Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1903)
- Date
- 1903-03-27
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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nur eine Pflicht erfüllt haben, die wir schon unserer historischen Stellung und unserem Ansehen schulden. Auf schriftlichen Antrag der Herren Subdirektor Leszynsky, Rotholz und Hirschberg, die am 11. März die satzungsmäßige Reoision der Kasse vorgenommen haben, wurde dem Schatzmeister des Vereins, Herrn Handelsrichter Lustig, unter dem lebhaften Dank für seine und seiner Mitarbeiter im Bureau des D.-J. G.-B. aufgewandten Bemühungen Entlastung erteilt. Eine Neuwahl des Vorstandes war nicht erforderlich, zum stellvertretenden Schatzmeister wurde das Vorstandsmitglied Herr Jlia Ber, zu Revisoren die Herren Blumenfeld, Hirschberg und Leszynsky, zu ihrem Stellvertreter Herr Fernbach gewählt. Als Illustration des nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in ethischer Beziehung erziehlich wirkenden Anstaltsaufenthalts wurden Zuschriften früherer Insassen an den Arbeitsinspektor Herrn Behrendt verlesen, die ein rührendes Zeugnis von Anhänglichkeit und Dankbarkeit ablegen, und in denen das Verständnis für die sozialen Intentionen des Vorstandes einen überraschenden Ausdruck findet. Ein Kolonist schreibt von Paris aus. daß er hofft, dort die in der Anstalt erlangte technische Fertigkeit für sichernd seine früheren Leidensgenossen verwenden zu können. Mit Recht erblickt er eine Hauptaufgabe der Weißenseeer Anstalt darin, das bei unseren Glaubensgenossen zu wenig verbreitete Verständnis fürtechnische Herstellung der von ihnen meist nur händlerisch behandelten Fabrikate zu wecken und zu üben. — Wenn die Anstalt, wie zu hoffen steht, in demselben Sinne weiterhin ihre Erfolge finden wird, dann wird sie nicht nur einen wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete der jüdischen WohltätigkeiLspstege darstellen, sondern auch Resultate erzielen, die ihren Schützlingen zum Segen, der deutschen Judenheit zur Ehre gereichen. Dafür, daß das Institut schon jetzt gutes Ansehen genießt, liegen wichtige Anzeichen vor. — In KU/2 Monaten sind 10 238 Verpflegungstage; dafür sind 5724,83 Mark ausgegebeu. Es sind einmalige Zuwendungen 20 276,73 Mark, Mitgliederbeiträge 10 609.20 Mark, Arbeitslöhne 4094.60 Mark vereinnahmt und 17 732,14 Mark verausgabt worden. Der innere Betrieb. Verpflegung, Löhne, Feuerung, Wasserverbrauch erforderte nur 12000 Mark. Die Zahl der Insassen betrug 188, von denen bis 31. Dezember 1902 128 entlassen wurden, so, daß am 1. Januar 1902 60 sich in der Anstalt befanden. Nur ein einziger wurde wegen Arbeitsscheu, nur drei wegen Uebertretung der Hausordnung entlassen; 62 haben Stellung erhalten, 6 haben sich in der Heimat in dem erlernten Handwerk etabliert. Von den anwesenden Kolonisten sind 20 Galizianer, 12 Deutsche. 8 Ungarn, 5 Böhmen, je 4 Russen und Bukowinaer, 2 Oesterreicher, je 1 Slavonier, Mähre, Türke, Bulgare und Numänier Schließlich wurde dringend gebeten, der Anstalt zu Weißensee. Wörthstraße 20, Telephon - Amt Weißensee 192, getragene Wäsche und Kleidungsstücke zu überweisen. Berlin, 23. März. Der Verein für Arbeitsnachweis begründet von den Bne Brith-Logen, versendet seinen Jahresbericht für 1902. Der Verein darf auf große Erfolge zurückblicken. Er steht mit der Arbeiterkolonie in Verbindung und überweist ihr die sich dorthin eignenden Arbeiter, mit denen er bei manchem Mißerfolg auch manchen guten Erfolg erzielt hat. Durch mühevolle Tätigkeit des Personals ist es gelungen, in diesem Jahre eine größere Anzahl von Besetzungen vakanter Stellungen herbeizuführen. Im Jahre 1902 hat er in fester Stellung 1687, vorübergehend 474 — 2151 untergebracht. Dieser Verein verdient um seiner praktischen Ziele willen die wirksamste Förderung aller Menschenfreunde. Der Vorstand besteht aus den Herren: Ludwig Cohn, I. Vorsitzender, Jlia Ber. 11. Vorsitzender, D. Lichtenstein, Schriftführer, Otto Haber, stellvertretender Schriftführer, Dir. A. Ehrenberg, Schatzmeister, Maximilian Heymann, stellvertretender Schatzmeister, Hermann Abraham. Marcus Adler, Albert Bloch, Th. Bernheim, Siegfried Brünn, Eugen Caspary, Julius Cohn, H. Davidsohn, Carl Fürstenheim, Dr. M. Ginsberg, Dr. Hirsch Hildesheimer, Dr. Max Leichten tritt, Siegfried Loewenwald, Simon Stolzmann. Justizrat Tiemendorfer. Dem Damenkomitee gehören an: Frau Helene Ber, Frau Helene Cohn, Frau Natalie Cohn, Frau Jenny Feibusch, Frau Henriette Grätzer, Frau Sara Guttmann, Frau Martha Guttentag, Frau Rosalie Gerling, Frau Clara Heß, Frau Amalie Nosenstiel. KI. Schneidemühl, 19. März. Wie wir bereits kurz berichteten, starb am 16. d. M. der Rabbiner unserer Gemeinde, Samuel Brann, im 80. Lebensjahre. Heute wurde die sterbliche Hülle des teuren Entschlafenen unter großer Beteiligung der hiesigen Bürgerschaft und ^der Nachbargemeinden zur letzten Rnhe bestattet. Um 10 Uhr vormittags wurde die Leiche nach der Synagoge überführt, wo um 3 Uhr nachmittags eine erhebende Trauerfeier stattsand. Außer den Gemeindemitgliedern waren Vertreter der städtischen Behörden, der königliche Kreisschulinspektor Dr. Hilfer, der gesamte Lehrkörper des Gymnasiums und der Töchterschule, Rabbiner und Vertreter vieler Nachbargemeinden und eine nach Hunderten zählende Menge von Verehrern des Verblichenen aus Nah und Fern erschienen. Das Gotteshaus war stimmungsvoll mit Trauerflor drapiert; auf einer Estrade vor dem Altar war der Sarg aufgebahrt. Nach den ergreifenden Trauergesängen. die Kantor Helischbowski wirkungsvoll vorgetragen hatte, bestieg der Sohn des Verblichenen, Dr. M. Bran n Dozent am Rabbinerseminar zu Breslau, die Kanzel. In schlichten von Herzen kommenden Worten gab er seinem Schmerz über den Verlust, der die Familie getroffen, rührenden Ausdruck. In scharfen Zügen entwarf er ein anschauliches Lebensbild des Dahingeschiedenen und hob mit Recht hervor, daß der Zauber seiner Persönlichkeit und der reiche Segen seiner Wirksamkeit ihre Erklärung finden durch die Tatsache der Uebereinstimmung, die zwischen seinem Lehren und Handeln bestand. Mit Worten des Dankes an den Allerhöchsten, der es ihm vergönnt habe, den geliebten Vater so lange zu besitzen, schloß der Redner. Dr. Eschelbacher aus Berlin, ein Freund des Verblichenen, schilderte hierauf in innigen Worten das Wesen und Wirken des Dahingeschiedenen und verglich es mit dem, dessen Namen er getragen, mit Salomo. „Er war ein Salomo in Weisheit, in Milde und Frömmigkeit." Nachdem noch Dr. Walter aus Bromberg im Namen des Rabbinerverbandes Deutschlands, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene gewesen war, gesprochen hatte, beschloß ein Chorgesang die erhebende Feier. Nach diesem Trauergottesdienst ordnete sich draußen der imposante Leichenkondukt. Vor dem Leichenwagen schritten die Schüler und Schülerinnen des Verstorbenen geführt von ihren Lehrern; hinter dem Sarge folgten acht Rabbiner, die Familienangehörigen, die Gemeindevertreter, die jüdischen Vereine deren stets förderndes Vorstandsmitglied der Verblichene gewesen, zum Schluß eine unabsehbare Menschenmenge. Auf dem Friedhosi sprachen noch die Rabbiner Dr. Richter-Filehne, Dr. Nosenthal- Pr. Stargard und Dr. Weyl-Konitz. Nachdem noch der erste Vorsteher. Bankier Herz Berliner, im Namen der .hiesigen Gemeinde in herzlichen, tief empfundenen Worten von dem Verblichenen, mit dem er fast 25 Jahre zusammenwirkte, rührenden Abschied genommen hatte, wurde die sterbliche Hülle des teuren Toten der Erde übergeben. Ehre seinem Andenken. c. Rogasen, 16. März. Am 10. d. M. starb Hierselbst plötzlich am Herzschlag der Buchhändler und Buchdruckereibesitzer Herr Leopold Ehrlich im 52. Lebensjahre. Der Verstorbene gehörte seit dem Jahre 1886 ununterbrochen der städtischen Vertretung als- Magistratsmitglied an und hat sich um die Förderung des Gemein Wesens in hohem Grade verdient gemacht. Auch der jüdischen Gemeinde widmete er seine Kräfte bis vor kurzer Zeit als Mitglied des Korpo rationsvorstandes. Wie beliebt und geachtet der so jäh aus den Leben Geschiedene bei allen Konfessionen und in allen Schichten der Bevölkerung war, zeigte die imposante Beteiligung an der Beerdigung Dem Leichenwagen voran schritt mit umflorter Fahne der Landwehr verein, darauf folgte der Feuerwehrverein. In beiden Vereinen war derVerblichene Vorstandsmitglied. Deputationen vieler anderer Vereint, denen der Verstorbene angehörte, wie der Posener Loge „Amicitia und der Magistrat und die Stadtverordneten folgten 1u corpore den; Leichenzuge. Aus dem Friedhof hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenthaft Pr. Stargard die Gedächtnisrede. Zabrze, 23. März. Der hiesige Israelitische Unt eist ützungs verein hat am 15. d. M. seine Generalversammlung ai - gehalten. Dem Rechenschaftsbericht Pro 1902 entnehmen wir folgende Daten: Die Einnahmen betrugen Mark 3102.38, die Ausgaben Mark 2843,15. Der Verein zählte am Schlüsse des Geschäftsjahres 146 Mitglieder. Unterstützt wurden 1760 Personen, und zwar 11>0 Männer und 650 Frauen. Von ersteren waren dem Beruf nach: 4 ft Handels- und Kaufleute, 228 Arbeiter, 85 Schneider, 58 Schuhmache- 56 Bäcker, 53 Lehrer, 41 Maler, 25 Kantoren. 24 Klempner. 19 Schriftsetzer, 19 Tischler, 18 Musikanten, 17 Gelehrte, 17 Fleischer. 15 Kürschner. 15 Weber, 10 Buchbinder, 9 Seifensieder, 8 Bürstenbinder, 7 Gerber 7 Schlosser, 6 Drechsler, 5 Uhrmacher, 3 Schmiede,^ 3 Maurer. 2 Gärtner, 2 Barbiere, 2 Fischer, 2 Steinmetze. Von den Unterstützten