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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-30 · Heft 5 (30.1.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 5 (30.1.1903)
Date
1903-01-30
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 dem er im Gegensatz zu den Hypothesen Friedrich Delitzsch' Israel die Priorität seines Gottesglaubens und seiner Sittenlehre unbedingt zuerkannte. — Am Mittwoch Abend fand im großen Saale der Lessingloge eine äußerst zahlreich besuchte Versammlung des Zeutralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt- Zunächst begrüßte der Leiter der Versammlung Dr. Reich die als Gäste erschienenen Berliner Vorstandsmitglieder, Rechtsanwalt Dr. Horwitz und Generalkonsul Eugen Landau, gab seiner Freude über den so zahlreichen Besuch Allsdruck und streifte dann in kurzer Rede die Ereignisse der letzten Jahre. Der Hauptredner des Abends. Rechtsanwalt Horwitz-Berlin, entwickelte sodann die Ziele des Vereins. Zum Schluß sprach Redner die Hoffnung ans. am zehnjährigen Stiftungsfeste des Vereins, das am 1. und 2. Februar in Berlin gefeiert wird, bereits von der Gründung einer Ortsgruppe Breslau berichten zu können- Daraus ergriff Generalkonsul Eugen Landau-Berlin das Wort. Er könne eigentlich der Rede des Herrn Rechtsanwalts Horwitz nichts neues mehr hinzusügen, nur das eine möchte er noch besonders hervorheben, daß es der Verein als eine seiner Hauptaufgaben betrachte, alles das niederzuhalten, was der Gesamtheit schaden könnte. Die Ausführungen der beiden Redner, die starken Beifall auslösten, boten den Anlaß zu einer lebhaften Diskussion, in welcher auch mehrere Zionisten das Wort ergriffen. Ihnen traten unter großem Beifall de* Versammlung Rechtsanwalt Horwitz und Rabbiner Dr. Guttmann entgegen. Zum Schluß schritt man zur Bildung einer Ortsgruppe Breslau und nahm den vorgelegten Statutenentwurf en bloe an. In den Vorstand wurden gewählt die Herren Stadtrat Pringsheim. Dr. May. Spediteur D. N. Schlesinger, Rechtsanwalt Hirschberg, Dr. Alfred Goldschmidt, Dr. Karl Alexander, Professor Dr. Badt, Rechtsanwalt Kalisch, Kommerzienrat Ledermann. Kaufmann Emannel Breslauer, eruaä. mecl. Walter Steinitz. Die Wogen der Debatte, die manchmal recht hoch gingen, glätteten sich schließlich, so daß fast sämtliche Anwesenden — auch die Zionisten — der neuen Ortsgruppe beit raten. X Rativor, 22. Januar. Die Beerdigung des Rabbiners Dr. Blumenthal fand am 19. d. M. statt. Im Trauerhause sprach Rabbiner Dr. Löwenthal-Tarnowitz, ein Freund und Studiengenosse des Verstorbenen, Worte des Abschieds von den Räumen, in denen der Verewigte gelebt und gearbeitet hat. Der Trauerzug bewegte sich hieraus nach der Synagoge, die sterbliche Hülle des Verblichenen wurde in der Nähe der heiligen Lade aufgebahrt. Das geräumige Gotteshaus konnte die Menge der Erschienenen kaum fassen. Anwesend waren Vertreter der Behörden, n. a. Landgerichtspräsident Liudenberg, Landgerichtsdirektor Deittert, Oberbürgermeister Bernert, Bürgermeister Westram, ferner Gymnasialdirektor Dr. Nadtke, Realgymnasialdirektor Dr. Knape und die Leiter der anderen Schulen. Nach feierlichem Chorgesang — die Mitwirkung der Orgel hatte sich Dr. Blumenthal, der der konservativen Richtung angehörte und nur der Gemeinde zu Liebe in die Ausstellung der Orgel gewilligt hatte, letztwillig verbeten — betrat Rabbiner Dr. Nosenthal-Breslau die Kanzel und rühmte in zu Herzen gehenden Worten die seltenen Vorzüge des so plötzlich aus seinen» Schaffen herausgerissenen Seelsorgers, an dem die Gemeinde mit verehrungsvoller Liebe hing und der auch ihr mit ganzem Herzen und all seiner Krast zugetan war. Der Redner rühmte den sprühenden Geist des Dahingeschiedenen, seine Liebenswürdigkeit gegen jedermann, seine unablässige Fürsorge für alle Leidenden und Bedürftigen ohne Unterschied der Konfession. Mit Dankesworteu für den Toten und Trostesworten au die trauernden Angehörigen schloß die Rede. Nach ergreifendem Gesang des Kantors wurde der Sarg wieder gehoben und zun» Leichenwagen gebracht. Und nun gab ein kaum zu übersehendes Gefolge dem geliebten Seelsorger das letzte Geleit hinaus zur Stätte des Friedens. Voran gingen die jüdischen Schülerinnen und Schüler sämtlicher hiesiger Schule»». In der Leichenhalle des Friedhofes sprach der Schwager des Verblichenen, Rabbiner Dr. Freund-Ostrowo. im Name»» der Familie herzliche Abschiedsworte >m den Tote»» und gab dem Dank derselben an die Behörde»», die Gemeindeverwaltung und alle Erschienenen Ausdruck. Als Vertreter des Öberschlefischen Gemeiudeverbandes sprach Amtsgerichtsrat Lewy- Beuthen. Nach Chorgesang und Gebeten des Kantors wurde der Sarg zum Grabe gebracht, woselbst der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Hugo Schück, mit bewegten Worten von dem Freunde Abschied nahm. >tach kurzen Worten der Rabbiner Ellguther-Neisse und Dr. Emmerich- Beuthen schloß sich das Grab. l. Dessau, 23. Januar. Das Testament der Baronin von Cohn-Oppenheim ist am 13. d. M. in Berlin eröffnet worden. Nach Mitteilungen des Oberbürgermeisters Dr. Ebeling sind die Stadtgemeinde Dessau und die israelitische Kultnsgemeiude zu gleichen Teilen Miterben. De»» beiden Miterben ist die Pflicht auferlegt, eine Reihe von Legaten und Bestimmungen zur Ausführung und Auszahlung zu bringe»». Nach de»» aufgestellte»» Berechnungen ergebe sich, daß auf jeden Teil je drei Millionen Mark entfallen. Wie wir weiter erfahren, sind eine Anzahl von Legaten ausgesetzt, und zwar an den Dentschen Kaiser ein Legat von zwei Millionen und an die Verwandten je eine Million Mark. Die Erbschaft der Stadt und der Israelitischen Kultusgemeülde wird unter den» Namen einer „Baronin vor» Cohu- Oppenheim-Stiftung" als Kapital erhalten und die Zinse»» zu gemeinnützigen Zwecken verwendet werden. Die Feststellung der Zwecke ist unter Angabe einiger allgemeiner Bestimmungen dem Gemeinderat überlasse»» und unterliegt der vorherigen Prüfung und Genehmigung des Testanientsvollstreckers Herr»» Justizrat Ernst in Berlin. Weiter werden uns noch folgende Einzelbestimmuugen des Testaments bekannt: Sr. Hoheit dem Herzog hat die Verewigte ihr ueuerbautes Palais aus der Kavalierstrabe zu freier Verfügung hinterlassen, während das alte Stammhaus »»eben dem Palais in ein jüdisches Stift umgewandelt werden soll. 100 000 Mark sind bestimmt zum Bau einer Synagoge in Dessau. Ferner sind Legate zugedacht den Städten Wörlitz und Oranienbanm, den Ortschaften Gohrau und Horstdorf, de»» Angestellten der Firma I. H. Cohn und einzelnen Bürgern unserer Stadt, welche der Erblasserin in Freundschaft nahe gestanden haben. Außerdem sind der Freiwilligen Sanilätskolonne von» Rote»» Kreuz Dessau 30000 Mark verschriebe»». N. Hamburg, 20. Januar. Herr Jttlio Hirsch »na NI», ein angesehenes Mitglied unserer Gemeinde, ist infolge einer Operation, welcher er sich in Berlin unterzog, im besten Mannesalter von 55 Jahren aus dem Leben geschieden. Der Verblichene, Seniorchef des weit über Hamburg hinaus bekannten Exporthauses Hirschmanu u. Co., genoß in der Kaufmannswelt hoher Achtung und Wertschätzung. Trotz seines ausgebreiteten Geschäftes widmete er sich mit ganzer Hingebung der Verwaltung gemeinuütziger und Wohltätigkeits-Institutionen unserer Gemeinde. Die Armen und Bedrängte»» beweinen ihren Wohltäter, der ans seinen reichen Mitteln gern und willig der Not steuerte. Die Beerdigung fand gestern Morgen von der Kapelle des Israelitischen Friedhofes in Ohlsdorf aus statt. In der Friedhofskapelle hatte sich schon lange vor Beginn der Trauerfeier eine große Anzahl Leidtragender eingesunden. Unter den Erschienenen bemerktel» wir namentlich viele Vertreter der Handels- und Finanzwelt, Mitglieder der Bürgerschaft. Delegierte des Repräsentantenkollegiums und anderer Gemeindeinstitutioneu. Der Vorstand der neuen Dammtor-Synagoge, zu deren Begründer»» der Verewigte zählte, war vollständig erschiene»». Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr. M. Grunwald, der ein getreues Bild der Tätigkeit des Dahingeschiedenen entwickelte. Mit Trostesworten an die Hinterbliebene Gattin und Kinder schloß die wirknugsvolle Rede. In» Namen der Verwaltung der Neuen Dammtor-Synagoge widmete Herr Martin Fränkel den» treuen langjährigen Mitarbeiter noch einige tiefempfundene Worte des Nachrufes. Unter den Klängen des Psalm 91 wurde der Sarg zur Gruft getragen; am offenen Grabe sprach Rabbiner Dr. M. Grunwald »»och ein Gebet und Segensworte, womit die Trauerfeier ihr Ende erreicht hatte. — In der gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und des Repräseutanten- Kolleginms unserer Gemeinde wurde an Stelle des verstorbenen Herrn Jakob Reis HerrA. Lew a»»d o wsky gewählt. DerJnhaber des bekannten Bankhauses A. Lewandowsky ist bereits seit längerer Zeit sowohl in» Repräsentanten-Kollegiun» als in der Verwaltung des Waisenhauses und anderer Gemeindeinstitutionen mit Erfolg tätig. Die Wahl, welche mit Einstimmigkeit erfolgte, wird in weiteren Gemeindekreisen als eine glückliche bezeichnet. U-r. München, 22. Januar. Ein cmgesehe»»es Mitglied der hiesigen Kultnsgemeinde wurde heute zu Grabe getragen, begleitet von einer schier endlosen Zahl von Teilnehmenden, darunter Vertreter der Handelskammer, des Königlichen Landgerichts München 1. Es war dies der Lederhändler und ehemalige Handelsrichter Ludwig Lang. In ergreifenden Worten schilderte Rabbiner Dr. Werner das Lebe»» dieses Mannes, welcher, ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle, sein Geschäft zu großer Blüte brachte und bis zu seiner vor zwei Jahre»» eingetreteuen Er"

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