Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1903)
- Date
- 1903-02-13
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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8 einigte die Kollegen und die Gastgeber einige Zeit in gemütlichem Beisammensein, während dessen der Vorsitzende Veranlassung nahm, für die überaus freundliche Aufnahme zu danken, worauf Herr Kaufmann Fabian im Namen der Gemeinde seiner Freude darüber Ausdruck gab. daß die Rabbiner Westpreußens diesmal Marienwerder zum Ort der Tagung bestimmt hatten und, unter Betonung des Interesses der Rabbiner für die religiöse Hebung der Gemeinden, den ersteren sein Glas weihte. Gegen 6V2 Uhr schloß die an Anregungen überaus reiche Tagung, nachdem Silberstein-Elbing dem Vorsitzenden den Dank der Versammlung für die umsichtige Leitung der Verhandlungen ausgesprochen hatte. Der Protokollführer Dr. Eppensiei n- Briesen, W.-Pr. Kp. Mus der Provinz Posen, im Februar. Der aus Ostrowo stammende Kaufmann Markiewicz in Newyork hat seiner Heimatgemeinde eine Spende von 400 Mark überwiesen. — Kaufmann S. G. Cohn in Zirke, der seit 25 Jahren erster Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde und seit längerer Zeit Stadtverordneter war, ist im Alter von 65 Jahren gestorben. — In Rogowo sind in diesem Jahre die Abgaben für die dortige jüdische Schule von 200 auf 275 Prozent der Einkommensteuer erhöht worden. Vor zwei Jahren betrug die Abgabe nur noch 120 Prozent. — In Wreschen ist unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. Lewin ein israelitisches Siechen- und Altersversorgnngsheirn errichtet worden. — Der seit zwölf Jahren in Buk bestehende jüdische Frauenverein hatte im letzten Jahre eine Einnahme von 186,80 M. und eine Ausgabe von 150 M. Der bisherige Vorstand wurde in der jüngsten Generalversammlung wiedergewühlt. Der Vorstand hat einen namhaften Betrag zur Gewährung von Brennmaterialien an Unbemittelte bewilligt. — Der Schulvorstand der jüdischen Schule in Wreschen hat beschlossen, für das Jahr 1903 an Schnlbeiträgen 45 Prozent der Staatseinkommensteller zu erheben. — Der israelitische Krankenpflege- und Leichenbestattungsverein zu Ostrowo hat beschlossen, die jährlichen Mitgliederbeiträge von 1,80 Mark auf 3 Mark zu erhöhen, die Begräbniskosten und Grabgebühren nach der Einkommensteuer der Beteiligten zu erheben und die Vorstandswahlen einfacher als bisher zu gestalten. — Die Gemeindesynagoge in Pakosch ist wegen Baufälligkeit geschlossen worden. Mit dem Bau eines neues Gotteshauses wird im Frühjahr begonnen werden. — Der israelitische Krankenverein in Wreschen hatte im letzten Jahre eine Gesamteinnahme von 213,50 Mark und eine Ausgabe von 207,10 Mark. Der Bestand bekänft sich auf 700 Mark. — Im Alter von 49 Jahren ist in Ostrowo neulich der Kaufmann Heinrich Call omon gestorben. Derselbe war bis zuletzt längere Zeit ein eifriger Kurator der dortigen Gemeindereligionsschule. — Der frühere erste Vorsteher in Lissa i. P., Herr Louis Bieberfeld, ist aus dem Gemeindevorstande wegen seines hohen Alters und andauernder Kränklichkeit ausgeschieden, nachdem er gegen 40 Jahre, zuerst als Repräsentant, dann im Vorstande der Gemeinde seine Dienste gewidmet hatte. Es wurde beschlossen, ihm in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Gemeinde eine künstlerisch ausgeführte Adresse durch eine Deputation überreichen zu lassen.— Der israelitische Frauenverein in Wreschen hat Frau Rabbiner Dr. Lewin daselbst zum Ehrenmitglied ernannt. — Kaufmann Adolf Stargardt in Schwerin a. W. ist zum Magistratsmiiglied daselbst neugewählt worden. — Der israelitische Beerdigungsverein in Wreschen hatte im letzten Jahre eine Einnahmen von 785,68 Mark und eine Ausgabe von 144,10 Mark. — Kaufmann Joseph^Holländer in Samter konnte neulich auf eine 25 jährige Tätigkeit als Stadtverordneter daselbst zurückblicken. — Apotheker Salinger in S childberg ist zum ersten Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde gewählt worden. —Die Vertreter der Synagogen-Gemeindekörperschaften zu Krotoschin haben kürzlich dem Rentier Marcus Auerbach daselbst aus Anlaß seiner 25 jährigen ununterbrochenen Zugehörigkeit zum Repräsentantenkollegium eine Ehrenadresse überreicht. — In einer gemeinschaftlichen Sitzung beider Körperschaften der Synagogengemeinde zu Kempen ist jüngst Dr. med. Schlesinger zum Repräsentantenvorsteher und die Herren Rechtsanwalt Schacher, Kaufmann M. Schaps und Kaufmann Stein in den Vorstand gewählt worden. — Fabrikbesitzer Adolf Katzenellenbogen in Krotoschin hat der Stadt zum Bau eines Krankenhauses 3000 Mark als Geschenk überwiesen. Katzenellenbogen, der 30 Jahre hindurch der Stadtvertretung in Krotoschin, zuletzt als Stadtrat, angehört hat, siedelt ^demnächst nach Berlin über. — Bei der letzten Repräsentantenwahl in Borek sind die Herren Hotelbesitzer Pinkus Bromberg, Kaufleute Fabian Jaratschewski und Adolf Lauser und Kämmerer Max Wollmann gewählt worden. — Das Rentier Marcus Leß'sche Ehepaar in Cr 0 ne a. Br. feierte kürzlich das Fest der goldenen Hochzeit. — Der langjährige Vorsteher der Synagogengemeinde Kempen, Aron Schlesinger, ist gestorben. — Zu Schillvorstandsruitgliedern der jüdischen Volksschule in Wollstein sind kürzlich die Herren Beigeordneter S. Krause und die Kaufleute M. Voß und R. Borach gewählt worden. — Lehrer David Löb in Lions ist an der dortigen jüdischen Volksschule definitiv angestellt worden. — Der Schulvorstand der jüdischen Schule in Borek hat beschlossen, zur Bestreitung der Schulausgaben für 1903 180 Prozent der Staatseinkommensteuer als Schulbeitrag zu erheben. — Der bisherige Kreisarzt des Kreises Pleschen, Geheimer Medizinalrat Dr. Landsberg, ist im Alter von 63 Jahren gestorben. — Das Rentier Wolf Peyserffche Ehepaar in Bojanowo beging neulich das Fest der goldenen Hochzeit. — Zum Kantor der israelitischen Gemeinde in Wollstein ist Kantor Kroll in Dirschau gewählt worden.—Fabrikbesitzer Lesser Bärwald in Rakel ist zum Provinzial-Landtagsabgeordneten gewählt worden. V. Magdeburg, 6. Februar. Der „Israelitische Wltwen- und Waisennnterstützungsverein", ein vom Rabbiner Dr. Nahmer begründeter und seit 30 Jahren hierorts segensreich wirkender Privatverein, hielt am 31. v. M. eine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Oberstabsarzt a. D. Dr. Rosenthal eröffnete sie mit einem kurzen Rückblick auf die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre, woraus sich ergab, daß die Hilfe des Vereins den ihrer Bedürftigen in ziemlich ausgedehntem Maße gewährt worden ist. Rach Ausweis des den Vereinsmitgliedern eingehändigten gedruckten Verwaltnngsberichtes sind im Jahre 1902 an 30 hilfsbedürftige Witwen und Waisen der hiesigen Jsraelitengemeinde insgesamt 3973 Mark Uuterstützungsgelder ausgezahlt worden (gegen 3845 Mark im Jahre 1901). Ein Waisenknabe wird auf dem Lehrerseminar in Hannover ausgebildet. Der Vermögensbestand . des Vereins belief sich Ende Dezember auf 77923 Mark, die Mitgliederzahl betrug 215. Hütte Rabbiner Dr. Rahmer während seiner 36jährigen hiesigen Amtstätigkeit nur diesen Verein gegründet, er hätte sich dadurch schon ein bleibendes Denkmal in unserer Gemeinde errichtet, aber er hat außerdem den Israelitischen Frauenverein vor 20 Jahren begründet, ferner den Synagogen-Gesangverein und den Verein für Literatur und Geschichte. — Nuhrovt, im Januar. Von allgemeinem Interesse ist eine Entscheidung des Oberverwalt ungs ge richts, weil durch dieselbe die Frage: „Hat der Ehemann auch zu der Kirchengemeinde, der nur die Ehefrau angehört, Abgaben zu en tri ch t en?" verneint worden ist. Der Vorstand der Synagogengenleinde zu Ruhrort hatte einen Prokuristen A., weil seine Ehefrau zur Zeit der Heranziehung zu 88,32 und 88 Mark für das Etatsjahr 1898/99 noch der jüdischen Religion angehörte, verklagt, doch hatte der Bezirksausschuß zu Düsseldorf nach der Zurückweisung der Reklamation des Klägers am 15. Januar 1901 dem bei ihm angebrachten Klageanträge des Kaufmanns entsprechend, aus gänzliche Freistellung des Verklagten erkannt. Gegen diese Entscheidung hatte der Vorstand der genannten Synagogengemeinde Berufung beim Oberverwaltungsgericht eingelegt, ist aber damit kostenpflichtig abgewiesen worden, indem das Erkenntnis des Bezirksausschusses zu Düsseldorf als zu Recht bestehend anerkannt wurde. In den Gründen erklärte das Oberverwaltungsgericht das vom Kläger behauptete Bestehen einer Observanz bezüglich des vorliegenden Falles für nicht nachgewiesen. Es erweist sich auch die verspätete Heranziehung des Klägers zu Beiträgen an die Synagogengemeinde zu Nuhrort für das Etatsjahr 1898/99 als eine unzulässige Rachfordernng, da derartige Beiträge nach dem Gesetz über die Verjährungsfristen bei öffentlichen Abgaben vom 18. Juni 1840 im Falle gänzlicher Uebergehung nach dem Ablauf des Kalender-, jetzt Etatsjahres nicht mehr nachgefordert werden dürfen. In den Vorschriften über die Beitragspflicht, namentlich auch eine Bestimmung, daß nicht jüdische Ehemänner solcher Frauen, welche Mitglieder der Synagogengemeinde Ruhrort sind, zu Beiträgen herangezogen werden dürfen oder sollen, weist das Statut nicht auf; somit fehlt es der Forderung des Beklagten auch an einer rechtlichen Grundlage, woraus sich die Bestätigung der Vorentscheidung und damit die Entscheidung über die Kosten ergibt. — Frankfttrt a. M., 1. Februar. Der neunte Jahresbericht des hiesigen Ver eins für jüdijsche Krankenpflegerinnen für 1902