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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-03-06 · Heft 10 (6.3.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 10 (6.3.1903)
Date
1903-03-06
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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67. Jahrgang. Nr. 10. Gerlin. 6. Mär? 1903 'Ueikage zur „Aklgemeinen Zeitung öes Zuöenthums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 1. März. Nutze und Friede scheint vorübergehend wieder in die Räume des Reprä sen tanten-Kollegiums zurückgekehrt zu sein, dessen Mitglieder die gestrige Tagesordnung in kaum einstündiger. monotoner Sitzung erledigten. Debattelos wurde ein Legat der Frau Kommerzienrat Adolfiue Simon geb. Heilborn genehmigt, welche 20 000 Mark letztwilligEüt der Bestimmung vermacht hat, die Zinsen an Arme, im wesentlichen an verschämte Arme der hiesigen Gemeinde zur Verteilung zu bringen. — Die Abrechnung über die Vermietung der Stände in der alten Synagoge, neuen Synagoge. Synagoge Kaiserstraße und Lindeustraße hat wlgendes Ergebnis festgestellt: die alte Synagoge hat 12 032 Mark vereinnahmt. Freiplätze waren 77 im Betrage von 2030 Mark nicht vermietet 14 im Betrage von 393 Mark; die neue Synagoge hatte an Einnahmen 27 453 Mark. 35 Freiplätze im Betrage von 841 Mark, alle Plätze waren besetzt; die Synagoge Kaiserstratze erzielte 16 844 Mark, Freiplätze 14 im Betrage von 220 Mark, nicht vermietet 5 Plätze im Betrage von 90 Mark; bei der Synagoge Lindeustratze sind — als höchste Einnahme seit Bestehen der Synagoge — 39 247 Mark eingegangen, Freiplätze waren 50 im Betrage von 2210 Mark, 4 Plätze im Betrage von 225 Mark waren nicht vermietet. — Ueber den Einspruch des Herrn Redakteurs Klausner gegen die letzthin vorgenommenen Ergänz» ugs wählen zum Gemeindevorstand referierte Rechtsanwalt Dr. Cohn. Der Einspruch bestreitet die Gültigkeit der Wahlen, weil der Turnus entgegen dem Statut nicht inuegehalteu worden sei. Es sind diesmal 4 Gemeindevorsteher und 2 Stellvertreter gewählt worden, während 3 Vorsteher und 3 Stellvertreter hätten gewählt werden müssen. Die Begründung des Protestes stützt sich darauf, das; die Stellvertreter, selbst wenn sie für ein ausgeschiedenes Mitglied definitiv einberufen werden, doch immer Stellvertreter bleiben. Der Ausschuß hat sich eingehend mit dem Protest beschäftigt; er läßt es vollständig dahingestellt, welche Meinung die richtige ist, und ist der Ansicht, daß die Repräsentantenversammlung nicht befugt ist, den Einspruch gegen die Wahl zum Gegenstände einer Besprechung zu machen, weil diese Wahl von der Aufsichtsbehörde bestätigt worden ist. Der Ausschuß empfiehlt deshalb, über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen. Herr Berlin beruft sich darauf, daß er. als die Wahlen in Frage standen, den diesmaligen Modus bereits als statutenwidrig angefochten und nur deshalb weitere Schritte unterlassen habe, weil er in der Kommission unter 21 Mitgliedern mit seiner Meinung vereinzelt geblieben sei. Zum Beweise, daß seine Ansicht sich nicht gewandelt, beantragt er, dem Proteste Folge zu geben und eine Neuwahl vorzunehmen. Doch die Versammlung nahm mit allen gegen eine Stimme den Aulrag aus Uebergang zur Tagesordnung an. — Die Erhöhung des Gemeindezuschusses an das Krankenhaus von 61480 Mark auf 6 208 Mark wurde ohne Diskussion angenommen. — Die beantragte Wiederwahl der aus den Herren Kommerzienrat Friedländer, Sieskind, Isidor Sachs und Aron Hirsch bestehenden Kommission zur Revision der Kassen und des Depositorii wird genehmigt; ebenso erklärt sich die Versammlung mit der Wiederwahl der Vorstände der alten Synagoge, Synagoge Kaiserstr. und Lindenstraße einverstanden. In das Kuratorium des Waisenhauses wird wiederum Herr Adolph Mayer delegiert, nachdem sich auf Grund der von Herrn Martin Simon gegebenen Erklärung, die Versammlung nicht dem Votum des Ausschusses hat anschließen können, welcher die Wiederwahl als unzulässig bezeichnet hatte. Die Neuwahl des Kuratoriums der Ephraim-Stiftung wurde in Ermangelung einer neuen Vorlage des Gemeindevorstandes vertagt, die Neilwahl der Kommission für die baulichen Angelegenheiten in die geheime Sitzung verlegt. Auf der Tagesordnung der letzteren steht die Einsetzung einer gemischten Kommission zum Entwurf eines Programms für den Bau eines neuen Krankenhauses. L2 Berlin, 27. Februar. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 25. d. M. Herr Privatdozent Dr. Josef Horovitz einen interessanten Vortrag über die Juden in Arabien. Der Redner schilderte zuerst die Schicksale der Juden in Südarabien, wo in den ersten sechs Jahrhunderten nach unserer Zeitrechnung die himjaritischen Kölligreiche unter jüdischer Herrschaft geblüht haben. Ueber diese Zeit haben drei jüdische Gelehrte Halevy, Glaser und Müller in den letzten Jahren Licht verbreitet. Dann ging der Redner zu den Schicksalen der Juden in Nordarabien unter Mnhammed über, die er in fesselnder Weise darzustellen wußte. Der Religionsstister voll Mekka und Medina und sein Verhältnis zu den Juden Arabiens, sein Krieg mit den Juden von Chaibar, das kleine Heldenepos von Sabier ibn Bata. dem Märtyrer, und von Sadia, der mllhammedanischen Judith, alle diese und viele andere Bilder zogen im Nahmen der Geschichte der Juden Arabiens bis zu ihrer Auswanderung an den Hörern in bunter Fülle vorüber. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Königsberg i. Pr. sprach Kantor Wolf über „Die Bedeutung Sulzers und Lewandowskis für die Synagogenmusik", in Myslowitz Dr. Brauns chw eig er-Kattowitz über „Jehnda Halevy", in Forst i. L. Frl. Dr. Sa mter über „Biblische Stoffe ill der Literatur", in Magdeburg Dr. Le imd ö rfe r-Hamburg über „Sokrates' Philosophie lind Salomos Weisheit", in Bremen Dr. Manheimer-Oldenburg über „Erziehung. Bildung, Charakter einst und jetzt", in Lippstadt Lehrer Abt-Geseke über „Glückt von Hameln", in Dortmund sprachen bisher: Dr. Arthur Kahn- Bonn über „Die jüdische Frau", Dr. G olds ch rnid t-Offenbart) über „Moses, Zarathustra, Nietzsche", Prediger Plaut-Detmold über „Kampf gegen Aberglauben eine Pflicht des Judentums", Dr. Ackermann-Brandenburg über „Judentum und Christentum", Leo Erichsen-Breslau über „Palästina und Aegypten", in Köln Dr. Heinemann-Frankfurt über „Uriel Acosta", Herr Moritz Levy jnn. über Manasse b. Israel, in Oberstein Lehrer Lasker über „Gabriel Riesser", in Hoppstetten Lehrer Ep ste ill über „Baron voll Goertz, ein Kämpfer für die Emanzipation der Juden", in Neuwied, Trier, Metz, Aachen. Bonn, Homburg, Hanau, Frankfurt sprach Dr. Adolf Brüll über „Die assyriologisch-babylonischen Entdeckungen und die Bibel", in Frankfurt a. M. Dr. P orges-Leipzig über „Die Verhältnisse der Juden in Frankreich im 13. Jahrhundert", Dr. Doktor-Bruchsal über „Die Juden in Amsterdam zur Zeit Rembrandts"; in Mannheim sprachen: Dr. Mannheimer-Oldenburg über „Kultur und Judentum", Dav id-Tri et sch-Berlin über „Das heutige Palästina", Dr. Heinemann-Franksurt über „Die Dichter der Festgebete".BertholdFeiwel- Zürich über „Jüdische Renaissance". Neue Literaturvereine wurden, wie bereits gemeldet, in KattoWitz und Alzey begründet; in Kattowitz wurden in den Vorstand gewählt: Dr. med. Glogauer, Rabbinatsassessor Dr. B raunschw eiger, Rabbiner Dr. Cohn, Dr. Ehrenfried, Dr. Rothenstein und die Herren Wilner und Brauer. Berlin, 27. Februar. Der seit vielen Jahren hier wahrhaft gedeihlich wirkende Israelitische Fra ue n-U n terstütz u n g s - verein hat gestern in Cassels Hotel, Burgstraße 16 seine ordentliche Generalversammlung abgehalten. In dem von dem Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht hob derselbe hervor, daß dem Verein 160 neue Mitglieder beigetreten sind, sodaß derselbe jetzt ca. 1500 Mitglieder zählt. Von den 860 eingegangenen Unterstützungsgesuchen wurden 531 durch Bewilligung von Beiträgen in Höhe von 10 bis 50 Mark erledigt, wofür zusammen 8268 Mark ausgegeben wurden. Der Reservefonds beträgt wie im Vorjahre 16 000 Mark und der Kassenbestand am Jahresschlüsse 1554.92 Mark. Die immerwährende Mitgliedschaft haben 5 Personen durch Zahlung von 100 Mark erworben. Die Gesamteinnahme hat 9704 Mark betragen, die Ausgaben 9701 Mark. Die Gesuche wurden durch die dem Vorstande angehörenden 24 Damen recherchiert, und konnte der Vorsitzende unter dem lebhaften Beifall der Versammlung diesen Damen bezeugen, daß sie dieser oft schwierigen Aufgabe sich c^rne und mit Eifer unterzogen

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