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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-02-27 · Heft 9 (27.2.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 9 (27.2.1903)
Date
1903-02-27
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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ist für Herren und Damen geöffnet: Mittwoch ab 8—10V» und Sonntag Nachmittag 2^—4'/» Uhr. Es ist zu wünschen, daß diese dankenswerte, gemeinnützige Einrichtung der Loge allseitiges Interesse findet und rege benutzt wird. U. Hamburg, 17. Februar. Herr Oberrabbiner M. Hirsch. das geistliche Oberhaupt der deutsch-israelitischen Gemeinde, beging heute die Feier seines 70. Geburtstages. Hirsch ist 1833 in T. Leo in Ungarn geboren, im Alter von 23 Jahren wurde er bereits zum Rabbiner in Karszag berufen, später fungierte er als Rabbiner der Gemeinden Altofen und Prag. Im Jahre 1889 wurde er nach dem Tode,' des Herrn Oberrabbiners A. Stern s. A. zum Hamburger Oberrabbiner gewählt, welchem Rufe er von Prag aus dann Folge leistete. Während seiner 14jährigen Tätigkeit hat er für die Erhaltung und Förderung der Gemeindeinstitutionen rege Sorge getragen, wegen seiner Friedensliebe und Klugheit genießt der der orthodoxen Richtung angehörende Jubilar über seinen Wirkungskreis hinaus Achtung und Wertschätzung. Der heutige Tag wurde durch einen Fesrgottesdienst in der Gemeindesynagoge Elbstraße eingeleitet. In der Amtswohnung des Jubilars erschienen während des ganzen Vormittags zahlreiche Deputationen der Gerneindeinstitutionen, welche außer Glückwunschadressen wertvolle, kostbare Ehrengeschenke überreichten. Am Nachmittag erschien Senator Kaehler, um unter ehrender Anerkennung der gemeinnützigen Wirksamkeit des Herrn Oberrabbiners demselben die Glückwünsche des Senats zu überbringen. Hunderte von Glückwunschbriefen und Telegrammen, welche nicht nur aus Deutschland, sondern namentlich auch aus Oesterreich-Ungarn eintrasen, legten Zeugnis ab, daß des Ehrentages auch mit gleicher Herzlichkeit in der Ferne gedacht wurde. n. Alzey, 20. Februar. Erfreulicherweise regt sich auch in unserer Gemeinde wieder mehr das Interesse für das Judentum und feine Wissenschaft. Nicht wenig dazu beigetragen hat eine von der Religionsschule veranstaltete Chanukahseier der Jugend, die in allen ihren Teilen erhebend auf Herz und Gemüt nicht allein der Kleinen, sondern auch ihrer anwesenden Eltern wirkte. Das Verdienst, aller Augen wieder mehr aus die jüdische Literatur und Wissenschaft hingelenkt zu haben, gebührt unserem Rabbiner Herrn Dr. Levi. Derselbe hielt vor kurzem einen Vortrag: Alexander von Humboldt, ein Vorkämpfer für die Emanzipation der Juden. Anschließend an den mit großem Beifall ausgenommenen Vortrag regte Herr Rabbiner Dr. Levi die Gründung eines Vereins für jüdische Geschichte und Literatur an. Alsbald war anch schon dessen Fundament gesichert, indem mehr als dreiviertel der hiesigen Gemeindemitglieder mit namhaften Beiträgen ihren Beitritt erklärten. Wir schließen mit dem Wunsche, daß der neue Verein seine hohe Aufgabe erfüllen möge. — Nürnberg, 20. Februar. An der hiesigen Simultan- Volksschule muß nach der seinerzeit getroffenen Vereinbarung der Religionsunterricht durch Geistliche erteilt werden; bei Anstellung der übrigen Lehrkräfte sehen die städtischen Kollegien, denen das Präsentationsrecht für diese zusteht, nicht auf Konfession, sondern auf Tüchtigkeit. So kam es im Laufe der Jahrzehnte, daß auch israelitische Lehrkräfte der Regierung präsentiert und von dieser auch angestellt wurden. Gegenwärtig befinden sich nun unter den etwa 700 Volksschul-Lehrkräften ein Lehrer und eine Lehrerin israelitischer Konfession, deren Präsentation, da die Qualifikation eine sehr gute war, von der Regierung bestätigt wurde. Vor etwa Jahresfrist kam nun plötzlich an den Magistrat das Verlangen der Regierung, „die israelitischen Lehrkräfte aus der Volksschule zu entfernen." Der Magistrat, der gerade damals auf einstimmigen Beschluß der beiden gemeindlichen Kollegien einem Israeliten die höchste Ehre, die eine Gemeinde verleihen kann, das Ehrenbürgerrecht zu teil werden ließ, konnte nicht fassen, weshalb die beiden israelitischen Lehrkräfte nicht mehr das ABC christlichen Kindern beibringen können und verweigerte die Entfernung der genannten Lehrkräfte. Nunmehr ist aber ein neues Verlangen seitens der Regierung gestellt worden. Bis jetzt hat der Magistrat, dem die Sache ungemein peinlich ist, die ganze Angelegenheit nur in geheimen Sitzungen beraten. Als kürzlich im Gemeindekollegium ein Mitglied die Frage berühren wollte, wurde vom Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß es sich um geheime Verfügungen handle, die selbst dem Gemeindekollegium nicht mitgeteilt worden seien, es sei daher die Angelegenheit in die geheime Sitzung zu verweisen. In der geheimen Sitzung beschloß dann das Gemeindekollegium, den Magistrat zu ersuchen, ihm doch Mitteilung über die Angelegenheit zu machen. Dieser Beschluß wurde in der nächsten öffentlichen Sitzung des Gemeindekollegiums verkündet, gleichzeitig aber anch mitgeteilt, daß der Magistrat dem Gemeindekollegium (es waren inzwischen zehn Tage verflossen) noch keine Antwort hat zukommen lassen. Der Magistrat möchte, ehe er mit der Regierung die Sache geregelt hat. nichts in weitere Kreise dringen lassen. Abgesehen davon, daß man eine Intoleranz in der Nichtzulassung israelitischer Lehrkräfte zur Simultan- Volksschule (unter Ausschluß des Religionsunterrichts) erblickt, weiß man auch nicht, in welcher Weise die beiden Lehrkräfte anderweitig verwendet werden sollen. Bis jetzt besteht keine Verfügung in Bayern, wonach die Israeliten nicht in den Lehrerbildungsanstalten zugelassen werden. Die beiden hobelt ihre Prüfung bestanden, sind seinerzeit von der Regierung ernannt worden und sollen nun entsernt werden. Einen gesetzlichen Grund zur Pensionierung kann man nicht finden; soll nun die Gemeinde den vollen Gehalt ohne Gegenleistung anSzahlen? ----- Karlsruhe, 22. Februar. Bei der Beisetzungsseier des verstorbenen Staatsministers Dr. Wilhelm Nokk hielt Herr Oberregiernngsrat Dr. Mayer namens des Oberrats und der israelitischen Synode, die beide ein Werk des Verstorbenen waren, eine Grabrede, in welcher dem ausgezeichneten Manne Dank gesagt wurde für sein Wirken aus dem Gebiete der Schule und des Kultus. Die badischen Juden haben Ursache, den verstorbenen Minister zu betrauern, da unter seinem Regime die Verwaltung der israelitischen Knltusangelegenheiten Regierungssache wurde und dieselben gleich der der anderen Konfession jene festgeregelte Gestalt annahmen, auf welche die Juden anderer Lander mit Bewunderung blicken. 0. Stuttgart, 23. Februar. Der Israelitische Krankenunter stü hungsvere in feiert am 28. d. M. sein fünfzigjähriges Bestehen und hat aus diesem Anlaß eine voll Bezirksrabbiner Dr. Stößel im Auftrag des Ausschusses verfaßte Festschrist herausgegeben. die durch ihren sehr interessanten Inhalt das Interesse weiterer Kreise verdient. Die einzelnen Kapitel behandeln die Gründung und das Wachstum, die Leitung, die Tätigkeit des Vereins, dessen Verkehr mit anderen Wohltätigkeitsvereinen der hiesigen Gemeinde, ferner enthält die Festschrift ein Verzeichnis der 94 selbständigen israelitischen Gemeindemitglieder, welche im Jahre 1853 — dem Gründungsjahre des Vereins — in hiesiger Stadt ansässig waren, sowie ein Verzeichnis der 477 derzeitigen Vereinsmitglieder. Eine willkommene Beigabe wird für viele Empfänger der Festschrift die hübsch ausgeführte Ehrentafel sein, welche in Lichtdruck die Bilder von 10 Männern bringt, die sich um den Verein besondere Verdienste erworben haben. Während der Verein im Jahre 1853 nur ungefähr 50 Gulden an arme Kranke verteilen konnte, haben bestell Gesamtspenden allein in barem Gelbe im verflossenen Jahre die Höhe von nahezu 3200 Mark erreicht und nebstbei hat derselbe noch für ärztliche Behandlung, Spitalverpflegung, Arzneien. Badekuren, Verabreichung von Krankenkost rc. ansehnliche Beträge ausgewendet. Dadurch, daß der Verein seine materielle Unterstützung fast ausschließlich hiesigen Israeliten zukommen läßt, wird die hiesige städtische Armenpflege durch israelitische arme Kranke wenig in Anspruch genommen. Schließlich sei noch erwähnt, daß die anläßlich des Jubiläums geplanten Veranstaltungen aus einer Gedenkfeier in der Kapelle des Pragfriedhofes am 27. d., einem Festgottesdienst in der Synagoge am 28. d. vormittags und der Aufführung eines von Prof. Dr. Ger st mann verfaßten allegorischen Festspiels und Gesangsvorträgen des Shnagogenchors im Königsbau am 28. d. abends bestehen werden. Dell Aufführungen schließt sich ein gemeinsames Festmahl an. Oesterreich - Ungarn. Wien, 23. Februar. Einen guten Ansang zur Decentralisierung der Gemeinde hat unser Vorstand durch die Begründung von Bezirkskommissionen gemacht, die hier in der Tat einem dringenden Bedürsniß abhelsen könnten. Sie bestehen schon 3 Jahre; aber bisher wurden ihnen nur Stenerangelegenheiten zugewendet, während das Armenwesen vor allem in ihr Ressort gehört. Das sott nun abgeändert werden, so daß den Bezirkskommissionen ein reicheres Feld der Tätigkeit sich eröffnet. — In der „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" hielt Herr Redakteur M. A. Klausner-Berlin am18. d. einen mit großem Beifall ausgenommenen Vortrag über „Sprache und Nationalität".— Dem Bankier in Alexandrien und ungarischen

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