Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- Seite 105 (sequence 11)
- Language
- German
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sie einen Arzt gewinnen will, beziehungsweise das Direktorium einer Anstalt, wenn es einen Arzt für eine Anstalt gewinnen will, auf die Religion desselben irgend eine Rücksicht nehmen muß, daß sie sich sragen muß, ob die Religion desselben zu der der Mehrheit der Kranken stimmt, oder ob daraus etwa Konflikte entstehen können, dos wird man ihr nicht verdenken. Wie weit sie in dieser Beziehung gehen darf, darüber sind, wie gesagt, Erörterungen gepflogen worden; ich halte es aber nicht für zweckmäßig, über das Resultat derselben hier ausführlich Auskunft zu geben." Ein Kommentar würde die Wirkung dieser, mit Rücksicht auf die anderslautende Tagesordnung und das Staatsgeheimnis nur angedeuteten Ausführungen abschwächen. Für uns Juden steht die Frage nach der Gleichberechtigung leider ständig auf der Tagesordnung. Bei der geschilderten Sachlage müssen wir uns freilich mir der Auslegung der Verfassung, wie sie dem sächsischen Ministerium richtig erschien, vor der Hand bescheiden. Sie zeigt klar, daß die volle staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden mit den andersgläubigen Staatsbürgern in Sachsen wenigstens und in anderen Bundesstaaten ist es leider nicht viel anders — nach wie vor ein Phantom ist, und daß der Centralverein »och manches Stiftungsfest wird feiern müssen, ehe er die Arbeit ruhen lassen kann. Was uns aber zuversichtlich air unseren Aufgaben weiter schaffen und nim»ier»uehr ermüden läßt, das ist, neben dem Bewußtsein, für eine gute und gerechte Sache zu kämpfen, die Erinnerung an das hehre kaiserliche Wort: Recht muß Recht bleiben! Atavismus. Von Dr. B. Placzek in Brünn. II. ewohnt, mich bei jeder literarischen Darbietung von der Frage des Rabbi Josuä: „Was gibt es neues im Lehrhanse?" (Chagiga 3 n) bestimmen zu lassen, glaube ich auch mit der „Animalischen Logik" einen neuen, von den gleichartigen, fachwissenschaftlichen Doktrinen abseits gelegenen Weg zu betreten, der die Mathematik nur streift, der Metaphysik im Welten Bogen ausweichend, Psychologie, Psychophyfik, Physiologie zur Mitarbeiterschaft einlädt, und den Rücksichten der Opportunität oder gar den Geboteil der Notwendigkeit Folge zu geben, wenn ich von dem Zugeständnisse H ermann Cohen s (Logik der reinen Erkenntnis, Berlin, Bruno Kassierer 1902. Seite .">1') Gebrauch mache: „Es darf keine Frage auftauchen und Zulasz erhalten, welche nicht in einem methodischen Zusammenhänge mit all den anderen Fragen steht." Eine Korrektur der Trugschlüsse, die aus prn'8 pro loto hervorgehen, ergibt sich aus der Jnterpretationsregel ^2 die von den sieben Normen Hillels, die o. bis 12. voll den 13 des Rabbi Jsrnael und die 13., 18., 24. bis 26. voll den 32 des Rabbi Elieser bell Jose d. G.-). In dieser Norm des Schriftauslegung werden verschiedene y „Man muß es zunächst weder loben noch tadeln — so läßt sich der namhafte Philosoph Dr. Friedrich Zodl über das vbgenannte Buch vernehmen — sondern einmal ganz einfach zu verstehen trachten. Und das ist selbst für den Fachmann keine ganz leichte Arbeit. Gleichnis' Hegels Logik, gehört eS zu den schwierigsten Werken der philosophischen Literatur." ) Ob die instruktiven, klar geschriebenen Monographien des Dr. Adolf Schwarz über "2^ und ""j-sl .2 lanalossio und minus all mnsirs) Beziehungen zwischen dem Allgemeinen und Besonderen, zwischen dem Teile und dem Ganzen, besonders das ominöse Generalisieren des Speziellen, die Erhebung des Einzelfalles zur Regel, eine Art Synekdoche, wenn man diese Redefigur zu einem Denkgesetze erhebt, u. s. w. behandelt, die als Anläufe zur deduktiven und induktiven Logik ein eigenes Kapitel verdienen llnd erfordern. Als knrs ino toto ist auch die Itio in partes anznsehen, wenn die Spaltpilze der Zersetzung in einen sozialen Körper eindringen, durch Gründung voll Sonderbündeleien und Bereinen das Bewußtsein der Zugehörigkeit zu großen Gesamtverbänden und das Pflichtgefühl gegen dieselben schädigen und krankhafte Neugebilde schaffen, welche die große staatliche und gesellschaftliche Zusammengehörigkeit, der sie die Lebenskräfte und -Säfte zur Erhaltung ihrer eigenen schmarotzenden Sonderexistenz entziehen, in ihrem Fortbestände und ihrer Weiterentwickelung gefährden. km-8 pro toto! Wer wird dich nicht in „Babel und Bibel" wiedererkennen? Hat Delitzsch da nicht in einem Scherbengerichte, das er über den Mosaismus hielt, nur gezeigt, wie man ein Minimales, obgleich es vielfach widerlegt und noch mehr angezweifelt wird, für oder über Großes seht und die Ausnahme gegen die Regel ausspielt? Das knr8 pro toto als Formel zur Erklärung tierischer Lebensvorgänge nach der Eliminierungstheorie mag durch eine sprichwörtlich gewordene Tatsache veranschaulicht werden. „Er benimmt sich wie die Kuh vor dem frisch angestrichenen Tor", sagt man von einem, der von einer unbedeutenden Aenderung sich verblüffen läßt. Eine Kuh nämlich wird des Morgens aus dem Stalle auf das Feld geführt, von wo sie erst abends znrückkehren soll. Tagsüber wird das Tor frisch angestrichen. Vor demselben angelangt, bleibt sie stutzig stehen, sie erkennt nicht an allen übrigen Merkmalen ihrer: Stall; fürste besteht als Erkennungszeichen nur die frühere nun veränderte Farbe des Tores. Da hätten wir das animalische knrs pro toto in seiner einfachstell, aber auch drastischesten Form. Einer ähnlichen Täuschung entgeht selbst der Mensch nicht, wie ich vor einiger Zeit zu beobachten Gelegenheit hatte. In meinen: Hause hatte ich nahe und gegenüber dem Eingänge auf einem Treppenabsätze eine Windfangtür aus verschaltem buntem Glase anbringen lassen. Kam man früher durch das Tor, hatte man das Stiegenhans mit dem Ausblick in den Garten vor sich, dann aber nur die Glastür. Lächelnd sah ich nun öfter Besucher, die nur oder anderen Wohnparteien eine Visite abstatten wollten, in das Haus eintreten und gleich darauf aus dem Tore mit verdutzten Gesichtern kommen, auf denen zu lesen war: da bin ich einmal ir: das Unrechte Haus gekommen. Manche freilich orientierten sich draußen, Front und Hausnummern aufmerksam musternd, und kehrten in das Hans zurück. Aber nicht alle taten es. Einige gingen vielmehr kopfschüttelnd hinweg. Sie machten es eben wie die Kuh vor dein frisch angestrichenen Tore. Stellt sich das kr:r8 pro toto als irrige Teiloorstellung im Raume dar, so ist die andere Formel fehlerhafter Denkweise, nach meiner Ansschaltungshypothese das kost l,oo or^o propter eine Bedeutung für die formale und methodologische Logik oder für die Geschichte der,Logik haben, oder ob diese Arbeiten die talmudische Dialektik, an der griechischllateinischen gemessen, höher zu bewerten geeignet sind, ist hier nicht die Gelegenheit zu erörtern.