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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-03-13 · Heft 11 (13.3.1903) · p. Seite 129

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 11 (13.3.1903)
Date
1903-03-13
Page
Seite 129 (sequence 11)
Language
German
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12S bgedrucktc» Gedankt gestalten m Lutwalnblume" - meistei - als Kleinste Jmmerhi rher^gehö. bertraaen,- ille Traun, mpfindun Löwenbeu, > Teil deungen ein. haben, d lnd es sind eichem und igwill und S es schein ußlands in instlerischci n Formen haben, sc ir verloren lieb ist nicht von Historist!, (man wird verkennen handelt e sätzen und rklärungt st, sonder hr um die viel Plan o mehr zu ratur gor )e jüdisän hätte uns so viel zu Freilic nerin behüten, eui nd Dichter ipa würoc men, nie uns, neue öhenkultur m zu viel erade ein heute von usstattung ruft. Da le Aufgal Kunst z» beurteilen. Es ist ja auch hier vieles geurehast und nur geistreich, vieles allzu pathetisch effektvoll, vor allem in der Kunst der osteuropäischen Juden. Aber da ist auch Antokolskys Spinoza, der junge Mensch, dem Denken und Lieben eines ist, da ist Max Liebermanns starke, klare Kunst neben der des tiefen Träumers Israels, da ist die Wehmut Pasternaks neben der geistreichen Portraitknnst Goldbergs-Leobschütz, da ist Levitans Romantik neben den abendlichen, stillschönen Landschaften Strucks, Lesser Urys Bilder, die den Duft, die Stimmung, die leise Klag« dieser Landschaften zur Größe steigert, ohne ihnen an Innerlichkeit zn nehmen---, aber es ist Verbrechen, in ein Paar Worten voll der Kunst einer Generation reden zu wollen, auch wenn es sich um blasse Reproduktionen handelt. Ich meinte auch nicht die Illustrationen, die ja im Grunde nicht Schmuck, sondern Inhalt des Jüdischen Almanachs sind, als ich von der Ausstattung sprach. Sondern ich dachte an Format, Papier, Typen, Buchdruck. Alles ist vornehm, ohne prunkvoll zu sein, gediegen, doch nicht steif, der Schmuck drängt sich nirgends hervor, er hebt die Wirkung durch leise Betonungen. Nur eines ist auszusetzen: das Jnhaltsverzeichniß am Schluß verfehlt durch seine Initialbuchstaben seineil Zweck, das Ausstichen der Aufsätze zu erleichtern. Die künstlerische Verantwortung trägt C. M. Lilien. Und inan mag über Liliens Kunst denken, wie mail will — einen Künstlerscherz, der als Stainmbuchblatt ganz geistreich ist, hätte er der Oeffentlichkeit lieber ersparen sollen —, man mag die hieratische Feierlichkeit feiner Gebärden lieben oder nicht, man mag seine Abhängigkeit von andern Vorbildern loben oder tadeln, — der Geist der Einheitlichkeit ruht in dem Aeußern dieses Buches, von Anfang bis zn Ende. Es dürfte wenig Bücher geben, zu diesem Preise, die zu lesen für Auge und Hand so genußreich ist. Und da das Buch einen Ueberblick über die jüdische Kunst der Gegenwart gestattet, da es uns einige gute Gedanken und die Bekanntschaft von drei oder vier wirklichen Dichtern vermittelt, so wollen wir den Jüdischen Almanach lesen — trotz alledem. VIUHON Gin Nachkomme spanischer Marannen. Ein Lebensbild aus der Gegenwart. Von Robert Jljisch, St. Petersburg. II. Die letzten Nachkommen spanischer Marannen. )n dem Gestade des herrlichen Vierwaldstättersees, in einem sich auf hohem Bergesrücken erhebenden, außerordentlich anmutig gelegenen Kurorte, an denen die helvetische Republik so überreich ist, war es, wo ich die hochinteressante Geschichte des Helden dieser wahrheitsgetreuen Erzählung kennen lernte und mit ihm Persönlich befreundet wurde. Auch in diesem idyllischen Orte war der Prozentsatz der semitischen Kurgäste ein sehr bedeutender. Da waren jüdische Finanziers aus Berlin und Frankfurt a. M., jüdische Industrielle aus den verschiedensten Gauen Deutschlands, auch aus Frankreich, England, Italien und Portugal. Es fehlten auch selbstverständlich nicht die Juden aus Rußland, Polen und Galizien; auch die unglückselige rumänische Judenschast war hier vertreten; es fehlte auch nicht an jüdischen Repräsentanten der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Ja, sogar Transvaal hatte einen Delegierten abgesandt in der Gestalt eines jüdischen Kaufmanns aus Johannesburg, der noch vor Ausbruch des Krieges in seine Heimatstadt Hamburg zurückgekehrt war. nachdem er sich in Südafrika ein recht bedeutendes Vermögen zusammengearbeitet hatte. Unter den mehreren hundert an dem obenerwähnten Schweizer Kurort weilenden Gästen fiel mir ganz besonders ein kleiner, etwa zehnjähriger Knabe auf. Nicht als ob sein Aeußeres etwas Besonderes, Hervorragendes oder Bestechendes gehabt hätte. Im Gegenteil war der kleine Bursche nicht weniger als hübsch. Ein dunkelgelber Teint verlieh dem unschönen Gesichte etwas Krankhaftes, die Nase war breit und die Lippen wulstig aufgeworfen. Nehmen Sie dazu ein krauses Wollhaar, und der Negertypus war beinahe fertig. Das Einzige, was arr diesem Kinde fesselte, waren die großen, dunklen, glühenden, Geist und Leben sprühenden Augen, welche die unregelmäßigen Gestchtszüge erleuchteten, verklärten, verschönten, durchgeisteten. Der Knabe trug eine grüne Joppe, kurze Höschen, welche die drallen Waden nackt ließen und einen Kalabreserhut. Was zuerst meine Aufmerksamkeit auf das Kind lenkte, war seine außerordentliche Sprachgewandtheit, seine geradezu verblüffenden linguistischen Kenntnisse. Er repräsentierte die Persönlichkeit eines Mezzosanti en mimriture. Wie ich mehrfach zu beobachten Gelegenheit hatte, sprach das fußhohe Bürschlein mit einer geradezu erstaunlichen Geläufigkeit und Reinheit Französisch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch, letztere Sprache freilich mit einem unverkennbar fremdländischen Accent und nicht ganz korrekter, etwas zu gesuchter Satzbildung, aber trotzdem fließend, wie alle andern, oben hergezählten Idiome. Der Junge interessierte mich außerordentlich, schon wegen einer wunderbaren linguistischen Vielseitigkeit, jedoch noch mehr, als ich ihn eine Partie Schach spielen sah, wobei er eine ganz ungewöhnliche (für ein Kind in so zartem Alter geradezu verblüffende) Kenntnis dieses edelsten aller Spiele bekundete. Sein Partner hatte es nicht leicht mit ihm. Der Kleine ging geradezu mit einer bewunderungswerten Sicherheit vor, bekundete ein strategisches Talent, welches das Erstaunen der zahlreichen Zuschauer erregte, welche einen dichten Kreis um die Spielenden bildeten. Bei komplizierten Zügen faltete sich die Kinderstirn sorgenvoll, nachdenklich, glättete sich jedoch freudig wieder, wenn nach langem Nachdenken ihm eine gute Idee gekommen war und er entschlossen einen kühnen Zug tat, der seinein Gegner oft überraschend kam und den umstehenden Kennern des Spiels imwillkürlich Ausrufe der Bewunderung entlockten. Besonders interessierte sich an diesem Wettkampf ein hochstehender italienischer Offizier, der in dem Feldzuge gegen den Negus Menelik von Abessynien gerade keine Lorbeeren eingeheiinst, und der unverkennbar im Geheimen den kleinen Schachspieler um seine kaltblütige Besonnenheit, Geistesgegenwart, die sich durch nichts verblüffen ließ, sein Feldherrntalent, mit welchem er seine Truppen auf dem kleinen Kampfplatz avancieren ließ und Gefangene über Gefangene machte, und seine unerschrockene Schlagfertigkeit beneidete.

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