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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-04-03 · Heft 14 (3.4.1903) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 14 (3.4.1903)
Date
1903-04-03
Page
Seite 168 (sequence 14)
Language
German
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168 mich! Doch zwinget mich nicht, auf meine alten Tage die heiligen Gebote zu verletzen!" Allein der Unmensch hatte kein Erbarmen, den Alten an die Wand drückend, suchte er ihm die verbotene Speise in den Mund zu stecken. Hagar kreischte laut auf. „Nechemja," rief sie, „es ist ja eine doppelte Sünde, tue es nicht! Denke an Gott und seine heilige Thora!" Aivrvmele, der die ganze Zeit über unbeweglich und ratlos dastand, konnte den Jammer der alten Leute nicht länger mitansehen; mit festem Griff hob er den Peiniger vom Erdboden und ihn gehörig schüttelnd, ließ er ihn. wie einen Mehlsack, schwer zur Erde fallen. Kaum aber hatten die andern Bauern die Not ihres Kameraden bemerkt, als sie über Awromele hersielen, und warfen ihn ebenfalls nieder. Wie ein rasendes Tier stürzte sich Stefan auf Awromele, und auf seine Brust niederknieend, umklammerte er mit beiden Händen feinen Hals, um ihn zu erdrosseln. Damit nicht genug, ließ er seine glühenden Blicke im Zimmer herumschweisen, bis er in einem Winkel einen Dreifuß bemerkte, den ihm Karol auf seinen Wink darreichte, und denselben mit dem Deckel nach unten stellend, sodaß die Zinken aufwärts gerichtet waren, schlug er Awrvmeles Kopf mit bestialischer Wut wiederholt ans die eisernen Füße auf. Und in der Tat, der Dreifuß war ein weit besseres Instrument, um einen Schädel zu zerschmettern, als der immerhin nicht so sehr harte Lehm des Fußbodens; und wer weiß, was noch aus dem Kopf des armen Opfers geworden wäre, wenn nicht das Geräusch klirrender Sporen draußen ertönte. „Mach fertig — der Kommissar kommt," flüsterte Karol seinem Kameraden zu, und kaum hatte der Wüterich von seinem Opfer abgelassen, als auch schon ein Mann in das Zimmer trat, der zwar noch jung an Jahren schien, an dessen Mienen aber inan den Gebieter und Befehlshaber sogleich erkannte. Mit einem einzigen Blick übersah er den ganzen Raum, und als er die Spuren von Stefans Heldentaten wahrnahm, rief er zornig: „Hier sind wieder Gewalttätigkeiten verübt worden! Habe ich Euch nicht ausdrücklich befohlen, mit der größten Schonung vorzngeheu, außer ivo man Widerstand leistet?" „Diese hier haben sich aber widersetzt," sagte Stefan mürrisch; „ich habe dem Alten da von meinem Brote gegebeu, weil er so verhungert aussieht, und damit er sich für die bevorstehende Wanderung stärke, und da kam dieser da, und legte Hand an mich —, an Ew. Hochwohlgeboren Diener, an einem treuglänbigen Christen; und dafür habe ich ihn gezüchtigt." Jetzt erst bemerkte der Polizeikonnnissar, denn dieser war der Eingetretene, die zu Boden gestreckte Gestalt Awrvmeles Er berührte mit der Spitze seines Säbels die Schulter des Daliegenden, und sagte: „Steh' auf, mein guter Mann; es ist jetzt keine Zeit über solche Kleinigkeiten zu lamentieren und grollend dazuliegen. Steh' auf, und treffe Deine Vorbereitungen, denn Du hast eine gar lange Reise vor Dir, Du und alle Deine Glaubensgenossen müssen diese Stadt noch in dieser Nacht verlassen; der Befehl der Regierung ist soeben eingegangen, und — —" Plötzlich unterbrach er sich, und sich tiefer niederbeugend, betrachtete erstaunt und eingehend die Gesichtszüge des Ohnmächtigen. „Bei dem Leben meines Gebieters," murmelte er sich aufrichtend: „das ist noch mehr als wunderbar! Nein, diese Aehnlichkeit!" Und ein Licht vom Tische nehmend, prüfte er aufmerksam die Gestalt und das Gesicht Awrvmeles. „Es ist aber wirklich wunderbar," sagte Karol, an seine Seite tretend; dieser Judenhnnd hat Ew. Hochwohlgeboren das Gesicht und das ganze Aussehen gestohlen, um sich wahrscheinlich dadurch in den Himmel hineinzustehlen. Diese Juden würden sich auch nicht scheuen, den heiligen Petrus selbst zu betrügen, wenn sie es nur fertig bringen könnten." (Forts, folgt.) (M^ach Babylon aus alle» Staaten Sie ziehen aus mit Hack' und Spate», Z» graben nach den lichten Spuren Von längst verschollenen Kulturen. Glückauf, ihr wackern Pioniere Im unterirdischen Reviere! Die Körper in den Grüften modern, Aus, Grüfte» Gciftesflammen lodern. Doch sagt, ihr Herr'», wenn diese Scherben I» eurem Lichte dann sich färben? Verschmähend die lebend'gen Zeichen Ihr suchet in den Todesreiche», Und sucht in fremdem Göttertuine Die eig'ne Spur — zu wessen Ruhme? Stets, weil Vernunft niemals versagte, In Einzelnen es göttlich tagte. Durch nebelhafte Reflexionen Sie sahen wohl den Einen thronen. Ihm nahend, selbst die Aufgeklärten Zu den Idole» sich bekehrten. Du Kabel und Krbel Von Gustav Steinert. Was Neid und Bosheit auch erfinden, Die Erstgeburt uns zu entwinden. Ins Antlitz will ich allen Neidern I Die hocherhob'ne Wahrheit schleudern: „Die Lehre Moses ist die seine, Ist einzig, wie der Einig-Eine. Das Dasein Gottes will sie lehren, Die Gottheit will sie nicht erklären. Den Gott sie lehrt, den unsichtbaren. Und doch den wirklichen, den wahren. Die ew'ge Norm ward hier gegeben, Die einigt Ideal und Leben. Und der Begriff vom Einig-Einen - Dem Denkertum bisher, dem reinen, Nur philosophisches Erprobeil — Ward hier zur Religion erhoben." Und ward nach Art der Mystagogen Von Mose dieses Volk erzogen? Die Wahrheit für die Hochelite. Dem blöden Volk die dunkle Mythe? Nein, seines Volkes großes Ganze Erfüllte er mit seinen! Glanze. Dem Abgrund hat er das Gewissen, Dem Abgrund die Vernunft entrissen. „Du sollst kein Bildnis je dir hauen, Bewahre dir das inn're Schauen! Wer will die Merkmale verkennen, Die von der Heidenwelt uns trennen? Laßt, Brüder, uns die Saaten säen, Wir. Gottes sichtbare Trophäen. Laßt uns erdulden auch, ertragen. Die Enkel einst den Enkeln sagen: „Durch alle Länder, alle Zeiten Sie wanderten, für Gott zu streiten, Mit ihrem Blute, ihren! Geiste. Das Volk des Herrn niemals verwaiste. Seht, ihre Saaten sind gediehen! Ist auch die große Schuld verziehen, Die große Schuld der Nationen?" Seit Menschen diesen Stern bewohnen Die Nationen sich bekriegen. Der Einig-Einzige wird siegen. Und mit des Sieges Lichtsignalen Ein neues Menschtum dann erstrahlen. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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