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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-03-27 · Heft 13 (27.3.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 13 (27.3.1903)
Date
1903-03-27
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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67. Jahrgang. Nr. 13. Gerlm. 27. Mär; 1903 'Beilage zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 21. März. Im Verein für jüdische Geschichte ind Literatur hielt am Donnerstag, den 19. d. M., Herr Rabbiner Dr. Salfeld aus Mainz vor einem zahlreich erschienenen Publikum inen äußerst fesselnden Vortrag, betitelt „Historische Erinnerungen ms einer Rheinfahrt". Bei einer Rheinfahrt, die er mit einem freunde machte, suchte er in den alten mittelrheinischen Bischofssitzen Zpeyer, Worms und Mainz nach jüdischen Altertümern und widmete nch den übrigen Orten des deutschen Stromes, in denen sich einst edeutungsvolle geschichtliche Tatsachen vollzogen, seine Aufmerksamkeit. )o führte er uns, seine Fahrt erzählend, von der Stadt, in welcher eutsche Kaiser zur letzten Ruhe gebettet sind, von der Wiege der eutschen Heldensage und der Metropole der jüdischen Gelehrsamkeit en Rhein hinunter bis zum heiligen Köln. In scharf gezeichneten Einzelbildern bot er seinen Hörern eine Schilderung von den Anängen der ältesten Judengemeinden Deutschlands, neue Aufschlüsse iber Ursachen und Wirkungen der Verfolgungen im Mittelalter, das eben der Gelehrten und Sittenlehrer, er verbreitete sich eingehender iber die Judenpolitik der deutschen Kaiser und stellte schließlich das Men und Wirken einer Großgemeinde dar. Israels Altertümer ernten wir in Speyer und Worms, seine Leidenszeiten in, Mainz, eine Mitarbeit für Verbreitung der Druckkunst in Eltville, sein Geisteseben in Bingen durch Anknüpfung an die dort stattgefundene 5ynode kennen. Als wir in Bacharach angekommen, gab der Redner reue Aufschlüsse über Heines „Rabbi von Bacharach" und erzählte bei Lhens und Koblenz uns manches über die Rechtslage im Mittelalter, ie soziale Stellung u. a., während wir aus der weiteren Fahrt, amentlich bei Köln über die Organisation einer jüdischen Großemeinde im Mittelalter nach den Forschungen Stern-Hönigers unterichtet wurden. Die Resultate des Vortrages konzentrierte der Redner hließlich in drei Momentbildern (der 1893 irr den Vatikan einführende rutsche Kaiser wird eskortiert von italienischen Truppen, die der indische Oberst Ottolenghi befehligt, die Notabeln ziehen 1806 ins lote! äe ville in Paris unter militärischen Ehren ein und der Ahn lrich Stromers, der 1349 in Nürnberg mit Feuer und Schwert die , uden verfolgt, der Oberbürgermeister von Nürnberg, spricht 1874 bei inweihung der Synagoge in Nürnberg bedeutungsvolle Worte der umanität). Der Vortragende bewies, daß wir heute trotz allem zu uechen berechtigt seien: „Gelobt seist du Gott, der du die Zeiten geadert hast." Reicher Beifall lohnte den Redner für seine interessanten Ausführungen. — Aus den auswärtigen Litera turver ein en: In önigsberg i. Pr. sprach Dr. Rühl über den jüdischen Historiker justus von Liberias; in Znin, Ja nowitz, Labischin, Strelno >err Albert Katz über „Die Ethik des Talmuds"; in Wreschen Rabbiner Dr. Freund-Ostrowo über „Der ewige Jude in Sage und Dichtung"; Herr Schoeffel-Charlottenburg veranstaltete einen cezitatiorisabend, Rabbiner Dr. Lewin sprach über „Die Wissenschaft n Streite gegen das Judentum", Herr Lehrer Cohn über „Falsche Ressiasse in Israel"; in Ratibor Frau Regina Neiss er-Breslau ber „Bedeutsame jüdische Frauen im 19. Jahrhundert"; in Prenzlau räulein Dr. Samt er über „Jüdische Gestalten in der modernen itcratur"; in Stolp Professor Dr. Philippson über „Der große ''ursürst und die Juden"; in Würzburg. Eisenach und Erfurt Rabbiner Dr. Holzer-Schwedt a. O. über „Die Missionstätigkeit des udentums in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten", in Koburg der „Der Eintritt der Juden in das moderne Kulturleben"; in tülheim a. Rh. Dr. David-Bochum über „Bibel und Babel"; ur Steinheim Lehrer Goldschmidt-Dortmund über „Rabbi 0'ochanan den Sakkai"; in Vallendar Rabbiner Dr. Wolf-Köln der „Die Makkabäer", Herr Jonas Wolf-Köln über „Soziale Gesetzgebung imJudentum", Dr. Arthur Kahn-Bonn über „Jüdische trauen und ihre Aufgaben"; in Gelse nkircheu-Watten scheid ^hrer G old schund t-Dortmund über „Aus der Geschichte der Juden in Westfalen" und Rabbiner Dr. David-Bochum über „Was lernen wir aus den assyrisch-babylonischen Ausgrabungen?" k". Berlin, 20. März. Am 14. v. M. hielt Herr Rabbiner Dr. Blumenthal in der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" eineil Vortrag über „die Behandlung des pentateuchi scheu Gesetzes in der Schule". Der Herr Vortragende führte in formenschöner und gewandter Rede aus, daß die pentateuchische Gesetzgebung als die wesentlichste Verkörperung der Idee des Judentums anzusehen sei. Er wies im einzelnen nach, wie sie die ganze religiös-geschichtliche Entwicklung des Judentums beherrscht, und legte andererseits dar, inwiefern sie eine volkstümliche konkrete Ausprägung des jüdischen Lebensideals bildet. Zur pädagogischen Behandlung übergehend, erklärte es der Redner für notwendig, daß durch Entwicklung des religiös-ethischen Gehalts der unzutreffenden Kennzeichnung des Judentums als einer „starren Gesetzesreligion" der Boden entzogen, und daß gegenüber der zeitgeschichtlichen Hülle, die aus dem fortentwickelten jüdisch-religiösen Leben der Gegenwart geschwunden ist, an der unwandelbaren sittlichreligiösen Grundidee festgehalten werde. Aus der Unterstufe sind die pentateuchischen Gesetze mit den biblischen Erzählungen zwanglos zu verknüpfen; auf der Mittelstufe sind sie beim Bibellesen zu wiederholen, zu ergänzen und zu Gruppen zusammenzufassen, wie Armen-, Sklaven-, Fremden-, Tierschutzgesetzen rc.; endlich kann aus der Oberstufe im systematischen Religionsunterricht eine zusammenhängende Darstellung des Geistes der pentateuchischen Gesetzgebung geboten werden. Die priesterlich-kultischen Vorschriften sind im Anschluß an die Erzählung vom Bau der Stiftshütte kurz zu besprechen, dagegen erfordert das deuteronomische Gesetz als Grundlage der Josianischen Reform eine ausführliche Behandlung nach den allgemeinen Grund sätzen der Methodik des Religionsunterrichts. — Die Debatte, welche den mit lebhaftem Beifall belohnten Ausführungen folgte, trat auch in Erörterungen darüber ein, wie die prophetischen Ideen als Höhepunkte der religiösen Auffassung zu behandeln seien. Berlin, 22. März. Das Zusammentreffen des diesjährigen Ostersonntags mit dem ersten Tage des Passahfestes hat seit langer Zeit nicht stattgefnnden, geschieht nur selten, nach vieljährigen Zwischenräumen. Auf dem Konzil von Nicäa glaubte man, dies durch die Bestimmung, der Ostersonntag solle stets der erste Sonntag nach dem Vollmond der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche sein, zu verhindern. Diese Rechnung erwies sich weniger genau als die nach jüdischem Kalender, den der berühmte Mathematiker Gauß als feinste, mathematische Berechnung darstellte. Die irrtümliche Festsetzung der Konzilsgelehrten beweist das Jahr 1903. ---- Berlin, 20. März. Die erste ordentliche Mitgliederversammlung des „Vereins jüdische Arbeiterkolonie und Asyl" hat am 15. d. M. unter dem Vorsitz des Herrn Maurermeisters Adler im Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes stattgefunden. Der Vorsitzende widmete zunächst den um die Schöpfung des sich so segensreich entwickelnden Instituts wohlverdienten Heimgegangenen Herren: Eugen Rosenstiel und Oberamtmann Ludwig Meyer warme Gedächtnisworte. Auf die Vorlesung des im Druck vorliegenden eingehenden Rechenschaftsberichts wurde verzichtet. Zur Genugtuung der Anwesenden konnte festgestellt werden, daß die anfänglich sehr beträchtlichen Schwierigkeiten der Arbeitsbeschaffung überwunden sind und daß die Kolonisten sich über Erwarten anstellig, arbeitssreudig und auch hinsichtlich der Disziplin mit verschwindenden Ausnahmen musterhaft bewiesen. Diesem Umstande ist wohl auch die von der Polizeibehörde bewiesene Rücksichtnahme "zu verdanken. Aus der Debatte, an der sich die Herren Blumenseld, Ber, Fernbach, Lustig und Berget beteiligten, sind besonders die Ausführungen des letztgenannten hervor zuheben, der darauf hinwies, daß die Glaubensgenossen in Rußland Oesterreich und England, viel schwerer unter der wirtschaftlichen Last eines einheimischen oder zugewauderten glaubensgenössischen Proletariats zu leiden haben, als wir Deutschen, und daß wir mit der durch Unterstützung der H. gelungenen Schaffung der ArbeiLerkoloni

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