Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1903)
- Date
- 1903-02-20
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228527-3228536--59516-3296034- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
den Gesetzes die äre, und hmeichelt e höchste Mauden; daraus - Dovidl l öhmeu Hausierer,;rte, um eil: ganz rr wenig gefunden welches wodurch Aber l keinen )iel Mut lfen und Gnade," olk! Es ch." zen ein m. Als wollten is geben, ren Wir »aß ihm llmeister erscholl ron den chicke so , welche vermag risch an rlösung weihten die Tore ütabbiner hat sich rr eines -5663/64 ir sofort lachst in > bürgerwie die in der e Zitate, l lernen r Hausgrofzen 67. Jahrgang. Ar. 8. Lertm. 20. M.rmA 1903 Weikcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 17. Februar. Zum Andenken an den unvergeßlichen Heinrich Rickert hat eine Anzahl hochangesehener Männer den Entschluß gefaßt, eine Nicke rt-Stistung zur Begründung von Volksbibliotheken in wenig bemittelten Gemeinden zu begründen. Zu diesem Zweck wurde nun der folgende Aufruf publiziert, den wir unfern Glaubensgenossen, um die sich ja Rickert so große Verdienste erworben hat. aus das Wärmste emfehlen. Der Ausruf lautet: Allzu früh für die Förderung der Volkswohlfahrt ist Heinrich Rickert uns entrissen worden. Auch für die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung bedeutet sein Heimgang einen unersetzlichen Verlust. Leit 1883 war der Verewigte erster Vorsitzender dieser Gesellschaft, llnter seiner hingebungsvollen Leitung sind Umfang und Arbeitsleistungen derselben vervielfältigt, der Bestand an körperschaftlichen Mitgliedern von 651 auf 3163 gesteigert worden. In verehrungsvollem Gedenken des rastlosen Wirkens des Entschlafenen werden Rickerts Freunde und alle Freunde der Verbreitung und Vertiefung unserer Volksbildung zur Begründung einer Nickert-Stistung aufgefordert. Die hierfür eingehenden Mittel sollen einen Bestandteil des Vermögens der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung bilden und vom Vorstande der Gesellschaft als gesonderte, unter obigem Namen zu verwaltende Stiftung ausschließlich zur Begründung und Erweiterung von Volksbibliotheken in unbemittelten Gemeinden benutzt werden. Bibliotheken, die nach freier, unbeeinflußter Wahl der örtlichen Verwaltungen die besten Werke unserer volkstümlichen Literatur enthalten, sind ein Bildungsmittel von der weittragendsten Bedeutung für große Teile unseres Volkes. Den kleineren uud unbemittelten Gemeinden diese Bildungseinrichtung, die sie zur Zeit noch vielfach entbehren müssen, zu gewähren, war Heinrich Rickerts Ideal gerade in seinen letzten Lebensjahren. So soll sein Name in dem von ihm begründeten Werke fortleben. Beiträge werden an den Unterzeichneten Schatzmeister der Gesellschaft, Verlagsbuchhändler Rudolf Mosse, Berlin 8^V. 19, Jerusalemerstraße 48.49, erbeten. Quittung erfolgt außer in der Tagespresse in dem Organ der Gesellschaft sür Verbreitung von Volksbildung „Der Bildungsverein." Diesen Aufruf haben unterzeichnet: Dr. W. Abegg, Kommerz- und Admiralitätsrat a. D., Berlin. Dr. Ahlmann, Bankier, Kiel. Professor Dr. Andries, Köln a. Rh. Geheimer Kommerzienrat Arnhold, Berlin. R. Bahn, Kommerzienrat, Sorau N.-L. Rechtsanwalt Dr. E. Ball, Berlin. Generaldirektor Ballin, Hamburg. Dr. Barth. M. d. R. u. A.. Berlin. Generalsekretär Dr. W. Beumer, Düsseldorf. M. d. N. u. A. Dr. W. Blum, Heidelberg. Dr. V. Böhmert, Geheimer Negierungsrat und Professor, Dresden. Dr. Bürklin, General- Intendant. M. d. R., Karlsruhe i. B. Büsing, Geheimer Finanzrat, Vizepräsident d. R., Schwerin i. M. Prinz Heinrich zu Schönaich- Carolath, Standes- und Majoratsherr, M. d. R. u. Herren-H., Schloß Amtitz. L. Clausnitzer, Lehrer, Vorsitzender des Deutschen Lehrervereins, Friedrichsfelde bei Berlin. Dr. Crüger, Anwalt der Genossenschaften. M. d. A., Charlottenburg. Geheimer Kommerzienrat Damme, Danzig. Dr. Diels, Prof. Geheimer Regierurttzsrat, Berlin. A. Ernst, Direktor der Kaiserin Augusta Viktoriaschule, M. d. R. u. A., Schneidemühl. Dr. Gärtner, Professor, Breslau. Dr. Gensel, Justizrat, Leipzig. Charles Hallgarten. Frankfurt a. M. Dr. jur. Fr. Hammacher, M. d. R. u. A., Berlin. Verlagsbuchhändler Kafemann, Danzig. Fritz Kalle, Professor, Stadtrat, Wiesbaden. Oberbürgermeister Kirschner, Berlin. Redakteur A. Klein, Danzig. Oberbürgermeister Köhler, Worms. Justizrat Dr. Krause, Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Berlin. Bürgermeister Künzer. Posen. Kommerzienrat I. Löwe, Berlin. Max May. Heidelberg. Rudolf Mosse, Verlagsbuchhändler, Berlin. Dr. Paul Nathan, Berlin. Jacob Nordheim. Kaufmann, Hamburg. Dr. Phil. H. Pachnicke, M. d. R., Berlin. Dr. Arthur Pfungst, Frankfurt a. M. Dr. Jul. Post. Professor, Geheimer Oberregierungsrat, Berlin. Richard Roesicke, Mitglied des Reichstages, Berlin. K. Schräder, Eisenbahndirektor a. D., M. d. R., Berlin. Kaufmann James Simon, Berlin. Dr. med. E. v. 0. Steinen, Düsseldorf. I. Lews. Lehrer. Berlin. A. Träger, Justizrath, M. d. R. u. A., Berlin. Weiß, Rechtsanwalt und Notar, Danzig. Dr. Werner, Oberrabbiner, München. Witting, Geheimer Regierungsrat, Direktor der Natioualbank, Berlin. 8. Berlin, 12. Februar. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" sprach heute Herr Schuldirektor Dr. I. Löwenberg-Hamburg über: „Moderne jüdische Erziehung". Der Redner beleuchtete in fesselnder Weise die Forderungen, die wir im Kampfe der Gegenwart an uns stellen müssen, die durch das Haus, die Schule das Leben, durch sie und in ihnen zu erreichen sind. Im Hause liegen die Gruudwurzeln unseres Seins. Die Erziehung, dessen Hauptleiter Gewöhnung und Beispiel seien, habe jedoch in dem Alter zu beginnen, wo das Kind noch nicht wisse, daß es erzogen werde. Für die jüdischen Kinder sei nur eine härtere Kost in körperlicher und geistiger Erziehung notwendig. Sie müssen den Körper üben, Entbehrungen und Entsagungen ertragen lernen. Die in weiten Kreisen herrschende Sucht nach Wohlleben sei zu bekämpfen, denn ein in solchen Nichtigkeiten aufwachsendes Kind könne die Not seiner Zeit nicht verstehen lernen. Bei der Wahl der Schule werde gar zu selten auf die Neigungen und Fähigkeiten der Kinder Rücksicht genommen. Wo den Kindern Unrecht geschehe, sollten wir unter Außerachtlassung aller anderen Rücksichten unser Recht verfolgen. Dem Religionsunterricht in der Schule scheine sehr häufig noch die rechte Wärme und rechte Begeisterung zu fehlen; in ihm müßten die Kinder erfüllt werden von dem Geist des Buches der Bücher, von der Größe unserer jahrtausendalten Geschichte mit ihren Helden und Märtyrern, mit der Flut ihrer Ereignisse. Nach dem Eintritt ins Leben sollte die Einseitigkeit in der Berufswahl gemieden werden. Besonders sollten die jüdischen Eltern sich fernhalten von der frühen Bestimmung ihrer Kinder zu einem Beruf, noch viel weniger sollte die törichte Eitelkeit der Mutter die Wahl bestimmen. Alle Institutionen, die bestrebt seien, die Kinder anderen Berufen als den beiden bisher gewohnten — Handelsfach und Studium — seien aufs Freudigste zu begrüßen und nach Kräften zu fördern. Auch für die Frauen, deren Sorge sür das Haus zwar ihr erstes sein soll, biete die soziale Bewegung ein größeres Arbeitsfeld. Sie sollten sich bestreben, die großen Fragen, die unser Volk und unsere Zeit bewegen, verstehen zu lernen und höher als die gesellschaftlichen Pflichten sollten ihnen die Pflichten gegen die Gesellschaft stehen. Hier müsse und könne vieles gebessert werden. Wenn wir uns immer mehr unserer sozialen Pflichten bewußt würden, dann würden wir uns auch die rechte Selbstachtung und das rechte Selbstgefühl erringen; nicht das Selbstgefühl auf Besitz und Titel, vor allem das Selbstgefühl darauf, daß wir Juden seien, jene Selbstachtung, die da, wo es gelte. Rechte zu verteidigen, ins Vordertresfen gehe, sich sonst aber in bescheidenem Takte zurückhalte. Und damit solle sich eine Gerechtigkeit gegen Andersdenkende verbinden: gerecht und duldsam, frei und furchtlos, aber auch fest und treu und dann nicht duldsam gegen diejenigen, die eines äußeren Vorteils willen ihren Glauben wechseln. Kämpfen und Aufbauen seien die Leitworte für die Erziehung unserer Jugend. Der Glaube an die Zukunft der Menschheit, an die Zeit der Erlösung, da die Völker in Frieden und Gerechtigkeit, in Erkenntnis und Einsicht beisammen, sei die schönste Aufgabe des Judentums und zur Ausbreitung dieses Glaubeils beizutragen, die edelste Aufgabe der Erziehung. Die Ausführungen des Redners, denen die Zuhörer mit gespanntem Interesse folgten, riesen sehr lebhaften Beifall hervor. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen wird uns berichtet: In Memel und Tilsit sprach Dr. Adolf Ko Hut über „Die namhaftesten jüdischen Humoristen der Gegenwart"; in Allenstein Dr. N ordheimer-Schwetz über „Optimismus und Pessimismus im Judentum"; in Schrimm Lehrer Hoppe über „Die Entstehung und Bedeutung des Talmud"; in Czarn i kau Rabbiner Dr. Wreschner- Samter über „Der Kaufmann von Venedig und seine Vorgeschichte"; in Nakel Dr. Nord heim er über „Das Kaddisch-Gebet"; in Rogasen Fräulein Dr. F. Samt er-Berlin über „Jüdische Gesellschaft ch