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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-02-13 · Heft 7 (13.2.1903) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 7 (13.2.1903)
Date
1903-02-13
Page
Seite 76 (sequence 6)
Language
German
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78 die Ausstellung des Meisterbriefes ihm die Qualifikation und die Rechte eines Handwerkers verliehen haben. Bei der Aufhebung des Zunftwesens wurde nun diese freilich nur für die Juden wichtige Funktion der Zünfte gewiß nicht ganz absichtslos vergessen, sodaß kein jüdischer Handwerker den Behörden gegenüber sich fortan als solcher mehr legitimieren kann. Damit ist der jüdische Handwerker nun der Willkür des Tschinowniktums preisgegeben, von dessen gutem Willen allein es nunmehr abhängt, ob er ihn als Handwerker anerkennen will oder nicht. Zahlreiche Gouverneure außerhalb des Ansiedelungsrayons haben sich tatsächlich bereits beeilt, durch Erlaß von willkürlichen Bestimmungen das Gesetz vom Jahre 1865 cke taeto aufzulösen und dem jüdischen Handwerker die Auswanderung nach Zentralrußland zu erschweren. Gleichzeitig hat der „liberale" Finanzminister dafür gesorgt, daß der so im Ansiedelungsrayon festgehaltene jüdische Handwerker sein Los nicht etwa durch Errichtung von Kreditgenossenschaften erleichtern könnte. Ein im letzten Viertel des abgelaufenen Jahres erfolgter Erlaß ordnete an, daß der Berwaltungsrat einer solcher ausschließlich von Juden begründeten Genossenschaft zu Zweidritteln aus Christen bestehen muß. Damit ist der aussichtsreiche Versuch der jüdischen Handwerker, ihre Lage auf dem Wege der Selbsthülfe zu verbessern, im Keime erstickt worden. Die Hundertjahrfeier der Gesellschaft „Humanität" in Hasset. (A^^crch hundert Jahren klingt sein Wort und seine Tat dem Enkel wieder." D.ieses tröstliche Wort, das die stetige Fortwirkung des Guten verkündet und dem edlen Streben der Menschen Unvergänglichkeit verheißt, ist durch die Jubelfeier der „Humanität" bestätigt worden. Ein volles Jahrhundert ist dahingegangen, seitdem ein von wahrhafter Humanität erfüllter Menschenfreund jene Vereinigung gegründet. Stürme, die alle Verhältnisse des menschlichen Lebens aufs tiefste erschüttert und die einen völligen Umschwung in Handel und Wandel, in Staat und Wissenschaft hervorgebracht haben, sind spurlos an ihr vorübergerauscht. In stiller Abgeschiedenheit unter dem göttlichen Schutze verbreitete sie Segen nach allen Seiten. Das Gute bleibt ja nicht auf einen engen Kreis beschränkt, und so dürfte auch die Feier in vielen anderen Gegenden unseres engeren und weiteren Vaterlandes Interesse wachrufen. Ueber dieselbe berichtet man von dort: „Eine weihevolle Stimmung lag über den vielen hundert Damen und Herren, die sich in dem im Festschmucke prangenden Hanuschsaal vereint hatten. Unter den zahlreich geladenen Gästen bemerkten wir die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden. Stimmungsvoll erklang die musikalische Einleitung der Feier und der schön gesungene Choral „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Dieser und die übrigen Gesänge, welcher in angemessener Weise in den Pausen zwischen den einzelnen Ansprachen eingelegt waren, wurden rein und ausdrucksvoll vorgetragen von einem aus Mitgliedern der Gesellschaft gebildeten Quartett, welches Herr Kapellmeister Lion dirigierte. Als die letzten Töne des Chorals verklungen waren, richtete der jetzige Vorsitzende der „Humanität", Herr Bankier Fiorino, begrüßende Worte all die Festgesellschaft, indem er die Geschichte der Gesellschaft in großen Umrissen schilderte. Durch hundert Jahre hindurch war die Gesellschaft „Humanität eifrigst bestrebt, durch Wohltun, durch Erziehung, durch Förderung und Unterstützung voll Talenten Idealen zu leben, der bürgerlichen Gesellschaft tüchtige und brauchbare Menschen zuzuführen. Eins lange Reihe von Handwerkern, Technikern, Lehrern, Gelehrten und Künstlern haben wir während der hundert Jahre ausgebildet ödes tatkräftig gefördert. Welch' eine ereignisvolle Zeit hat unsere Gesellschaft in den hundert Jahren ihres Bestehens an sich vorüberziehe r sehen, wie hat sie des Lebens Schicksal an sich selber erfahren müssen! Errichtet unter der Regierung des Landgrafen Wilhelm IX spiegelte sich die schwere Kriegszeit des ersten Jahrzehnts des 19. Iah - Hunderts auch in den Schicksalen unserer Gesellschaft. Ihr erstir Direktor war der Arzt und Philosoph Lucius Liffmann, geboren zu Kassel 1772, gestorben 1868. In den Satzungen, welche Liffmanu redigierte, bezeichnet er als Hauptzweck der Humanitätsgesellschaft die gegenseitige Veredelung und edle Handlungen, als Nebenzweck d e Wohltätigkeit. In den Kriegsjahren ruhte die Arbeit der Gesellschaft im innern und nach außen, wurde jedoch 1813 mit erneute n Eifer wieder ausgenommen. Im Jahre 1827 erhielt die Gesel - schaft die noch heute gültigen Satzungen, an deren Stelle rn t Vollendung des 100. Jahres ihres Bestehens die Gesellschaft „Huma nität" wiederum neue Satzungen angenommen hat, deren § 1 in Auszug lautet: Der Zweck der Gesellschaft ist die Vorbereitung, Erziehung und Ausbildung bedürftiger israelitischer Knaben und Jürq linge, zunächst aus dem Regierungsbezirke Kassel. Sie tritt dieserhM mit wohltätigen Personen und Anstalten in Verbindung, sorgt für Aufnahme unbemittelter Knaben in die Handwerkslehre und übernimmt ganz oder teilweise die Zahlung des Lehrgeldes; tauglichen Jünglingen, welche sich dem Lehrfache oder einer Wissenschaft widmen wollen, gewährt sie nach Maßgabe ihrer Mittel Beihilfen. Im Rechnungsjahr 1902 hatte die „Humanität" 29 Zöglings, gegen 34 im Jahre 1901 und 23 in 1900. Davon wurden Bäcker. Buchbinder, Gärtner, Kaufleute, Mechaniker, Metzger, Sattler, Schneider, Schuhmacher, Seifensieder. Schriftsetzer und Tapezierer, für welche cui Lehrgeld, Unterhalt und Bekleidung 2200 Mark verausgabt wurden. Mit den Vereinen zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden in Köln, Düsseldorf und Frankfurt a. M., der Anstalt in Ahlem und dem Lehrlingsheim Marburg ging man Hand in Hand. Es erhielten ferner 11 Seminaristen, vier Gymnasiasten und Präparanden, em Student der Medizin, zwei Studenten der Philosophie, je ein Eli dierender der Chemie, Maschinentechnik, Schiffsbautechniker und zw i Elektrotechniker in runder Summe 2700 Mark. Vorschüsse, Unte - stützung und Darlehen an Handwerker für Beschaffung von Betrieb - Maschinen, Unterstützung von bedrängten Familien, um sie Wied r erwerbsfähig zu machen — stehen mit 3000 Mark in der Jahre - rechnung. — Drei Lehrer in Dienst und zwei frühere Lehrer, wie fü ü Lehrer bei der Fahne zur Ermöglichung ihrer rituellen Beköstigm g wurden mit 1000 Mark bedacht. Es dürste noch besonders interessiere g daß von einem nicht genannt sein wollenden Freund der „Humanitä 6000 Mark anläßlich der 100 jährigen Stiftungsfeier übersandt Word n sind mit der Bedingung, daß ans den Zinsen alljährlich arme, aUe oder invalide israelitische Handwerker aus der Provinz Hessen-Nasscu unterstützt werden sollen. Das Vermögen der .Gesellschaft beträgt gegenwärtig 47 200 Mark in mündelsicheren Wertpapieren, 3000 Me k Salomon Goldschmidt-Stiftung, von welchen die Ortsarmen im l nachbarten Hoof die Jahreszinsen und zwar halb die christliche!, halb die israelitischen Armen erhalten. Hierzu kommen noch 6000 M^k durch die heutige Stiftung. Die Gesellschaft zählt zur Zeit 327 M tglieder. Im letzten Jahre hat die „Humanität" durch den Tod dis verdienstvolle Vorstandsmitglied Herrn Bernhard Hohenthal, sein er die Herren Gustav Behrens, Abraham Frenkel, Hesekiel Rosenkra z, Jakob Cohn in Kassel und Hermann Meyerhof in Hamburg verlor n. Die Versammlung ehrt das Andenken der Verstorbenen durch Erheb n von den Sitzen. Nach einem Vortrage des erwähnten Männerquartetts ergriff sodann Herr Landrabbiner Dr. Prager das Wort zu einer eindrucksvollen, Herz und Gemüt bewegenden Festrede. Er sprach von der Humanität im biblischen Sinne. Unter großer Bewegung seiner Zuhörerschaft hatte Herr Dr. Prager die Festrede, an welche sich ein Gebet schloß. Client Herr j Ztnspro .,M Lindrui em Ei 00 Jal ie Zah h nach hastlic ieser E ne gr 5esellsä emeins -e anz^ -t. Ab Realen löübt v igen si agen si ielen! nsere u einai ein oh .ahrhu siegt z ielleich mnerh s war siegt a es Me iefem Oesellsä er wir lufgab eitern 'achseu aster L Es siberpi unmb Her fl nd ei asses i chloß Lentra owie i chaft i lötig, oenn unsere; Lehrer das S> Ur Gering sachlich Aeußer

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