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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-30 · Heft 5 (30.1.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 5 (30.1.1903)
Date
1903-01-30
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Geschichten Psalinen Verrvendet, währeild sie hingegen für die nachbiblische Geschichte ihre eigentliche Verwendung finden müssen. Zu dieser Methode leiten geradezu die Ergebnisse der neueren Bibelsorschung, wie es verschiedene Beispiele dartun, so die Vergleichung von Psalm 16 mit Jesaias 65, 1 oder Psalm 102 mit Stellen aus Nehemia, Psalm 9. 135 und Esra, Psalm 5, 9 mit inneren Zuständen aus der Makkabäerzeit. Die historische Behandlung der Psalmen findet aus der Mittelstufe statt. Aus der Oberstufe soll die Behandlung der Psalmen eine systematische sein, insoweit in ihnen lyrische Reflexion über ethische Ideell der Propheten (Gerechtigkeit, Güte, Wahrheit) und priesterliche Moral zum Ausdruck gelangen oder die Fülle rein religiöser Ideell, wie sie im Psalter aus der Personifikation der abstrakten Gottesidee hervorgehen. (Allmacht, Zeitlosigkeit, Allgegenwart.) Die ethischen und religiösen Ideen aus den geeigneten Psalmen zu entwickeln, ist auf dieser Stufe die Hauptaufgabe. Daneben sind die poetischen Mittel, deren sich der Psalter bedient, zu berücksichtigen (Personifikationen, Gleichnisse, Bilder, Parallelismus n. a. m.). Im Anschluß an seine Ausführungen stellte der Referent mehrere Thesen auf. Nach mehrstündiger Diskussion verschob die Versammlung die Weiterberatung und endgültige Beschlußfassung der Thesen auf die nächste Sitzung. Der Vorsitzende machte sodann einige interne Mitteilungen und schloß, nachdem die nächste Sitzung aus den 21. Mai 1903 festgesetzt war, die Versammlung um 3'/^. Uhr. Nach der Sitzung hielt ein gemeinsames Mahl die Mitglieder noch länger beisammen. Berlin, 22. Januar. Der Verein „Jü dis che Lesehalle und Volksbibliothek" hielt am 20. d. M. in seinen Räumen (Oranienburgerstr. 28) seine neunte Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Max Ginsberg, begrüßte die Erschienenen und erstattete dann in lichtvoller Darlegung den Bericht über die in jeder Hinsicht erfreuliche Wirksamkeit des Vereins und über seine Entwickelung im Vorjahre, welche hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei, indem es nicht gelang, die knappen Einnahmen zu steigern. Die Bibliothek, ^welche 3186 Bände (gegen 3051 im Vorjahre) umfaßt, wurde von 270 Lesern, die den verschiedensten Ständen und Berusszwcigen angehören, fleißig benutzt und zwar nicht nur die belletristischen. sondern auch die wissenschaftlichen, namentlich die historischen Schriften. Die Lesehalle, in welcher 57 Zeitungen (26 deutsche. 8 englische. 5 französische, 4 hebräische, 3 russische, 2 polnische, 2 jüdischdeutsche, 1 holländische) ausliegen, wurde a i Werktagen voll durchschnittlich 40-50, an Sabbatheu und Sonntagen von.80—100 Personen besucht. Wie der Vorsitzende mitteilte, werden am 1. April d. I. in demselben Hause, in dem das Institut sich gegenwärtig befindet, neue, wesentlich größere und geeignetere Räume bezogen werden. An die Verlesung des Kassenberichts, welcher an Einnahmen 3200 Mark, an Ausgaben 2366 Mark auswies, knüpfte der Schatzmeister, Herr Benas Levy, Worte gerechten Dankes an den Vorsitzenden und seine Familie, deren Hochherzigkeit sich auch im Vorjahre für den Verein gabenwillig betätigte. Redner betonte gleichfalls, daß eine Steigerung der Einnahmen dringendst geboten sei, wenn die Institute auf der Höhe ihrer Aufgabe bleiben, geschweige denn die seit lange erstrebte Erweiterung finden sollen. Nach einstimmiger Erteilung der Decharge wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder, die Herren Heinr. Frankel, Dr. M. Ginsberg, Dr. Hirsch Hildesheimer, Dr. Gustav Karpeles, Benas Levy, Oberlehrer Dr. Schäfer, G. Spiewkowski und Dr. Zlocisti wieder-, die Herren Dr. Alexander und Oberlehrer Dr. Rosenberg neugewählt. Nach einem lebhaften Gedankenaustausch über die Frage, wie das materielle und ideelle Interesse weiterer Kreise für den Verein geweckt werden könne, schloß der Vorsitzende mit dem Appell, daß jeder der Anwesenden unter Freunden und Bekannten werbend sich bemühen möge, die sehr angeregt verlaufene Versammlung. k'. Berlin, 27 Januar. Der Maler Hermann Strnck hat, einer seiner Zeit in diesen Blättern gegebenen Arrregung folgend, eine Reihe von Porträtradierungen hervorragender jüdischer Gelehrten begonnen. Das Bild des verstorbenen Professors Steinthal ist kürzlich fertig geworden und findet vielen Allklang. Aus der jetzt eröffneten „Schwarz-Weiß-Ausstelluug der Berliner Secession" hat Struck elf Originalradirungen allsgestellt, darunter sieben in einem Rahmen vereinigte Blätter aus einem Zyklus „Vom Rande Berlins", ferner eine neue, bisher noch nicht ausgestellte Radierung „Russischer Rabbiner" und das voll uns bereits besprochene „Habdalah". Gerade diese jüdischen Stoffe scheinen anzusprechen, denn letztere beiden Radierungen sind bereits, trotzdem die Ausstellung erst kürzlich eröffnet ist verkauft. - Königsberg, im Januar. Unter dem Vorsitz des Sladtrats Magnus fand am 28. v. M. die Generalversammlung des Hilfsvereins der deutschen Iuden für den Bezirk Ostpreußen statt. Die Versammlung — es waren einige 60 Personen einschließlich Damen erschienen — bot ein recht erfreuliches Bild von dem Interesse, das hierorts den Bestrebungen dieser Vereinigung entgegengebracht wird. Der Vorsitzende entwickelte zunächst ein Bild von der Wirksamkeit des hiesigen Zweigvereins während der kurzen Zeit seilles Bestehens. Die Einnahmen betrugen 4384,69 Mark, die Ausgaben 4306 Mark. Der Erfolg ist, wenn auch nicht glänzend zu nennen, immerhin ein erfreulicher, und sehr auzuerkennender- An gutem Willen hat es auch in der Provinz nicht gefehlt, doch scheint der wirtschaftliche Rückgang sich dort stärker als in der Hauptstadt fühlbar gemacht zu haben. Im Anschluß hieran erstattete der Vorsitzende eingehenden Bericht über die Entstehung, Entwickelung und bisherige Tätigkeit des über ganz Deutschland ausgebreiteten Hilfsvereins. Aus Königsberg gehören dem Zentralkomite an : Stadtrat Magnus, Bankdirektor Marx und Konsul Litten. Es folgt daun die Verlesung eines mit vielem Beifall aufgenommenen Referats des Jnstizrats Cassel über die Ziele und Aufgaben des Hilssvereins. Dann schloß der Vorsitzende seinen Bericht über die Entwickelung und bisherige Tätigkeit des Hilssvereins mit dem Wunsche, daß der von der Alliance isrn^lite betätigte Wahlspruch, die Solidarität sämtlicher Glaubensgenossen, sich gegenseitig zn stützen und helfen, auch unser Motto sein möge. Nach dem Satze: „Hilf dir selbst und Gott wird Helsen", wollen wir unentwegt die Ziele und Zwecke unseres Vereins verfolgen. An diese mit Beifall anfgenommenen Ausführungen schlossen sich hochinteressante Mitteilungen des Professor Dr. Lassar- Cohn über die sozialen Verhältnisse der deutschen Juden in der Türkei ulld Kleiuasien. Der Vortragende schilderte insbesondere auf Grund aus eigener Anschauung im Orient gesammelter Erfahrungen den Segen, welchen ein geordneter Unterricht gerade dort bedeute, und die großen Ausgaben, welche nach dieser Richtung noch erfüllt werden müssen. Auch diese Ausführungen ernteten den reichen Beifall der Versammlung. welche nach Inständiger Dauer geschlossen wurde. In die ausgelegte Liste zeichnete sich eine Anzahl Anwesender mit einem Jahresbeiträge ein. Dieselbe soll sodann bei denjenigen hiesigen Glaubensgenossen zirkulieren, welche sich bisher noch nicht angeschlossen haben. 1'. Lchivelbeitt, im Januar. Am 25. v. M. beging das langjährige Vorstandsmitglied Rentier Salomon Borchardt seinen siebzigjährigen Geburtstag. Herr Borchardt ist circa 38 Jahre in der Verwaltung tätig und hat sich die Liebe und Achtung nicht nur der Gemeindemitglieder, sondern der ganzen Stadt und des Kreises erworben. Er ist seit langen Jahren stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher, Mitglied des Kreistages und Direktor der Vorschußkasse. Eine Deputation des Vorstandes und der Repräsentanten brachte dem Herrn Borchardt die Glückwünsche der Gemeinde und überreichte ihm die Doreesche Prachtbibel. Der Vorsitzende des Vorstandes, der Mühlenbesitzer Herr Max Salomon, hielt eine zu Herzen gehende Ansprache, worin er besonders hervorhob. daß Thora, Awando und Gemilluschessed iu seinem Hause stets geübt worden seien.—Hierauf dankte Herr Borchardt mit bewegten Worten und versprach, auch ferner seine Kräfte in den Dienst der Gemeinde stellen zu wollen. e. Wrescheu, 18. Januar. Durch königliches Patent vom 24. v. M. ist, wie bereits kurz gemeldet, Herr Kreisarzt Dr. Michael so hu hier zum Medizinalrat ernannt worden. Herr Medizinalrat Dr. M., der hier circa 12 Jahre amtiert, erfreut sich in den Kreisen aller Konfessionen außerordentlicher Beliebtheit lind Wertschätzung. — In gestriger Stadt - verorduetensitzung wurde Herr Rechtsanwalt P eyser wieder als Vorsteher gewählt; dieses Amt versieht derselbe schon mehrere Jahre in so umsichtiger und unparteiischer Weise, daß das Vertrauen der Stadtverordneten ihn stets zu demselben beruft. Unter den achtzehn Stadtverordneten sind sechs Juden. Als Schriftführer wurde Herr Hermann Ziegel gewählt. 8t. Breslau, 24. Januar. Am 19. d. M. hielt im Verein für höhere Mädchenschulbilduug Herr Professor Dr. Coruill, der Vertreter der alttestamentlichen Exegese an hiesiger Universität, einen Vortrag über Humanität im alten Israel und im Alten Testament, in

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