Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1903)
- Date
- 1903-02-13
- Page
- Seite 84 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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84 „Selbstverständlich," fuhr der Geschichtslehrer fort, „leugnete der Rabbiner alles und hatte die Stirn zu behaupten, daß nicht die Unreinlichkeit der Juden die Ausbreitung des Aussatzes verursacht hätte, sondern die Sümpfe und unreinen Flüsse Gosens wären es gewesen, die dieser Krankheit Vorschub leisteten. Bei dieser Gelegenheit sprach er auch über das zusammengedrängte Leben der Juden in dieser Provinz, über ihre Armut und ihr trauriges Geschick. Doch niemand achtete auf ihn, denn ein Magier führte den statistischen Nachweis, daß das Umsichgreifen des Aussatzes nur der Unreinlichkeit der Juden zuzuschreiben sei. Hierin stimmten auch die Priester bei, und alle sagten: diese Behauptung lasse sich nicht in Abrede stellen. Denn während die jüdischen Frauen wenigstens einmal monatlich ein Bad nehmen, scheuen die jüdischen Männer das Wasser wie tolle Hunde und fühlen sich, wie Schweine, wohl in ihrem Unrat. Die Räte und der König hatten auch bald die Ueberzeugung gewonnen, daß der Rabbiner diese Gelegenheit benutzen wollte, um einige Rechte für seine Glaubensgenossen zu erlangen, und sie jagten ihn aus dem Beratungssaale." „Bravo, Bravo!" riesen alle. „Hoch lebe Pharao!" Und sie tranken ein Glas auf das Wohl Pharaos, ein zweites auf das Wohl seiner Räte, ein drittes auf das Wohl der Priester und ein viertes auf das Wohl — des Aussatzes. Der Geschichtslehrer setzte fort: „Hier ist die Inschrift verwischt; mein Freund, der Altertumsforscher, den ich schon früher erwähnte, glaubt mit Recht annehmen zu dürfen, daß die Rothschilds, Bleichröder und noch andere reiche Juden hier die Hände im Spiel hatten, da dieser Grabstein ihnen schon längst bekannt und unbequem war. Nur durch einen Zufall oder vielmehr durch eine göttliche Fügung ist es gelungen, das noch Vorhandene vor ihrer Vernichtungswut zu retten. Da heißt es weiter: dann ließ Pharao die jüdischen Hebammen kommen und sprach zu ihnen: „In Eurer Eigenschaft als Staatshebammen befehle ich Euch, von nun an, so oft Ihr Jüdinnen bei der Geburt beisteht, ein weibliches Kind der Mutter zu überlassen, ein männliches aber in den Nil zu werfen." Nun ist es bekannt, daß die orientalischen Völker eine kurze Ausdrucksweise liebten und auch gern Witze machten. Natürlich dachte Pharao nicht daran, wie die Juden behaupten, daß die neugeborenen jüdischen Knaben ertränkt werden sollten, sondern er wollte sie nur von frühester Kindheit an an Kaltbaden gewöhnen, darum befahl er den Hebammen, sie gleich nach derGeburt mitkaltem Wasserzu übergießen oder —imNil zu baden. Und dafür habe ich schlagende Beweise: Erstens, welcher König würde so beschränkt sein, soviel Arbeiter, die beim Bau von Pitom und Ramses unentbehrlich waren und gewiß auch Steuer zahlten, hinzumorden, zweitens gestehen doch die Juden selbst, daß Pharao sie nicht ziehen lassen wollte, drittens, hätte Pharao wirklich einen solchen Befehl erlassen, so H," r sicherlich nicht Jüdinnen zu Vollstreckern seines Befehls ge Diese Beweise sind für mich unumstößlich, und die w i Juden über Pharao verbreiteten Lügen können st« t wankend machen. Im Gegenteil, er erwies sich den jü r Hebammen sehr gnädig, indem er ihnen Häuser und viel Geld versprach." „Einen zweiten so herzensguten König," sagte von Fressendorf, „kennt die Weltgeschichte nicht." „Und wird ihn nicht wieder kennen," ergänzte der Zollbeamte. „Ich schlage vor, daß wir ihm zu Ehren noch eine Flasche leeren." Aus der einen Flasche wurden vier, und alle vier wurden auf das Wohl Pharaos geleert. „Und wie denken sie, meine Herren," setzte der Geschichtslehrer fort, „haben die jüdischen Hebammen nach dessen Weisung gehandelt?" „Ohne Zweifel," riefen fast alle zusammen. „Warum sollten sie auch nicht? Sie wurden ja dafür königlich belohnt." „Da irren Sie, meine Herren, gar sehr. Die Unreinlichkeit ist eine alte jüdische Sitte, und jede Sitte ist den Juden Gesetz. Nach dem Talmud dürfen sie selbst im Angesicht des Todes ihre Sitten nicht verletzen, und auf die Unreinlichkeitsitte basiert ihre ganze Lehre." „Hat denn der Talmud damals schon existiert? fragte der Provisor. „Ganz noch nicht, aber in einigen Teilen, welche die Sittengesetze und die Vorschriften über die Heiligung des göttlichen Namens enthalten." „Und das alles war auf dem Grabstein vermerkt?" „Nein, diese Mitteilung enthält ein anderer Grabstein. In dem neuentdeckten aber lesen wir: „Die Juden, welche von jeher einen Staat im Staate bilden und geschlossen für ihre Sonderinteressen eintreten, haben es verstanden, die Verordnung des Pharao zu Hintertreiben. Der Oberrabbiner von Gosen ließ nämlich die Hebammen sowie alle Juden nach der Synagoge kommen, bestieg die Kanzel, stieß in die Posaune und verhängte den Bann über die Hebammen, so sie nach dem Befehle Pharaos handeln würden. Auf den schüchternen Einwand der Hebammen, die in der Frauenabteilung versammelt waren, Pharao würde die ihnen geschenkten Häuser doch zurückverlangen, riet ihnen der Oberrabbiner, die Häuser sofort an Aegypten gegen Barzahlung zu verkaufen und das erstandene Geld an Offiziere gegen Wucherzinsen zu verleihen." Inzwischen wurde außen die Thüre leise geöffnet, der jüdische Makler schlich aus den Zehen in das Zimmer hinein und stellte sich hinter den Stuhl, auf welchem von Fressendorf saß. Dieser sowohl als auch seine Genossen, die vom Wein und der Erzählung schon etwas benebelt waren, hatten diesen Vorgang nicht gemerkt. Der Geschichtslehrer fuhr indessen fort: „Die Inschrift lautet zum Schluß: Ein unglücklicher Krieg — gegen welches Reich, ist leider nicht angegeben —. in den Pharao bald darauf verwickelt wurde, hatte ihn daran gehindert, den Rabbiner und die Hebammen für ihre Widerspenstigkeit zu bestrafen. Vor dem Tode aber befahl er seinen Hinterbliebenen, die Strafe an ihnen durch Blut und Feuer zu vollziehen." „Wohlan," rief der Zollbeamte, — „so wollen wir ihn rächen." „Ja wir," rief begeistert auch von Fressendorf aus, „wir wollen seine Nachfolger, seine Erben sein." Da bog der Jude sein Haupt über den Stuhl hinüber, so daß seine Nase bald die des Herrn von Fressendorf berührt hatte und sprach: „Wenn Sie, Herr von Fressendorf, der Erbe eines so mächtigen und reichen Königs sind, dann bezahlen Sie doch, bitte, was Sie mir schuldig sind." Druck und Verlag von Rudolf Moffe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.