Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-03-20 · Heft 12 (20.3.1903) · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
Seite 143 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228527-3228540--59602-3296130
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

143 lugen bel. um sie glücklichen heroische! andererrit ihrem den ihrer katholische lachenden häuslicher ieten zum ei diesem irlich, als ,ten.^ Ich u meiner re Glieder geachtete der jeden sam aufdemnach konnten) Sein und schwachen. VerhältoliziSmns lgiesischen Marquis, te Lungen find Abdlich als jüdischen rn erster irdentlich esonderer u Gegen lten, sind tsam belos oder ie daran >. ißen, in nt, fuhr so kann ir Juden ir nicht oeislichen > Königs bedeckten vchwebei «rcht vor chen zwei üge und r gemalt kbar war m ist es. rit Feuer > ifer für diese Rückkehr Propaganda machte, - und die noch Zögernden und Schwankenden zum resoluten Handeln antrieb. Diese in unserer Familienchronik verzeichnete und besonders betonte und hervorgehobene Tatsache ist um so beinerkensverter. da die Jugend bereits im Katholizismus geboren und erzogen war, Klosterschulen besuchte, wo die lehrenden Mönche nur Flüche und Verdammungsurteile für das ketzerische Judenum zu fällen bestrebt waren und die Juden als Ausgeburten der Hölle darstellten. Und trotz alledem gelang es diesen fanatischen Pädagogen nicht, den guten Kern in den Herzen der kleinen imovos elnistirnws zu ersticke». Im Gegenteil schienen alle diese über die Anhänger ihrer Rasse verhängten Anathemata sie noch mehr in der innigen Anhänglichkeit an den angestammten Glauben zu bestärken. Sie faßten den Entschluß, der Heimat den Rücken zu kehren, welche sie so grausam-stiefmütterlich behandelt, ihre Verdienste um das Land so schlecht gelohnt. . .. «Schluß folgt.) Aus dem Lande der Knechtschaft. Von Samuel Gordon. Aus dem Englischen überseht von M. Pulvermann. I. Ob auch die Oeffnung der Quelle, im Laufe der Zeit Bedeckt wird von Schlingpflanzen, die sich ineinander ranken; Wer weiß es, ob nicht auf dem Grunde ungeträumt und ungesehen, Ihre Gewässer, wie ehedem, klar und lauter sich weiter sortbewegen? ^ach einem Gasthause fraget Ihr, lieber Herr? Und das am Abend des Pessach-Festes? Wie kommt es denn, daß Ihr überhaupt während der Festeszeit auf Reisen Euch befindet?" „Ich habe mich in der Entfernung nach Wilkulm verrechnet; ich glaubte, noch vor der Dunkelheit diesen Ort erreichen zu können." „Es sind noch zwei Stunden bis dahin, und die Wege sehr schlecht; darum kommet mit mir, die andern „Hausherren" haben Euch zweifellos übersehen, als sie sich ihre Tischgäste anssuchten, weil Ihr weder in Eurer Erscheinung, noch in Eurer Tracht einem solchen gleicht, der gerne eingeladen sein möchte; und so müsset Ihr schon mit mir fürlieb nehmen." „Ich danke Euch für Eure Freundlichkeit; doch ich brauche keine Wohltaten und beanspruche auch keine Leistungen ohne Bezahlung, ich bin fest entschlossen, nur in einem Wirtshause einzukehren." „Dann müsset Ihr notgedrungen mit mir kommen, denn in der ganzen Stadt ist kein Gasthaus vorhanden, und auch andere Reisende können nur bei denen einkehren, die sie aufnehmen wollen; und kein Mensch soll sagen, daß Nechemja Turrock das heilige Gebot von dem „Fremdling in deinen Toren" irgendwie verletzt oder vernachlässigt hätte. Jedenfalls wollen wir am heiligen Festtage nicht von Geld oder Bezahlung sprechen. Und außerdem, ist denn dieses nicht di« Jahreszeit, wo wir sprechen: „llo-lmlimo snjo — wer hungrig ist, komme herein und esse mit?" Die Herzlichkeit des älteren Mannes, um den jüngeren zum Mitgehen zu vetanlassen, konnte nicht bezweifelt werden. Beide standen vor der Tür der bereits wieder in Dunkelheit gehüllten Synagoge, da der Abendgottesdienst längst vorüber war und die Andächtigen schon heimgeeilt waren, um in der Mitte ihrer Angehörigen das Fest feierlich einzuweihen. „Wir wollen nicht länger zögern," sprach Nechemja weiter; „Hagar, meine Frau, könnte sonst ängstlich werden." „Haltet mich nicht für mürrisch und unfreundlich," sagte der Fremde, „gerne möchte ich Eurer Einladung folgen, aber ich vermag es nicht; es verursacht mir große Pein, strahlende Gesichter um mich zu sehen und fröhliches Lachen mit anzuhören. Ich ziehe es vor, in der Wohnung der Wanderer zu weilen, wie ich doch selbst einer bin, wo man einander nicht kennt und nicht beachtet, wo ein trauriges Gesicht, ein bedrücktes Schweigen den Nachbar nicht bekümmert und niemand eine Erklärung verlangt." „Darüber seid nur ganz beruhigt," erwiderte Nechemja, „glaubet nicht, Ihr gehet in ein Hans, wo viele Menschen sind oder wo viel gelacht wird. Es ist ein gar einsames Häuschen, in welchem mein Weib und ich wohnen; und wenn Euer Herz von Sorgen beschwert ist, dann wird es mit unser« Empfindungen genau übereinstimmen. Aber wir wollen jetzt etwas schneller gehen; mein Haus ist das letzte in der Stadt, und — Ihr möget es bald erfahren — ich bin — der Totengräber." Und schweigend schritten beide Männer weiter. „Euer Aufenthalt in unserer Gegend fällt auch in keine besonders günstige Zeit," fing Nechemja wieder nach einer Weile an; „es sind Gerüchte verbreitet, die deutlich erkennen lassen, daß das Herz des Herrschers gar übel gesinnt ist gegen unser Volk, und sind auch schon vielfache Ausschreitungen und Mißhandlungen, nicht allzuweit von hier, gegen unsere Brüder vorgekommen. In Ramant wurden die Wohnungen ausgeraubt und geplündert; in Olmitzk haben sie sogar den Tempel angezündet, und in andern Städten Kinder und bettlägerige Frauen in finsterer Nacht auf die Straße geschleppt. Und das war noch nicht das Schlimmste —; ich will meinen Mund nicht besudeln, um diese Greueltaten auszusprechen. Möge Gott uns behüten, daß das Böse nicht auch noch unserer Tür nahekomme!" „Diese unmenschlichen Bluttaten, von denen Ihr sprechet, habe ich leider mit eigenen Augen ansehen müssen," erwiderte sein Begleiter. „Und wahrlich, niemals , in meinem Leben möchte ich solche Grausamkeiten nochmals mit ansehen wollen; doch," fuhr er weiter fort, „ich will auch am hiesigen Orte nicht lange verweilen. Selten kann ich lange an einer Stätte bleiben; mein Herz treibt mich hierhin und dorthin, so daß ich nirgends Ruhe finde. Und gar zu dieser Jahreszeit kommt diese Unruhe mit solcher Gewalt über mich, daß ich von einem Ende der Erde bis zum andern wandern möchte, um eine Heimat, einen Anverwandten zu finden, doch man findet solche nicht durch das Suchen. Es ruht dieses in Gottes Hand." „Ihr seid aber doch noch sehr jung, um schon alle Angehörigen verloren zu haben," sagte Nechemja teilnehmend'^" „Ich habe sie auch nicht verloren —; ich erinnere mich gar nicht, solche jemals besessen zu haben. Ich bin unter Fremden ausgewachsen. Aber," unterbrach er sich selbst; „was soll ich Euch da weiter erzählen? Euer Weib wird sicherlich ungehalten sein, daß Ihr einen Tischgenossen heimgebracht, der nur zu jammern und zu wehklagen versteht, noch dazu an einem Festtage, wo wir Gott in Fröhlichkeit dienen sollen." Nechemja gab keine Antwort; inzwischen waren sie außerhalb der Stadt angekommen, und er zeigte seinem Begleiter die hellglänzenden Fenster seines Hauses.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.