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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-02-13 · Heft 7 (13.2.1903) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
Seite 82 (sequence 12)
Language
German
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8000 Franks. Ebenfalls im Oktober 1901 eröffnet sind die Knaben- und Mädchenschulen in Muquinz; die älteren beiden Schulen in Mogador, Tanger und Tetuan haben je 148 bezw. 125, 298 bezw. 246, 242 bezw. 280 Zöglinge. Die beiden Schulen in Tanger erhalten einen Zuschuß von über 12000 Franks. Die Schule in Tetuan, wo etwa 6000 Israeliten leben, ist die älteste. Da die ausgebildeten (meist dann auch ausgewanderten) Zöglinge die Gemeinde unterstützen, hat diese seit 1901 einen Zuschuß von 4000 Franks bewilligt. lieber das religiöse Leben der Inden berichtet V. Horowitz, Kvnsnlatssekretär in Tanger: „Im allgemeinen sind die marokkanischen Inden in den Details der religiösen Zeremonien minder minutiös als die strenggläubigen Juden anderer Länder. Religiöser Fanatismus und Zelotismus sind unter den dortigen Inden wenig zu finden. Die Gebote, sowie die Sabbate, Feier- und Fasttage werden vorschristsmäßig gehalten." An anderer Stelle berichtet Horowitz, daß sie selbst in den Küstenstädten sich nicht entschließen können, die nicht nach rituellen Borschriften erzeugten Weine zu genießen. Einzelne speziell jüdische Gerichte gelten als besonders wohlschmeckend und sind deshalb auch in außerjüdischen Kreisen nicht unbeliebt. So z. B. die Atüfina, das bei den europäischen Juden unter dem Namen Schalet bekannte Sabbatgericht. Bezüglich des Charakters der marokkanischen Juden zitiert Horowitz, in dem wir nach seiner gemütvollen Schreibweise wohl einen Glaubensgenossen vermuten dürfen, das geflügelte Wort von Karl Emil Franzos: „Jedes Land hat die Inden, die es verdient!" Nur die Furcht vor den Fremden im Lande und den Konsequenzen hält den Mauren von manchem bösen Streich an den Inden ab. Von der geringen Anzahl glücklicher Stammesgenvssen in den Küstenstädten erfährt der Jude, daß jenseits der Grenzen seines Landes tausende seiner Glanbensgenossen leben, Freie unter Freien, die einstmals ebenfalls gleich ihnen, Knechte der Geknechteten waren." Schardt schätzt die Zahl der Juden in Marokko auf 800000 Seelen, dagegen Horowitz aus über eine Viertelmillion. Beispiellos ist die Treue, mit der dort die während des 15. Jahrhunderts ans Spanien vertriebenen Inden noch jetzt den altkastilischen Dialekt, mit einzelnen hebräischen und arabischen Worten gemengt, sprechen. Die Juden des Innern Marokkos sprechen zumeist arabisch. Die Ethnographen erzählen auch von mehreren freien jüdischen Stämmen in der Sahara. Die theologische Gelehrsamkeit, die einst unter den Juden Marokkos einen hohen Grad erreicht hatte, ist, wie die hebräische Literatur, unter den gedrückten Umständen fast gänzlich verkommen. Horowitz erwähnt, daß im ganzen Lande dort überhaupt keine Druckereien in irgend welcher Sprache existieren. Früher stand es um die Wissenschaft unter den knlturfreundlichen Kalifen anders. Während die Mauren durch die Mischung mit den marokkanischen Negern immer mehr degeneriert sind, sind die Juden hellfarbig, einzelne von ihnen wahrhaft athletisch gebaut; meist von kräftiger Gesundheit unterziehen sie sich den schwersten Arbeiten. — In der Provinz Tafilet sollen sich jüdische Grabsteine befinden, die unzweifelhaft beweisen, daß daselbst bereits zur Zeit des selbständigen jüdischen Reiches Inden wohnten. Bei der früheren Unzugänglichkeit Marokkos dürften indes diese Grabsteine, die eine wissenschaftliche Untersuchung wohl verdienen, bisher noch nicht genügend erforscht sein. MI.I.LI'ON Pharaos Erden. Von I. L. Peretz. Aus dem Hebräischen übertragen von Albert Katz. II. M^^er Geheimrat G„" fuhr von Fresfendorf fort, „teilte mir ^2« vertraulich mit, daß ein neues Gesetz vorbereitet wird, das den jüdischen Damen nicht gestatten solle, die Hebammenschulen zu besuchen." „Bravo, bravo," riefen der Zollbeamte und der Geschichtslehrer und tranken auf das Wohl des Geheimrats. Der Provisor jedoch hatte in diesen Ruf nicht miteingestimmt. „Ich habe es Ihnen ja schon einmal gesagt," bemerkte er, quasi als Entschuldigung, „daß ich für die jüdischen Frauen keine Ausnahmegesetze wünsche." „Unsinn," polterte der Zollbeamte, „auch für die jüdischen Frauen müssen Ausnahmegesetze geschaffen werden; es sei denn, daß sie sich tauften." „Sehr richtig," versetzte von Fressendorf. „Wer das Volk der Juden ausrotten will und die Frauen verschont, dessen Mühe ist vergebens. Ich will es Ihnen, meine Herren, aus der Geschichte beweisen, und ich hoffe, daß unser Herr Geschichtslehrer mir zustimmeu wird: Wer hat dem Laban die heiligen Bilder gestohlen? Seine Tochter Rahel, die durch die Heirat mit Jacob zum Judentum übergetreten war." „Es stimmt," bestätigte Stanisla Bogdan. „Wer hat den Sisra getötet? Das Judenweib Jael. — Wer hat Holofernes enthauptet? Die berückende Judenhexe Judith." „Es stimmt, 's stimmt," riefen die anderen. „Wer hat Haman an den Galgen gebracht? Esther. — Wer hat es bewirkt, daß Casimir der Große, allen Edelleuten zum Trotz, den Juden in Polen besondere Rechte eingerüumt hat? Esther II." „Es stimmt," sagte der Geschichtslehrer, „und ich freue mich, daß gerade Sie, Herr von Fressendorf, mit Ihren Geschichtskenntnissen sich uns angeschlossen haben." „Indessen", fuhr er nach einem kräftigen Schluck fort, „dürfte es nicht ausgeschlossen sein, daß dem projektierten neuen Gesetze noch eine besondere Ursache zu Grunde liege. Sie müssen wissen, meine verehrten Herren, daß in der Geschichte das Gesetz der Vergeltung vorwaltet, ein jedes Volk wird nach seinen Handlungen belohnt. Wer einen Stein in die Luft wirft, der ist der Gefahr ausgesetzt, daß der Stein auf sein Haupt znrückfällt, sagt ein Brahmine, und dieses Wort ist wahr, wenn auch die Brahminen keine Christen, aber doch keine Juden sind; wer eine unreife Frucht ißt, sagen die Kirchenväter, dessen Zähne werden stumpf." „Aber verehrter Herr," rief ungeduldig der Provisor, „wozu die lange Vorrede? Sagen Sie uns doch gefällig, nzas war das für eine unreife Frucht, die die jüdischen Weiber genossen haben." „Nur Geduld, junger Herr," unterbrach ihn der Geschichtslehrer, „ich wollte nur sagen, daß, wenn auch die Strafe auf sich warten läßt, so bleibt sie doch nicht aus."

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