Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1903)
- Date
- 1903-04-03
- Page
- Seite 166 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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„Ha, ha, ha," lachte Jaiphas aus vollem Halse, froh, daß sich die Spottlust jetzt wieder andere Opfer ausgesucht hatte, „sie haben ganz recht, geh' nur nach Hause und päpple Dir Deine Kinder und Dein altes zahnloses Weib aus!" „Das ist es ja eben, was mich herführt. Wie Ihr sagt, mein Weib, ihre beiden Schwestern und ihre Mägde sind schon alt und . . „Deshalb kommst Du hierher und willst Ersatz dafür haben?" „Ja, es ist so," bekräftigte ein anderer, „ein Mann aus der Dienerschar der Alexandra hat es mir anvertraut, daß heute früh ein Zug frischen Weibervolkes aus Phasaelis für den Hof ankommeu soll . . ." „Und da glaubst Du dir die Schönste gleich nach Hause zu führen, nicht, Josephus?" „Wenn auch die Schönste nicht, denn die, das weiß ich ja, gehören für die Hosherren, vielleicht gar für den König selbst, aber es kommen auch Sklavinnen mit, und da ist es leicht möglich, daß man so ein Mädchen loskaufen kann." Und dabei klopfte Simon auf die breite Geldkatze, die er um den Leib geschnallt hatte, und in der mit Hellem Klang die Silber¬ und Goldmünzen klirrten. „Ja, mit Geld," seufzte Jaiphas, „mit Geld kann inan wohl alles in der Welt haben, alles ist feil, schöne Weiber, Ehren, Aemter, alles, alles!" „Was Du nicht sagst," lachte der riesenhaft gebaute Metzger, „ich brauche gar kein Geld, mir fliegen die schönsten Weiber auch so an den Hals." „Die Weiber! Als ob es sich immer und immer nur um diese handelte," mengte sich ein anderer in das Gespräch; unsereins hat doch auf etwas anderes seine Gedanken." „Auf was denn zum Beispiel," spöttelte Jaiphas, „ans was hast Du denn Deine gar großen Gedanken?" „Laßt ihn," wehrte Josaphat, „er strengt seinen Kops an, um zu erfahren, wie man es anstellt, um Hohepriester zu werden." Schallendes Gelächter belohnte diesen ausgezeichneten Witz. Das war doch sehr gut! Und das war dem guten Josaphat einmal köstlich gelungen! Eine zornige Verwünschung brummend, wandte sich der Verhöhnte ab, um sich zu einer anderen Gruppe zu gesellen. Aber auch hierher folgte ihm das Hohngelüchter der anderen nach. „Nun seht einmal den Stolzen an, jetzt sind wir ihm auch gar zu gering. . ." „Er sucht wohl gar edlere Gesellschaft, als die unsere." „Wer hat ihn denn überhaupt gerufen? Was kam er denn hier zu suchen, wenn nicht ein paar schöne Sklavinnen?" „Vielleicht den Ornat des Hohepriesters?" „Oder das goldene Schwert des Feldherrn?" „Vielleicht gar die Diamanten der Königskrone." „Ha, ha, ha!" Und des Gelächters wollte kein Ende sein. „Gebt dem Jsmael die Königskrone, sie wird seinem kahlen Scheitel zur Zier gereichen." „Bedeckt ihn doch mit dem Purpur! Vielleicht Hilst er seinen schlotternden Beinen auf. daß sie wieder gerade werden!" „Gebt ihm das goldene Königsschwert in die zitternden Hände. . ." „Auf daß ich es Dir in Deinen verfaulten und verdorrten Leib renne, elender Schwätzer, und zornflammenden Blickes hatte er sich gewendet und näherte sich mit zum Schlage erhobener Hand seinem Peiniger. „Macht keinen Unsinn!" rief der reiche Simon dazwischen „verhaltet Euch ruhig, denn ihr wißt, was uns droht." „Was faselst Du von drohen, Simon, wer sollte uns etwas anhaben!" „Ja, Dir, guter Jaiphas, kann freilich nichts geschehen; zuerst, was könnte man Dir denn nehmen?" „Nehmen, Du guter Gott, von dem wenigen, was ich mir durch meiner Hände Arbeit verdiene..." „Und;von dem Du auch noch, vergiß nicht, die Abgaben an den König leisten mußt." „Ja, die Steuern! Gott der Herr, möge sich unserer erbarmen," seufzte der Metzger, „die erdrücken uns wohl noch; es ist gerade, als ob wir nur für den König arbeiten müßten." „Ja, unsere Not ist groß und kaum, daß man sich am Sabbath einmal ein bischen gutes Essen vergönneil kann und eine kleine Ruhe von der schweren Arbeit der ganzen Woche!" „Unser Sabbath, ist das auch noch ein Ruhetag, wie er es einst war in den Tagen unserer Väter? O nein, unser heiliger Sabbath wird entweiht durch allerlei heidnische Kurzweil, durch Schießen und Jagen..." „Ja, der König selbst hält den Sabbath nicht und das ist es, wofür wir alle büßen müssen.. ." „Der König? Dieser Herodes. der uns ein Fremdling ist." „Ein Fremder, der den rechtmäßigen Herrscher vom Throne gestoßen. . ." „Der sich eingedrängt in das auserwählte Volk. . ." „Der schwelgerisch haust in unserem heiligen Lande, die Gebote unserer Väter nicht achtet, die Söhne Israels unterdrückt. . ." „Dieser Römerknecht, der Judäa gar zu gern zu einem Heidenstaate machen möchte, der die Söhne unseres Volkes, verachtet und ein Heide ist nach innen und außen!" „Wie kriecht er den Römern gegenüber und wie schlecht behandelt er unsere rechtmäßigen Herrscher, die edle Marianne." „Und den Edelstein Judas, Aristobul, den Gott, der Herr, erhalten und bewahren möge vor allem Unheil." „Wahrlich, Du hast recht. Mir bangt oft um unseres edlen Aristobnls Leben." „Was sollte ihm denn widerfahren? Ist er ja doch geliebt llnd geschätzt von uns allen und sehen wir ja in ihm unseren wahren, von Gott, dem Ewigen, gegebenen Herrscher!" „Ja, den wahren Sohn Judäas, den frommen und ehrwürdigen Sproß aus dem Hause Juda Makkabis. Aber liebt ihn denn Herodes nicht auch, wie wir ihn alle lieben und heilig halten?" „Ha, ha, ha! Herodes den Aristobul lieben?" „Er haßt ihn und die alte ehrwürdige Alexandra, die Mutter unserer Königin." „Die alte, ehrwürdige Alexandra! Geh', fasle nicht so dummes Zeug, Jsmael, Davids Sohn, ehrwürdig nennst Du sie. die alles Unheil anstiftet, die Unfrieden säet im Königshanse?" „Was kümmert uns der Hos? Dem Volke ist sie eine gütige Herrscherin und darum sei sie gepriesen." „Nein, verflucht sei sie, verflucht sie und ihr Anhang!" „Was wagst Du, elender Sklave," und mit drohend erhobener Faust stürzte Jsmael auf die Schmähenden los. Im Nn stoben sie auseinander und die, die am lautesten gespottet und gehöhnt hatten, duckten sich am tiefsten vor der drohend erhobenen Rechten des Gekränkten.