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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-03-06 · Heft 10 (6.3.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 10 (6.3.1903)
Date
1903-03-06
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 haben. Längere Zeit beanspruchte die Aenderung der Statuten, wodurch eine lebhafte und anregende Diskussion herrorgerufen wurde. Die Versammlung genehmigte gerne die Vorschläge des Vorstandes, durch welche derselbe namentlich bei Wöchnerinnen in der Lage sein wird, schneller und kräftiger seine Hilfe zu gewähren. Das Spendenverzeichnis weist 543 Mark auf — leider viel zu wenig für die großen Ziele dieses Humanitären Vereins, der die regste Unterstützung aller Wohltäter verdient. Der Vorstand besteht aus folgenden Damen und Herren: Frau Fanny Arndt, stellvertretende Vorsitzende; Frau Sophie Grätz, stellvertretende Schriftführerin; Frau Clara Jordan, stellvertretender Nendant; Frau Sophie Alterthum, Frau Flora Baumann, Frau Dr. Blumenthal, Frau Valesca Bodläufer, Frau^Dr. Brasch, Frau Dr. Eschelbacher, Frau Henriette Feldmann, Frau Johanna Hirschlaff, Frau Clementine Kayser, Frau Dr. Anna Karpeles, Frau Henriette Lehfeldt, Frau Recha Levy, Frau Tony Lichtenstein, Frau Henriette May, Frau Henriette Mielziner, Frau Marta Neumann. Frau Hedwig Noah, Frau Professor Dr. Philippson, Frau Bianca Schayer. Frau Bertha Strauß, Frau Dr. Elise Weiße, Frau Doris Wiener, I. Weinberg, Vorsitzender; Martin Fernbach, Schriftführer; Felix Frankfurther. Rendant. 2. Berlin, 1. März. Ein schönes Fest beging der „ Akade mische Verein für jüdische Geschichte und Literatur" an der Universität Berlin in den Tagen vom 23. bis 26. v. M.; es galt dem zwanzigjährigen Bestehen. Eingeleitet durch einen Begrüßungsabend für die auswärtigen „Alten Herren" und Aktiven im Vereinslokal. auf dem a. H. Zahnarzt Lipschitz ein Bild aus der Vereinsgeschichte der ersten beiden Jahrzehnte entwarf und die Mitglieder anfeuerte, treu zu den hehren Idealen des Vereins zu halten, sie stärken und seine Anhänger mehren zu helfen, erreichte das Fest seinen Höhepunkt in dem Kommerse, welcher am 24. v. M. etwa 500 Personen, darunter viele Damen, in Dräsels Festsälen vereinigte. Die Tafel der Ehrengäste war diesmal besonders reich besetzt. Von der Berliner Universität waren erschienen die Herren Professoren Barth, Geiger und Strack; außerdem waren anwesend Herr- Professor Dr. M. Philippson, Ehrenmitglied des Vereins, zahlreiche Vertreter akademisch-wissenschaftlicher Vereine. Von den auswärtigen „Alten Herren" waren mehrere erschienen, die Berliner a. H. a. H. waren fast vollzählig zur Stelle. Viele von Auswärtigen eingelaufene Telegramme zeigten von der treuen Anhänglichkeit der meisten ehemaligen Mitglieder. Nach dem Kaisersalamander und der Begrüßungsrede des derzeitigen Vorsitzenden stuä. pliit. Schemel, in welcher die Ziele des Vereins, Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur, frei von jedem religiösen oder politischen Moment, unter den.Studirenden aller Fakultäten hiesiger alma umter zu verbreiten, klargelegt wurden, und nachdem stuä. plüü Goldmann insbesondere die Ehrengäste herzlich begrüßt hatte, ergriff Herr Professor Dr. S1 rack das Wort zu einer bemerkenswerten Ansprache, in der er u. a. ausführte: „Es gibt gegenwärtig wohl auderthalbhundert Vereine fürjüdische Geschichte und Literatur, sie schaffen manches Gute, verbreiten gewisse Kenntnisse und wirken gewissen Vorurteilen entgegen; was aber zu einem endgültigen Siege der Wahrheit erforderlich ist, ein wissenschaftliches Erkennen, dazu gehört ein akademisches Studium. Wenige Literaturen sind in wissenschaftlicher Hinsicht so vernachlässigt worden, wie die jüdische; man kann sagen, vom wissenschaftlichen Standpunkte aus ist es eine Schande, daß, obwohl uralte Erzeugnisse in dieser Literatur liegen, von den meisten Literaturerzeuguissen noch keine, den wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Ausgabe vorliegt, weder vom Talmud, noch vom Midrasch, noch von den Erzeugnissen der synagogalen Literatur. Sie liegen nicht in Ausgaben vor, wie wir sie von lateinischen und griechischen Schriftstellern haben. So lange es keine guten Ausgaben der Literaturerzeugnisse gibt, ist ein wissenschaftliches Studium der Literaturgeschichte unmöglich. Jeden Gegenstand,, den man ernstlich erforscht, gewinnt man lieb. Das Liebgewiunen eines Gegenstandes trägt aber auch dazu bei, daß man wissenschaftlich objektiv auch über andere urteilen lernt. So wird die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Literatur in den Vereinsmitgliedern Liebe erwecken für die eigene Geschichte und Literatur, aber auch Verständnis dafür. Milde und Gerechtigkeit zu üben gegenüber anderen Anschauungen und Gepflogenheiten. Aus dem Kaiserhoch habe ich ersehen, daß Sie, obwohl Sie die eigene Geschichte Hochhalten, auch persönlich gute Deutsche bleiben wollen. Je mehr Sie sich bemühen, gute Deutsche zu sein, zu werden und zu bleiben, um so mehr werden Sie dazu beitragen, daß in nuferem Vaterlande der leider vielfach gestörte Friede zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften wieder hergestellt werde. Pflegen Sie treu Ihre Geschichte und Literatur, aus der andere aucl vieles lernen können, halten Sie aber auch fest die Liebe zum deutschen Vaterlande, welches für Sie und uns von großer Bedeutung ist." Nachdem stuä. matb. Paradies die Verdienste der „Alten Herren" und ins besondere der Gründer gewürdigt hatte, brachte Professor Dr. G ei g er indem er in sinniger Weise die grün-weiß-roten Farben des Vereins deutete, ein Hoch auf den Verein aus. Ihm folgte als Vertreter der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Dozent Dr. Elbogen. Er hob die guten Beziehungen hervor, die der Verein seit seine Gründung zur Lehranstalt unterhält. Der Verein hat erreicht, wcn die Wissenschaft des Judentums immer noch erstrebt, den Zusammen Hang mit der Universität, und hat dadurch in die weiten Kreise de' studierenden Jugend Kunde tragen können von den Ergebnissen der Forschung auf dem Gebietß der jüdischen Geschichte und Literatur. E( ist dem Verein auch leichter gegeben, für dieses Studium junge Kräfte zu gewinnen, als der vom Katheder vorgetragenen Wissenschaft. Dü Geschichte der Juden hat sich in allen Ländern der Erde abgespielt und die wissenschaftliche Forschung muß für ihre Darlegungen Quellenschriften in allen Sprachen zu Rate ziehen, durch deren Schwierigkeit und Fremdartigkeit sie den Laien abstößt, während im Rahmen des Vereins an den Resultaten der Forschungen Geschmack und Gefallen erweckt werden kann. Die jüdische Literatur wiederum ist geradezu encyklopädisch und bietet, da alle Fächer in ihr vertreten sind, nächst den sprachlichen auch sachliche Schwierigkeiten. Gerade in einem Verein, in dem alle Fakultäten und Fachkenntnisse aus allen Gebieten vertreten sind, muß ein solches Studium gedeihliche Früchte tragen. Redner begrüßt darum den Verein als Mitarbeiter der jüdischen Wissenschaft und trinkt auf das Wohl der Jugend. Hierauf brachte Rektor Dr. Gutmann im Namen der „Alten Herren" dem Verein zu seinem zwanzigjährigen Bestehen die herzlichsten Glückwünsche dar und dankte allen Aktiven dafür, daß sie die Prinzipien der A. I. G. V. allzeit hochgehalten haben. Nachdem noch a. H. Dr. Cohen humorvoll auf die Damen getoastet und die Herren Professor Blaschke und Rechtsanwalt Knopf ihre Freude über die Existenz des Vereins zum Ausdruck gebracht hatten, eines Vereins, der so hohen Idealen nachstrebe, endete der offizielle Teil mit einer Mimik, verfaßt voll den a. H. Apotheker Nathan und Zahnarzt Dall mann. — Ein von etwa 200 Personen besuchter Ball vereinigte viele Teilnehmer des Kommerses am 26. v. M. in der „Schlaraffia" und bildete einen würdigen Abschluß der Festlichkeiten. Möge es dem Verein beschießen sein, auch in den kommenden Jahrzehnten ein Hort der freien, voraussetzungslosen Forschung auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums zu sein. — Berlin, 1. März. Am 24. v. M. feierten die Vereine Jüdischer Studenten zu Berlin und Charlottenburg ihr diesjähriges Winterfest, bestehend aus einem Kommers mit nachfolgenden! Ball, in den Gesamträumen der Ressource zur Unterhaltung, Oranienburgerstraße. Ueber 500 Personen hatten sich eingefunden. Unter den Erschienenen konnte der Verein zu seiner großen Freude viele Ehrengäste begrüßen, unter ihnen Vertreter der B'ne Brith-Logen, der freien Verbindung „Hasmonaea", des Turnvereins „Bar Kochba" und vieler anderer Vereinigungen, sowie mehrere Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde. Der Kommers, der sehr angeregt verlief und der! Anwesenden mannigfache Abwechselung bot, fand durch eine wohl gelungene Mimik seinen Abschluß. Ein fröhlicher Ball hielt die Teilnehmer bis zum kommenden Morgen in heiterster Stimmung zusammen. n. Berlin, 2. März. Das Stiftungsfest der Frauen- Vereinigung „Hanna" wurde in Dräsels Festsälen gefeiert. Den! Feste wurde durch überraschende Arrangements sowie durch stimmungsvolle musikalische und gesangliche Akte, von denen besondere die Leistungen der Fräulein Albu und Fanny Neustadt sowie die dei Herren Kantor Neustadt und des Violinvirtuosen Rosenthal hervorzuheben sind, die rechte Weihe gegeben. Nachdem die Vorsitzende Frau Jda Bernstein die Anwesenden begrüßt hatte, nahm der Mitbegründer des Vereins Herr Emil Bernstein das Wort zu einer Festrede, in der er auf die idealen.Bestrebungen des Vereins Hinweis, die dahinzielen, nicht nur allein eine Hilfsquelle für arme jüdische, unschuldig ins Elend geratene Familien zu sein, sondern auch durch Vorträge über

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