Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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die ganze Freistellen beansprucht wurden, mußte abgewiesen werden. Als Leiter des Heims fungiert der wissenschaftliche Hilfslehrer Herr I. Bergel, der Filiale Herr Dr. M. Schlesinger; ihnen zur Seite stehen die Lehrer Herr M. Stern nnd Herr A. Reinhardt. Möchten edlx Wohltäter den Vorstand durch Spenden wie durch jährliche Beiträge in den Stand setzen, daß derselbe seine wichtigen Aufgaben und die nun bereits so vielen gegenüber übernommenen Verpflichtungen zum Heile der Gesamtheit erfüllen könne. Der Vorstand besteht aus den Herren: Geheimer Regierungsrat Professor H. Cohen, Marburg; Herm. Eichelberg, Marburg; Provinzialrabbiner Dr. L. Munk, Marburg; Sanitätsrat Dr. S. Neumann, Berlin; Landrabbiner Dr. 1. Prager, Kassel; Geheimer Baurat Professor Th. Landsberg, Darmstadt; Kommerzienrat S. Heichelheim. Gießen; Eduard Cohen, Frankfurt a. M.; Michael M. Mainz, Frankfurt a. M.; Louis Feist, Frankfurt a. M. --- Frankfurt a. M., 27. März. Die Achawa veröffentlicht ihren 38. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1902. Der Verein blickt abermals auf ein Jahr segensreicher Wirksamkeit zurück. Er hat im verflossenen Jahre an 31 dienstunfähig gewordene Lehrer und au 21 Lehrerwitwen nebst 17 unmündigen Kindern 18 300 Mark Pensionen gezahlt; er hat ferner für außerordentliche einmalige Unterstützungen 1550 Mark verausgabt, sodaß ihre Gesamtaufwendungen nahezu 20 000 Mark betragen. In der Tat eine anerkennenswerte Leistung, um so mehr, als der größte Teil dieser Summen aus einem kleinen süddeutschen Bezirke, hauptsächlich von Frankfurt a. M., aufgebracht wird. Wir finden es daher berechtigt, wenn der Vorstand der Achawa an die Verwaltungen der israelitischen Gemeinden unseres Vaterlandes das dringende Ersuchen richtet, „daß sie im Hinblick auf die gedeihliche Fortentwickelung unseres Vereins und aus dessen große Bedeutung für das Wohl der Schule und die Erziehung einer künftigen Generation, demselben einen jährlichen Beitrag aus deren Gemeindekasse, wie dies bis jetzt erst von nur einzelnen Gemeindeverwaltungen geschieht, zuwenden möchten." — Wir können, heißt es in dem Berichte weiter, mit allem Recht verlangen, daß sich endlich in den israelitischen Gemeinden eine regere Teilnahme für unser allgemein anerkanntes Streben und Wirken knndgebe, da wir bekanntlich in bald 40 jähriger ernster mühseliger Tätigkeit nicht wie alle übrigen Unterstützungs- Anstalten nur für die Lehrer, Lehrers-Witwen und -Waisen einzelner Provinzen, sondern für die ganz Deutschlands sorgen. Der Verein hat im Vorjahre 49 122 Mark Einnahmen und 29 019 M. an Ausgaben gehabt. Das Vereinsvermögen beträgt jetzt 293 313.85 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren: Konsul Adolph Baer-Goldschmidt, Vorsitzender; Philipp Schiff, stellvertretender Vorsitzender; Oberlehrer Dr. Alfred Löhren, Schriftführer; Alfred Rosenthal, Kassierer; Julius Goldschmidt, Gegenschreiber; Jacob Scherer, Reallehrer; Karl Marx, Lehrer in Alsheim (Rheinhessen); Heinrich Frei, Lehrer in München; M. Steinhardt, Lehrer in Magdeburg. o. Frankfurt a. M., im März. Vor einiger Zeit ist hier die „Freiherrlich Wilhelm Carl von Roth schildsche Stiftung für wohltätige und gemeinnützige Zwecke", welche von Frau Max Goldschmidt geborene Freiin von Rothschild zum Andenken an ihren Vater, Herrn Wilh. Carl Freiherr von Rothschild errichtet worden ist, ins Leben getreten. Die Verwaltung der Stiftung ist einem Vorstand von fünf Personen übertragen worden, von welchen satzungsgemäß je zwei durch den Magistrat und den Vorstand der israelitischen Gemeinde gewählt worden sind, während das fünfte Mitglied kooptiert worden ist. Das Stistungskapital besteht: 1. aus dem von der Stifterin überwiesenen Kapitalbetrag von einer Million; 2. aus etwaigen Geschenken oder Vermächtnissen im Betrage von mehr als 10 000 Mark, sofern der Geber nicht anders bestimmt. Geschenke und Vermächtnisse dürfen dann nicht angenommen werden, wenn dieselben an Bestimmungen oder Verpflichtungen geknüpft sind, welche dem Zwecke der Stiftung widersprechen oder die Erfüllung der Aufgaben der Stiftung erschweren oder verhindern. Die Stiftung bezweckt- 1. arme Leute ohne Unterschied des Bekenntnisses, welche mindestens drei Jahre in Frankfurt a. M. ihren dauernden Wohnsitz haben, zur Winterszeit mit Heizmaterial zu versehen, für welchen Zweck jährlich 9000 Mark zu verwenden sind; die Verteilung dieser Spenden hat durch das Waisen- und Armenamt zu erfolgen, welchem der Betrag am 1. November jeden Jahres auszuzahlen ist; 2. arme Leute ohne Unterschied des Bekenntnisses, welche mindestens drei Jahre ihren dauernden Wohnsitz in Frankfurt a. M. haben und welche unverschuldeter Weise ihre Miete nicht bezahlen können, mit angemessenen Beisteuern zu unterstützen, für welchen Zweck jährlich 8—10000 Mart zu verwenden sind; 3. der übrig bleibende Betrag der Einnahmen soll für gemeinnützige Zwecke, insbesondere für die Förderung der Fürsorge der schulentlassenen Jugend verwendet werden; 4. die Stiftung soll auch durch Erwerbung oder Erbauung von Wohnhäusern mit Vier- oder Fünfzimmer-Wohnungen oder Vermietung derselben an minderbegüterte Einwohner von Frankfurt a. M. eine Erleichterung zu schaffen berechtigt sein. Ebenso können Wohnhäuser mit Ein- oder Zweizimmer-Wohnungen erbaut oder erworben werden, um durch Ver mietung dieser Wohnungen an minderbegüterte Frauen oder Mädchen des Mittelstandes, diesen die Erlangung einer passenden Wohnung zu erleichtern. Zur Erwerbung oder Erbauung von Wohnhäusern, welche auf den Namen der Stiftung einzutragen sind, darf jedoch nicht mehr als drei Fünftel des Stistungskapitals verwendet werden und es isr zu Lebzeiten der Stifterin deren Einwilligung zur Erwerbung oder Erbauung von Wohnhäusern erforderlich. Aus den Mietserträgnissen dieser Häuser sind die Kosten der Unterhaltung derselben, die Steuer: sowie die Verwaltungskosten zu bestreiten, während der Ueberschuß für die Zwecke der Stiftung zu verwenden ist. Der Ueberschuß soll aber nicht mehr als 3^ Prozent betragen. Alle aus den Mitteln der Stiftung gewährten Unterstützungen, auch wenn sie durch das Waisen und Armenamt erfolgen, sollen niemals als öffentliche Armenunter stützung angesehen werden. Die Verteilung der Mietsunterstützunger erfolgt durch eine vom Stiftungsvorstande eingesetzte Unterkommisfion Die Herren Armenvorsteher und Pfleger werden ersucht, hierfür ge eignet erscheinende Fälle dem Waisen- und Armenamt behufs Weiter gäbe mitzuteilen. Die für Zwecke der Jugendfürsorge bestimmter Mittel sollen hauptsächlich für die Erziehung und Hebung der all gemeinen Bildung verwendet werden. ---Wiesbaden, 26. März. Der 32. Jahresbericht desJsrae litischen Unterstützungsvereins für das Jahr 1902 wendet fiel zuerst an die Mitglieder unseres Vereins mit der -Bitte, den Vorstand in der Werbung um neue Mitglieder zu unterstützen, da eine groß Anzahl vermögender Leute dem Vereine noch immer nicht angehört — Die finanzielle Stärkung des letzteren ist aber um so nötiger, all außer der augenblicklichen, hoffentlich bald vorübergehenden Notlag der arbeitslosen Handwerker und Arbeiter, welche scharenweise die Kaff des Vereins in Anspruch nehmen, es hauptsächlich die bedauernswerte Lage vieler unserer Glaubensgenossen auf dem Lande ist, welche nich etwa eine vorübergehende, sondern in vielen Fällen eine dauernde und intensive Unterstützung notwendig macht. Der Verein hat jetzt 26« Mitglieder. Die Einnahmen betrugen Mark 12 305,69, die Ausgabe: Mark 11 206,98, das Vereinsvermögen Mark 28 692,59. Den Vorstand bilden die Herren Moritz Heimerdinger, Vorsitzender; Moritz Elsberg Kassierer; Bernhard Groedel, Mayer Baum. Seligm. Blumenthcll Saly Hamburger, Simon Heß, Abraham Marxheimer, M. D. Strauß Benedict Straus, Schriftführer. --- Homburg V. H., im März. Alljährlich um diese Zei melden sich die beiden wohltätigen Vereine unserer Gemeinde zun Wort: der israelitische Holz-Verein (gegründet 1818) und de Verein zur Ausstattung israelitischer Mädchen bezw. Aus» bildung für einen Lebensberuf, Begründung eines Geschäfts ode einer Häuslichkeit (gegründet 1886 von Louis Lehmann s. A.). Aum im verflossenen Jahre wieder hat der unerbittliche Tod ihre Reihe - gelichtet und nur dem pietätvollen Eintreten der Hinterbliebenen ist es zu danken, wenn die Zahl der Vereinsmitglieder sich nicht verringerte. So haben auch diverse größere Spenden, die seit Jahresfrist unter der Bestimmung eingingen, teuere Dahingeschiedene als ewi^ Mitglieder einzutragen, Zeugniß davon abgelegt, wie unvermindert groß die Sympathien sind, die unser unvergeßlicher Louis Lehman« sowohl dem Holzverein als auch dem Mädchenausstattungs-Verein z erwerben wußte. Die Verteilung von Holz und Kohlen geschah in der üblichen Weise. Für hiesige Reflektanten gebrauchten nm ca. 450 Zentner Kohlen, nach auswärts — d. h. für Arme der nächsten Umgebung 105 Zentner Kohlen und 3 Klafter Brennholz. Die G ° samtausgaben belaufen sich inkl. 40,88 Verwaltungskosten ans 1008.03 Mark — etwa die gleiche Summe wie im Vorjahre. Manche bitteren Sorge ist wiederum begegnet worden. Der Mädchenausstattungsverein, dessen finanzielle Kräfte im Jahre 1901 durc-i Herausgabe einer namhaften Mitgift in Anspruch genommen waren, ist auch neuerdings wieder um eine solche Dotation angegangen