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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-03-27 · Heft 13 (27.3.1903) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 13 (27.3.1903)
Date
1903-03-27
Page
Seite 152 (sequence 10)
Language
German
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152 Sohn und Tochter des Märtyrers verehelichen sich mit den Kindern des Befreiers, um eine neue Generation ins Leben zu rufen. Damit übrigens auch hier der Kontrast nicht fehle, von dem gleich noch mehr zu sagen ist, wird neben diese arbeitseifrige Dulderfamilie die des reichen Genußmenschen gestellt in der Person des vielfachen Millionärs, des Barons Nathan, der in Spekulationen ungeheure Summen verdient, sich einen streng katholischen Schwiegersohn kauft und durch zahlreiche Stiftungen an fromme Vereine seinen jüdischen Ursprung vergessen zu machen sucht. Und doch, wenn man näher zusieht, ist der Roman nichts weniger als ein jüdischer, am allerwenigsten eine Apologie des Judentums. Von einer Sympathie für den Juden ist bei den wenigsten Personen die Rede. Selbst Marc Froment, der Hauptheld, ein Mitglied der Familie, die in dieser Reihe der Zolaschen Romane die Führung übernimmt, schätzt zwar den Kameraden, ist von seiner Unschuld überzeugt und übernimmt den Kampf für ihn als eine Lebensaufgabe, hat aber zunächst für den Juden als solchen keine übermäßige Sympathie. Die Verletzung der Wahrheit und Gerechtigkeit bringt ihn auf und macht ihn zum Helden. Denn wenn Simon der leidende, so ist Froment der tätige Held. Statt einer Verherrlichung des Judentums könnte man das Buch eher den Triumph des Elementarlehrers, die Glorifikation des Laienunterrichts nennen. Denn das ist das Ziel, auf das der Romanschreiber lossteuert: Die Befreiung des Unterrichts von der Religion, die Zerstörung des schädlichen Einflusses, den die Priester auf die Schule geübt haben, die Entlarvung der Priester in ihren Umtrieben, in ihrer Zerstörung des Familienlebens, in ihrer Ertötung menschlicher Gefühle. Die volle Vernichtung des Katholizismus, das ist der Triumph der Wahrheit. Liest nian die Schlußapologie, so kommt man zu eigentümlichen Ergebnissen über Zolas Technik. Er, dessen Schriften vor Jahrzehnten als Inbegriff des Schmutzes und sittlicher Verderbtheit galten, ist nun völlig keusch geworden, sodaß von den vorkommenden Geschichten und Abenteuern keine auch mir im entferntesten unsittlich genannt werden könnte. Er, der Schöpfer und Beherrscher des Naturalismus, segelt völlig im Fahrwasser der Romantik. Zu dieser Entfernung vom Naturalismus gehört die technische Eigentümlichkeit, die man geradezu als Phänomen bezeichnen möchte: Zola, der früher in wunderbar Plastischer Darstellung des wirklich Geschehenen hervorragte, geht jetzt an solchen Wirklichkeitsbildern vorbei oder wird bei ihrer Schilderung grämlich und nüchtern; nur bei der Vorführung dessen, was er allein in seiner Phantasie erschaute, wird er lebhaft und wirkt grandios. Ein Beispiel der elfteren Eigentümlichkeit ist die Darstellung des Prozesses und der Revisionsverhandlung, wo doch gerade Zola im stände gewesen wäre, ein teils farbenprächtiges, teils erschütterndes Gemälde zu liefern, während er geradezu langweilig wird, wogegen die Szene des Empfanges Simons und der Seinen, die Frendenruse, die Stimmung der ganzen Stadt mit einer Lebendigkeit und einer plastischen Kunst geschildert wird, daß man alles zu sehen, jeden zu hören meint. Bei Erwähnung dieser Szenen muß ein anderes technisches Mittel noch einmal erwähnt werden, das in diesem Roman geradezu Manier geworden ist, nämlich das der Kontrastwirkung. Zunächst wird der Schilderung von Simons Triumph die Vernichtung der Kirche und der Priester gegenübergestellt: ein Blitz schlägt in die Kirche ein, zerstört das Gebäude, aus dem so viel Unheil entstammte, und verbrennt die Bilder, die dazu beigetragen haben, den Unschuldigen zu verdammen. Oder zu dem stillen Frieden der Simonschen Familie, der Einigkeit aller demselben Kreise angehörenden Mitglieder, steht im Gegensatz die Zerklüftung und Zerstörung in Froments Kreis: eine zeitlang hält nur sein Töchterchen bei ihm aus; seine Frau entzieht sich ihm, freilich, um daun zu ihm zurückzukehren und dauernd bei ihm zu bleiben; seine Schwiegermutter wagt nicht für ihn einzntreten, und deren Mutter ist die fanatischste Judenfeindin und Priestergönnerin. (Der Tod dieser Frau ist ein groteskes, in seiner Art vollendetes Nachtstück.) Und ganz am Schluß wird der Schändung Zephirins, der den Anfang des Romanes und den Ausgang der ganzen Handlung bildet, die versuchte Schändung eines kleinen Mädchens gegenübergestellt. Man möchte hierin einen Rückfall des Dichters in seine alte Manier vermuten, umsomehr, als eine zeitlang der eigene Vater des Kindes verdächtigt wird, aber das Ganze ist wiederum nur das technische Mittel der Kontrastwirkung. Während bei jenem ersten Attentat die aufgeregte, durch Priester und Fanatiker aufgewiegelte Menge alles glaubt' während sich damals zur Bekräftigung des wahnwitzigsten Gerüchts bezahlte und unbezahlte Zeugen in Massen fanden, ist jetzt die Macht der Wahrheit und Gerechtigkeit selbst in den Einfältigen so groß, daß jeder sich zum Zeugnis hinzudrängt und der Wahrheit die Ehre gibt. Zu den eigentümlichen technischen Mitteln könnte man auch das der Retardation rechnen: das stückweise erfolgende Erzählen aufregender und wichtiger Begebenheiten, wie der mehrfache Bericht des Bruders Gorgias, wobei jedesmal j ein Stückchen Bekenntnis erfolgt, bis dann endlich in dem letzten und höchsten Moment, unmittelbar vor dem Triumph Simons, die ganze ungehenerliche Selbstanklage des Bruders erfolgt, ein grausiges Nachtbild von entsetzlicher Schönheit. Einzelne solche grandiose Bilder abgerechnet, ist der Kunstwert des Romans gering. Man erkennt auch aus diesem Werk, wie aus den unmittelbar vorausgegangenen, daß Zola immer mehr darauf verzichtete. Dichter und Erzähler'zu sein. Er war Parteimann geworden, er wollte lehren, für seine Ansicht gewinnen. Will man nun über diese Ansicht klar werden, so läßt sich nur folgendes sagen: Der Katholizismus wird zerstört, der Laienunterricht triumphiert, die Herrschaft des Staates ist eine unbedingte. Das gilt für Frankreich. Wie aber, so möchte man fragen, steht es mit den übrigen Staaten Europas? Welches ist das Schicksal der anderen Religionen? Wie ergeht es dem Protestantismus und dem Judentum? Ist die Religion als solche abgeschafft, und herrscht nur die weltliche Moral? Aus all diese Fragen erhalten wir keine Antwort. So weitschweifig der Dichter in vielen Erzählungen und Auseinandersetzungen ist, so wortkarg ist er in dem, was chm als letztes Ziel vorschwebt. Zur Bekräftigung des Gesagten stehe hier der Schluß des ganzen Werkes. „Die Belohnung Marcs nach so vielen Jahren mutigen Kampfes war das Gelingen seines Werkes. Rom hatte die Schlacht verloren. Frankreich war von der schrecklichen Todesgefahr gerettet, es war nicht untergegangen im Staube in dem die anderen katholischen Nationeil verschwinden. Man hatte das Land von der klerikalen Partei befreit, die seine Felder verwüstet, das Volk vergiftet hatte, und die, um sich auss Nene die Weltherrschaft zu sichern, alles mit Dunkel überziehen wollte. Frankreich, befreit von der traurigen Aussicht, unter de wieder se Befreier zehen, s unterrich aus ihrer schwächt gefangen 'lrinen a Elend z> Legende oziales Lüge, Th wung ur moralisch vissenhei göttlichen ie lügiil Men, d bensv n meinen -er Unw Jeld mat Erdreich Reichtum ^lastet i Mlig zu n der A as Glücl -er Stadt yklus „ ändig g llerBüy Mit cuen Rl üben weses be chtung ines Lektüre e cm — e wüsten totto köi .tikel fr Gin sitz der eiligen i war, flüc -I

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