Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1903)
- Date
- 1903-01-23
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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die Besoldung der Lehrkräfte selbst den betr. Synagogen-Gemeinden überlassen bleibt. Wir stellen daher anheim, sich wegen Ihrer Remunerierung an die dortige Krejs-Synagogen-Gemeinde zu wenden, gez. Kammer." Begreiflicherweise sehe ich in dieser Antwort trotz des freundlichen Rates, in den sie ausklingt, keine Aufhellung in beregter Hinsicht. Ich bitte nun, um eventuell weitere Schritte in dieser Angelegenheit tun zu können, die Herren Kollegen, deren Religionsunterricht aus der königlichen Gymnasialkasse mit 110 Mark für je eine Wochenstunde besoldet wird, mir sreundlichst umgehend ihre werten Namen mitzuteilen, und danke ihnen im Voraus herzlich für die gütige Unterstützung. Sache des Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland wäre es, nach Aufbringung des nötigen exakten Materials für die in ihrem Recht geschmälerten Kollegen an maßgebender Stelle einzutreten. Darüber vielleicht noch mehr! --- Kolberg, 16. Januar. Der 28. Bericht, den die Verwaltung des Jüdischen Kurhospitals hier herausgibt, lautet nicht so günstig wie im Vorjahre. Der noch immer andauernde Niedergang sämtlicher wirtschaftlichen Verhältnisse, unter dessen Druck bekanntlich ja in erster Reihe die gemeinnützigen und Wohltätigkeitseinrichtungen empfindlich leiden, ist auch an diesem Werke der Armen-und Krankenpflege nicht spurlos vorübergezogen. Die zumeist aus der freien Wohltätigkeit zufließenden Mittel zur Erhaltung des Hauses sind stark hinter den Vorjahren zurückgeblieben, und zum erstenmale seit einer langen Reihe von Jahren ist auch ein nicht unbedeutender Rückgang der fortlaufenden Jahresbeiträge zu verzeichnen. Wenn gleichwohl die Leistungen der Anstalt sich nicht bloß auf derselben Höhe erhalten, sondern sogar noch eine weitere Steigerung erfahren haben, so ist das dem glücklichen Umstande zu danken, daß es den Anstrengungen der Leitung gelungen ist, die recht namhaften Ausfälle wenigstens zum Teil durch die Gewinnung neuer Freunde und Erschließung neuer Einnahmequellen wieder zu ergänzen. Nach Abzug des aus dem Vorjahre vorgetragenen Kassenbestandes haben die Rein- Einnahmen nur die Höhe von 31 241,75 Mark erreicht, gegen 41 216.71 M. im Vorjahre. Dazu gehören als erheblichste Einnahmequelle die Jahresbeiträge im Betrage von 15 994,40 Mark, die gegen das Vorjahr um 1067 Mark zurückgeblieben sind. Die Ausfälle aus den laufenden Jahresbeiträgen waren, wie schon bemerkt, im Berichtsjahre ganz besonders hoch und konnten nur zum Teil durch den Beitritt neuer Mitglieder wieder ausgeglichen werden. Auch die einmaligen Beiträge zeigen gegen das Vorjahr einen nicht unbedeutenden Rückgang, indem sie im ablaufenden Verwaltungsjahr nur die Höhe von 3113.50 M. erreichten. Am 26. Mai wurde der Anstaltsbetrieb eröffnet, am 29. Sept. geschlossen und währte demnach 127 Tage. Wegen Aufnahme sind 925 Bittsteller vorstellig geworden, wovon nach eingehender Prüfung 462 Personen die Ausnahme genehmigt wurde. Eingetreten sind jedoch nur 381 Personen, während 81 von der ihnen zugebilligten Aufnahme keinen Gebrauch gemacht haben; darunter wieder 19. die teils garnicht, teils erst so spät sich abgemeldet haben, daß ihr freigewordener Platz nicht mehr anderweitig vergeben werden konnte. Es wurden im Berichtsjahre 265 Personen in Freistellen und 116 Personen in Zahlstellen verpflegt. An den Wohltaten der Anstalt waren folgende Länder und Provinzen beteiligt: Berlin mit 233, die Provinz Posen mit 53, Pommern mit 30, Schlesien mit 27. Westpreußen mit 11, Brandenburg mit 8, Königreich Sachsen mit 6. Ostpreußen und die freie Reichsstadt Hamburg mit je 4, Hessen-Nassau mit 3. Galizien und Palästina mit je 1 Pflegling. Darunter waren 163 männlichen und 218 weiblichen Geschlechts, dem Alter nach 197 Erwachsene und 184 Kinder (99 Knaben und 85 Mädchen). a. Ralihor, 17. Januar. Einen großen und schweren Verlust hat unsere Gemeinde zu beklagen. Am 14. d. ist hier nach kurzem Leidenslager der Rabbiner Dr. Adolf Blumenthal im 41. Lebensjahre gestorben. Mit ihm verliert unsere Gemeinde einen treuen Seelsorger, das Judentum einen edlen und begabten Vertreter seiner idealen Interessen. Geboren in Berlin, hat der Verewigte seine Studien am dortigen Rabbinerseminar zurückgelegt und seither in unserer Gemeinde als Rabbiner und Prediger mit Eifer und Hingabe gewirkt. Auch in den Literaturvereinen Deutschlands galt Blumenthal als einer der beliebtesten Redner. Ebenso verliert die A. Z. d. I. in ihm einen treuen und geschätzten Mitarbeiter. Die Trauer ist hier eine allgemeine. Das Andenken des in der Blüte der Jahre von einem tückischen Leiden dahingerafften Mannes wird aber weit über den Kreis seiner engeren Wirksamkeit hinaus ein gesegnetes bleiben! v. Chemnitz, 19. Januar. Am 13. d. M. hielt der Synagogenchorverein seine vierte Generalversammlung ab. Der Bericht ergab eine Zahl von 96 aktiven und passiven Mitgliedern. Neben der Ausgestaltung und Verschönerung der Gottesdienste fand auch das weltliche Lied unter der kunstverständigen Leitung seines Dirigenten, des Herrn Oberkantors N. Goldberg, reichlich Pflege. Nach Abgabe des Kassenberichts, der ein reichliches Plus ergab, wurde der alte Vorstand mit großer Stimmenmehrheit wiedergewählt. k*. Münster i. W., 14. Januar. Am 4. d. M. waren es 25 Jahre, seitdem der Seminarlehrer Dr. S. Mansbach sein Amt an der Marks- Haindorfschen Stiftung Hierselbst angetreten hatte. Sowohl die ehemaligen als auch die jetzigen Schüler des Herrn Jubilars brachten demselben Ovationen dar. Eine Deputation, bestehend aus den Herren Lilienfeld-Steele, Kaufmann-Essen und Ostermann-Bochum, überreichte im Aufträge der ehemaligen Zöglinge des Seminars als Angebinde einen Tafelaufsatz nebst zwei Fruchtschalen. Hierbei feierte Herr- Lilienfeld mit schwungvollen Worten die Tätigkeit des Jubilars als Lehrer wie als Freund seiner Schüler. Im Namen des Kuratoriums gratulierte der Präses desselben, Herr I. Stern, und überreichte ein Ehrengeschenk. Auch die Kollegen des Herrn Jubilars beteiligten sich an den Ovationen, die demselben von nah und fern zu teil wurden Sehr viele Telegramme und schriftliche Glückwünsche trafen am selben wie am folgenden Tage ein. Am Abende brachten die Seminaristen ein Ständchen, wobei der Seminarälteste im Aufträge seiner Kameraden ein prächtiges Mosesbild von Michelangelo widmete. Bei dem Festessen im Hause des Jubilars brachte Herr Seminardirektor Dr. Spanier den ersten Toast aus. Alsdann feierte der Kollege und langjährige Freund des Herrn Jubilars. Seminarlehrer Feiustein, die Kollegialität, welcher längeren Ausführung er die Worte Schillers: „Aus der Kräfte schön vereintem Streben erhebt sich wirkend erst das wahre Leben" zu Grunde legte. Den Schluß der Feierlichkeiten bildete ein Kommers der Seminaristen, der am Abende des 6. d. M. stattfand und zwar ebenfalls im Hause des Jubilars. Möge derselbe noch recht viele Jahre zum Wohle der Anstalt wirken! ck. St. Wendel, 4. Januar. Am 6. v. M. fand in unserer Gemeinde die Einweihung eines neuen Gotteshauses statt. Am Fasttage hatte die ganze Stadt ohne Unterschied der Konfession Ftaggenschmuck angelegt. Dre Weihe des Hauses vollzog der großherzogliche Landesrabbiner des Fürstentums Birkenfeld, Herr Dr. Lewit, in sehr würdiger und ergreifender Rede über den Satz des Psalmisten: „Wer darf den Berg des Herrn besteigen, wer darf stehen an heiliger Stätte?" Im alten Bethause saud vorerst ein Abschiedsgottesdienst statt, in dem der treubewährte, beliebte Lehrer und Kantor der Gemeinde, Herr- Josef Fuchs den Gottesdienst verrichtete und Landesrabbiner Dr. Lewit herzliche Worte des Abschiedes sprach. Den Greisen der Gemeinde überreichte Dr. Lewit die Thorarollen, die dieselben in feierlichen! Festzuge, dem sich die gesamte Gemeinde nebst oer Schuljugend sowie die Spitzen der Behörden, viele auswärtige Gäste uud Bewohner der Stadt teiluahrnen. Dem Festzuge zur neuen Synagoge schritt die Kapelle des Infanterieregiments Nr. 30 „Graf Wenden" unter Leitung des k. Musikdirektors Herr Recketh voran, die in ergreifender Weise einen Choral spielte, der von Herrn Oberkantor Fuchs aus Luxemburg, einem Sohn des hiesigen Lehrers, zu diesem Zwecke komponiert war. Nach Ansprachen der Schülerin Emmy Rothschild, des Rabbiners, des ersten Vorstandes Herrn Moritz Rothschild, eröffnete Bürgermeister- Friedrich mit dem Ausdrucke herzlicher Glückwünsche das Gotteshaus, während dessen die Kapelle intonierte. Unter den Ehrengästen bemerkten wir Herrn Landrat Dr. Momm als Vertreter der Negierung, die evangelische Geistlichkeit, den Gymnasialdirektor, den Architekten sowie andere Notavilitäten. Oberkantor Fuchs aus Luxemburg, der die gesangliche und musikalische Leitung des Festgottesdienstes übernommen hatte, verstand es, durch seineu meisterhaften Gesang die Zuhörer so zu fesseln, daß eine feierliche Stunmung sich derselben bemächtigte. Der Synagogenchor, unter der trefflichen Leitung des Herrn Lenol, erwarb für seine guten Leistungen allgemeine Anerkennung. Der Festgottesdienst hinterließ bei allen Zuhörern einen mächtigen Eindruck. Beim ersten Sabbatgottesdieust hatte ebenfalls Landesrabbiner Dr. Lewit den homiletischen Teil übernommen, während Herr Oberkantor Fuchs-Luxemburg den gesanglichen ausführte. An die religiöse Feier schloß sich noch ein Konzert und ein Festball an. Wie sich Herr Oberkantor Fuchs als Sänger bewährte, so zeigte sich auch am Konzertabend seine Tätigkeit als Komponist und Dirigent, indem unter