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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-03-13 · Heft 11 (13.3.1903) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 11 (13.3.1903)
Date
1903-03-13
Page
Seite 5 (sequence 19)
Language
German
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8 nur rühmen an diesem Mann vor allem, daß et einer der besten und neuesten Juden nicht nur in unserem engeren Vaterlande ist. — Der Kaiser hat dem Großindustriellen und Generalrat der Oesterreichischungarischen Bank, Bergrat Max Ritter v. Gutmann das Komlhurkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Auf Gutmann ist, nie erinnerlich, vor einigen Monaten in Selzthal ein Bombenattentat oerübt worden, bei dem er aber unversehrt blieb. — Die General Versammlung des Rabbinerverbandes in Böhmen fand unter - ^eger Beteiligung im Beisein eines landesfürstlichen Kommissärs in! Vrag statt. Nachdem der Präsident Dr. Kurrein-Teplitz den Präsidialj Bericht erstattet hatte, in welchem die Erfolge, die auf Grund des Einschreitens des Verbandes für die israelitischeil Neligionslehrer an >en Mittelschulen erreicht sind, mit lebhaftem Beifalle ausgenommen wurden, trat der Verband in den eigentlichen Gegenstand seiner Tagesordnung, die endgültige Festsetzung des Lehrplanes für die Ztaatsmittelschulen, ein. In zweitägiger, ernster Arbeit gewidmeter Zeratung wurde der Rahmen des Stoffes auf Grund aller bisher gesammelten Erfahrungen für jede Klasse besonders festgelegt und in engeres Komitee behufs endgiltiger Fixierung des detaillierten Dextes des nun von autoritativster Seite, von den Rabbinern selbst, vorliegenden Planes eingesetzt. Bei den Neuwahlen wurde das bisherige Präsidium wiedergewählt mit der Modifikation, daß an Stelle - es Dr. Ziegler, der eine Wiederwahl nicht annehmen wollte, Prof, tisch als Vizepräsident eintrat. — Rußland. --- Odessa, im Februar. Im März dieses Jahres sind es 40 Jahre, ^aß Herr Leon A. Trachtenberg Hierselbst Mitarbeiter unserer Zeitung st. Herr Trachtenberg begann seine literarischen Arbeiten bereits im Jahre 1862 durch Veröffentlichung einiger Aussätze im „Hameliz" in deutscher Sprache und zwar über die „Mendelssohnfeier" und über has „Stiftungsfest des jüdischen Vereins in Leipzig", wo er zuc Zeit weilte. Diesem folgte im selben Jahre im „Jüdischen Volksblatt" wn Ludwig Philippsoll „Jacob Eichenbaum", die Biographie des bekannten Dichters und Mathematikers, „Moses Mendelssohns Todteneier", „Ein Fest in Leipzig", wie die Biographie des großen Gelehrten Mac Beer Lewinsohn. In der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" begann unser Mitarbeiter im Jahre 1863 seine Wirkfnmkeit mit einem lussatze: „Die Bildung der Juden in Rußland" (Nr. 11 vom 0. März 1863.) — Der Jubilar ist 1840 in Odessa geboren. Sein Vater war der bekannte Hebraist Abraham Trachtenberg s. A., ein Schüler des bekannten Dr. Isaak Erter (siehe dessen Briefe von Karlsbad im Jahre 1850 an seinen Schüler in „UnLot'e l'bstb ^israel". lerausgegeben von Dr. Max Letteris. Wien 1854) in Brody, der 'lbst Mitarbeiter der „Biknre Haitim", des „Hamagid" und des Hameliz" war. Im elterlichen Hause verkehrte die Intelligenz Odessas, viele namhafte Gelehrte. Schriftsteller und Journalisten, wie Dr. Lilenthal, Direktor Bezalel Stern, Dr. Pinner, Professor Pinsker, Zottlober, Slonimskh, Redakteur Zederbaum, Zweifel, Eichenbaum, er Privatgelehrte M. V. Lichtenstedt. Dr. Schwabacher, Elias Finkel, -er Dichter Werbel, Isaak Horowitz, die beiden gelehrten Brüder Oandesberg, der karäische Gelehrte Abraham Firkowitsch und noch )iele andere hervorragende jüdische Persönlichkeiten der großen .ttssischen Handelsstadt. In jungen Jahren bezog Leon Trachtenberg as zweite Gymnasium seiner Vaterstadt und ging im Frühling des 'whres 1860, nicht einmal zwanzig Jahre alt, nach Leipzig, wo er mehrere Jahre zubrachte. Der Weg führte ihn über Breslau und >en Badeort Salzbrunn, wo damals seine Eltern weilten. Der Zufall vollte es. daß diese im selben Hause „Juliushof" mit Dr.Abraham Zeiger wohnten. Hier Ln Salzbrunn sah der Jüngling die damaligen großen Männer des Judentums, die verewigten: Seminardirektor Dr. Zacharias Frankel, den Historiker Professor Dr. Grätz und den Uebenswürdigen und bescheidenen Privatgelehrten Salomon Nissen ms Breslau. Hier war es auch, wo er die damals noch jungen siöglinge des Breslauer Seminars, den jetzigen Wiener Oberrabbiner Dr. Güdemann, den verewigten Perles und noch viele andere sah, die später als Rabbiner und Kanzelredner in verschiedenen Gauen Deutschlands wirkten. Von Salzbrunn ging es nach Pleiß-Athen, wo r Vorlesungen von Treitschke, Wilhelm Roscher, Roßmäßler, Bruhns, Heinrich Wuttke, Konsul Andree und anderen hervorragenden Männern hörte; er verkehrte oft irn Hanse des berühmten Orientalisten Professor Dr. Julius Fürst, des Dr. David Asher (der sein Lehrer der englischen > Sprache war), des Dr. Emanuel Samoß und noch anderer bekannter Männer. — Vier Jahrzehnte nahm er, wie gesagt, tätigsten Anteil am ältesten Organ des Judentums, was auch Dr. Kayserling veranlaßte, in seiner Biographie Ludwig Philippsons ihn als einen de^ Hauptmitarbeiter der Zeitung zu bezeichnen. Leon Trachtenberg schrieb auch in der „Odessaer Zeitung" und zwar über den Dichter Wilhelm Wolssohn, dann über andere Dinge, im „JVeslnik rus8kicb („Bote der russischen Juden") in Petersburg und in der „Oüesski.jn Xcnvost.v" („Odessaer Neuigkeiten) in russischer Sprache. Seinem Berufe nach Kaufmann, arbeitete er seit dem Jahre 1863 bis 1898 volle 35 Jahre. Vom Geschäfte zurückgezogen, widmete er sich bloß seiner Familie, der Literatur und den Gemeindeinteressen seiner Vaterstadt In der hiesigen jüdischen Gemeinde bekleidet er seit einer Reihe von Jahren die Stelle eines Mitgliedes der Revisionskommission des „Trnd", und seit einigen Jahren wirkt er als Mitglied des Kuratoriums des jüdischen Waisenhauses. Unter Verwaltung des Bürgermeisters Nowoselsky war er eine Reihe von Jahren einer der Vertreter der hiesigen jüdischen Gemeinde. Längere Zeit wirkte er als Mitglied, der historischen Kommission des hiesigen Lokalkomitees der „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Inden". Möge es dem verdienstvollen Manne noch lange vergönnt sein, der Sache des Judentums seine Kräfte weihen zu können! Von Nah und Fern. --- Graf Pü ckl er-Klein-Tschirne, der wegen Zerstörung einer Feldbahn zu sechs Wochen Gefängnis und wegen Herausforderung zum Zweikampf zu zwei Monaten Festungshaft verurteilt ist, hat ein Gnadengesuch an den Kaiser gerichtet, in dem er um Begnadigung oder aber um Umwandlung der Gefängnisstrafe in Festungshaft eventuell in eine Geldstrafe bittet. — Der Rentier Moritz Friedländer in Colberg hat den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — Ans dem Nachlasse der verstorbenen Baronin v. Cohn-Oppenheim ist der israelitischen Kultusgemeinde Dessau ein Vermächtnis von ungefähr 41/2 Millionen Mark zugesallen. — Die Nachrichten über das Befinden des in Neapel schwer erkrankten Barons Nathaniel Rothschild lauten beunruhigend. Der Professor der Chirurgie Gussenbaner ist in Neapel eingetroffen, es soll sich um die Amputation eines Armes handeln. Andererseits wird gemeldet, daß ein operativer Eingriff bisher nicht erfolgt sei und wahrscheinlich auch nicht erfolgen werde, da die Drüsenanschwellungen des Armes bereits bis zur Schulterhöhe vorgedrungen sind und man eine Amputation des Armes vornehmen müßte, die indes der stark abgemagerte Kranke kaum übersteheu würde. Professor Fritsch, der kürzlich in Neapel weilte, bezeichnet den Zustand Rothschilds als besser. — In Paris ist, 57 Jahre alt, der französische Komponist Albert Cahen d'An Vers gestorben. In Antwerpen geboren, begann er seine schöpferische Laufbahn 1874 mit einem biblischen Gedicht „Johannes der Täufer", das in den Colonne-Konzerten aufgeführt wurde. Von seinen weiteren Werken seien erwähnt: eine Oper „Der Venetianer" (Rouen, 1890), ein Ballet .»kVeni-s äe neiAes" (Brüssel. Theütre de la Monnaie) und ein „lyrisches Drama" I^omrne eie Clanäo", das vor einigen Jahren in der Pariser Oxwra Comiqne mit Beifall ausgenommen wurde. — Die ganze Familie des greisen Wächters des jüdischen Friedhofes von Tschasniki wurde von einem jungen Bauernburschen in später Nachtstunde überfallen und bestialisch ermordet. Die große Armut der Familie war allgemein bekannt, so daß der gräßliche Mord von acht Menschen gar keine Erklärung finden konnte. Der Banernbursche hat sich vor dem Morde nur geäußert, daß er „die Zahl der Juden in Tschasniki vermindern werde". — Aus Jerusalem berichtet man der „Köln. Volkszeitung" vom 23. Februar: „Seit vierzehn Tagen ist endlich das heilige Land wieder guararitänefrei. — Die Nachricht, die dem Gouverneur von Tanger aus Fez zugegangen, daß der Prätendent gefangen genommen sei, bestätigt sich leider zum Schrecken der dortigen Juden n i cht. — Der Londoner „Spectator" behauptet, daß die Rif f-Kabyle n diese berühmten Krjtger, die den Spaniern so viel zu schaffen machen, keine Mohammedaner, sondern Juden feiern -

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