Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1903)
- Date
- 1903-02-13
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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4 spricht sich zunächst über das netterbaute Schwesternheim aus. Leider haben weder die durch Sammlung erworbenen Summen, noch die durch einen Gönner des Vereins zu niedrigem Zinsfuß gewährte Hypothek ausgereicht, um die Gesamlkosten des Baues zu decken. In dem abgelaufenen Jahre wurde die regelmäßige Arbeit in bisher gewohnter ersprießlicher Weise fortgesetzt. Zur Ausbildung kamen während des Verwaltungsjahres acht Schülerinnen. Zwei der Schülerinnen mußten vor Vollendung ihrer Lehrzeit entlassen werden, die eine aus Gesundheitsrücksichten, die andere, weil das Ergebnis und der Fortschritt ihrer Ausbildung den Anforderungen nicht genügte. Drei Schülerinnen vollendeten ihre Lehrzeit und wurden auf Grund des ihnen ausgestellten Reifezeugnisses in die Zahl unserer Schwestern ausgenommen. Es sind dies Clara genannt Claire Simon aus Trier, Sarah Adelsheim aus Göppingen und Emma genannt Eva Cohn aus Altona. Drei Schülerinnen sind noch in der Ausbildung begriffen, von denen eine im Krankenhaus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg unter der Leitung unserer dortigen Oberin und der Aerzte des Krankenhauses ausgebildet wird, während die beiden anderen wie bisher die übrigen Schülerinnen im Israelitischen Gemeindehospital hier ihre Lehrzeit durchmachen. Zwei vakante Schülerinnenstellen dahier werden in kurzen, zur Besetzung kommen. Trotz der drei neu aufgenommenen Schwestern hat sich doch die Zahl der Schwestern nur um eine vermehrt, da der Verein während des abgelaufenen Jahres auch zwei Schwestern durch Austritt aus dem Verband verloren hat. Schwester Käthe Neumark verließ die Schwestergemeinschaft, um sich nach vollendetem Gymnasialstudiurn dem Studium der Medizin zu widmen, und Schwester Charlotte Nordheim reiste von hier nach den Vereinigten Staaten, um mit ihren dort lebenden Brüdern zusammen zu sein, hatte jedoch die Absicht, auch jenseits des Ozeans die Krankenpflege weiter auszuüben. Somit ist die jetzige Zahl der Schwestern 24, von denen leider eine während des ganzen Berichtsjahres wegen andauernder Erkrankung in ihrer eigenen Familie beurlaubt werden mußte. Auch die Arbeit der Schwestern im Dienste der Krankenpflege ist im Berichtsjahre unverändert geblieben. Außer der Privatpflege dahier, für die jetzt 13 Schwestern zur Verfügung stehen, war ihre Tätigkeit hauptsächlich dem Hospital der Israelitischen Gemeinde dahier und dem Krankenhaus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg gewidmet. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Dr. med. S. Kirchheim, Vorsitzender; Emil Stiebel, stellvertretender Vorsitzender; Philipp Schiff, Schriftführer; Eduard Cohen, Kassierer; Julius Goldschmidt, Dr. med. A. Günzburg, Dr. med. Adolf Deutsch. Sally Löwenick, Dr. med. H. Schlesinger. Es folgt ein Bericht über die Eröffnungsfeier des Schwesternheims und der Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen Mark 25 968,77, die Ausgaben Mark 19 963,90, der Pensionssonds besitzt 17 648,92 M. — Metz, 2. Februar. Die Untersuchung der angeblichen neuen Spur in der Konitzer Mordaffaire ist resultatslos verlaufen. Die Ermittelungen haben, wie dem „Berliner Lokalanzeiger" aus Metz gemeldet wird, sestgestellt, daß die Angaben des Metzer Rekruten denselben Fremdenlegionär betreffen, der schon einmal in dieser Angelegenheit von der französischen Behörde auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft vernommen worden ist. dessen Angaben sich aber als nicht wahrheitsgemäß herausgestellt hatten. Die ganze Erzählung hat der Fremdenlegionär erdichtet, weil er hoffte, als des Mordes verdächtig ausgeliefert zu werden und sich auf diese Weise dem Dienste in der Fremdenlegion entziehen zu können. Oesterreich - Ungarn. Wien, 9. Februar. Vorletzten Sonnabend verabschiedete sich der Währinger Gemeinderabbiner Schor nach 51 jährigem Wirken von seiner^Gemeinde. Rabbiner Schor, der jetzt nach so langer Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand tritt, wirkte auch verdienstvoll als Religionslehrer. Viele Gemeindevorstände und ein zahlreiches Publikum hatten sich zu dem feierlichen Gottesdienste eingefunden. — Der Kaiser hat den Professor Dr. Julius Mauthn er zum ordentlichen Professor der medizinischen Chemie an der Wiener Universität ernannt. Mauthner ist auch Mitglied des Landes - Sanitätsrates und seit mehreren Jahren Professor und Direktiousmitglied der Allgemeinen Poliklinik. — Dem wirklichen Religionslehrer am k. k. I. deutschen Staatsgymnasium in Brünn, Dr. Max Grünfeld, wurde vom mährischen Landesschulrat der Aitel: k. k. Professor i verliehen.! Non Nah und Fern. ----- In der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität hat sich Dr. Max Lewandowski, Assistent am neurobiologischen Universitätslaboratorium für Physiologie, als Privatdozent niedergelassen. — Jnstizrat Ernst Heinitz hat den Roten Adlerordeu IV. Klasse erhalten. — Herr Paul Märker in Dessau, langjähriger Prokurist der Firma S. H. Cohn — Inhaber Baron Moritz von Cohn und seine jüngst verstorbene Tochter Baronin von Cohn-Oppenheim — ist vom Herzog von Anhalt zum „Hofbankier" ernannt. Da die genannte Firma die Finanzgeschäfte vieler deutschen Fürstenhöfe besorgt hat, ist wohl anzunehmen, daß dieser Ernennung bald andere folgen werden. Seit mehreren Jahren ist Herr Märker auch Repräsentant der jüdischen Gemeinde. —In G r.-Kommorsk bei Warlubien feierten dieJosePhSchöP s'schen Eheleute, umgeben von vielen Kindern und Kindeskindern, die diamantene Hochzeit. Die Festpredigt hielt der Rabbiner Dr. Nordheimer aus Schwetz. — Zum Stadtverordnetenvorsteher in Schwetz wurde Herr Fabrikbesitzer Benno Bukofzer wieder-, zum Magistratsmitglied Herr Kaufmann Rud. Couitzer ueugewählt. — In den westpreußischen Städten Flatow und Jastrow wurden die langjährigen Stadtverordnetenvorsteher Herren Rechtsanwalt Dr. L. Pink und Kaufmann Saling er auch in diesem Jahre wieder einstimmig zu diesen Aemtern gewählt. — In Steele ist der Lehrer Lilienfeld zum Mitglied des Schulvorstandes berufen worden. — In Essen fand am 4. d. M. eine Feier anläßlich der Errichtung des Grabdenkmals für den sel. Prediger M. Blumenfeld statt. Dr. Samuel hielt eine ergreifende Gedenkrede. — Am 2. d. M. ist in Berlin, wohin er sich zurückgezogen, der Lehrer David Heymans gestorben, der 25 Jahre an der israelitischen Volksschule in Krefeld segensreich gewirkt'hatte. — Das Leichenbegängniß des französischen Exministers und Senators Reynal fand auf dem jüdischen Friedhof in Paris statt. Den Sarg trugen der Ministerpräsident Combes. der Senatspräsident Fälliges, der Vizepräsident des Staatsrats Coulon und der Präfekt der Gironde Lutand. Am Grabe sprachen der Kammerpräsident des Kassationshofs Bernard, der Senator Saint Martin, die früheren Minister Decrais und Barthou und viele andere. Die rituellen Gebete verrichtete Rabbiner Jsrae Lovi. — Der frühere Generalstaatsanwalt E. Nacquet wurde zum ersten Ehrenpräsidenten am Appellhof in Aix ernannt. — Baron Nathaniel Rothschild, der im Oktober eine längere Reise nach Italien unternahm, ist in Neapel erkrankt. Er leidet, wie Wiener Blätter berichten, an einem Abszeß am Ellenbogen; Gefahr ist nicht vorhanden. — Der „Vessillo Jsraelitico" in Casale Monferato feierte am 1. Januar das 50 jährige Jubiläum des Bestehens dieses vortrefflichen Blattes. — In Mentone ist ein Wagen der elektrischen Straßenbahn, in dem Maurice Maeterlinck und Israel Zangwill, der Verfasser der „Kinder des Ghetto", saßen, mit einem Fuhrwerk zusammengestoßen. Maeterlinck kam unverletzt davon. Zangwill wurde unter dem Auge ernsthaft verletzt. — Der Bey von Tunis hat der jüdischen Gemeinde ein großes Terrain zum Bau einer Synagoge zum Geschenk gemacht. — Dem Madrider „Heraldo" wird aus Melitta gemeldet: Die Juden, welche von dem Prätendenten zur Zahlung von 8000 Duros verurteilt worden waren, sandten eine Abordnung zu letzterem, um den Erlaß der Strafe zu erwirken, die Delegation ist jedoch bisher nicht zurückgekehrt; mail vermutet, daß sie ermordet worden ist. — Sämtliche Gouverneure, des russischen Ansiedelungsrayons sollen vom Minister Plehwe die Aufforderung erhalten haben, mit möglichster Beschleunigung ein Verzeichnis aller Ortschaften einzureichen, welche im Interesse des Handels durch Verleihung des Stadtrechts den Juden eröffnet werden könnten. — Aus Capstadt wird berichtet, daß einer großen Zahl jüdischer Einwanderer nach dem neuen Gesetze die Landung in Daune Castle verweigert wurde. Die Kolonisten werden in ihre Heimat zurücktransportiert. — Die „^ervislr Kolonisation ^ssoeiation" <„Jca") hat für 50000 Pesetas (rund 250000 Mark) Land in Entre Ri os angekauft. — In As mara, der Hauptstadt der italienischen Kolonie in Eryträa, besteht eine kleine jüdische Gemeinde, die nunmehr mit Hilfe wohltätiger Glaubensgenossen eine eigerle Synagoge zu erbauen beabsichtigt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwttz in Berlin.