Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1903)
- Date
- 1903-03-20
- Page
- Seite 137 (sequence 7)
- Language
- German
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137 chdichters licht dein eirhauses 'edl und lellation: Vertrage , die eine die volle ohnhaften Leihe voll rung der ld Boderi mrter und j hervorumäniens ereinigten Vertrages zu fordern, üngnngeu ung von lden, von hig seien, erdulden, sich nach - Berliner bewegen, inen. i, wahrer kreise aus hte; aber ntens der ch immer Vaterland Zustand chen- und uldere für lädte der der aus in trostder ohne- Last und chste Zeit,!inen, als l Wandel Ministerld welche lrm die Vertrage "lllung zu in dieser Rinisterdet: Die iglis ch e it dahin Zchulen, dustrien!rstützen, zen und eichtern. r Unterdürfen, als im Gtiftsbriefe vorgesehen ist. Wir brauchen für die Kellner der einschlägigen Verhältnisse nicht erst hervorzuheben, von welcher Bedeutung diese Tatsache ist. Es erscheint außer Zweifel, daß das englische Parlament das Gesuch der «I. 0. bewilligen wird; dann erst wird die Gesellschaft in der Lage sein, für die Jndenheit Großes zu leisten. Das Manifest des russischen Zaren, das man als den Anfang einer Verfassung anzusehen geneigt ist, enthält einen Passus, der auch für uns sehr interessant ist, nämlich der über religiöse Toleranz. Der Beherrscher aller Reußen hat es für gut befunden: „Die unabweisbare Beobachtung der Toleranzgebote zu sichern, welche durch die Grundgesetze des russischen Reiches vorgezeichnet sind und die, die orthodoxe Kirche als die herrschende achtend, allen andersgläubigen Untertanen, den fremden Konfessionen Freiheit des Glaubens und Gottesdienstes nach anderem Ritus gewähren." Aber dieser Passus ist genau so unklar, wie das übrige Manifest. Der Zar will jeder Konfession Freiheit des Glaubens und des Gottesdienstes gewähren. Im großen und ganzen, von Ausnahmefällen abgesehen, wüßten wir nicht, daß in diesen Punkten, soweit die Weltreligionen in Betracht kommen, in Rußland gesündigt wird. Katholische und evangelische Kirchen, sowie jüdische Tempel sind, wo das Bedürfnis hierzu vorliegt, vorhanden, und die Kulte als solche sind im allgemeinen unbehelligt. Darum handelt es sich also nicht, sondern um Ausnahmebestimmungen und sonstige Chikanen, denen Andersgläubige unterworfen sind. Von einer Verbesserung der politischen Lage der Andersgläubigen, besonders der Juden, ist nicht die Rede. Treffend bemerkt die V. Z.: Wenn der Zar befohlen Hütte, daß die Ausnahmebestimmungen fallen sollen, welche zum Beispiel die Freizügigkeit der Juden beschränken und ihnen das Wohnen in gewissen Städten oder auf einem Gebiete untersagen, daß also niemand um seilles Glaubens willen von der weltlichen Macht belästigt werde, daun könnte man von einem Toleranzedikte sprechen. Allein die allgemeine Verschwommenheit, die den Erlaß kennzeichnet, erstreckt sich auch auf diesen wichtigen Punkt, so daß auch hierin eine Aenderung des bestehenden Zustandes kaum zu erwarten ist. Aus der Berliner Gemeinde. 8. B erl i n. 12. März. Ä^ie heutige Bestattung des vor wenigen Tagen dahingeschiedeneu ersten Vorstehers der hiesigen jüdischen Gemeinde, des Herrn Justizrats Siegmund Meyer, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkulldgebung. In der aufs würdigste geschmückten neuen Synagoge war der Sarg unter einer Fülle kostbarster Blumenpenden vor dem Altar aufgebahrt. Unzählig war die Schar derer, nie herbeigeströmt waren, die letzte Ehre dem Manne zu erweisen, der während eines langen Lebens in seltener Pflichttreue und opferwilliger Hingebung für die Gesamtheit gewirkt hat. Als Vertreter des Magistrats waren neben dem Oberbürgermeister Kirschner Syndikus Weise, mehrere Stadträte und Geheimer Regierungsrat Friedel erschienen; mit dem Stadtverordnetenvorsteher Dr. Langerhans waren fast sämtliche Mitglieder der Fraktion der Linken, deren-Vorsitzender der Verblichene gewesen, anwesend. Auch der Vorstand der Berliner Anwaltskammer war vertreten. Rabbiner Dr. Maybaum r,ielt die Gedächtnisrede. Der Redner erinnerte zu Beginn an den ^O. Geburtstag, den der Verklärte vor zwei Jahren unter glänzenden Ehrungen hatte feiern dürfen. Seitdem habe er aus Gesundheitsrücksichten seine Remter niederlegen müssen und von der Verwaltung getrennt gelebt. In der stillen Abgeschiedenheit seines Siechtums sei wohl oft der Gedanke in ihm ausgetaucht.- „Ich bin wie ein Toter aus den Herzen geschwunden." Und in der Tat. zwei Jahre gelten gar viel in unserer raschlebenden Zeit, besonders in unserer Stadt, in der der Strom des Lebens rascher dahinfließt. Da schließen sich gar bald die Lücken, denn neue Kräfte tauchen aus in stetem Wechsel, und an den Besten erfülle sich das Wort des Dichters: „Uns trägt die Welle, verschlingt die Welle und wir versinken." Dennoch wäre der Verklärte nicht vergessen worden, die Zeit habe sein Bild nicht verwischt sondern nur abgeklärt und geläutert, und diese Trauerversammlung sei ein lautredendes Zeugnis dafür. Unddurch diese ansehnliche Versammlung ziehe eine wehmütige Empfindung, wenn man sich vergegenwärtige, wie kraftvoll, vornehm und harmonisch sein Wirken stets gewesen, wie sein ganzes Leben ausgefüllt gewesen sei von dem Worte des weisen Predigers, das auch den Denkstein seines Vaters ziere : „Besser ist ein guter Name denn duftiges Oel." In den Wegen seines Vaters zu wandeln, der ebenfalls als Vorsteher unserer Gemeinde eine Verjüngung in Gotteshaus und Schule gebracht, sei sein eifrigstes Bestreben, das Werk seines Vaters sortzusühren und auszubauen, der größte Stolz seines Lebens gewesen. Mit dem jetzt Verblichenen habe sich die freisinnige Richtung innerhalb unserer Gemeinde befestigt. Sein Freisinn habe aber nicht zerstören, sondern nur anfbauen wollen, seine tiefe Pietät habe ihn geschützt vor der Gefahr, die religiösen Formen zu mißachten. Die glückliche Mischung pietätvoller Schonung der Vergangenheit und richtigen Verständnisses der Gegenwart sei unter seiner Leitung in unseren Gotteshäusern und im Schulwesen zum Ausdruck gelangt. Die Zeit seiner Führung bedeute die Periode unseres beständigen Wachstums, unseres Aufschwungs; so seien beispielsweise zwei Synagogen erbaut, sechs Religionsschulen eröffnet und auf allen Gebieten der Wohlfahrtspflege bedeutsame Fortschritte zu erkennen. Dr. Maybaum rühmte im weiteren Verlauf seiner Rede die sittlichen Vorzüge des Verstorbenen für sein schweres und verantwortungsvolles Amt, die schnelle Auffassung, die sachgemäße Darstellung, seine unermüdliche Arbeitssreudigkeit, die Wärme seiner Ueberzeugung, die harmonische Einheit und Abgeschlossenheit seines Wesens, und nicht zuletzt die bedeutende rednerische Begabung, die ihn zu einer Erscheinung gemacht, in der sich die größte und bedeutendste Gemeinde unseres Vaterlandes für alle Zeit würdig vertreten gesehen. Es habe sich an ihm das Schriftwort erfüllt: „Ich habe dich ausersehen und du hast Gunst gesunden in meinen Augen." Dieser Gottessegeu habe sich in seinem ganzen Leben ausgeprägt und sei erst recht in die Erscheinung getreten, wenn man ihn in seiner Familie betrachtete. Wie das Elternhaus ihm die Wurzel, so sei das Familienhaus ihm die Nährmutter gewesen. Aus dem Hause, in dem die edle Gattin ihm als treue Helferin zur Seite gestanden, in welchem die blühende Schar der Kinder und Schwiegerkinder sich um ihn als den Patriarchen versammelt, das Geschwistern. Verwandten, Freunden und Genossen eine Heimstätte edelster Gastfreundschaft gewesen, habe er Mut und Kraft geschöpft, seinen idealen Zielen nachzustreben. Die Erinnerung an den Heimgegangenen werde der Gattin den Lebensabend verklären, in den Kindern und Enkel" lindern fortleben und unserer Gemeinde zum Sporn und Antrieb werden in dem Streben, das Judentum als eine Kulturmacht wirksam zu erhalten, damit die reine Gotteserkenntnis wachse und schrankenlose Menschenliebe zum Heile werde der ganzen Menschheit. Das walte Gott! Nachdem der derzeitige Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Julius Jacoby, dem verstorbenen treuen Kollegen und Freunde ein letztes Lebewohl zugerusen, nahm Professor Geiger im Aufträge des Talmud-Thora-Vereins das Wort. Wir sind in der Lage, seine Rede hier im vollen Wortlaut bringen zu können: Im Namen des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes seien auch mir einige ehrende Worte für den Heimgegangenen gestattet. Wenn ich statt des Vorsitzenden unserer Kommission das Wort ergreife, so liegt das daran, daß ich als eines der ältesten Mitglieder berufener erschien, als jener, der erst seit kurzem unsere Geschäfte führt; wenn aber unter allen Verwaltungskommissionen, denen der Verstorbene augehörte, nur diese eine hier zu Worte kommt, so geschieht das darum, weil er gerade diese Wirksamkeit als eine seiner höchsten betrachtete. Und da ich das Wort ergreife, so mag auch das Persönliche Moment in den Vordergrund gestellt werden, daß der Dahingeschiedene nämlich einer derjenigen war, der sich vor mehr als 30 Jahren rast-