Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1903)
- Date
- 1903-03-06
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 jüdische Wissenschaft rc. echt jüdischen Geist iu den Herzen unserer Kinder wach zu rufen und zu erhalten! Aus den bescheidensten Verhältnissen heraus hat sich dieser Verein unter der bewährten Leitung der Vorsitzenden Frau Bernstein während des einen Jahres seines Bestehens zu einer solchen Höhe emporgeschwungen, daß ihm jetzt von allen Seiten die vollste Beachtung gezollt wird. Es sei zweifellos, daß bei ferneren! derartigen Fortschreiten der Frauenverein „Hanna" bald eine führende Stelle im Berliner Vereinsleben einnehmen werde. Nach diesem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage schloß der erste Teil des Festprogramms, dem sich als zweiter Teil eine Kaffeepause — während welcher humoristische Vorträge und Ansprachen abwechselten — und später ein bis an den andern Morgen dauerndes Tanzkränzchen anschloß. — Berlin, 1. März. Wie uns mitgeteilt wird, sollen im Südwester! Berlins einige Männer zusammengetreten sein, welche die Einrichtung eines ständigen Gottesdienstes und zwar genau nach dem Ritus der Gemeinde „Adaß Jisroel" anstreben, und zwar in der Gegend zwischen Spittelmarkt und Halleschem resp. Potsdamer Tor mit eigener Religionsschule. Da schon jetzt etliche Zusagen zum Beitritt vorliegen, so soll demnächst durch Zirkulare eine Einladung zur Besprechung über die Beschaffung der Mittel, sowie zur konstituierenden Versammlung an die in genanntem Viertel und Umgegend wohnenden Mitglieder der Jüdischen Gemeinde ergehen. Es ist nicht beabsichtigt, eine neue Gemeinde mit eigenen Korporationsrechten anzustreben, sondern dieselbe soll in Abhängigkeit von der großen Gemeinde bleiben. 8. Nordhaitsen, 27. Februar. Einen fast unersetzlichen Verlust erlitt die hiesige Gemeinde durch den am 3. d. M. im 82. Lebensjahre erfolgten Tod der Frau Friederike Frenkel, der Schwester des im vorigen Jahre zu Nizza verstorbenen Philantropen Jacob Plaut. Die Kunde von dem Ableben dieser so seltenen und eigenartigen Frau rief in der gesamten Bürgerschaft lebhafte Teilnahme hervor. War es doch allgemein bekannt, daß Frau Frenkel Wohltätigkeit in großem Matze zu üben Pflegte. Im vergangenen Jahre überwies sie noch zum Andenken ihres verstorbenen Bruders der Stadt und der Synagogengemeinde je 10000 Mark für Armenunterstützung. In der am Sterbetage stattgehabten Sitzung der städtischen Armendeputation widmete der Vorsitzende, Bürgermeister Becker, auch der Frau Frenkel einen ehrenden Nachruf. Noch am selben Tage übergaben die Angehörigen der Verstorbenen der städtischen Armenverwaltung 1000 Mark mit der Bestimmung. 20 bedürftigen Familien am Beisetzungstage je 50 Mark als Unterstützung zu gewähren. Auch dem Vorstand der Synagogengemeinde wurde ein größerer Betrag zur Verteilung übergeben. In einer Vorstandssitzung, in welcher hiervon Mitteilung gemacht wurde, gedachte gleichfalls der Vorsitzende, Herr A. Eisner, in warmen Worten der edlen Heimgegangenen. Außerdem übermittelten die Hinterbliebenen der hiesigen Stadt 100 000 Mark mit der Bestimmung, eine Stiftung zum Andenken an Bankier Frenkel und Frau hiervon zu errichten. Die Zinsen dieser Stiftung sollen zur Hälfte der Plaut-Stiftung, zur anderen Halste armen bedürftigen Personen jüdischer und christlicher Religion zufallen. — Der verblichenen Frau waren auch außer dem Wohltätigkeitssinn schöne menschliche Eigenschaften eigen. Frau Friederike Frenkel hatte einen durchdringenden Verstand und einen scharfen Blick für die Realitäten des Lebens, sowie einen regen Sinn für das geistige und öffentliche Leben. Die Teilnahme an der Beerdigung war dementsprechend eine allgemeine; viele Freunde und Verwandte von außerhalb, die Spitzen der Behörden und eine große Bürgerschaft nahmen an dem Trauerzuge teil. Das Andenken an die vortreffliche Frau wird stets ein gesegnetes sein. Ems, 27. Februar. Die Verwaltung des seit bereits fünf Jahren am hiesigen Orte segensreich wirkenden Zentral-Waisen- und Mädchenheims versendet soeben den Jahresbericht für die Zeit vom 1. Oktober 1901 bis 30. September 1902. Wie aus demselben zu ersehen ist, betrug zu Ende des Berichtsjahres die Zahl der Zöglinge 32. Den Elementarunterricht empfingen die Zöglinge bis auf eine, die auf Kosten der Gemeinde in Halle die höhere Töchterschule besucht, in der städtischen Volksschule, woselbst sie zu den besten Schülerinnen gehören. Die Einnahmen und Ausgaben der Anstalt bilanzieren mit nur 71 743,51 Mark. Obwohl in den Einnahmen ein Rückgang zu verzeichnen ist, so sieht die Verwaltung sich doch in die dringende Notwendigkeitversetzt, einen Umbau oder gar NeubauderAnstaltvorzunehmen, da die Behörde bei der Revision der Anstalt die Räume für 32 Zöglinge nicht ausreichend befunden und einen Umbau vorzunehmen, den Vorstand aufgefordert hat. Nach eingehendste!! Beratungen hat der Vorstand jedoch beschlossen, von einem Umbau, da er verhältnismäßig zu kostspielig und unpraktisch, abzusehen, und einen Neubau in der Mitte des Gartengrundstückes aufzuführen, um so ein seinen Zwecken dienliches Gebäude zur Aufnahme von 50 Zöglingen zu erhalten. Das geht natürlich nicht ohne die wirksame Unterstützung aller Gönner und Freunde der Anstalt. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. Aronsohn, praktischer Arzt, Ems-Nizza, erster Vorsitzeuder; Dr. Horovitz, Rabbiner. Frankfurt a. M., erster stellvertretender Vorsitzender; Joseph Kirchberger, Buchhändler, Ems, zweiter stellvertretender Vorsitzender; Dr. Weingarten, Bezirksrabbiner, Ems, Schriftführer; Heinrich Königsberger, Kaufmann. Ems, Kassierer; Ed. Feist, i. H. Beer, Sondheimer L Co., Frankfurt a. M.. Schatzmeister; D. Cohn, Distriktsrabbiner, Jchenhausen; Max Ettinghausen, Höchst a. M.; Heinrich Fränkel jr., Kaufmann, Berlin; Sally Goldschmiot, i. F. Goldschmidt L Co., Frankfurt a. M. : Louis Grumach, i. F. Gebr. Grumach, Berlin; Benno Kobmann, Fabrikant, Köln; Dr. Landau, Bezirksrabbiner, Weilburg; G. Pinoff, Kaufmann, Görlitz; Leonhard Tietz, Kaufmann, Köln. Ehrenmitglied des Vereins ist Herr Alphons Jacobson in Leipzig. — Nürnberg, 1. März. In der Angelegenheit der Entfernung zweier jüdischer Lehrkräfte aus der hiesigen Simultanvolksschule ist man jetzt auf Seiten der Regierung, da man dem Verlangen nach Aufrechterhaltung des christlichen Charakters der Volksschule entsprechen will, anderseits doch nicht die beiden Lehrkräfte in- Ruhestand versetzen kann, zu dem Vermittlungsvorschlage gekommen, die beiden Lehrkräfte an städtische Mittelschulen zu versetzen. Nun stehen die seminaristisch gebildeten Lehrkräfte der städtischen Mittelschulen au Rang und Gehalt denen an der Volksschule gleich, aber man betrachtet doch die Versetzung eines Volksschullehrers an eine städtische Mittelschule als eine Art Beförderung, da -- um nur einen Punkt anzuführen — die großen Ferien an den Mittelschulen 14 Tage länger währen als bei der Volksschule. Die Mitglieder der städtischen Kollegien sehen aber in der Angelegenheit eine Prinzipienfrage und wollen durchaus keinen Grund anerkennen, jetzt eine Versetzung der beiden jüdischen Lehrkräfte vorzunehmen, da durch deren Lehrtätigkeit an einer Simultan-Volksschule, wo der Religionsunterricht durch Geistliche erteilt wird, den religiösen Gefühlen der Kinder kein Eintrag geschieht. —In verschiedenen Blättern wurde berichtet, daß derKuppel, die vor 30 Jahren an der Nürnberger Synagoge vom Stadtbaurat Wolfs errichtet wurde, die Gefahr eines Einsturzes drohe, und daß man sich zur Abtragung der alten und zu dem Bau einer neuen Kuppel entschließen müsse. Das ist unrichtig. Auf höhere baubehördliche Anordnung mutzte die Untersuchung der Kuppel sämtlicher Bethäuser stattfinden, wobei sich herausstellte, baß die Kuppel der hiesigen katholischen Elisabethkir che und der Synagoge, dem unteren Bau entsprechend, zu schwer seien und durch neue, leichtere, ersetzt werden müßten. Eine technische Kommission, worunter sich auch Herr Regierungsbaumeister Wallersteiner, ein Israelit, befand, wurde mit nochmaliger Untersuchung betraut, und nachdem letzterer die Notwendigkeit der Aenderung als unerläßlich erklärte, mußte sich die hiesige Gemeinde zu diesem langwierigen und kostspieligen Werk entschließen. Dieselbe Arbeit wurde auch an der Elisabethkirche vorgenommen und beendet. ----- München, 1. März. Die israelitische Kultusgemeinde macht wie in den Vorjahren auch diesmal auf die dahier bestehende Hermann und Jettchen Müllersche allgemeine Wohltätigkeitsstiftung aufmerksam. Aufgabe der Stiftung ist: a) die Förderung und Unterstützung von Einrichtungen und Veranstaltungen für Erziehungs-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke sowie sonstiger gemeinnütziger Zwecke innerhalb des Judentums; b) die Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Glaubensgenossen jedoch nur, sofern die Gewährung im mittelbaren oder unmittelbaren Interesse des gesamten Judentums ist. Andere Unterstützungsgesuche können nach dem Stiftungsstatute keine Berücksichtigung finden; e) die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden. Die Vorbescheidung der Gesuche, welche bis spätestens Freitag den 27. März l. I. an die Kultusverwaltung einzureichen sind, geschieht ohne Rücksicht auf Ort und Land der Petenten. r. Heidelberg, 26. Februar. Unter sehr zahlreicher Beteiligung von Nah und Fern wurde am vergangenen Sonntag ein Mann zu