Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1903)
- Date
- 1903-04-03
- Page
- Seite 167 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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167 „Ah, jetzt zittert Ihr und ducket Euch, feiges Gesindel, aber habt keine Furcht, ich besudle mir meine reinen Hände nicht mit schmutzigem Jdumäerblute.. ." „Was wagst Du, Hund von einem Hasmonäerknecht, sind wir nicht aus dem edlen Stamme Esaus entsprossen?" „Wer seid Ihr, elende Fremdlinge, die Ihr keinen Teil habt am auserwählten Volke Gottes!" „Du dünkst Dir wohl vornehmeren Stammes zu sein als wir, weil Du hinter dem Gesinde der Alexandra einherlaufen darfst?" „Die Gott ausrotten möge, auf daß wieder Friede einziehe in das Reich." „Ja, die alte Schlange, ehe die nicht verendet, wird nicht Ruhe sein am Hofe und im Volke, die alte Heuchlerin!" „Halte Dein ungewaschenes Maul verruchter Schwätzer, und wage es nicht, die erhabene Fürstin zu schmähen. . ." „Die eine Schlange ist und eine Quelle der Zwietracht." „Von der uns Gott befreien möge!" „Die eine Plage ist und eine Strafe des Himmels, eine Sünderin und . . „Daß Dn verendest, elender Schmäher!" und blitzschnell hatte sich Jsmael auf den Nächststehenden gestürzt und umklammerte mit eisernem Griffe seinen Hals. „Heidnischer Hund, nun probiere und wetze Deine ekle Zunge an der erhabenen Königin!" und ihn zu Boden schleudernd, bearbeitete er mit Händen und Füßen den sich Krümmenden. Aber da waren mit lautem Geschrei die anderen hinzugestürzt und suchten die beiden zu trennen. Hageldicht fielen die Schläge auf den Angreifer nieder, bald hatten sich zwei Parteien gebildet, die nun in regelrechtem Faustkampfe aufeinander losschlugen. Mit wildem Geschrei stürzten die Gegner aufeinander, und selbst jene, die vor ein paar Minuten noch in bester Freundschaft waren, kannten sich nicht mehr und hieben in blind entfesselter Wut um sich her. Wilde Verwünschungen wechselten mit schmerzlichem Stöhnen, mit drohenden Flüchen und angsterfülltem Schluchzen. Schon färbte sich der Boden blutrot von dem vergossenen Blute, und noch immer wollte der Ausruhr kein Ende nehmen. Jetzt aber, mitten in das Schreien und Toben der haßerfüllten Kämpfer ließ sich der gleichmäßige Schritt der Wachen vernehmen. Blitzschnell waren die Streitenden auseinander, die zu Boden gesunkenen rafften sich auf, und rasch ihre von Blut und Staub besudelten Kleider reinigend, suchten sie jede Spur des soeben stattgefundenen Kampfes den Augen des Befehlshabers der Wache zu verbergen. „Was geht hier vor?" herrschte er die zu Tode erschreckten an; „was soll das wüste Geschrei?" „Edler Herr!" ermannte sich als einer der ersten Josaphat, „vergib den Lärm, aber siehe, jener," und er wies mit der Hand auf den düster zu Boden starrenden, in sich versunkenen Jsmael hin, „jener hat Streit angefangen . . ." „Ja, wir gingen ruhig unserer Wege . . ." „Das lügst Du, Hund!" herrschte der Oberste der Wache ihn an. „Ihr ginget nicht ruhig Eurer Wege, sondern gleich einem Heuschreckenschwarm habt Ihr Euch über diesen Platz niedergelassen." „Verzeih' mir die Widerrede. Herr, wandte Josaphat ein, „wir gingen unserer Arbeit nach und haben auf dem Wege mit guten Freunden, die uns begegneten, ein klein wenig geschwätzt . . ." „Und habt Euch dabei ein klein wenig blutig geschlagen," fiel lachend der Gestrenge ein. „Aber jetzt, marsch auf die Beine, sehet, daß Ihr nach Hause kommt. Kennt Ihr denn den strengen Befehl unseres gnädigen Königs nicht, der keine Ansammlungen ans der Straße duldet?" „O, Herr!" wagte Jaiphas, „was hätte denn der König dawider, wenn sein armes Volk nach des Tages Müh und Arbeit sich ein bischen in den Straßen ergeht . . „Und Händel stiftet und sich zerfleischt wie ein Rudel Wölfe. Nichts da! Zu lange schon habe ich mich mit Euch abgegeben. Meine Geduld ist zu Ende! Marsch, fort mit Euch ans der Stelle! Und wer von Euch nach einer Stunde noch hier zu treffen ist, dem rennen meine Söldner das Eisen in den Bauch!" Das war kein leerer Spaß, das wußten sie, nun galt's kein Zaudern, und mit schlotternden Gliedern und fliegenden Gewändern stoben sie nach allen Richtungen auseinander. „Nun, Freundchen," klopfte Jaiphas dem Simon in die Seite, „was hast Du jetzt von Deinem Gelde, hat es Dir recht viel geholfen?" Und mit höhnischem Grinsen zog er gleich den übrigen von dannen. lFortsetzung folgt.) Aus dem Lande der Knechtschaft. Von Samuel Gordon. Aus dem Englischen übersetzt von M. Pulvcrmann. NI. ei diesen Worten gab der Unhold Hagar einen brutalen Stoß, sodaß die arme Frau mit einem lauten Schrei bis aus andere Ende des Zimmers flog, und ließ sich gemächlich auf ihrem Platze nieder, während seine Helfershelfer grinsend dastanden, und über seine Possen sich belustigten. „Nein, nein," fuhr er chnisch fort; „ich mag Eure Speisen nicht; da mag ja Gift oder mindestens Mcnschenblut drin sein. Hier, hier ist ehrliche Christenspeise." Ein Stück Gerstenbrot nnd Speck aus seiner Manteltasche nehmend, legte er es auf einen der Teller vor sich, zum Entsetzen Hagars, die verzweifelt die Hände rang, über diese unerhörte Entweihung ihres besten, ihres ,,.joutowc1i§6»" Geschirrs, während Nechamja in ohnmächtiger Wut, hörbar, mit den Zähnen knirschte. Die beiden anderen Russen kamen jetzt ebenfalls au den Tisch heran, und Karol nahm ohne weiteres eine Mazzo, um sie zu verzehren. Kaum aber hatte er hineingebissen, als erden Mund abscheulich verzog, und den Bissen verächtlich ausspeiend, rief er wütend: „Ihr niederträchtiges Judenpack! Ist das Eure Nahrung? Wahrhaftig, gebackene Sägespäne, und auch noch viel zu geizig, um ein wenig Salz hineinzutuu! Aber, Ihr armen Geschöpfe, ich habe Mitleid mit Euch —! Komm Stefan, wir wollen ihnen eine Wohltat erweisen, und ihnen von diesem vorzüglichen Kommisbrot geben, damit ihre Seele nicht vor der Zeit, durch Selbstkasteiung, ihren elenden Körper verlasse." „Das ist ein guter Gedanke, Karol," rief der Angeredete aufspringend, und ein Stück Speck abschneidend, ging er auf Nechemja zu, der mit angstverzerrten Zügen zurückwich und mit dem Rockzipfel sein Gesicht verhüllte, doch der brutalen Gewalt des Rausboldes war der alte Mann nicht gewachsen, jammernd und stöhnend bat er: „O, habet Erbarmen! O, tötet