Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 waren 1039 aus Oesterreich und Galizien, 483 ans Rußland, 138 aus Deutschland, 52 aus Ungarn. 22 aus Rumänien. 6 aus außereuropäischen Ländern. Es wurden unterstützt 945 Personen einmalig, 206 zweimalig. 95 dreimalig. 24 viermalig, 2 fünfmalig und 2 Personen sechsmalig. Der Vorstand besteht aus den Herren: Rabbiner Dr. Kaatz, M. H. Apt, M. Fischer, S. Berg. Michaelis, M. Schnitzer. x. Hamburg, 15. Mürz. Die hiesige „Israelitische Sterbekasse von 1718" hielt ihre diesjährige Generalversammlung in Hagelsteins Klnblokal, Schlachtergasse 43/44, unter dem Vorsitz des Herrn B. Blumenthal ab. Derselbe teilte mit, daß dem Verein auch im verflossenen Jahre wiederum acht neue Mitglieder beigetreten sind, wodurch deren Zahl auf 161 angewachsen ist. Ferner sei der Vorstand in der angenehmen Lage, daraus Hinweisen zu können, daß die Jahresabrechnung für 1902 mit einem Ueberschuß von über 300 Mark abschließt. Was die Einnahmen und Ausgaben des Vereins anbelangt, so wurden an Mitgliederbeiträgen Mark 899 und an Zinsen Mark 466.10 im Jahre 1902 vereinnahmt. An Sterbe- und Trauergeld wurden Mark 587.50 verausgabt, weitere Ausgaben waren Botengehalt Mark 350, kleine Ausgaben, Drucksachen rc. Mark 17,30. Die Abrechnung wurde als richtig anerkannt und dem Kassierer Decharge erteilt. Bei den alsdann vorgenommenen Vorstandswahlen wurde Herr I. Felbel per Akklamation wiedergewählt. Seesen a. H., 23. März. Am 21. d. M. verstarb zu Berlin nach schwerem Leiden Herr Dr. Phil. Emanuel Münzer, Oberlehrer der Jacobsonschnle. Derselbe hat 15 Jahre lang mit voller Hingabe und gewissenhafter Pflichterfüllung all obiger Anstalt gewirkt, und wurde sowohl von den Schülern sowie von seinen Vorgesetzten und Kollegen als Freund und Mitarbeiter hochgeschätzt. — Dortmund, 23. März. Am 10. d. M. sprach der Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden im hiesigen Literaturverein über „Unsere Glaubensgenossen in den südöstlichen Ländern Europas (Schilderungen aus der Gegenwart)". Am Schlüsse der sachlichen, klaren Ausführungen des Redners wurde alsbald aus der Mitte der Versammlung heraus ein aus fünf Personen bestehendes Komitee berufen, das die Bestrebungen des Hilfsvereins in hiesiger Gemeinde kräftig fördern wird. Fast sämtliche an jenem Abend anwesende Herren zeichneten sich sofort als Mitglieder des genannten Vereins in die aufgelegte Liste ein. 8 Elberfeld, 17. März. Wie alljährlich wurde auch am vergangenen Sonntag von der hiesigen Synagogengemeinde im weißen Saale der Stadthalle das Purimfest feierlich begangen. Eiugeleitet wurde das Fest durch den Vortrag der „Hebräischen Melodien", für Orchester bearbeitet von Hermann Zivi, die bereits gelegentlich ihrer ersten Aufführung durch Musikdirektor Rauchenecker in den hiesigen Blättern ihre Würdigung gefunden haben. Es folgte ein von Rabbiner Dr. Goldschmidt-Offenbach gedichteter und von Herrn Paul Jungmann schwungvoll vorgetragener Prolog, der von der überaus zahlreichen Festversammlung mit Beifall ausgenommen wurde. -- Jetzt trat Rabbiner Dr. Auerbach vor die Rampe und führte im Anschluß an die Bedeutung des Festes in längerer Rede aus. daß das höchste Gesetz der Juden das Staatsgesetz sei; wer daher ein guter Jude sei, der sei auch ein guter Bürger seines Staates, ein guter Deutscher. Dieser Gesinnung forderte Redner die Versammlung auf. durch ein Hoch auf unseren erhabenen Kaiser und König Ausdruck zu geben. Begeistert stimmten die Anwesenden in das Hoch ein und sangen stehend die Nationalhymne. — Das Programm gipfelte in der Aufführung des biblischen Schauspiels mit Gesang in fünf Akten für Chor. Solo und Orchester „Esther" von Kantor Fabisch-Göttingen. Ueber das Werk selbst kann natürlich nur von fachmännischer Seite ein kompetentes Urteil abgegeben werden; soviel steht jedoch fest, daß dasselbe bei der hiesigen Aufführung einen durchschlagenden Erfolg erzielte, der nur auf das Konto seiner Güte zu setzen ist. Selbstredend darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Vorbereitung und Einstudierung des Werkes durch Herrn Hermann Zivi eine äußerst sorgfältige war und daß Herr Zivi bei dieser Gelegenheit zeigte, daß er nicht nur in seinem Amte, sondern auch als Chor- und Orchesterdirigent Vorzügliches zu leisten imstande ist. Die Hauptrollen lagen in den Händen der Damen Selma Strauß, Grete Bernthal, Rosa Levy und der Herren Paul Wetzstein, Moritz Hacke, Hermann Levy. Richard Gumperh, Paul Epstein, die alle ihren zum Teil recht schwierigen Aufgaben gesanglich wie mimisch vollauf gerecht wurden; dies bezeugte der überreiche Beifall, der ihnen nach jedem Akte zu teil wurde. Auch die Darsteller und Darstellerinnen der kleineren Rollen fanden sich mit ihren mehr oder weniger dankbaren Aufgaben zur vollen Zufriedenheit der Anwesenden ab. Die Chorpartien sang ganz ausgezeichnet der Kinder-Shnagogenchor. Nicht zu vergessen ist das Ballett, das im dritten Akte von 10 jungen Mädchen in reizenden Kostümen wirklich entzückend getanzt wurde. Einstudiert waren die Tänze von Frl. Bertha Angelusz. — Nach Schluß der Aufführung sprach der erste Vorsteher, Herr M. Simon im Namen des Gemeindevorstandes Herrn Zivi in beredten Worten seinen Dank aus; Herr 5tuä. .jur. A. Strauß überreichte Herrn Zivi namens der Mitwirkenden ein prachtvolles Geschenk. Nach einigen weiteren Reden, wobei auch der anwesende Komponist Herr Fabisch, sowie Herr Vorsteher M. Simon gefeiert wurde, fand allgemeine Kaffeetafel statt, an die sich ein Tänzchen anschloß, das sich noch bis zum späten Abend hinzog. — Der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, daß dieses Fest wohl das schönste war. das bisher in unserer Gemeinde gefeiert wurde. Uud so herrschte auch in der über 500 Personen zählenden Versammlung nur eine Stimme des Lobes und des Dankes für Herrn Zivi, der stets bereit ist, Schönes und Gutes in der Gemeinde, und besonders unter der Jugend zu fördern. Herr Zivi kann mit voller Zufriedenheit auf dies, sein Werk zurückblicken; das Fest wird allen Teilnehmern noch lange unvergessen bleiben. r. Wesel, 13. März. Wahrhaft erfreuliche Resultate hat der Hilfsverein „E sraß K'sufim" (Sitz Bocholt) während seiner dreizehnjährigen Wirksamkeit zu verzeichnen. Durch Herrn Lehrer a. D. Spier-Bockolt ins Leben gerufen uud aus winzigen Anfängen hervorgegangen, hat dieses Institut bisher 66 Personen zinsfreie Darlehen, in Summa ca. 30 000 Mark, verabreicht. Als Haupt- und Kernpunkt des jüngsten Berichtes aber ist hervorzuheben, daß bereits 23 Darlehensnehmer ihre Schuld ganz und 34 andere zur Hälfte zurückgezahlt haben, so daß gar mancher in seinen Vermögensverhältnissen zurückgegangene Glaubensbruder aus diese Weise wieder erwerbsfähig gemacht worden ist. Zu den Unterstützten gehörten kleine Geschäftsleute, Handwerker uud Kaufleute, Witwen und Waisen, wie auch im vergangenen Jahre eine unbemittelte Braut 300 Mark, als Beihilfe zur Aussteuer, ohne Rückzahlung erhielt. — Die Zahl der Vereinsmitglieder beträgt 261, der Jahresbeitrag nur 5 Mark. Die diesjährige Generalversammlung fand am 1. März d. M. in Bocholt statt. Der Vorsitzende. Herr Lehrer a. D. Spier dortselbst, begrüßte die Erschienenen herzlich, gedachte in Pietätvoller Weise der im letzten Jahre verstorbenen Vorstandsmitglieder Herreil L. Nosenberg-Münster und I. Kaufmann- Geldern und erstattete ausführlichen Geschäftsbericht, denselben mit der Bitte schließend, die Mitglieder möchten auch fernerhin der guten Sache treu bleiben. Herr Benjamin-Wesel dankte dem Vorsitzenden, sowie dem selten umsichtigen Rendanten Herrn A. Wehl, namens der Versammlung. Möge der segensreich wirkende Verein, der neuerdings wieder mehrere Gesuche mit 3500 Mark genehmigt hat, weiter blühen und gedeihen! Marburg i. H., 25. März. Der erste Bericht des Vereins Israelitisches Schüler- und Lehrlingsheim spricht innigen Dank den Mitgliedern aus, welche mit edlem Vertrauen die Stiftung unterstützt haben. Zwei Motive sind es, die die Stiftung ins Leben gerufen haben: sie sind beide innerlich verbunden. Das eine Motiv betrifft die soziale, die geistige, die sittliche Hebung derjenigen jüdischen Landbevölkerung, die von der Agitation am schwersten betroffen worden ist. Das andere Motiv bedeutet die religiöse Erziehung dieser Jugend. Die Anstalt wurde am 15. April 1901 mit 13 Zöglingen, und zwar mit 11 Schülern und 2 Lehrlingen eröffnet. Im Laufe des ersten Schuljahres traten noch 7 Zöglinge hinzu, während 2 Schüler davon einer wegen Erkrankung, und ein Lehrling, der mit gutem Erfolge feine Lehrzeit beendet hatte, teils während des Schuljahres, teils am Ende desselben die Anstalt verließen. Bei Beginn des neuen Schuljahres 1902/03 wurden 20 Zöglinge, im Verlaufe desselben noch fernere 9 ausgenommen, sodaß die Zahl derselben gegenwärtig 46 beträgt. Für den Beginn des neuen Schuljahres 1903 04 sind bis jetzt noch 15 Zöglinge angemeldet. Die Zöglinge stehen in einem Alter von 9 bis 17 Jahren. 15 Knaben besuchen, fast alle zur Vorbereitung, die jüdische Volksschule, 23 die Oberrealschule, 6 das Gymnasium. Da das Heim nur für 25 Zöglinge berechnet war, war der Vorstand genötigt, am 1. April v. I. vorläufig in einem Miethause eine Filiale zu errichten; für den April d. I. mußten wir ein der Filiale benachbartes Hans noch hinzu mieten. Eine große Zahl von Knaben, für