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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-02-13 · Heft 7 (13.2.1903) · p. Seite 81

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
Seite 81 (sequence 11)
Language
German
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81 des Stücks am Wohnsitz des Dichters, eine niemals widersprochene Tradition, die innere Wahrscheinlichkeit, da Sessa nur in Städten und Umgebungen lebte, wo er Juden kennen und ihren Dialekt studieren konnte, sowie die fernere, daß er auch sonst belletristisch tätig war, ja selbst Lustspiele verfaßte; auf der andern Seite die vollkommene innerliche Unwahrscheinlichkeit, begründet in dem Berufe, der Lebensweise, der sonstigen schriftstellerischen Tätigkeit und dein Schweigen des neugenannten Autors. Für den Erstem spricht Alles, Alles wendet sich gegen die Autorschaft des Letztem. Kann gegen diese mannigfachen Beweise eine Familientradition siegreich ins Feld geführt werden, die 36 Jahre nach dem Tode des Autors zum erstenmal schriftlich fixiert und 17 Jahre später, nachdem alle Zeugen längst dahin gegangen sind, die eigenes Wissen über die Angelegenheit besaßen, der Oeffentlichkeit übergeben wird? Ich glaube nicht. Nach meiner lleberzeugung ist nicht K. A. Maertens, sondern K. B. Sessa der Verfasser der Posse „Unser Verkehr". Me Juden in Marokko. Von M. Friedeberg. II. /^F^ank dem rastlosen Wirken der ^Iliaoeo israolilv hat sich der Bildungsstand der jüdischen Frauen und Mädchen in Marokko außerordentlich gehoben. Das jüdische Mädchen wurde bisher (d. h. vor Errichtung der 16 Allianceschulen, je acht für Knaben und Mädchen) geradeso, oder vielmehr ebenso wenig erzogen wie die Mohammedanerin. Es wuchs in Armut und Unwissenheit auf, wurde mit 12 Jahren an einen ihm ganz fremden Menschen verheiratet und vegetierte dann, mehr Sklavin wie Gattin ihres Mannes, in der Geistesnacht und dumpfen Luft der Mellha bis zum Tode. In diese Zustände hat die Alliance eine Bresche gelegt. Durch die Schulen können die marokkanischen Jüdinnen heute in wenigen Jahren sich eine Elementarbildung erwerben, welche sie hoch über ihre ungebildeten Geuossinnen erhebt, und welche sie befähigt, ihren Kindern dereinst nicht nur Mutter, sondern auch Erzieherin zu sein. Die Jahresberichte der Alliance berichten uns von den Schwierigkeiten, welche ihre Lehrer beim Unterricht in Marokko zu überwinden haben, obwohl das Streben und der Fleiß der Schüler ^ehr zu loben ist. So erzählte die Lehrerin in Tetuan, Fräulein Behar: „Denken Sie einmal, ich stoße beim Unterricht auf das Wort „Wagen". „Was ist ein Wagen?" Diese Frage kann mir einfach keine Schülerin beantworten, da keine derselben jemals einen Wagen gesehen hat." Es gibt nämlich keine Wagen in Tetuan und außer am Hofe des Sultans auch nicht in ganz Marokko. Infolge des herrschenden religiösen Fanatismus ist das Land noch unglaublich rückständig. Es kann uns daher nicht wunder nehmen, daß die meisten der in den Schulen der Alliance erzogenen jüdischen Jünglinge es vorziehen, auszuwandern; hauptsächlich wenden sie sich nach Venezuela oder den anderen Staaten des spanisch sprechenden Amerika, wo sie dank ihrer guten Schulbildung und der Beherrschung des Spanischen sich bald eine menschenwürdige Existenz gründen. Wie Rohlfs erzählt, haben ihm schon bei seiner ersten Reise im Innern dort Juden gute Dienste geleistet. Er berichtet Seite 23: „Es war Abend, als ich L'xor erreichte, mein Aufzug, halb europäisch, halb marokkanisch gekleidet, erregte natürlich^ das größte Aufsehen. Hunderte von Menschen umdrängten mich bald, schimpften und schrieen, auch marokkanische Juden kamen hinzu, und das war ein Glück für mich. Der Pöbelhaufe wollte mir nämlich nicht glauben, ich sei Mosliin.'uud wenn ich auch nicht alles verstand, merkte ich doch so viel, daß sie keineswegs vom Eindringen eines Christen in ihre Stadt^ erbaut gewesen wären; als aber die Juden, welche Spanisch verstanden, erklärten, ich fei allerdings Christ gewesen, habe aber die Religion der Gläubigen angenommen, verwandelte sich das Schimpfen in ein „Gottlob". Auch bei dem nun folgenden Besuch bei dem Kaid, der Ortsobrigkeit, verdankte Rohlfs den Juden, daß er im Ort bleiben durfte, obwohl es ihm schwer wurde, sich an die eigentümlichen Sitten zu gewöhnen. „Christ, laufe doch nicht immer auf und ab," rief mir ein alter Kaffeetrinker eines Abends zu, „ohne Zweck auf- und abgeheu tun nur die Tiere und ist hier nicht anständig." Ein Anderer: „Seht den ungläubigen Hund, wie er die Hände gefaltet hat (Rohlfs hatte es in Gedanken getan), gewiß betet er seine sündhaften Gebete." Rohlfs erwähnt anch die aus Europa stammenden Juden, deren Gesamtzahl er (wahrscheinlich zu niedrig) auf 200 000 Seelen angibt. Der größte Zuzug fand 1492 bei der Vertreibung aus Spanien statt. Vor der arabischen Invasion sollen einzelne Berberstämme zum Judentum übergetreten sein, und noch heute sollen im Atlas lebende Juden Waffen tragen u. s. w. Rohlfs schreibt: „Es ist das ein Irrtum. Ich habe jüdische Gemeinden des großen Atlas und fast sämtliche jüdische Ortschäften der Draa- und Taftlet-Oasen besucht, aber immer gefunden, daß sie sich vor der berberischen Bevölkerung auszeichnen durch anderen Körperbau, andere Gesichtsbildung und Sitten. Im allgemeinen sind die Juden schöner und kräftiger als die Araber. Die Jüdinnen namentlich zeichnen sich durch Schönheit aus, müssen dafür aber auch oft genug, sind sie in der Nähe eines Großen und Vornehmen, in dessen Harem l wandern." Null, auch für die marokkanischen Juden wird, wie wir nach der Planmäßigen Arbeit der Alliance, die dort auch Handwerker- und Ackerbauschillen für Knaben sowie Handarbeitsschulen für Mädchen eingerichtet hat, nach dieser Arbeit zur Hebung ihres Kulturzustandes schließen können einmal die Erlösungsstunde schlagen. Vorläufig sind die Eingeborenen weit hinter ihnen zurück. Dabei ist der Islam an und für sich, auch in Marokko, dem Judentum nicht abgeneigt. Findet doch anr 10. Dalhaja (auch die Marokkaner haben das Mondjahr) das große Fest zur Erinnerung des Opfers Abrahams (rück ei keim-) statt, welches drei Tage dauert. Auch ein Fest der Schriftgelehrten (aiä ol tllolbu) feiern die Eingeborenen. Wie dankbar müßten auch diese, da sie doch also nach ihrer Religion das geistige Interesse pflegen sollen, der Alliance für ihr Bildungswerk sein. — Es mögen zum Schluffe einige statistische Angaben über die Schulen der Alliance in Marokko folgen. Casablanca hat eine Schule für Knaben (etwa 295 Schüler) und eine für Mädchen (ca. 160), die Hauptstadt Fez: Knabenschule (103), Mädchenschule (216), die im Oktober 1901 eröffneten Allianceschuleu für Knaben und Mädchen in Larache haben je 118 und 62 Zöglinge, die in Marrakesch ungefähr ebenso, und erforderten letztere, da nur etwa 3000 Franks Schulgeld eingingen, eine Subvention von über

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