends betrachtet, der in diesen Tagen wieder aus Rumänien, vernichtet und darniedergedrückt von den härtesten Entbehrungen, Wien passierte, um iu Amerika ein neues Leben zu beginnen! — Ihre nächste Etappe ist Leipzig. Mögen sie auch dort hilfreiche Menschen finden, die den Aermsten beistehen und ihre Not durch milde Gaben zu lindern suchen! — Vor einigen Jahren wurde eine jüdische Familie in Dukla in Galizien wegen eines Mordverdachtes an dem Sohne eines dortigen Schankwirtes angektagt und zu mehrjähriger Kerkerhaft abgeurteilt — nun aber, nachdem diese Armen bereits einen Teil der unverdienten Strafe abgebüßt. taucht das Gerücht aus, der Mord sei von einem dortigen Grundbesitzer begangen worden, und eine neuerliche Untersuchung des Falles soll die Unschuld der jüdischen Familie ans Licht bringen. — Der alldeutsche Redakteur Eduard Pummer inZnaim wurde wegen Majestätsbeleidigung zu einem Jahre schweren Kerkers verurteilt. — Der ungarischeReichsratsabgeordnete Berthold Weiß wurde zum königlichen Hosrat, der Bezirksarzt Dr. Frydma nn zum Oberbezirksarzt und der Religionslehrer Moritz Kanitz zum Professor ernannt. Dorr Nah und Fern. Unter den Gästen, die an der am 24. v. M. bei Vizeadmiral Hollmann stattgefundenen Abendgesellschaft, der der Kaiser beiwohnte, teilnahmen, befandensich neben dem militärischen Gefolge desKaisers und wenigen Herren der Gesellschaft, unter ihnen Professor Delitzsch, auch der Generaldirektor der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrtaktiengesellschaft, Ballin, James Simon und Geheimer Banrat Rathenau. — Das israelitische Krankenheim der Gemeinde .Usioel ist von der Prenzlauer Allee nach der Königgrätzerstraße 46 rr verlegt worden. — Der Sy nag o genverei n ^ä(lns3 Gesell n r ii n veranstaltete am 15. v. M. in Cohn's Festsälen eine Pnrimfeier. die sehr angeregt verlief und den Anwesenden mannigfache Abwechselung bot. — Nach einer Notiz in Nummer 147 der „Kölnischen Volkszeitung" sind von 424 Bibliothekaren 358 Protestanten (einschließlich Zweier Altkatholiken), 11 Israeliten und 55 Katholiken. — Als Kandidat für den Reichstagswahlkreis Kö nigsberg-Land - Fischh ause n hat die freisinnige Volkspartei Herrn Rechtsanwalt Dr. Lichten stein aufgestellt. — Der israelitische Frauenverein in Zabrze O.-S. feierte am letzten Sonntag das fünfundzwanzigjährige Jubiläum der Frau Heinrich Pollak als Vorsteherin des Vereins. Die Anerkennung, die ihr zu teil wurde, und die Beliebtheit, deren sie sich erfreute, kam in mannigfachen Ehrungen zum Ausdruck. — Herr Josef Efrem in Bern stadt i. Schl, beging am 26. März das fünfundzwanzigjährige Jubiläum als Mitglied des Vorstandes der Synagogengemeinde. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Dr. med. Roß. überreichte ihm im Namen der Gemeinde mit einer herzlichen Ansprache eine kunstvoll ausgestattete Dankadresse. Auch der Vorstand der Chewra Kadischa und des Frauenvereins zeichneten den Jubilar durch Ehrungen aus. — Die Männer-Chewra, dsnnlus-Cliesseä, in Obernkirchen feierte am 14. d. M. das Fest ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens durch einen Dankgottesdienst in der zu Ehren des Tages festlich geschmückten Synagoge. — Die Erben des in Paris am 16. Juli v. I. so schmählich ermordeten Arztes Dr. Leopold Orden st ein haben der Gemeinde Off st ein, dem Geburtsort des letzteren, einen Betrag von 8000 Mark überwiesen, mit der Bestimmung, die Zinsen nur zu verwenden zur respektive bei Anstellung einer Krankenschwester. — Die Ausweisungen aus Tiflis und Stary-D o r o gy sind russischen Blättermeldnngen zufolge von oben her inhibiert worden. Die Familien aus Stary- Dorogy werden definitiv in ihrem gegenwärtigen Wohnort belassen, während den 121 Familien aus Tiflis aus die mündliche Verwendung des Generalgouverneurs des Kaukasus zunächst eine weitere dreimonatliche Frist gewährt worden ist. Man darf aber bestimmt erwarten, daß auch diesen Inden das Schicksal der Ausweisung erspart bleiben werde. — Eines der ältesten Bibelmannskripte wurde vor kurzem in Kairo aufgefunden. Es besteht aus dem in samaritanischen Buchstaben geschriebenen Pentateuch und würde ungefähr aus dem achten nachchristlichen Jahrhundert stammen. Der Text selbst hat manche Abweichungen von dem uns bekannten Wortlaute. — In der Nacht zum Montag um 12 Uhr 45 Minuten wurde in Jerusalem ein starker Erdstoß verspürt, der die gesamte Bevölkerung der Stadt in Schrecken versetzte. Doch ist nur ein geringer Schaden entstanden. — Alls Madrid wird gemeldet: Die Beniderkabylen forderten den Gouverneur von Tetuan aus, die Stadttore zu öffnen, damit sie laut Befehl des Prätendenten die Christen und Israeliten strasen könnten. Sonst würden sie die ganze Stadt verwüsten. Infolgedessen herrschte eine große Panik in Tetuan, die Einwohnerschaft steht unter Waffen. — Dem Madrider „Heraldo" wird aus Mel illa geschrieben: Die Juden, welche von dem Prätendenten zur Zahlung von 8000 Duros verurteilt worden waren, sandten eine Abordnung zu letzterem, um den Erlaß der Strafe zu erwirken, die Delegation ist jedoch bisher nicht zurückgekehrt; man vermutet daß sie ermordet worden ist.

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