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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-02-20 · Heft 8 (20.2.1903) · p. Seite 93

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 8 (20.2.1903)
Date
1903-02-20
Page
Seite 93 (sequence 11)
Language
German
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93 Liebe wird durch Jahrhunderte hell leuchten. Der Name Antokvlsky wird unsterblich bleiben!" Frau Maisky trug hierauf ein Gedicht des Fürsten A. A. Golenischtschew Kutusow und einige Bruchstücke aus Antokolskys Briefen, und Herr M. A. Willis ein Gedicht der Baronin E. L. Fredericks vor. Beide Vortragende ernteten reichen Beifall seitens des Publikums. Der Chor sang hernach eine für diesen Abend speziell komponierte Kantate von A. K. Glasuuow und A. K. Ljadoiv. Den Schlußakkord in dieser Ehrung bildete die Vorführung der Werke Antokolskys auf einem Feuerschirm mittels einer Zauberlaterne. Vor den Augen der Versammelten ging eine ganze Reihe wundervoller Schöpfungen des Meißels, und unter anderem auch die leider nicht beendigte Gruppe der „Inquisition" in drei Varianten, vorüber. Dem Publikum wurden künstlerisch ausgeführte Programme mit dem Bilde Antokolskys und seines Ateliers verteilt. Diese Programme sind mit althebräischen Ornamenten verziert, mit den Titeln der besten Werke des verewigten Künstlers, im Stile althebräischer Buchstaben geschrieben. Die ganze Feier machte eirien tiefen und würdigen Eindruck. Atavismus.') Von Dr. B. Placzek in Brünn. I. »rrrrs — rmimaw est. kennt nicht den Glauben an die Seelenwanderung — diese Wahnidee, die so alt ist, wie die Menschheit, und noch jetzt viele Millionen Bekenner zählt? Und doch ist die Entwicklungslehre, die tun; Hemder modernen Naturerkenntnis, deren Vorahnung oder gar Vorstellung ich übrigens schon in dem alten agadistischen, IV2 Jahrtausende umfassenden, in die Zeit vor Christus zurückreichenden Schrifttum rach' gewiesen^), besonders aber die Schlußfolgerung der Evolution, der Atavismus, genau genommen eine umgekehrte Metem- Psychose. Diese läßt die Menschenseele in Tierleiber wandern, und jene zeigt uns in Entartung und Deformationen den Rückschlag in frühere Tiergebilde und, um was es sich hauptsächlich handelt, psychisch aufgefaßt, den Rückfall in tierische Geisteszustände, oder sie zeigt, wie Tierseelen in Menschenleiber wandern. Ma:r braucht nur an Ausdrücke wie Tigerherz, Wolfsgier, Schlangentücke, Affenpossen, Pfaueneitelkeit zu denken, um zu erkennen, wie eine solche Anschauung in unserem Bewußtsein wurzelt. Indes nicht tierische Leidenschaften und Affekte, in welche die Menschennatur so oft und so leicht zurückfüllt, sollen uns hier beschäftigen, vielmehr die logischen Denkfehler, die seeliy Aus einem größeren, unter dem Titel „Die animalische Logik" zum Drucke vorbereiteten Werke. -) Vergl. Kosmos. VI. Iahrg., Bd. XI, (II. Jahrg. Bd. III. V. Jahrg., Bd. X), besondersJüdisckes Litteraturblatt, Magdeburg 1878. Daraus reflektierte M. I. Schleiden, der Begründer der Pflanzenphysiologie, der vornehme Apologet des Judentums und seiner Wissenschaft, mit folgenden Zeilen: „Ich habe Ihre Arbeit mit dem größten Interesse durchstudiert. Das ja allerdings in der Agada sehr zerstreut liegende Material haben Sie mit Liebe und mit kundiger Hand gesammelt und zu einem neuen Kranze sür das Judentum vereinigt. Es ist gewiß auffallend, wie da viele alte talmudische Aussprüche so ganz schlagend mit dem Geiste der neuen Naturwissenschaft zusammenklingen. Ihre Arbeit bleibt immerschen Irr- und Abwege, die falschen Vorstellungen, Begriffsentgleisungen, Urteilsanomalien und Trugschlüsse, die als seelischer Atavismus aufzufassen sind. Es gibt eigene Denkgesehe, nach denen sich die spezifisch-tierische Seelentätigkeit richtet, aus denen sich die Instinkt- und Reslexäußerungen erklären und welche wir auch in menschlichen Verirrungen und Ausschreitungen wiedererkenneu. Die tierischen Denkfehler, in welche der Mensch zurückschlägt, sind keineswegs so harmlos, als sie den Anschein haben. Auch sie können zu Entsetzlichkeiten führen, welche den Menschen in seinem Wahn als den schrecklichsten der Schrecken darstellen. Der ganze Gedankengang läßt sich an einigen eklatanten Beispielen demonstrieren, denen jedoch einige allgemeine Bemerkungen noch vorauszuschicken sind. Scheitlins ungemein bedeutsamer Ausspruch': „Nicht aller Mensch ist im Tier, aber alles Tier ist im Menschen" kommt auch weiter entwickelt und anders gefaßt uns zu statten. — Als das spezifisch Tierische gelten uns die auf die momentanen Wahrnehmungsimpulse und auf vorausgehende zufällige Vorstellungstriebe und Reize reagierenden Lebensüußerungen, als das eigentlich Menschliche hingegen gilt das, was von Dauerndem und Bleibendem in Zeit und Raum bestimmt und regiert wird. Höhere Ziele und Erwägungen transpirieren ja in die Denk- und Empfinduugsweise eines Jeden oder besser inspirieren auch den gemeinen, aber normalen Menschen in einem Kulturlands. In der Konzentration, Zusammenfassung, Unmittelbarkeit und Begrenzung der tierischen Aktionen liegt auch die wunderbare Treffsicherheit ihrer funktionierenden Organe, der wir ebenso oder ähnlich bei den untersten Menschenrassen aus demselben Grunde begegnen. In erster Linie fesselt unsere Aufmerksamkeit das Menschliche im Tiere, das, evolutiouistisch genommen, gewissermaßen Antizipierte, also das Vorbedachte, zweckmäßig Ausgeübte, in zweiter Linie das Tierische im Menschen, welches ich die umgekehrte Metempsychose nennen möchte. Wenn die Seelenwanderuug, all welche die Hälfte der gesamten Menschheit noch glaubt, die superstitiöse Form der Idee abgibt, daß viel Menschliches in der Tierseele vorhanden sei, so trifft man im Leben und in der Geschichte öfter als einem lieb ist, verblüffende Beweise dafür, daß noch viel Tierisches in der Menschenseele besteht. Wir erkennen in solchen Fallen das Walten des psychischen Atavismus odertierischer Denkfehler in den Fehl- und Fangschlüssen menschlicher Individuen und Gesamtheiten und darin zugleich die Grenzmarke zwischen Tierlogik und Menschenlogik, deren Gemeinsames die animalische Logik behandeln soll. Netemps/elloso oder Nelonsonmlosi^ bedeutet eigentlich die Wanderung der Seele von einem Körper in den andern, aber gewöhnlich und zuvörderst von Menschen in Tiere. hin eine höchst interessante und nach vielen Seiten hin anregende, die ich mit Genugtuung meiner Bibliothek einverleibt habe. Dieselbe schlägt eben eine Seite an, die wohltuend aus dem oft recht unharmonischen Geschrei sür und wider den Darwinismus, das nicht nur ewige Wiederholung ist, hervortönt. Es ist etwas Neues, noch nicht Behandeltes, noch weniger Abgedroschenes, während ich des ewigen Wiederkäuens derselben Sache bei den Fanatikern uro und eontrn Darwinismus nachgerade herzlich müde bin. Daher sage ich Ihnen noch einmal meinen herzlichen Dank für die angenehme Geistesanregung, die Sie mir durch Ihre Forschungen gewährt haben." Aehnlich schrieben mir über die erwähnten Studien Charles Darwill, Ernst Häckel, Eduard Sueß, Theod. Gomperz, A. Wünsche und andere.

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